Meister der Zeit – Sechs unabhängige Visionäre der modernen Haute Horlogerie
Unabhängige Uhrmacher prägen die Haute Horlogerie heute mit technischer Innovationskraft, künstlerischer Perfektion und individueller Vision. Wir stellen sechs herausragende Persönlichkeiten vor, die mit außergewöhnlichen Werken und einzigartigen Komplikationen die Zukunft der mechanischen Uhr maßgeblich mitgestalten – vom traditionellen Handwerk bis zur radikalen Neuinterpretation.
Raúl Pagès
Raúl Pagès#1 Raúl Pagès – Traditionsbewahrer und Meister der Mikromechanik
Raúl Pagès, geboren 1983 in der Schweiz, kombiniert klassische Handwerkskunst mit zeitgenössischem Anspruch. Bevor er begann, eigene Zeitmesser zu entwerfen, widmete er sich der sorgfältigen Restaurierung hochkomplexer antiker Mechanikuhren. Diese Arbeit erforderte nicht nur herausragendes handwerkliches Geschick, sondern auch ein tiefgehendes Verständnis historischer Techniken und Materialien. Dadurch entwickelte Pagès eine außergewöhnliche Sensibilität für Präzision und Detailgenauigkeit, die seine seit 2012 gefertigten Meisterwerke der traditionellen Uhrmacherkunst maßgeblich prägen.
Technisch und ästhetisch brillant
Pagès’ Kaliber beeindrucken durch klassische Konstruktion und raffinierte, zeitgemäße Details. Die Veredelung verbindet traditionelle Dekore mit stilistischer Klarheit – jedes Werk ein Kunststück mikromechanischer Eleganz.
Bedeutung und Einfluss
Pagès schlägt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Er demonstriert eindrucksvoll, wie tief verwurzelte Uhrmachertradition mit zeitgemäßer Kreativität verschmelzen kann. Seine Uhren sind limitierte Kunstwerke, die Liebhaber in höchstem Maße begeistern. Durch seine mechanischen Innovationen und die unverkennbare Liebe zum Detail trägt er maßgeblich dazu bei, die klassische Uhrmacherkunst in der heutigen Welt lebendig und relevant zu halten.
Régulateur à détente RP1
Raúl PagèsAls wahrer Meister seines Fachs hat Raúl Pagès die „Régulateur à détente RP1“ vollständig eigenhändig entworfen, konstruiert und in seiner Werkstatt im schweizerischen Les Brenets mit größter Sorgfalt von Hand gefertigt. Eine klassische Regulatoranzeige, bei der Stunden, Minuten und Sekunden jeweils auf separaten Achsen abgelesen werden können, lässt eine besondere Optik entstehen.
Hajime Asaoka
Hajime Asaoka#2 Hajime Asaoka – Autodidakt der japanischen Haute Horlogerie
Hajime Asaoka, geboren 1965 in Japan, steht exemplarisch für die Renaissance unabhängiger Uhrmacherkunst im asiatischen Raum. Ohne formale Ausbildung, jedoch mit außergewöhnlicher Disziplin und gestalterischem Feingefühl, begann er 2005 – nach einem Studium im Produktdesign – mechanische Zeitmesser im Alleingang zu entwickeln und zu fertigen. Seine erste Uhr entstand in aufwendiger Handarbeit und durch intensives Selbststudium. Bereits 2009 stellte er sein erstes selbst entwickeltes Tourbillon vor.
Unikat-Schöpfer mit unverwechselbarem Stil
Klare Linien, technische Finesse und meisterhafte Handarbeit verleihen den mechanischen Unikaten und Tourbillons von Hajime Asaoka ihre unverwechselbare Ausstrahlung. Seine Entwürfe wirken minimalistisch und zugleich ausdrucksstark – geprägt von moderner Reduktion.
Heiß begehrt
Strenge Limitierungen machen die Haute-Horlogerie-Modelle außerordentlich begehrt – oft sind sie bereits mehrere Jahre im Voraus ausverkauft. Sammler schätzen nicht nur die technische Brillanz, sondern auch die tief verwurzelte kulturelle Bedeutung seiner Kreationen. Vor gut zwei Jahren erwarb das mechanische Genie zudem die Markenlizenz der legendären japanischen Luxusuhrenmanufaktur Takano, deren Produktion vor rund 60 Jahren eingestellt wurde.
Tsunami "Art Deco"
GPHGDie Tsunami „Art Deco“ von Hajime Asaoka ist eine auf nur sechs Exemplare limitierte, vollständig handgefertigte Uhr, inspiriert von der Ästhetik klassischer Art-Déco-Automobile der 1930er-Jahre. Ihr 37-Millimeter-Stahlgehäuse rahmt ein aufwendig emailliertes Zifferblatt mit mehrfarbigen, vertikalen Farbverläufen sowie einem fein guillochierten Sekundenkreis im „Zen-Garten“-Stil. Im Inneren arbeitet ein Handaufzugs-Maillechort-Kaliber mit 18.000 Halbschwingungen pro Stunde und rund 40 Stunden Gangreserve, dessen Finissierung höchsten Haute-Horlogerie-Standards entspricht.
