Warum Patek Philippe bei SammlerInnen weiter die Nase vorn hat
Der Zweitmarkt für Luxusuhren gewinnt wieder an Stärke – allerdings längst nicht für alle Marken gleichermaßen. Das zeigt der aktuelle Quartalsbericht von Morgan Stanley auf Basis von Daten von WatchCharts. Zum Stichtag 29. Juni 2026 verbesserte sich die sogenannte Value Retention bei sieben der acht untersuchten Marken gegenüber dem ersten Quartal. Besonders bemerkenswert bleibt dabei die Position von Patek Philippe: Die Genfer Manufaktur liegt beim Werterhalt weiterhin vor Rolex und Audemars Piguet.
Die in der Statistik verwendete Kennzahl Value Retention setzt die offiziellen Verkaufspreise ins Verhältnis zu den Preisen, die auf dem Grau- und Gebrauchtmarkt erzielt werden. Ein positiver Wert bedeutet entsprechend, dass Uhren einer Marke im Durchschnitt oberhalb ihres Listenpreises gehandelt werden. Für SammlerInnen ist die Kennzahl interessant, weil sie einen Hinweis darauf gibt, wie begehrt eine Marke auch nach dem Kauf bleibt.
Patek Philippe führt vor Rolex und Audemars Piguet
Mit einer durchschnittlichen Value Retention von 15,4 Prozent führt Patek Philippe das Ranking zum Ende des zweiten Quartals 2026 an. Rolex folgt mit 9,8 Prozent, Audemars Piguet erreicht 3 Prozent. Danach öffnet sich eine bemerkenswert große Lücke: Bei den übrigen untersuchten Marken liegen die Werte deutlich im negativen Bereich. Cartier kommt auf -27,4 Prozent, Tudor auf -25,7 Prozent, Omega auf -32,3 Prozent, Vacheron Constantin auf -37,2 Prozent und IWC auf -37,9 Prozent.
Patek Philippe bleibt auch 2026 eine der gefragtesten Marken auf dem Zweitmarkt.
Patek PhilippeAuch im Jahresvergleich zeigt sich die Stärke der Spitzenreiter. Bei Patek Philippe verbesserte sich die Value Retention innerhalb von zwölf Monaten um 10,4 Prozentpunkte, bei Rolex um 7,2 Prozentpunkte. Bemerkenswert ist das auch deshalb, weil beide Hersteller ihre offiziellen Verkaufspreise erhöht haben. Die Preise am Sekundärmarkt entwickelten sich also noch stärker.
Der Markt bleibt damit stark polarisiert. Nach Jahren, in denen viele Modelle vom Uhrenboom profitierten, konzentriert sich die Nachfrage inzwischen stärker auf bestimmte Marken und Referenzen. Patek Philippe, Rolex und Audemars Piguet bilden dabei weiterhin eine Art Spitzengruppe.
Aquanaut und Nautilus bleiben die Stars
Wie unterschiedlich die Situation selbst innerhalb einer Marke aussehen kann, zeigt ausgerechnet Spitzenreiter Patek Philippe. Die Aquanaut wird durchschnittlich 90 Prozent über Listenpreis gehandelt, die Nautilus liegt 74 Prozent darüber. Auch die noch junge Cubitus erreicht ein Plus von 63 Prozent. Ganz anders sieht es bei der klassischen Calatrava aus: Sie liegt rund 34 Prozent unter ihrem offiziellen Verkaufspreis.
Aquanaut und Nautilus erzielen auf dem Zweitmarkt weiterhin deutliche Aufschläge.
Patek PhillippeDabei ist selbst ein hoher Aufschlag keine Garantie für dauerhaft steigende Preise. Die Cubitus verlor beim Werterhalt innerhalb eines Jahres 17 Prozentpunkte. Das deutet darauf hin, dass sich der enorme Hype nach ihrer Vorstellung 2024 etwas normalisiert.
Bei Rolex zeigt sich ein ähnliches Gefälle. Die Oyster Perpetual liegt 35 Prozent über Liste, die Daytona bei 34 Prozent und die GMT-Master bei 25 Prozent. Eine Submariner erreicht dagegen nur acht Prozent Aufschlag, während die Sea-Dweller mit minus 21 Prozent deutlich unter Listenpreis gehandelt wird.
Besonders interessant sind die Bewegungen am anderen Ende der Tabelle. Die IWC Ingenieur liegt zwar weiterhin 25 Prozent unter Liste, konnte ihre Value Retention gegenüber dem Vorjahr aber um sechs Prozentpunkte verbessern. Auch die Tudor Black Bay bleibt mit minus 35 Prozent vergleichsweise schwach, legte binnen eines Jahres jedoch um fünf Prozentpunkte zu.
Der Zweitmarkt erholt sich – aber selektiv
Das Gesamtbild ist damit positiver als noch vor einiger Zeit. Bereits im ersten Quartal 2026 waren die Preise am Sekundärmarkt laut Morgan Stanley um 1,9 Prozent gestiegen. Der WatchCharts Overall Market Index lag im Mai auf Jahressicht sogar mehr als zehn Prozent höher.
Von einer Rückkehr zu den teils extremen Verhältnissen des Pandemie-Booms kann dennoch keine Rede sein. Auch aktuelle Entwicklungen bei Golduhren zeigen, wie selektiv der Markt geworden ist: Seit April sind die Preise verschiedener stark gehandelter Goldmodelle wieder gefallen. Die Rolex Daytona Oysterflex aus Gold verlor beispielsweise rund vier Prozent.
Für Sammler liefert der aktuelle Report deshalb vor allem eine Erkenntnis: Nicht Luxusuhren generell gewinnen wieder an Wert, sondern besonders gefragte Kollektionen. Und hier besitzt Patek Philippe derzeit die stärkste Position. Dass Aquanaut und Nautilus trotz gestiegener Listenpreise derart hohe Aufschläge erzielen, erklärt, weshalb die Manufaktur beim Werterhalt weiterhin vor Rolex und Audemars Piguet liegt.