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Lesedauer 6 Min.

Laurent Mekies über Zeitdruck, Vertrauen und Verstappens Vertragsverlängerung

Vier Jahre Verstappen, ein letztes Mal Zandvoort: "Es ist immer der nächste Sieg" – Laurent Mekies im großen Interview. Der Oracle Red Bull Racing-Team Principal & CEO über Sieg, Zeit und Vertrauen.
Laurent Mekies - CEO & Team Principal at Oracle Red Bull Racing

Laurent Mekies - CEO & Team Principal Oracle Red Bull Racing

© TAG Heuer

Es ist ein Wochenende mit Symbolkraft, an dem dieses Gespräch entsteht: Zum letzten Mal öffnet der Circuit Zandvoort seine Tore für die Formel 1 – die Dünen an der niederländischen Nordseeküste, die seit 2021 zur festen Bühne für Max Verstappen und sein orangefarbenes Meer an Fans geworden sind, verabschieden sich in diesem Jahr endgültig aus dem Rennkalender. Ein passenderer Moment für ein Gespräch über Zeit, Vergänglichkeit und das, was bleibt, ließe sich kaum finden. Und die Nachricht, die kurz zuvor die Runde macht, könnte den Abschied nicht schöner rahmen: Max Verstappen hat seinen Vertrag bei Oracle Red Bull Racing um vier weitere Jahre verlängert. Für die Fans in Zandvoort, die ihrem Helden in diesem Jahr ein letztes Mal auf heimischem Boden zujubeln dürfen, ist es die schönste Zugabe, die man sich wünschen kann. Wir haben exklusiv vor diesem historischen Rennwochenende beim TAG Heuer "The Final Lap"-Event mit Laurent Mekies gesprochen, dem CEO und Team Principal von Oracle Red Bull Racing – über Leidenschaft, Verantwortung, das Wesen der Zeit und darüber, warum Motorsport und mechanische Uhren zwei Welten sind, die einander so nah stehen wie kaum ein anderes Paar.

Laurent Mekies: Der Oracle Red Bull Racing CEO im Interview

WatchTime: Sie sind seit mehr als zwei Jahrzehnten in der Formel 1 tätig, haben den Platz an der Boxenmauer aber einmal als „den besten Platz im Haus" bezeichnet. Existiert dieses Gefühl für Sie noch immer? 

Laurent Mekies: Es existiert – jeden einzelnen Tag. Wenn man zur Rennstrecke fährt. Wenn man morgens den Weg zur Fabrik antritt. Das zeigt, wie leidenschaftlich wir alle sind: Im Grunde sind wir kleine Kinder, die das Glück haben, Spaß zu haben – und die manche Dinge dabei ein wenig zu ernst nehmen. Aber wir sind zutiefst wettbewerbsorientiert. Also ja, ich spüre dieses Gefühl jedes Mal, jeden Donnerstag. Ich kann es kaum erwarten, den Wagen am Wochenende fahren zu sehen. Und sobald er fährt, kann man es kaum erwarten, wieder an der Boxenmauer zu stehen. 

Sie waren einst Ingenieur, heute tragen Sie die letztverantwortliche Verantwortung für rund 2.000 Mitarbeiter. Was war für Sie persönlich die größte Umstellung?

Ich glaube, es spielt letztlich keine Rolle, welche Rolle man in der Organisation einnimmt. Was uns verbindet, sind Leidenschaft und Wettbewerbsgeist. Ob man Ingenieur ist oder Mechaniker, Experte für Kommunikation oder Marketing – im Kern sind wir alle Wettkämpfer. Wir hassen es zu verlieren. Und um näher auf Ihre Frage einzugehen: Am Ende zählen die Menschen. Man muss sie dazu bringen, einem zu folgen, gemeinsam zu arbeiten. Gelingt es, die besten Talente zu gewinnen und zu halten, gewinnt man. Gelingt das nicht, gewinnt man auch nicht. 

Was ist schwieriger – einen Formel-1-Wagen schneller zu machen oder 2.000 hochtalentierte Menschen zu einem Team zu formen? 

Ein Formel-1-Wagen wird niemals schnell sein, wenn die Menschen dahinter nicht zusammenarbeiten.

Glauben Sie, dass der beste Fahrer in gewisser Weise auch ein Ingenieur ist? 

Das ist tatsächlich eine sehr gute Frage – und die Antwort lautet: ja, unbedingt. Die Komplexität dieses Sports ist so groß und das Niveau der Athleten so hoch, dass man erstaunt ist, wie tief ihr Verständnis für die Fahrzeugdynamik reicht. Also, im Kern: ja. 

(Lesen Sie auch: Zwischen Dünen und Daisy-Lünette: TAG Heuers Tribut an Zandvoorts letztes Rennen)

"Ein Formel-1-Wagen wird niemals schnell sein, wenn die Menschen dahinter nicht zusammenarbeiten."
Laurent Mekies, CEO und Team Principal von Oracle Red Bull Racing

WatchTime: Ihr gesamtes Leben ist um Zeit strukturiert: Rundenzeiten, Reaktionszeiten, Boxenstopp-Zeiten, Fristen, Reisepläne. Hat die Arbeit in der Formel 1 Ihr persönliches Verhältnis zur Zeit verändert – dieses ständige Jagen nach Millisekunden? 

