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Lesedauer 6 Min.

Ist meine Uhr wasserdicht?

Pflege- und Tragetipps für Ihre Uhr: Was die Herstellerangaben wirklich bedeuten – und worauf Sie achten sollten.
Omega testet die Seamaster Planet Ocean 600m mithilfe eines Prüfgeräts im Wasser
Omega testet die Seamaster Planet Ocean 600m mithilfe eines Prüfgeräts im Wasser
© PR

Wer gern mit der Uhr am Arm unter die Dusche springt oder im Sommer eine Abkühlung im Badesee sucht, sollte sich fragen: Hält meine Uhr den Sprung ins Wasser aus? Kann mein Chronograph zuverlässig die Zeit im Freibad stoppen? Oder geht meine Uhr sprichwörtlich „baden"? Die Herstellerangaben auf Armbanduhren – meist in Meter, Fuß oder Bar – geben keinen direkten Hinweis darauf, ob die Uhr Schwimmen, Schnorcheln oder Tauchen aushält. Wir erklären, was die Angaben wirklich bedeuten.

Was bedeutet "wasserdicht"? 

Eine „wasserdichte" Armbanduhr ist nicht automatisch komplett dicht, sondern entsprechend ihrer Bauweise und nach einem definierten Prüfverfahren mehr oder weniger vor Wassereinbruch geschützt. Die technische Angabe ist dabei verwirrend: 30 Meter Wasserdichtheit bedeuten nicht, dass man mit der Uhr bis zu 30 Meter in die Tiefe tauchen kann. Für den Alltag bedeutet dies, dass bei unsachgemäßer Behandlung durchaus Wasser in die Uhr eindringen kann, wenn sie zum Beispiel zu lange im Wasser liegt oder zu hohem Wasserdruck ausgesetzt wird. Manche Uhren sind nur spritzwasserdicht, das heißt, sie überstehen einige Sekunden im Wasser. Andere Fabrikate dagegen sind für längere professionelle Tauchgänge ausgelegt, was dann eine entsprechende Angabe auf der Uhr erforderlich macht. 

Der Begriff „wasserdicht" wird in der DIN-Norm 8310 festgelegt. Danach gilt eine Uhr als wasserdicht (ohne Angabe eines Drucks), wenn sie im Neuzustand die drucktechnische Prüfung besteht: 30 Minuten in 1 Meter Wassersäule (ca. 0,1 Bar), anschließend 90 Sekunden in 20 Meter Wassersäule (ca. 2 Bar). Die Uhr wird somit einem maximalen Druck von ungefähr 3 Bar ausgesetzt.

Die DIN-Norm definiert zwar die Wasserdichtheit bei Uhren, lässt aber keinen direkten Rückschluss darauf zu, wie tief ich mit meiner Uhr tauchen kann. Dennoch sollte jeder Uhrenträger genau wissen, ob und wie lange er mit seinem Zeitmesser baden oder tauchen gehen darf. Denn Wasser ist der natürlich Feind der Uhr.

Fortis Marinemaster
Fortis Marinemaster: Die Krone der Marinemaster M-44 ist mit einem dreifachen Dichtungssystem versehen. © Fortis

Wie wird eine Uhr wasserdicht gemacht? 

Uhrenhersteller erreichen Wasserdichtheit, indem sie das Gehäuse an verschiedenen Stellen abdichten. „Gefahrenpunkte", an denen Wasser eindringen kann, sind der Gehäuseboden, der Rand des Uhrglases sowie die Krone. Um eine Uhr wasserdicht zu machen, werden an Boden und Glas Dichtungsringe eingesetzt. Diese können aus verschiedenen Materialien wie Kunststoff, synthetischem Kautschuk oder Kork bestehen. Für die Krone ist die Abdichtung komplizierter, schließlich führt sie direkt ins Innere des Uhrwerks. Die meisten wasserdichten Uhren sind mit verschraubten Kronen ausgestattet, die ein komplexes Innenleben besitzen und aus bis zu zehn Einzelteilen bestehen können – darunter O-Ring-Dichtungen, Feder und Gewinde.

