7 Uhren, die für echtes Understatement stehen

Bescheidenheit ist keine Pflicht, aber eine Tugend. Für viele Menschen ist Understatement eine Lebenseinstellung. Wer sich bescheiden gibt, erweckt keinen Neid beim Gegenüber und vermeidet Konkurrenzdenken unter den eigenen Freunden. So mancher profitiert sogar beruflich von solch vornehmer Zurückhaltung: Politiker wirken ohne teure Accessoires nahbarer; ein Vertreter oder Unternehmensberater genießt mehr Vertrauen, wenn er nicht den Eindruck erweckt, sich am Kunden zu bereichern; und der Chef eines produzierenden Unternehmens kommt bei seinen Mitarbeitern besser an, wenn er nicht in Samt und Seide durch die Fabrik flaniert. Besonders Männer zeigen Stil, wenn die Herrenuhr zur Kleidung, sprich zum Anzug, zum Gürtel und zu den Schuhen passt. Der Mann, der auf Understatement setzt, bevorzugt bei der Armbanduhr ein dezentes Design und hochwertige Materialien – es geht ihm nicht darum, mit einem Statussymbol zu protzen. Die Armbanduhr soll vielmehr die eigene Persönlichkeit unterstreichen und von Qualität zeugen.

Wer bescheiden auftreten, aber dennoch nicht auf eine hochwertige Uhr am Handgelenk verzichten will, kann verschiedene Wege einschlagen. Die folgenden 7 Armbanduhren verbergen ihren Luxusanspruch dem flüchtigen Betrachter. Sie begeistern nicht die anderen, sondern denjenigen, der sich aktiv für das tickende Stück Bescheidenheit entschieden hat. Im Grunde bieten sie den höchsten denkbaren Luxus: einen Luxus, der nur für die eigene Persönlichkeit bestimmt ist.

Anzeige

Uhr #1, die für Understatement steht: Omega Globemaster Constellation Co-Axial Chronometer

Omega: Globemaster Constellation Co-Axial Chronometer in Platin
Omega: Globemaster Constellation Co-Axial Chronometer in Platin

Unerkannte Edelmetalle: Helle Edelmetalle wie Weißgold, Platin oder auch Palladium lassen sich bei flüchtigem Hinsehen nur schwer von Stahl unterscheiden. Damit sind sie eine der extremsten Formen des Understatements im Uhrenmarkt – und gleichzeitig die häufigste. Der Aufpreis von einem Stahl- zum entsprechenden Weißgoldmodell beträgt bei den einschlägigen Manufakturen mindestens 8.000 Euro, oftmals weit mehr. Noch drastischer wird der Unterschied bei einem Platingehäuse. Der Preis kann sich also durch das Material vervielfachen – und das, ohne dass der Unterschied sofort erkennbar wäre. Wie zum Beispiel bei der 36.700 Euro teuren Omega Globemaster Constellation Co-Axial Chronometer. Dieses Modell ist auf 352 Exemplare limitiert. Die unlimitierte Edelstahlvariante kostet 6.200 Euro.

Uhr #2, die für Understatement steht: Patek Philippe Calatrava Referenz 5227

Patek Philippe Calatrava Referenz 5227
Patek Philippe: Calatrava Referenz 5227, Roségold

Unerkannte Marke: Es gibt klassische, oftmals historisch inspirierte Designs, die von vielen Herstellern genutzt werden und deshalb nicht eindeutig auf eine bestimmte Marke schließen lassen. Hier finden Understatement-Liebhaber eine weitere Möglichkeit zur stillen Freude am Luxus: Wer eine dezente Uhr aus dem kleinen Kreis der Topmanufakturen trägt, die aufgrund allgemein bewährter Designelemente theoretisch auch von einer weniger berühmten Marke stammen könnte, zeigt sich bescheiden. Die Calatrava von Patek Philippe ist ein echter Klassiker und kostet in Roségold mit Lederarmband 31.220 Euro.

Uhr #3, die für Understatement steht: Laurent Ferrier Galet Montre École Bleu Glacier

Laurent Ferrier Galet Montre Ecole Bleu Glacier
Laurent Ferrier: Galet Montre École Bleu Glacier

Unbekannte Marke: Das genaue Gegenteil der unerkannten Topmarke ist die unbekannte Topmarke. Hier entscheidet sich der Träger für einen exklusiven, anspruchsvollen und durchaus ähnlich teuren Hersteller, der jedoch nur einem überschaubaren Kreis von Kennern ein Begriff ist. Er trägt also beispielsweise Laurent Ferrier (Das gezeigte Modell kostet in Edelstahl 37.000 Euro!) statt A. Lange & Söhne – wohl wissend, dass das Gegenüber die Güte des teuren tickenden Begleiters nicht unbedingt einschätzen kann.

