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Wozu dient die Palette im Uhrwerk?

© PR
Palette heißt nach dem Französischen »kleine Schaufel« und abgeleitet vom Lateinischen »pala« nur »Schaufel«. Sie ist als spachtelartiges Küchengerät, in der Malerei als Unterlage, auf der die Farben gemischt werden, oder in der Industrie als flaches Hilfsmittel für den Transport bekannt. Auch in der Uhrmacherei spielt sie eine entscheidende Rolle, ist sie doch als Teil des Ankers für die kraftschlüssige Verbindung zwischen Ankerrad und Anker verantwortlich. Dabei gibt es zwei Paletten.
Nach dem Funktionsablauf wird zwischen Eingangs- und Ausgangs- Palette unterschieden. In ihrer Funktion sind beide gleich. Sie übertragen wechselseitig die Energie des Ankerrades durch ihre geneigten Funktionsflächen zum Anker und hemmen das Räderwerk am unkontrollierten Ablauf. Die Paletten werden durch das Schwingsystem gesteuert. Über das letzte Rad im Räderwerk, das Ankerrad, stellt der Anker die Verbindung zur Unruh her. Dessen beide Enden, die so genannten Ankerarme, tragen je eine rechteckige Palette, zumeist aus synthetischem Rubin. Die Stirnseiten der Paletten sind in einem genau vorgeschriebenen Winkel schräg angeschliffen. Die Paletten fassen in das Hemmungsrad, während das Ende des Ankers, die Ankergabel, in den Hebelstein (Ellipse) der Unruhwelle eingreift. Der Hebelstein – nicht zu verwechseln mit den Hebesteinen, den Paletten – stellt die eigentliche Verbindung zwischen Hemmung und Unruh her. Wird die Uhr nun aufgezogen, will sich das Ankerrad durch die Kraft der Zugfeder drehen. Dabei ist eine der Paletten im Weg. Ein Zahn schiebt sich an der Palette des Ankers vorbei und drückt damit den Anker aus seiner Ruheposition. Die Bewegung überträgt sich über Ankergabel und den Hebelstein auf die Unruh. Sie wird aus ihrer Ruhestellung gebracht und beginnt sich gegen die Kraft der Unruhspirale zu drehen. Nachdem der erste Zahn des Ankerrads über die Palette geglitten ist, ist das Ankerrad kurz frei und kann sich weiterbewegen. Aber nur so lange, bis ein Zahn auf die andere Palette fällt und das Rad erneut blockiert ist. Auf der anderen Seite des Ankers heben sich schließlich der an die Unruh gegebene Schwung und die Kraft der Spiralfeder auf. Die Unruh stoppt und schwingt zurück – der Hebelstein, die Ellipse, trifft wieder den Anker, und zieht den Anker in die andere Richtung. Dadurch wird das Ankerrad wieder kurz freigegeben und kann sich erneut drehen, bevor es wieder gestoppt wird.
Das abwechselnde Aufschlagen der Ankerradzähne auf die Ankerpaletten ergibt schließlich das Ticken der Uhr. Eine sensible Angelegenheit ist das Einbringen und Justieren der Paletten in vorgefertigte Schlitze der Ankergabel. Die zwei unterschiedlich geformten Klötzchen werden in die vorgesehenen Halterungen des Ankers eingeklemmt und bei eingebautem Anker so lange geschoben, bis die Hemmung und damit der Gang eingestellt sind. Dann wird der Anker aus dem Uhrwerk wieder ausgebaut, und die Paletten werden mit Schellack lagegesichert. Damit die Hemmung gut läuft, muss geschmiert werden – eine Wissenschaft für sich. Dazu wird eine geringe Menge Öl auf die Hebeflächen der Paletten gegeben. Bei der Schmierung über die Paletten des Ankers (es gäbe auch andere Wege) ist das Basiswerk bis zur Ankerbrücke montiert. Mit der Lupe oder besser noch unter einem Mikroskop wird mit einem feinen Ölgeber ein sehr kleiner Punkt exakt in die Mitte der Hebefläche der Palette gegeben. Kommen heutzutage moderne Materialien zum Einsatz, wie zum Beispiel Silizium, sind weder Paletten aus Rubin noch eine Schmierung des Ankers erforderlich. MaRi
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