Schwachstellen auch bei wasserdichten Uhren 

Uhrengehäuse sind aus mehreren Materialien zusammengesetzt, die bei Temperaturschwankungen unterschiedliche Ausdehnungskoeffizienten haben können. Die Dichtungen unterliegen einem natürlichen Alterungsprozess und können unter anderem von Schweiß, Kosmetika und Badezusätzen angegriffen werden. Besonders gefährdet sind Uhren, die nach einem längeren Sonnenbad durch einen Sprung ins Wasser deutlich abgekühlt werden. Der Druck beim Auftreffen auf die Wasseroberfläche in Kombination mit dem Unterdruck durch die Abkühlung kann zu Schäden führen. Weniger gasdurchlässig, chemisch resistenter, aber auch teurer als die gängigen schwarzen Dichtungen aus Nitril sind solche aus grünem Viton.

Das geht mit 3, 5, 10 oder 20 Bar 

Die Druckangaben in Bar lassen sich zwar in Wassertiefen umrechnen, aber zu diesem statischen Druck kommt unter Wasser noch der dynamische Druck durch Bewegungen hinzu. Diese Tabelle zeigt, welche Druckangaben für welche Aktivitäten empfohlen werden:

 

PrüfdruckKennzeichnungHändewaschenBaden/DuschenSchwimmenTauchen
3 Bar3 BarJaNeinNeinNein
5 Bar5 BarJaJaNeinNein
10 Bar10 BarJaJaJaNein
20 Bar+20 Bar+JaJaJaJa

Was bedeutet "200 Meter oder 20 Bar wasserdicht"? 

Die Druckfestigkeit wird in Bar Überdruck angegeben, der Umgebungsluftdruck von einem Bar wird nicht mitgezählt. Die Angabe 20 Bar (alternativ auch 20 atm) steht für den Druck, der in 200 Metern Tiefe herrscht. Diesem Druck hält die Uhr stand. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass man mit der Uhr in dieser Tiefe tauchen kann. Nach der DIN-Norm 8306 wird die Uhr diesem Druck eine Stunde lang ausgesetzt. Anschließend muss sie eine weitere Stunde einem um 25 Prozent höheren Druck (entspricht 250 Metern Tiefe) standhalten. Mit einer Uhr ab 20 Bar Druckfestigkeit kann man unbesorgt tauchen gehen.

Nicht mit jeder Uhr können Sie Tauchen gehen. Was welche Angabe zur Wasserdichtheit bedeutet, zeigt das Bild. © WatchTime

Einmal wasserdicht – immer wasserdicht? 

Nein. Wasserdichtheit ist keine bleibende Eigenschaft. Die Aussage zur Wasserdichtheit ist immer nur eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt der Prüfung. Durch Alterung, Abnutzung und Beschädigungen kann sich der Zustand jederzeit ändern. Die Dichtungen altern und werden im Laufe der Zeit spröde. Hohe Temperaturschwankungen, Schweiß, aber auch Sonnencreme begünstigen dies. Wer Wert auf die Wasserdichtheit seiner Uhr legt, sollte diese einmal pro Jahr überprüfen und gegebenenfalls Dichtungen austauschen lassen.

Die neue Sinn 613 St UTC verbindet die Eigenschaften einer Taucheruhr, eines Chronographen und einer Uhr mit zweiter Zeitzone.

Die neue Sinn 613 St UTC verbindet die Eigenschaften einer Taucheruhr, eines Chronographen und einer Uhr mit zweiter Zeitzone.

© Sinn

Was ist eine Taucheruhr? 