Uhr #4, die für Understatement steht: Audemars Piguet Royal Oak “Jumbo” Extra-Thin

Die Royal Oak Jumbo Extra-thin stellt Audemars Piguet in der Kombination aus Titan und Platin vor.
Audemars Piguet: Royal Oak “Jumbo” Extra-thin

Unerkannte Mechanik: Viele Menschen wissen nicht einmal, dass es Zeitmesser mit Zugfeder, Spirale und vielteiligem Räderwerk gibt. Deshalb ist im Grunde schon der Besitz einer mechanischen Uhr Ausdruck von Understatement. Umso mehr, wenn die optisch eindeutigen Unterschiede zu elektronischen Uhren nicht betont werden. Das ist zum Beispiel bei Zweizeigeruhren der Fall, die ihren mechanischen Antrieb nicht anhand eines trippelnd voranschreitenden Sekundenzeigers offenbaren. Gleiches gilt für extraflache Modelle, in deren schlanken Gehäusen man nicht unbedingt ein komplexes Innenleben aus über 100 Einzelteilen vermuten würde. Oftmals werden beide Merkmale vereint: Um die Bauhöhe gering zu halten, verzichten die Hersteller extraflacher Uhren gerne auf eine Sekundenanzeige. Ein perfektes Beispiel hierfür ist die neue Audemars Piguet Royal Oak “Jumbo” Extra-thin (35.100 Euro), die trotz ihres sportlichen, facettenreichen Sportuhrengehäuses lediglich 8,1 Millimeter in der Höhe misst.

Uhr #5, die für Understatement steht: Bulgari Octo Finissimo

Bulgari: Octo Finissimo, Platin
Bulgari: Octo Finissimo

Auch die Octo Finissimo ist so flach, dass sie als mechanische Uhr unerkannt bleiben könnte. Schließlich hat sich Bulgari während der letzten Jahre als Hersteller ultraflacher Uhren etabliert und hält auf diesem Gebiet mehrere Rekorde. Auch das Finissimo-Kaliber BVL128 zählt mit nur 2,23 Millimetern zu den flachsten Uhrwerken überhaupt. Dementsprechend misst das Platingehäuse der Octo Finissimo nur fünf Millimeter in der Höhe. Das 40 Millimeter große Modell kostet 26.000 Euro.

Uhr #6, die für Understatement steht: IWC Portugieser Hand-Wound Eight Days Edition “150 Years”

IWC: Portugieser Hand-Wound Eight Days Edition "150 Years"
IWC: Portugieser Hand-Wound Eight Days Edition “150 Years”

Unerkannte Funktionen: Die hohe Kunst des Understatements hält für Uhrenfans eine ganz besondere Spielart bereit. Mechanikfreunde haben gleich mehrere Möglichkeiten, Zusatzfunktionen zu verbergen und so etwas Kompliziertes nach etwas weniger Komplexem oder gar nach etwas ausgesprochen Einfachem aussehen zu lassen. In diese Kategorie passen Uhren mit hoher Gangautonomie wie die hier gezeigte IWC Portugieser Hand-Wound Eight Days Edition “150 Years”, bei denen sich die Gangreserveanzeige auf der Werkrückseite befindet.

Die IWC Portugieser Hand-Wound Eight Days Edition "150 Years" trägt die Gangreserveanzeige auf der Werkrückseite
Die IWC Portugieser Hand-Wound Eight Days Edition “150 Years” trägt die Gangreserveanzeige auf der Werkrückseite

Damit versteckt sich nicht nur die Zusatzfunktion, sondern auch der Hinweis auf die immens nützliche hohe Gangdauer, die es erlaubt, die Handaufzugsuhr eine ganze Woche abzulegen, ohne sie hinterher neu stellen zu müssen. Vor allem in der Edelstahlversion ist die IWC-Jubiläumsuhr ein wahrer Understatement-Künstler. Die 43 Millimeter große, aber ansonsten bescheiden auftretende Acht-Tage-Manufakturuhr wird 1.000-mal gebaut und kostet 9.950 Euro.

Uhr #7, die für Understatement steht: Vacheron Constantin Patrimony Contemporaine Extra-Flach Kaliber 1731

Vacheron Constantin Patrimony Contemporaine Extra-Flach Kaliber 1731
Vacheron Constantin Patrimony Contemporaine Extra-Flach Kaliber 1731

Die ganz große Schule des Understatements durch unerkannte Funktionen ist die Minutenrepetition. Zumindest die klassische, die ihr Schlagwerk hinter einem geschlossenen Zifferblatt verbirgt. Denn die komplexeste Zusatzfunktion überhaupt macht auf dem – meist dezent gestalteten – Uhrengesicht in keiner Weise auf sich aufmerksam. Vielmehr lässt sie sich nur an ihrem Bedienelement erkennen: Aus der linken Gehäuseflanke ragt ein unauffälliger Schieber, der mit dem Daumen der rechten Hand nach oben bewegt wird. Nach dem Loslassen ertönen tiefe Töne für die Stunden, hoch-tiefe Kombinationen für die Viertelstunden und hohe Töne für die Minuten. Diese rotgoldene Minutenrepetition von Vacheron Constantin kostet 348.000 Euro.

