8 außergewöhnliche Gehäusematerialien

Was Breitling, Hublot, Panerai und Co aus Saphirglas, Vantablack und weiteren Materialien herstellen

Melissa Gößling
von Melissa Gößling
am 18. Oktober 2017

Gold ist zu empfindlich und Edelstahl zu gewöhnlich? Einige Uhrenhersteller experimentieren mit Gehäusematerialien, die außergewöhnliche Zeitmesser noch spannender machen. Wir stellen acht besonders interessante Materialien vor.

#1 Breitlight: Breitling Avenger Hurricane Military

Breitling: Avenger Hurricane Military
Breitling: Avenger Hurricane Military (8.570 Euro)

Die Zusammensetzung für den neuen Werkstoff Breitlight hält Breitling geheim – deshalb hat das Grenchner Unternehmen auch kein Patent für das Material angemeldet. Der Träger der Avenger Hurricane Military wird aber feststellen: Das Material fühlt sich wärmer an als Metall, weist eine interessante Marmorierung auf und ist spürbar leichter als Edelstahl. Breitling gibt an, es sei sogar 3,3-mal leichter, dabei aber härter als Titan. Im Vergleich zu Stahl sei es sogar 5,8-mal leichter. So kommt die immerhin 50 Millimeter große Avenger Hurricane Military auf ein Gewicht von nur rund 69 Gramm, ohne Armband. Desweiteren ist die Polymerfaser auch kratzresistent. Breitling führte das neue Gehäusematerial erstmals 2016 mit der Avenger Hurricane ein, die ebenfalls 50 Millimeter groß ist. Zuletzt erhielt noch die Avenger Hurricane 45 ein Gehäuse aus Breitlight.

#2 Damaszener Stahl: Christophe Claret X-Trem 1

Breitling: Avenger Hurricane Military
Christophe Claret: X-Trem-1 (306.000 Euro)

Damaszener Stahl kommt in der Uhrenbranche selten vor, da die Herstellung des Werkstoffes sehr aufwendig ist. Bei diesem Stahl werden mehrere Stahlsorten übereinander gelegt und miteinander feuerverschweißt. Nach dem anschließenden Schmieden wird das Stück Stahl halbiert und die beiden Teile wieder übereinander gelegt. Durch dieses sogenannte Falten entsteht der Damaszener Stahl, der die Eigenschaften der verwendeten Stähle vereint. Eine Besonderheit ist auch die Maserung, die durch Oberflächenverätzung entsteht. Christophe Claret verwendet Damaszener Stahl in Verbindung mit Roségold für die X-Trem 1. Diese Uhr fällt schon durch ihre ungewöhnliche Zeitanzeige auf. Diese wird mithilfe von ausgehöhlten Stahlkugeln an den Gehäuseflanken realisiert, wobei die Kugeln von zwei Magneten bewegt werden.

#3 Bunter Saphir: Hublot Big Bang Unico Sapphire

Hublot: Big Bang Unico Blue Sapphire
Hublot: Big Bang Unico Blue Sapphire (84.000 Euro)

Hublot ist bekannt dafür, ungewöhnliche Materialien wie Leinen, Osmium oder Karbon für neue Uhrenkreationen zu verwenden. 2016 präsentierte die Schweizer Manufaktur ein Modell komplett aus künstlichem Saphir. Ein Jahr später wurde der Saphir schließlich bunt, genauer gesagt Blau oder Rot. Dabei verliert die Big Bang Unico Sapphire aber nicht ihre durchscheinende Optik. Wenngleich es schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts farbige Saphire gibt, ist es sehr schwierig, immer den gleichen Farbton zu treffen. Dafür kombiniert Hublot beim Herstellungsprozess Aluminiumoxid – das Rohmaterial von Saphir – mit Chrom für blauen Saphir oder mit Eisen für roten Saphir. An den Eigenschaften wie hohe Kratzfestigkeit, extreme Härte und Transparenz ändert sich dabei nichts. Diese Charakteristika sind es auch, die den Herstellungsprozess kostenintensiv machen. Denn Mittelteil, Boden und Lünette werden aus je einem Saphirblock ausgeschnitten und in Form geschliffen. Das erfordert den Einsatz von speziellen Werkzeugen, die schnell verschleißen und häufig ausgewechselt werden müssen.

#4 Vantablack: MCT The Sequential One S110 Evo Vantablack 

MCT The Sequential One S110 Evo Vantablack
MCT The Sequential One S110 Evo Vantablack (113.050 Euro)

Vantablack – das setzt sich zusammen aus “Vertically Aligned Nano Tube Array”, zu Deutsch senkrecht ausgerichtetes Nanoröhren-Feld, und “black”, also schwarz. Vantablack ist ein Stoff, der bei einer Dicke von einem Millimeter 99 Prozent des Lichts absorbiert und dadurch tiefschwarz erscheint. Bis 2015 stand das Material als “die schwärzeste von Menschen geschaffene Substanz” im Guinness Buch der Rekorde. Es wurde von dem sogenannten “Dark chameleon dimers” übertroffen, das diese Absorbationsrate bereits bei etwa einem Mikrometer Dicke erreicht. Bislang wurden diese tiefschwarzen Materialien noch nicht in der Uhrenbranche eingesetzt. Zu den ersten Herstellern zählt MCT, der Vantablack für das Zifferblatt der The Sequential One S110 Evo Vantablack verwendet. Hierzu geht die Marke eine Kooperation mit dem Künstler Anish Kapoor ein, der sich die exklusiven Nutzungsrechte an der Verwendung von Vantablack in der Kunst gesichert hat.

