Eine G-Shock aus Saphir: Kann das halten?
Saphirglas und Stoßfestigkeit passen eigentlich nicht zusammen. Saphirglas erreicht auf der Mohs-Skala Härte 9 und ist damit nahezu kratzfest. Auf Schläge und punktuelle Belastungen reagiert es dagegen spröde. Für eine Uhr, deren Markenversprechen die Stoßfestigkeit ist, klingt das nach dem falschen Material. An diesem Widerspruch arbeitet Casio seit 2018. Damals zeigte das G-Shock-Team in Basel ein Konzeptmodell mit Saphirgehäuse. Es erfüllte die hauseigenen Vorgaben zur Schockresistenz nicht und ging nie in Serie. Im selben Jahr entstand aus dem „Dream Project“ von G-Shock-Erfinder Kikuo Ibe die G-D5000, ein Einzelstück komplett aus 18-karätigem Gold, vom Gehäuse bis zu den Schrauben.
Vom Titan zum Saphir: das Blue Rose Project
Die Weiterentwicklung übernahm das MR-G-Team. Kikuo Ibe hat sich aus der aktiven Entwicklungsarbeit zurückgezogen, steht G-Shock aber bis heute beratend zur Seite. Die wichtigste Erkenntnis aus den Versuchen: Ein Außengehäuse aus mehreren ineinandergreifenden Teilen nimmt Stöße deutlich besser auf als ein einteiliges. Daraus entstand die Multi-Guard-Struktur, die 2022 in der Titanversion MRG-B5000 debütierte. Die Übertragung auf Saphir lief intern als „Blue Rose Project“. Der Name spielt auf die blaue Rose an, die lange als Sinnbild für etwas galt, das in der Natur nicht zu erreichen ist. Die Grundform ist vertraut. Das 5000er-Gehäuse greift die eckige Silhouette der ersten G-Shock DW-5000C von 1983 auf. Casio hat sie bereits in Gold, Stahl und Titan umgesetzt, nun kommt Saphir hinzu. Die Linie wird so zu einer Art Materialversuchsreihe.
Die MRG-D5000 mit Lünette und Gehäuse aus blauem Saphir samt schraubenloser Multi-Guard-Struktur
G-ShockWarum bei der MRG-D5000 die Schrauben fehlen
Der entscheidende Unterschied zur Titan-MRG-B5000 liegt in der Befestigung der Teile. Dort halten Schrauben die Komponenten zusammen. Nach Casios Angaben gehören genau diese Verbindungen zu den typischen Bruchursachen bei Saphir: Bohrungen und Anzugsmomente erzeugen Spannungsspitzen, an denen Risse entstehen können. Bei der MRG-D5000 kommen Lünette und Gehäusemittelteil deshalb vollständig ohne Schrauben aus. Casio hat nach eigener Darstellung untersucht, wie sich Aufprallkräfte auf die Saphirteile übertragen, und die Struktur gezielt auf den Schutz des Materials ausgelegt.
Die gold-vakuumbeschichteten Schriftzüge auf dem Zifferblatt bilden einen eleganten Kontrast zum tiefen Blau des Saphirglases und verleihen dem Zeitmesser eine zusätzliche Note von Exklusivität.
Saphirgehäuse: Was Casio anders macht
Saphirgehäuse sind in der Haute Horlogerie seit Jahren etabliert, etwa bei Hublot oder Richard Mille. Sie erscheinen meist in kleinen Serien und zu sechsstelligen Preisen. Dort geht es in erster Linie um Transparenz und Materialaufwand. Casio setzt die Prioritäten anders: Das Material muss den Anspruch der Marke an Stoßfestigkeit erfüllen. Mit 80.000 Euro liegt die MRG-D5000 zudem noch unter dem Preisniveau vieler Saphiruhren aus der Schweiz.
Details bis zum Boden
Auch der verschraubte Gehäuseboden enthält blaues Saphirglas. Jedes der 20 Exemplare trägt dort eine individuelle Seriennummer. Als Energiequelle dient ein Modul mit Gallium Tough Solar. Laut Casio ist es besonders beständig gegenüber intensiver Lichteinstrahlung und lädt effizient. Getragen wird die Uhr an einem Dura-Soft-Band mit dem von G-Shock bekannten Ziegelsteinmuster, geliefert in einer eigens gestalteten transparenten Box.
MRG-B5000SA: Titan-MR-G mit facettierten Saphirkristallen, 500 Exemplare, 6.600 Euro
G-ShockMRG-B5000SA und GMW-B5000SB: Saphir als Akzent
Zeitgleich bringt Casio zwei Modelle, die das Thema zugänglicher umsetzen. Die MRG-B5000SA trägt an Ober- und Unterseite des Gehäuses facettierte blaue Saphirkristalle mit zwei Karat. Die Lünette besteht aus einer gehärteten Legierung, Gehäuse und Lünette sind im Arc-Ion-Plating-Verfahren (AIP) blau beschichtet. Sie ist auf 500 Stück limitiert und kostet 6.600 Euro.
GMW-B5000SB: Vollmetall-G-Shock mit vier Saphirsteinen, 680 Exemplare, 779 Euro
G-ShockDie Vollmetall-G-Shock GMW-B5000SB hat vier blaue Saphirsteine an der Lünettenfront. Mit 779 Euro ist sie das zugänglichste Modell. Bei 680 Exemplaren dürfte sie entsprechend schnell vergriffen sein. Bei beiden Uhren ist Saphir Dekor und kein tragendes Bauteil. Die Konstruktion der MRG-D5000 lässt sich nicht beliebig vervielfältigen, das Farbmotiv dagegen schon.
Machbarkeitsnachweis für 80.000 Euro
Mit 20 Exemplaren ist die MRG-D5000 vor allem ein Machbarkeitsnachweis. Ihre Bedeutung liegt in der Konstruktion: Wenn sich Saphir ohne Schrauben stoßfest verbauen lässt, wirft das Fragen für die gesamte Branche auf, in der Saphirgehäuse bisher vor allem Vitrinenobjekte sind. Offen bleibt, nach welchen Prüfverfahren Casio die Stoßfestigkeit belegt. Wir haben die Härtetests in der Yamagata-Fabrik in Japan selbst erlebt und können uns kaum vorstellen, dass eine Saphirkonstruktion ihnen standhält. Erst diese Angaben werden mit der Zeit zeigen, wie belastbar der Anspruch „erste stoßfeste G-Shock aus Saphir“ ist.
FAQ
Was kostet die G-Shock MRG-D5000?
Die MRG-D5000 kostet 80.000 Euro und ist auf 20 Exemplare weltweit limitiert.
Woraus besteht das Gehäuse der MRG-D5000?
Lünette und Gehäuse bestehen aus blauem Saphirglas und sind ohne Schrauben montiert. Auch der verschraubte Gehäuseboden enthält einen Saphireinsatz.
Was ist das Blue Rose Project?
So nannte Casio intern die Entwicklung einer stoßfesten G-Shock aus Saphir. Das Projekt baut auf der Multi-Guard-Struktur der MRG-B5000 von 2022 auf.
Welche G-Shock mit Saphir ist am günstigsten?
Die GMW-B5000SB mit vier Saphirsteinen an der Lünette kostet 779 Euro und ist auf 680 Exemplare limitiert.