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TAG Heuer: Tiefenrausch

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© PR
Er ist (unter anderem) Unternehmer, lässt sich aber nicht gerne in eine Schublade der Uhrenbranche stecken. Er kleidet sich praktisch, neigt aber auch zum Philosophieren. Entsprechend unkonventionell fällt die Antwort aus, wenn man Ludwig Oechslin nach seiner Lieblingsuhr fragt: "Das ist diejenige, welche ich gerade am Handgelenk trage – ich muss sie ausprobieren, um festzustellen, ob sie korrekt funktioniert, da ich sie gerade als Prototyp hergestellt habe."
Denn Oechslin ist nicht nur Teilhaber an der Uhrenfirma Ochs und Junior, sondern auch der Kopf hinter ihren Innovationen und dem Design der Uhren. So findet sich in der Kollektion etwa ein Modell, das die Mondphase zeigt, indem es den Erdtrabanten auf einer Scheibe durch einen Zifferblatt-Ausschnitt wandern lässt. Nicht nur, dass der Mond dabei eine symbolisch dargestellte Erde umkreist, der Zifferblattausschnitt hat auch noch die Form seiner Sichel. Astronomische Uhren begleiten Oechslin schon lange: 1978 bis 1982 restauriert und dokumentiert er die Farnesianische Uhr im Vatikan. Und es ist auch schon mehr als 30 Jahre her, dass Rolf Schnyder, der 2011 verstorbene CEO von Ulysse Nardin, während seiner Suche nach einem Konstrukteur für astronomische Komplikationen auf Oechslin trifft. Dieser entwickelt denn für Ulysse Nardin als erstes ein Astrolabium, es folgen weitere komplexe Modelle wie die Freak und ein Ewiger Kalender. Von 2001 bis 2014 leitete Oechslin das Musée International d’Horlogerie in La Chaux-de-Fonds, hat Mathematik, Astronomie, Archäologie und theoretische Physik studiert.

Universal gesehen: Der Mensch und die Uhr

Auf die Frage, wie er zu den Uhren gekommen sei, antwortet er launig: "Aus Notwendigkeit, weil ich eine Uhr brauchte, um rechtzeitig zu den Vorlesungen an der Uni zu kommen." In der akademischen Karriere folgen Promotion und Habilitation, doch Oechslin absolviert auch eine Uhrmacherlehre und legt den Meister ab. Für ihn sind Handwerk und Wissenschaft keine Gegenpole, sondern verbinden sich in der Uhrmacherei: "Für mich ist alles eine Einheit, das eine ergänzt das andere. Historisch-wissenschaftliche Arbeiten ergeben den Fundus für die kreative Tätigkeit." Einen ganz praktischen Effekt habe die Vielseitigkeit auch: "Geistige Arbeit ist Ferien von handwerklicher und umgekehrt." Man darf also gespannt sein, welche Überraschungen Ludwig Oechslin der Uhrenbranche noch bringt. Die abschließende obligatorische Frage nach seinen Uhren-Plänen beantwortet Oechslin jedenfalls – wenn auch in gewohnt unkonventioneller Weise – vielversprechend: "Ich denke öfter an eine Fasnachtsuhr, aber davon wissen vorläufig nur die Götter – und Reden ist Silber, Schweigen ist Gold." Fast mag man sich wünschen, dass die Uhrenbranche sich ein wenig von seiner Sichtweise zu eigen macht.

Protokoll: Gwendolyn Benda

Die "Lieblingsuhr" ist eine Artikelserie des UHREN-MAGAZINS über Persönlichkeiten mit besonderem Bezug zur mechanischen Uhr. Worin liegt die Faszination der Mechanik? Wie kommt man überhaupt dazu, sich mit mechanischen Uhren auseinanderzusetzen? Welche ist die Lieblingsuhr dieser Person? Um diese – und manchmal auch völlig andere – Themen drehen sich die Gespräche.

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