Laurent Mekies: Ganz gewiss, und es ist bis heute so. Wir jagen nicht nur den Millisekunden hinterher – das ist eine Obsession, eine schöne Obsession, aber eben doch eine. Wir sind zudem daran gewöhnt, unter extremen Bedingungen zu arbeiten. Der Start eines Rennens ist um 14 Uhr – da gibt es keine Minute, keine Sekunde Verspätung. Jede Qualifying-Session dauert eine Stunde. Wir haben da einen kleinen internen Scherz: Wenn wir das Team bitten, in letzter Minute noch etwas zu ändern, unter enormem Zeitdruck, und jemand sagt: „Dafür reicht die Zeit nicht" – dann antworte ich: Schaut, Q1 dauert 18 Minuten. Man kann staunen, wie viel wir allein in diesen 18 Minuten verändern. Wir passen den Plan an, wir bewerten neu – Q1 fühlt sich an wie zwei Stunden. Zeit ist also zutiefst mit uns verbunden, und in gewisser Weise auch mit TAG Heuer. Jeden Morgen diese Uhr anzulegen – das gilt nicht nur für mich, sondern für jedes Teammitglied, das je an einer Rennstrecke stand –, ist wie das Anlegen eines magischen Schutzschilds, das uns durch den Tag trägt. 

TAG Heuer Event zum letzten Zandvoort Circuit in Amsterdam

Das TAG Heuer Event zum letzten Zandvoort Circuit in Amsterdam

© TAG Heuer

Die Formel 1 pflegt seit jeher eine besonders enge Beziehung zu mechanischen Uhren. Warum, glauben Sie, passen diese beiden Welten so selbstverständlich zusammen? 

Es ist die Obsession für Höchstleistung. Es ist die extreme Detailgenauigkeit. Und es ist die Weigerung, sich mit dem Status quo zufriedenzugeben. Wer sich in der Formel 1 nicht weiterentwickelt, rutscht vom ersten auf den letzten Platz, ohne es überhaupt zu bemerken. Und ebenso versteht man, wenn man sieht, wie viel echte Forschung und Entwicklung in einem Unternehmen wie TAG Heuer steckt, wie sehr auch dort der Antrieb ist, niemals stillzustehen und stets die nächste große Innovation zu erfinden. 

Gibt es ein bestimmtes TAG-Heuer-Modell, das Sie besonders anspricht? 

LNatürlich ist es die, die ich gerade trage: die Monaco. Man wächst mit diesen Bildern von Steve McQueen auf, und ich bin auch mit dem wunderbaren Vergleich „Don't crack under pressure" mit Ayrton Senna groß geworden. Das berührt mich zutiefst und vermittelt genau jenes Gefühl von Widerstandsfähigkeit, das wir im Motorsport unbedingt brauchen. Es vermittelt zugleich jenes Gefühl von Selbstbeherrschung, das wir ebenso benötigen. Also ja – aus vielen Gründen ist mir diese Uhr ganz besonders wichtig.

„Mit diesem großen Vertrauen geht für uns eine große Verantwortung einher, das entsprechende Paket zu liefern."

Laurent Mekies, CEO und Team Principal von Oracle Red Bull Racing

Es gab gerade auch eine gute Nachricht: Max Verstappen hat seinen Vertrag verlängert, kurz vor dem Grand Prix der Niederlande – worauf sich die niederländischen Fans besonders freuen dürften. Wie fühlt es sich an, nach all den Gerüchten nun sagen zu können: Wir haben vier weitere Jahre? 

Das ist eine phänomenale Nachricht – für unser Team, aber auch für die Formel 1 insgesamt und für den Sport im weiteren Sinne. Wenn man den schnellsten Fahrer der Welt für einen derart langen Zeitraum an sein Team binden kann, ist das etwas Besonderes: Die Zeit als Währung ist für jeden gleich, wir haben alle mehr oder weniger dieselbe Anzahl an Jahren. Und wenn er sich in dieser Phase seiner Karriere entscheidet, die kommende Zeit – eine entscheidende Zeit für ihn, vielleicht die letzte große, vielleicht auch nicht – in dieses Team zu investieren, dann ist das ein außergewöhnliches Zeugnis des Vertrauens: gegenüber dem Team, gegenüber den Menschen im Team und gegenüber dem, was uns eint – dieser Leidenschaft und Entschlossenheit, bald wieder zu gewinnen. Wir nehmen das sehr ernst. Mit diesem großen Vertrauen geht für uns eine große Verantwortung einher, das entsprechende Paket zu liefern. Darin liegt die Bedeutung dieser Vertragsverlängerung: Der beste Fahrer der Welt entscheidet sich, sich erneut zu diesem Team zu bekennen. Das sagt viel darüber aus, welches Potenzial er in uns sieht – und wie sehr wir es nun einlösen müssen.

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