Laurent Mekies über Zeitdruck, Vertrauen und Verstappens Vertragsverlängerung
Es ist ein Wochenende mit Symbolkraft, an dem dieses Gespräch entsteht: Zum letzten Mal öffnet der Circuit Zandvoort seine Tore für die Formel 1 – die Dünen an der niederländischen Nordseeküste, die seit 2021 zur festen Bühne für Max Verstappen und sein orangefarbenes Meer an Fans geworden sind, verabschieden sich in diesem Jahr endgültig aus dem Rennkalender. Ein passenderer Moment für ein Gespräch über Zeit, Vergänglichkeit und das, was bleibt, ließe sich kaum finden. Und die Nachricht, die kurz zuvor die Runde macht, könnte den Abschied nicht schöner rahmen: Max Verstappen hat seinen Vertrag bei Oracle Red Bull Racing um vier weitere Jahre verlängert. Für die Fans in Zandvoort, die ihrem Helden in diesem Jahr ein letztes Mal auf heimischem Boden zujubeln dürfen, ist es die schönste Zugabe, die man sich wünschen kann. Wir haben exklusiv vor diesem historischen Rennwochenende beim TAG Heuer "The Final Lap"-Event mit Laurent Mekies gesprochen, dem CEO und Team Principal von Oracle Red Bull Racing – über Leidenschaft, Verantwortung, das Wesen der Zeit und darüber, warum Motorsport und mechanische Uhren zwei Welten sind, die einander so nah stehen wie kaum ein anderes Paar.
Laurent Mekies: Der Oracle Red Bull Racing CEO im Interview
WatchTime: Sie sind seit mehr als zwei Jahrzehnten in der Formel 1 tätig, haben den Platz an der Boxenmauer aber einmal als „den besten Platz im Haus" bezeichnet. Existiert dieses Gefühl für Sie noch immer?
Laurent Mekies: Es existiert – jeden einzelnen Tag. Wenn man zur Rennstrecke fährt. Wenn man morgens den Weg zur Fabrik antritt. Das zeigt, wie leidenschaftlich wir alle sind: Im Grunde sind wir kleine Kinder, die das Glück haben, Spaß zu haben – und die manche Dinge dabei ein wenig zu ernst nehmen. Aber wir sind zutiefst wettbewerbsorientiert. Also ja, ich spüre dieses Gefühl jedes Mal, jeden Donnerstag. Ich kann es kaum erwarten, den Wagen am Wochenende fahren zu sehen. Und sobald er fährt, kann man es kaum erwarten, wieder an der Boxenmauer zu stehen.
Sie waren einst Ingenieur, heute tragen Sie die letztverantwortliche Verantwortung für rund 2.000 Mitarbeiter. Was war für Sie persönlich die größte Umstellung?
Ich glaube, es spielt letztlich keine Rolle, welche Rolle man in der Organisation einnimmt. Was uns verbindet, sind Leidenschaft und Wettbewerbsgeist. Ob man Ingenieur ist oder Mechaniker, Experte für Kommunikation oder Marketing – im Kern sind wir alle Wettkämpfer. Wir hassen es zu verlieren. Und um näher auf Ihre Frage einzugehen: Am Ende zählen die Menschen. Man muss sie dazu bringen, einem zu folgen, gemeinsam zu arbeiten. Gelingt es, die besten Talente zu gewinnen und zu halten, gewinnt man. Gelingt das nicht, gewinnt man auch nicht.
Was ist schwieriger – einen Formel-1-Wagen schneller zu machen oder 2.000 hochtalentierte Menschen zu einem Team zu formen?
Ein Formel-1-Wagen wird niemals schnell sein, wenn die Menschen dahinter nicht zusammenarbeiten.
Glauben Sie, dass der beste Fahrer in gewisser Weise auch ein Ingenieur ist?
Das ist tatsächlich eine sehr gute Frage – und die Antwort lautet: ja, unbedingt. Die Komplexität dieses Sports ist so groß und das Niveau der Athleten so hoch, dass man erstaunt ist, wie tief ihr Verständnis für die Fahrzeugdynamik reicht. Also, im Kern: ja.
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