Die Anforderungen an Taucheruhren gehen noch weiter. Die Taucheruhrennorm DIN 8306 regelt unter anderem, wie lange eine Uhr einem Druck in einer bestimmten Wassertiefe standhalten muss. Sie legt auch fest, dass Taucheruhren eine Einrichtung zur Vorwahl einer bestimmten Zeitspanne haben müssen – beispielsweise einen Skaleneinstellring (Drehlünette), der gegen unachtsames Verstellen gesichert sein muss. Vorgeschrieben sind Minutenteilungen auf Zifferblatt und Einstellring, die sich deutlich von den Fünf-Minuten-Markierungen unterscheiden. Die Norm regelt weiter, dass die Uhr sowohl bei Helligkeit als auch im Dunkeln aus 25 Zentimetern Abstand ablesbar sein muss. Die Uhren müssen mit dem Wort „Taucheruhren" in Verbindung mit der vorgesehenen Tauchtiefe in Metern gekennzeichnet sein. Nur volle 100-Meter-Werte dürfen angegeben werden.

Diese 13 Punkte werden bei DIN 8306 geprüft: 

  • Ablesbarkeit 
  • Gangverhalten 
  • Antimagnetismus 
  • Stoßsicherheit 
  • Befestigungselemente 
  • Dichtheit bei Luftüberdruck 
  • Salzwasserbeständigkeit 
  • Skaleneinstellring 
  • Funktionssicherheit der Betätigungseinrichtungen 
  • Funktionssicherheit bei Wasserüberdruck 
  • Temperaturbeanspruchbarkeit 
  • Kronen, Drücker und ähnliche Betätigungseinrichtungen 
  • Dichtheit bei Wasserüberdruck (25% über der Kennzeichnung)

Wenn Uhren diese Anforderungen erfüllen, dürfen sie mit dem Wort Taucheruhren in Verbindung mit der vorgesehenen Tauchtiefe in Metern gekennzeichnet werden. Die bloße Kennzeichnung mit dem Wort Taucheruhr ist nicht zulässig. 

Wie wird die Wasserdichtheit geprüft? 

Der Fachhändler überprüft die Uhr mit einem speziellen Dichtheitsprüfgerät. Dazu wird die Uhr hineingelegt und mit einem Deckel luftdicht verschlossen. Anschließend erzeugt das Gerät einen Unterdruck. Sensoren messen, ob sich das Uhrengehäuse wie erwartet durch den Unterdruck ausdehnt. Die Verformung sollte bestehen bleiben, wenn der Zeitmesser vollständig dicht ist. Die Hersteller testen Taucheruhren vor der Auslieferung zudem auf den angegebenen Druck plus einer Sicherheitsreserve von 25 Prozent. Um sicherzustellen, dass langfristig keine Luftfeuchtigkeit in die Uhr gelangt, gibt es den sogenannten Beschlagtest. Bei diesem wird die Uhr erwärmt und anschließend ein Tropfen Wasser auf das Deckglas gegeben. Der Tropfen kühlt das Glas ab. Wischt man den Tropfen weg, kann man sehen, ob darunter auf der Innenseite Wasser kondensiert ist.

Ein Prüfgerät wie der Witschi Proofmaster M kann die Wasserdichtheit trocken testen © Witschi

Pflegetipps für wasserdichte Uhren 

  • Nach dem Schwimmen im Meerwasser: Uhr mit sauberem Leitungswasser abwischen 
  • Wasserdichtheit einmal pro Jahr überprüfen lassen 
  • Dichtungen bei Bedarf austauschen lassen 
  • Nach längeren Sonnenbädern nicht direkt ins kalte Wasser springen 
  • Krone immer vollständig verschrauben 
  • Individuelle Gebrauchsanweisungen des Herstellers beachten

Hinter der scheinbar einfachen Frage nach der Wasserdichtheit steckt also deutlich mehr, als man denken würde. Ein Zeitmesser, der zum Schwimmen und Tauchen verwendet wird, sollte bei Nichtgebrauch, wie alle Uhren, pfleglich behandelt und gelagert werden.

Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert.

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