Superluminova oder warum Uhren im Dunkeln leuchten
Leuchtmittel für Uhren
Welche Leuchtmittel für Uhren gibt es?
Grundsätzlich lässt sich jeder Stoff zum Leuchten bringen, wenn man ihn stark genug erhitzt. Doch nur bestimmte Substanzen zeigen eine „kalte" Lichtemission – sie nehmen Energie auf und wandeln sie in sichtbares Licht um, ohne auf hohe Temperaturen gebracht zu werden. Diese Erscheinung nennt man Lumineszenz. Erfolgt die Lichtemission nahezu verzögerungsfrei, spricht man von Fluoreszenz. Die verzögerte Rückkehr in den Grundzustand heißt Phosphoreszenz. Sie basiert auf der Speicherung angeregter Elektronen in sogenannten Fallen: In ein Kristallgitter eingebaute Fremdatome dienen als Anregungs-, Speicher- und Leuchtzentrum. Diese Phosphoreszenz – die Abgabe von Licht über einen längeren Zeitraum – ist für die Uhrenherstellung interessant. Das kann auf zweierlei Weise erfolgen: durch selbstleuchtende Indexe und Zeiger oder durch solche, die nach Anregung inaktiv nachleuchten.
Zinksulfid und radioaktive Leuchtstoffe
Zinksulfid ist bis heute das universelle lumineszierende Material, das sich durch Bestrahlung mit Licht oder Ultraviolettstrahlung zum Leuchten anregen lässt. Die Leuchtkraft erschöpft sich allerdings schnell. Wesentlich bessere Effekte lassen sich erzielen, wenn geringe Mengen schwach radioaktiver Stoffe eingebaut werden, durch die das Zinksulfid selbstleuchtend wird – ohne Aufladung durch eine externe Lichtquelle. Mit der Entdeckung des Radiums 1898 kamen selbstleuchtende Beschichtungen auf Zeiger und Zifferblätter. Bis Mitte der 1960er-Jahre wurden vor allem Militäruhren mit nicht unerheblichen Mengen Radium belegt. Von solchen Uhren geht auch heute noch Strahlung aus, denn die Halbwertzeit liegt bei 1.622 Jahren. Ende der 1950er-Jahre verdrängten schwach radioaktive Isotope wie Tritium das Radium.
Trigalight – Tritium in Glasröhrchen
Die Anregung von Zinksulfid durch Tritium geschieht in Tritium-Gaslichtquellen, den sogenannten „GTLS" (Gaseous Tritium Light Sources). Dieses Leuchtsystem wird unter der Bezeichnung Trigalight von der Schweizer Firma mb-microtec ag in Niederwangen bei Bern angeboten. Die Leuchteinsätze sind luftdicht verschlossene Röhrchen aus Mineralglas, die innen mit einem Leuchtstoff beschichtet und mit gasförmigem Tritium gefüllt sind. Die Leuchtkraft wird für zehn Jahre garantiert. Aus Erfahrung weiß man jedoch, dass das Leuchten über 20 Jahre anhält. Dabei strahlen „GTLS" nahezu hundertmal stärker als herkömmliche Tritium-Leuchtfarben.
Auf der Baselworld 2019 stellte Traser mit der Konzeptuhr T1000 ei besonders helle selbstleuchtende Uhr vor. Sie ist mit 318 Tritiumgasröhrchen ausgestattet und leuchtet 50-mal stärker als herkömmliche Traser-Modelle.
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