Rexhep Rexhepi
Rexhep Rexhepi#3 Rexhep Rexhepi – Neue Generation der Haute Horlogerie
Der 1987 im Kosovo geborene und in der Schweiz aufgewachsene Rexhep Rexhepi ist vielen Uhrenliebhabern längst ein Begriff. Im Alter von zwölf Jahren kam er in die Schweiz – das Land der feinen Uhrmacherei. Bereits mit 25 gründete er seine eigene Marke Akrivia.
Präzision und Vollendung als Markenzeichen
Rexhepis Zeitmesser zeichnen sich durch handwerkliche Perfektion aus. Sein Finish ist bis ins kleinste Detail minutiös ausgeführt und erreicht die Qualität der renommiertesten Traditionsmanufakturen. Von der präzisen Anglage bis zur makellosen Politur offenbart jede Komponente seine kompromisslose Sorgfalt und tief verwurzelte Leidenschaft. Technisch basieren seine Werke auf klassischen Prinzipien, die jedoch alles andere als antiquiert erscheinen. Seine Modelle überzeugen durch klare Mechanik, herausragende Zuverlässigkeit und einen zeitgemäßen Anspruch an Design sowie Ablesbarkeit. Dabei gelingt es ihm, trotz tief verwurzelter Schweizer Tradition, eine unverwechselbare und kraftvolle Persönlichkeit zu integrieren.
Einfluss und Bedeutung
Seine Ausbildung bei Patek Philippe und Inspiration von unabhängigen Größen wie F. P. Journe prägen maßgeblich die Qualität und Philosophie von Akrivia. Rexhep Rexhepi, der bereits zweimal beim renommierten Grand Prix d’Horlogerie de Genève ausgezeichnet wurde, zählt heute zu den bedeutendsten Vertretern der jungen Generation unabhängiger Uhrmacher. Seine Werke genießen bei Sammlern höchste Wertschätzung und sind außerordentlich begehrt.
Chronomètre Antimagnétique
Rexhep RexhepiMit dem Chronomètre Antimagnétique greift Rexhep Rexhepi die wissenschaftlich geprägte Instrumentenuhrentradition der 1950er-Jahre auf – einer Epoche, in der Genfer Uhrmacher magnetfeldresistente Zeitmesser für Forscher entwickelten.
Andreas Strehler
Andreas Strehler#4 Andreas Strehler – Meister der Mondphasenkomplikation
Geboren 1971 in der Schweiz, zählt Andreas Strehler zu den einflussreichsten Uhrmachern unserer Zeit. Seine herausragende Position verdankt er nicht allein seiner außergewöhnlichen Handwerkskunst, sondern vor allem einem visionären Ingenieursgeist und dem kompromisslosen Streben nach technischer Vollendung.
Mechanische Innovation und In-house-Kompetenz
Andreas Strehler, der 1987 seine Ausbildung zum Uhrmacher abschloss, gilt als Meister der Mondphasenkomplikation. Bevor er eigene Zeitmesser entwickelte, arbeitete das uhrmacherische Ausnahmetalent für renommierte Marken wie H. Moser & Cie., Chronoswiss und Maurice Lacroix. Charakteristisch für seine Werke ist eine beeindruckend hohe Fertigungstiefe: Vom feinsten Zahnrad bis zu filigranen Komponenten der Hemmung entstehen nahezu alle Bauteile unter seiner eigenen Regie. Dabei verfolgt Strehler kompromisslos höchste Qualitätsstandards und sucht konsequent nach individuellen technischen Lösungen. Diese seltene Verbindung von Konstrukteur, Uhrmacher und Produzent macht ihn zu einer der vielseitigsten Persönlichkeiten der Haute Horlogerie.
Das präziseste Mondphasenwerk der Welt
Besonders hervorzuheben ist Strehlers „Sauterelle à Lune Perpétuelle“ – ein Zeitmesser mit Mondphasenkomplikation, der den Begriff „Präzision“ neu definiert. Während herkömmliche Kaliber bereits nach wenigen Jahren eine Korrektur erforderlich machen, beeindruckt seine Konstruktion mit einer theoretischen Abweichung von nur einem Tag in über zwei Millionen Jahren. Diese Meisterleistung zeugt von einem tiefgreifenden Verständnis für Astronomie und mikromechanische Präzision.
Sauterelle à Lune Perpétuelle
Andreas StrehlerDie „Sauterelle à Lune Perpétuelle“ verfügt mit einer Abweichung von nur einem Tag in 2.045.000 Jahren über die präziseste je gebaute Mondphasenanzeige in einer Armbanduhr – und steht damit im Guinness-Buch der Rekorde.