#5 Graphen: Richard Mille RM 50-03 Tourbillon Split Seconds Chronograph Ultralight McLaren F1

Das Richard Mille RM 50-03 Tourbillon Split Seconds Chronograph Ultralight McLaren F1 ist aktuell der leichteste Chronograph weltweit. Auch sein Manufakturkaliber RM 50-03 mit Handaufzug ist ultraleicht. Es bietet ein Tourbillon und einen Schleppzeiger-Chronographen.
Das Richard Mille RM 50-03 Tourbillon Split Seconds Chronograph Ultralight McLaren F1 (1.085.000 Euro)

Richard Mille hat die RM 50-03 als den leichtesten mechanischen Chronographen aller Zeiten vorgestellt. Inklusive Armband wiegt das Modell lediglich 40 Gramm. Für diesen Rekord verwendet Richard Mille für das sieben Gramm schwere Uhrwerk Karbon und Titan. Das Gehäuse besteht aus Karbon und dem relativ unbekannten Werkstoff Graphen. Graphen ist eine modifizierte Form von Kohlenstoff und sechsmal leichter sowie 200-mal stabiler als Stahl. Es befindet sich in dem Kunstharz, das das Karbon durchtränkt. Das Karbon wiederum ist aus 600 Schichten parallel angeordneter Faser zusammengesetzt, von denen keine dicker ist als 30 Mikrometer. In einem Winkel von 45 Grad aufeinander gelegt, erzeugen sie die besondere Marmorierung des Werkstoffs. Durch diese Kombination von Materialien wird das Gehäuse sehr widerstandsfähig und leicht. Richard Mille ließ auch in das Kautschukarmband Graphen einarbeiten, um es elastischer zu machen und vor Verschleiß zu schützen.

#6 Metallisches Glas: Panerai Luminor Submersible 1950 BMG-Tech 3 Days Automatic PAM00692

Panerai Luminor Submersible 1950 BMG-Tech 3 Tage Automatik PAM00692
Panerai Luminor Submersible 1950 BMG-Tech 3 Tage Automatik PAM00692 (9.900 Euro)

Es sieht beinahe aus wie Titan – und das ist auch gewollt. Tatsächlich verbirgt sich hinter BMG-Tech aber kein Metall, sondern sogenanntes metallisches Glas (Bulk Metallic Glas). Das ist ein Verbund aus Kupfer, Aluminium, Titan, Nickel und Zirkonium. Da die Legierung bei hohen Temperaturen durch ein Hochdruckeinspritzverfahren läuft und danach sehr schnell abgekühlt wird, haben die Atome keine Zeit, sich gleichmäßig zu verteilen. Die so entstehende amorphe Struktur des BMG-Tech verschafft ihm große Härte, Stoßfestigkeit, Korrosionsbeständigkeit und macht es unempfindlich gegen Magnetfelder. Panerai gibt außerdem an, dass das Material eine hohe Verschleißfestigkeit aufweist. Zudem ist die Taucheruhr PAM00692 vergleichsweise leicht, was das immerhin 47 Millimeter große Gehäuse auch im Alltag tragbar macht.

#7 Cobalt-Chrom: Roger Dubuis Excalibur Cobalt Micromelt

Roger Dubuis: Excalibur Quatuor Cobalt MicroMelt
Roger Dubuis: Excalibur Quatuor Cobalt MicroMelt (455.000 Euro)

Cobalt-Chrom-Legierungen werden oft in der Zahnmedizin für Zahnersatz eingesetzt, da sie sehr hart, elastisch und völlig korrosionsfrei sind. Charakteristisch ist auch die stahlgraue Farbe. Roger Dubuis verwendet dieses Material für das 48 Millimeter große Gehäuse der limitierten Excalibur Quatuor Cobalt MicroMelt. Der Zusatz “Micromelt” im Modellnamen bezieht sich auf das Herstellungsverfahren, mit dem das Gehäuse in Form gebracht wurde. Das Micromelt-Verfahren findet hauptsächlich in der Luftfahrt und in der Astronomie Verwendung. Hierbei pulverisiert sich die Legierung durch Schmelzen und Zerstäuben. Dieses Pulver wird dann gemischt und auf einen definierten Durchmesser gesiebt, in Kanister gegossen, dort gepresst und unter Hitze zu Stäben geformt, aus denen dann die endgültige Größe entsteht. Anders als andere Herstellungsverfahren ermöglicht dieses, Metalle mit Nichtmetallen zu verbinden, wodurch die Legierungen eine größere Porosität und Stabilität erhalten.

#8 Keramisiertes Aluminium: Zenith Chronomaster El Primero Range Rover Velar Special Edition

Zenith: Chronomaster El Primero Range Rover Velar Special Edition
Zenith: Chronomaster El Primero Range Rover Velar Special Edition (8.900 Euro)

Schwarze Gehäuse verleihen gewöhnlichen Uhren einen sportlich-technischen Look. Genau deshalb sind sie auch sehr beliebt. Meistens handelt es sich dabei um PVD-beschichtete Edelstahlgehäuse, manchmal besteht die Uhr aber auch aus schwarzer Keramik. Zenith geht einen anderen Weg. Das 42 Millimeter große Gehäuse der Chronomaster El Primero Range Rover Velar Special Edition, die in Kooperation mit Range Rover entstand, wird aus Aluminium hergestellt. Die Oberfläche des Metalls wird durch sogenannte plasmaelektrolytische Oxidation zu Oxidkeramik umgewandelt. Diese ist sehr kratzresistent und korrosionsbeständig. Durch diese Behandlung erscheint das Gehäuse zunächst beigefarben, erst nach dem Sandstrahlen wird es schwarz. Passenderweise nennt Zenith das Endprodukt keramisiertes Aluminium. mg

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