Laurent Ferrier Grand Sport Tourbillon Iceberg: Understatement mit verstecktem Tourbillon
Bei Tourbillons macht eigentlich der Blick auf die rotierende Mechanik den Reiz aus. Laurent Ferrier geht beim Grand Sport Tourbillon Iceberg den entgegengesetzten Weg: Von vorn verrät kaum etwas, welche Konstruktion sich im Inneren befindet. Das Tourbillon bleibt unter dem Zifferblatt verborgen und wird erst durch den Saphirglasboden sichtbar. Neu ist bei der Iceberg der Auftritt: Ein Titangehäuse im typischen Laurent-Ferrier-Design umschließt ein helles, opalinfarbenes Zifferblatt mit feinen blauen Reflexen.
Von Le Mans zur Grand Sport
Die Grand-Sport-Linie hat bei Laurent Ferrier einen persönlichen Hintergrund. 1979 startete der gleichnamige Schweizer Rennfahrer, der aus einer Uhrmacherfamilie stammt und 2009 seine eigene Marke gründete, gemeinsam mit François Servanin und François Trisconi bei den 24 Stunden von Le Mans. Das Trio erreichte im Porsche 935 Turbo von Kremer Racing den dritten Gesamtrang – unmittelbar hinter dem zweitplatzierten Porsche mit Dick Barbour, Rolf Stommelen und Paul Newman. 2019 übertrug Ferrier diese Verbindung zum Motorsport erstmals in eine Sportuhr mit Tourbillon. Das damalige Modell kombinierte ein 44 mm großes Stahlgehäuse mit Kautschukband und dem Handaufzugskaliber LF619.01. Bereits ein Jahr später folgte die erste Grand Sport mit integriertem Stahlband. 2022 erschien eine Variante aus Rotgold, 2023 schließlich die Pursuit aus Titan Grade 5. Die Iceberg führt diese Titan-Ausführung weiter.
Fast weiß, aber nicht ganz
Ein großer Teil der Faszination, den die Iceberg ausübt, stammt von ihrem Zifferblatt: Es ist Weiß, aber mit einem leichten hellblauen Schimmer versehen. Mit der außergewöhnlichen Farbwahl will die Marke an Schnee und Packeis erinnern. So kommt eine ganz andere Anmutung ins Spiel als beim kräftigen Lachston des Vorgängermodells. Die typischen tropfenförmigen Stundenmarkierungen und die sogenannten Assegai-Zeiger bestehen aus Weißgold und erhalten eine Rutheniumbeschichtung. Weiße Superluminova sorgt für die Ablesbarkeit bei Dunkelheit.
Das Tourbillon auf der Rückseite
Wie immer ist Laurent Ferrier auch hier ein Meister des Understatements. Das zeigt sich schon bei der Beschriftung: Während der Markenname noch normal lesbar gestaltet ist, findet sich der Modellname "Tourbillon Grand Sport“ dezent Ton in Ton oberhalb der kleinen Sekunde. Noch deutlicher wird das aber beim Tourbillon. Es gibt nur wenige Marken, die das Tourbillon von vorn unsichtbar machen. Patek Philippe verfolgt diese Politik oft (aber nicht immer), und auch bei A. Lange & Söhne, Arnold & Son, Biver und F.P. Journe findet man solche Beispiele. Nicht immer ist der Grund bei diesen Marken das Understatement: Manchmal hat das Tourbillon aufgrund zusätzlicher Komplikationen keinen Platz auf der Vorderseite oder man will ein bestimmtes Zifferblattdesign nicht stören. Bei Laurent Ferrier ist es aber Teil der Markenphilosophie.
Das Tourbillon ist nur durch den Glasboden sichtbar.
Laurent FerrierDas Kaliber LF619.01 ist ein Handaufzugswerk mit 80 Stunden Gangreserve und einer Taktung auf 3 Hertz (21.600 A/h). Sein Tourbillon besitzt zwei einander gegenüberliegende Spiralfedern. Sie sollen die seitliche Verlagerung der Unruhwelle ausgleichen und damit die chronometrische Stabilität verbessern. Hinzu kommt eine Schraubenunruh mit variabler Trägheit. Die Rotation des Tourbillons wiederum soll Lagefehler in vertikalen Positionen mitteln. Auch die Finissierung gehört zum Kern des Konzepts. Die Brücken sind horizontal satiniert und rutheniumbeschichtet, der Tourbillonkäfig und seine Brücke werden von Hand bearbeitet. Das betrifft u. a. nicht weniger als 30 von Hand finissierte Innenwinkel – eine Arbeit, die maschinell kaum durchzuführen ist. Der lange Sperrkegel wiederum orientiert sich an chronometrischen Konstruktionen des 19. Jahrhunderts und soll beim Aufziehen ein bewusst mechanisches Feedback erzeugen.
Das Minutentourbillon ist mit zwei Spiralfedern ausgestattet.
Laurent FerrierGroß, aber leicht
Das Gehäuse besteht aus Titan Grade 5. Dadurch bringt die Uhr trotz ihrer Größe von 44 mm Durchmesser und 13,4 mm Höhe nur 118 Gramm auf die Waage. Laurent Ferrier kombiniert mehrere Oberflächenbearbeitungen: Die kissenförmige Lünette ist kreisförmig satiniert, ihre Flanken sind poliert. Am tonneauförmigen Mittelteil treffen vertikale und horizontale Satinierungen auf polierte Flächen. Auch das dreigliedrige Titanband spielt mit satinierten Oberflächen und polierten Fasen. Das leicht gewölbte Saphirglas nimmt die weichen Konturen des Gehäuses auf. Auf der Rückseite gibt ein weiteres Saphirglas den Blick auf das Werk frei. Die Wasserdichtheit beträgt 100 Meter.
Die Laurent Ferrier Grand Sport Tourbillon Iceberg, Referenz LCF044.T1.C3GC1, kostet 175.000 Schweizer Franken zuzüglich Steuern und ersetzt die Grand Sport Tourbillon Pursuit innerhalb der regulären Kollektion.