Vianney Halter
Vianney Halter#5 Vianney Halter – Visionär zwischen Steampunk und Haute Horlogerie
Radikal eigenständig und unverwechselbar – so lässt sich der Stil von Vianney Halter am besten beschreiben. Der 1963 in Frankreich geborene unabhängige Uhrmacher gehört zu den einflussreichsten Vertretern seiner Zunft. Seine Zeitmesser zeichnen sich durch eine futuristische, vom Steampunk inspirierte Ästhetik aus und beeindrucken sowohl technisch als auch handwerklich.
Ikone der Unabhängigen
Bereits im Alter von 14 Jahren begann er seine Ausbildung an der Pariser Uhrmacherschule und verbrachte seine ersten Berufsjahre mit der sorgfältigen Restauration antiker Zeitmesser. Dieses erworbene Wissen bildete die Grundlage für die Gründung seines eigenen Unternehmens im Jahr 1994, für das er Werke namhafter Manufakturen wie Harry Winston, Breguet und Audemars Piguet fertigte. Vier Jahre später, im Jahr 1998, präsentierte er schließlich seine erste eigene Kollektion. Das „Antiqua“-Modell gilt dabei als Meilenstein der unabhängigen Uhrmacherei. Mit einer ungewöhnlichen Gehäuseform und der originellen Zeitanzeige setzte Halter neue Maßstäbe für Kreativität und Designfreiheit. Die Uhr wurde schnell zur Ikone, nicht nur wegen ihrer optischen Signatur, sondern auch aufgrund der technischen Finesse, die in ihr steckt.
Technische Meisterleistung und kreative Exzentrik
Ob springende Stundenanzeigen oder mehrachsige Tourbillons – Halters Werke sind mechanische Manifestationen kreativer Freiheit. Sie verbinden klassische Handwerkskunst mit avantgardistischer Vision und eröffnen neue Perspektiven innerhalb der Haute Horlogerie. Halters Uhren sind künstlerische Statements, die Konventionen herausfordern und die Grenzen des Machbaren neu definieren.
Deep Space Resonance
Vianney HalterMit der „Deep Space Resonance“ erschafft Vianney Halter ein uhrmacherisches Meisterwerk, das zwei akustisch synchronisierte Unruhen in einem dreiachsigen Tourbillon vereint – eine weltweit einzigartige Konstruktion, die von Wellenphysik und kosmischen Kräften inspiriert ist.
Bernhard Lederer
Bernhard Lederer#6 Bernhard Lederer – Deutscher Meister der komplexen Uhrwerksregulierung
Geboren im Jahr 1958, zählt Bernhard Lederer zu den herausragendsten unabhängigen deutschen Uhrmachern mit internationalem Ruf. Seine Laufbahn begann 1984 mit einer Ausbildung in der Werkstatt des Wuppertaler Uhrenmuseums. Heute bestechen die Werke des Feinmechanik-Spezialisten durch technische Innovationen und die meisterhafte Realisierung komplexer Regulierorgane.
Innovationskraft im Herzen der Mechanik
Lederer ist weithin bekannt für seine Arbeit an hochkomplexen Hemmungen, die von historischen Modellen Abraham-Louis Breguets inspiriert sind. Diese technisch äußerst anspruchsvollen Konstruktionen ermöglichen präzise Impulsübertragungen bei gleichzeitig minimierten Reibungsverlusten. Für seine innovativen Entwicklungen wurde er 2021 mit dem renommierten Innovationspreis des Grand Prix d’Horlogerie de Genève ausgezeichnet.
Bedeutung und Einfluss
Bernhard Lederer ist einer der wenigen deutschen Uhrmacher, der sich mit seinem unverwechselbaren Stil und seinem technischen Know-how international behauptet. Sein besonderer Ansatz verbindet traditionelle Mechanik mit moderner Ingenieurskunst, was seine Werke besonders relevant und zeitgemäß macht.
Central Impulse Chronometer
Bernhard LedererLederers Meisterwerk, das „Central Impulse Chronometer“, vereint auf beeindruckende Weise technische Innovation mit optischer Brillanz. Das Uhrwerk besticht durch eine neuartige Hemmung, die von zwei unabhängigen Räderwerken angetrieben wird – jeweils ausgestattet mit eigener Feder und Remontoir d’égalité.
Patina & Prestige – wenn Zeit Schönheit formt
- #1 Raúl Pagès – Traditionsbewahrer und Meister der Mikromechanik
- #2 Hajime Asaoka – Autodidakt der japanischen Haute Horlogerie
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- #5 Vianney Halter – Visionär zwischen Steampunk und Haute Horlogerie
- #6 Bernhard Lederer – Deutscher Meister der komplexen Uhrwerksregulierung