Fortlaufend aktualisierter Artikel, ursprünglich online gestellt im Juni 2016.

[5982]

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Es tut mir wirklich leid ….
    ….aber ich kann Ihren Vorstellungen von ‘Understatement’ mindestens bei einem Teil der präsentierten Uhren nicht mehr folgen. Bei Preisen von 400k stellt sich mir ernsthaft die Frage, ob seitens der Hersteller und/oder tatsächlicher Käufer in punkto Festlegung des richtigen Drehmoments der -hoffentlich gebläuten- Schrauben nicht vielleicht untertrieben wurde. Derartige Entgleisungen sind mit Worten wie ‘verwerflich’ oder ‘unanständig’ nicht mal annähernd ausreichend beschrieben.

    Auf diesen Kommentar antworten
  2. In diesem Artikel geht es darum, dass die gezeigten Uhren für Understatement stehen, weil sie dem Gegenüber ihren Preis und Wert nicht offensichtlich zur Schau stellen.

    Auf diesen Kommentar antworten
  3. Mich persönlich hat der Artikel angesprochen, und inspiriert. Aber vielleicht hätte noch eine
    Grand Seiko das“ Understatement Sortiment“ abrunden können. Hier bleibt dem flüchtigem Betrachter auch der wahre Wert verborgen.
    Beste Grüße
    Andreas Gulbis

    Auf diesen Kommentar antworten
  4. Finde ich lächerlich, den Artikel. Goldene Uhren stehen m.E. nicht für Understatement- jedenfalls nicht mehr in Gelbgold.
    Die Panerei kennt jeder Depp auf der Straße, da das Design unverwechselbar ist, ergo auch kein Understatement. Auch die Form der Jaeger le coultre Uhr ist mehr als unauffällig und für jeden Laien schnell identifiziert.
    Möglicherweise brauchen die Hersteller durch so einen “Push” ja den Zulauf und freuen sich über den Artikel?!
    Es gäbe genügend Uhren, die Handwerklich überzeugen, optisch ihr eigenes Bild haben und eben pures Understatement versprechen. Nur wer will schon Uhren tragen, deren Wert man nicht mal im Ansatz erkennt….

    Auf diesen Kommentar antworten
  5. Hallo Frau Feist,

    an einem Dialog, oder Kritik sind Sie offensichtlich nicht interessiert.
    “Ihre Meinung interessiert uns” ist dann doch wohl eher eine Phrase.
    Ebentuell recherchieren Sie demnächst etwas besser und zeigen wirklich mal Uhren die ihren Wert nicht zur Schau stellen. Wert definiert sich übrigens nicht nur über den Preis…

    Auf diesen Kommentar antworten
  6. Lieber Lars, vielen Dank für Ihre Meinung. Die gewählten Uhren passen aus Sicht der Redaktion sehr gut zum Thema Understatement – warum wird im jeweiligen Textabschnitt zur Uhr erklärt. Viele Grüße, Ihr Watchtime.net-Team

    Auf diesen Kommentar antworten
  7. Liebe Melanie, abermals bin ich belustigt. Wenn dem so ist, machen die ersten beiden Abschnitte, vor Vorstellung der Uhren mit “Understatement”, nicht wirklich Sinn.
    Dabei wurde doch zuvor zutreffend ausgeführt, wie Understatement definiert sein könnte….

    Viel Grüße zurück

    Auf diesen Kommentar antworten
  8. Die Vacheron Patrimony Minutenrepetition in Platin, für ca. Eine halbe Million, das wäre eine echte Understatement-Uhr. Minutenrepetition sieht man von außen nicht, und Platin sieht für die meisten Menschen wie Stahl aus. Den Schieber könnte man diskreter gestalten, evtl. durch einen flachen Drücker, sogar vielleicht in der Krone versteckt?
    Marc

    Auf diesen Kommentar antworten
  9. Obwohl ich mehrere Luxusuhren aus der Schweiz besitze , ist es immer ein tolles Gefühl wenn ich meine Grand Seiko Spring Drive oder meine Credor, ebenfalls ein Seiko Produkt trage.
    Ich bin schon oft auf diese Uhren angesprochen worden und das schöne daran ist, niemand kann diese Uhren vom Preis her einschätzen.
    Grand Seiko und Credor, das ist tatsächlich Understatement pur.

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren