7 Uhren, die für echtes Understatement stehen

Uhren und ihr verborgener Luxusanspruch

Alexander Krupp
von Alexander Krupp
am 1. August 2018

Bescheidenheit ist keine Pflicht, aber eine Tugend. Für viele Menschen ist Understatement eine Lebenseinstellung. Wer sich bescheiden gibt, erweckt keinen Neid beim Gegenüber und vermeidet Konkurrenzdenken unter den eigenen Freunden. So mancher profitiert sogar beruflich von solch vornehmer Zurückhaltung: Politiker wirken ohne teure Accessoires nahbarer; ein Vertreter oder Unternehmensberater genießt mehr Vertrauen, wenn er nicht den Eindruck erweckt, sich am Kunden zu bereichern; und der Chef eines produzierenden Unternehmens kommt bei seinen Mitarbeitern besser an, wenn er nicht in Samt und Seide durch die Fabrik flaniert. Besonders Männer zeigen Stil, wenn die Herrenuhr zur Kleidung, sprich zum Anzug, zum Gürtel und zu den Schuhen passt. Der Mann, der auf Understatement setzt, bevorzugt bei der Armbanduhr ein dezentes Design und hochwertige Materialien – es geht ihm nicht darum, mit einem Statussymbol zu protzen. Die Armbanduhr soll vielmehr die eigene Persönlichkeit unterstreichen und von Qualität zeugen.

Wer bescheiden auftreten, aber dennoch nicht auf eine hochwertige Uhr am Handgelenk verzichten will, kann verschiedene Wege einschlagen. Die folgenden 7 Armbanduhren verbergen ihren Luxusanspruch dem flüchtigen Betrachter. Sie begeistern nicht die anderen, sondern denjenigen, der sich aktiv für das tickende Stück Bescheidenheit entschieden hat. Im Grunde bieten sie den höchsten denkbaren Luxus: einen Luxus, der nur für die eigene Persönlichkeit bestimmt ist.

Uhr #1, die für Understatement steht: Omega Globemaster Constellation Co-Axial Chronometer

Omega: Globemaster Constellation Co-Axial Chronometer in Platin
Omega: Globemaster Constellation Co-Axial Chronometer in Platin

Unerkannte Edelmetalle: Helle Edelmetalle wie Weißgold, Platin oder auch Palladium lassen sich bei flüchtigem Hinsehen nur schwer von Stahl unterscheiden. Damit sind sie eine der extremsten Formen des Understatements im Uhrenmarkt – und gleichzeitig die häufigste. Der Aufpreis von einem Stahl- zum entsprechenden Weißgoldmodell beträgt bei den einschlägigen Manufakturen mindestens 8.000 Euro, oftmals weit mehr. Noch drastischer wird der Unterschied bei einem Platingehäuse. Der Preis kann sich also durch das Material vervielfachen – und das, ohne dass der Unterschied sofort erkennbar wäre. Wie zum Beispiel bei der 36.700 Euro teuren Omega Globemaster Constellation Co-Axial Chronometer. Dieses Modell ist auf 352 Exemplare limitiert. Die unlimitierte Edelstahlvariante kostet 6.200 Euro.

Uhr #2, die für Understatement steht: Patek Philippe Calatrava Referenz 5227

Patek Philippe Calatrava Referenz 5227
Patek Philippe: Calatrava Referenz 5227, Roségold

Unerkannte Marke: Es gibt klassische, oftmals historisch inspirierte Designs, die von vielen Herstellern genutzt werden und deshalb nicht eindeutig auf eine bestimmte Marke schließen lassen. Hier finden Understatement-Liebhaber eine weitere Möglichkeit zur stillen Freude am Luxus: Wer eine dezente Uhr aus dem kleinen Kreis der Topmanufakturen trägt, die aufgrund allgemein bewährter Designelemente theoretisch auch von einer weniger berühmten Marke stammen könnte, zeigt sich bescheiden. Die Calatrava von Patek Philippe ist ein echter Klassiker und kostet in Roségold mit Lederarmband 31.220 Euro.

Uhr #3, die für Understatement steht: Laurent Ferrier Galet Montre École Bleu Glacier

Laurent Ferrier Galet Montre Ecole Bleu Glacier
Laurent Ferrier: Galet Montre École Bleu Glacier

Unbekannte Marke: Das genaue Gegenteil der unerkannten Topmarke ist die unbekannte Topmarke. Hier entscheidet sich der Träger für einen exklusiven, anspruchsvollen und durchaus ähnlich teuren Hersteller, der jedoch nur einem überschaubaren Kreis von Kennern ein Begriff ist. Er trägt also beispielsweise Laurent Ferrier (Das gezeigte Modell kostet in Edelstahl 37.000 Euro!) statt A. Lange & Söhne – wohl wissend, dass das Gegenüber die Güte des teuren tickenden Begleiters nicht unbedingt einschätzen kann.

Uhr #4, die für Understatement steht: Audemars Piguet Royal Oak “Jumbo” Extra-Thin

Die Royal Oak Jumbo Extra-thin stellt Audemars Piguet in der Kombination aus Titan und Platin vor.
Audemars Piguet: Royal Oak “Jumbo” Extra-thin

Unerkannte Mechanik: Viele Menschen wissen nicht einmal, dass es Zeitmesser mit Zugfeder, Spirale und vielteiligem Räderwerk gibt. Deshalb ist im Grunde schon der Besitz einer mechanischen Uhr Ausdruck von Understatement. Umso mehr, wenn die optisch eindeutigen Unterschiede zu elektronischen Uhren nicht betont werden. Das ist zum Beispiel bei Zweizeigeruhren der Fall, die ihren mechanischen Antrieb nicht anhand eines trippelnd voranschreitenden Sekundenzeigers offenbaren. Gleiches gilt für extraflache Modelle, in deren schlanken Gehäusen man nicht unbedingt ein komplexes Innenleben aus über 100 Einzelteilen vermuten würde. Oftmals werden beide Merkmale vereint: Um die Bauhöhe gering zu halten, verzichten die Hersteller extraflacher Uhren gerne auf eine Sekundenanzeige. Ein perfektes Beispiel hierfür ist die neue Audemars Piguet Royal Oak “Jumbo” Extra-thin (35.100 Euro), die trotz ihres sportlichen, facettenreichen Sportuhrengehäuses lediglich 8,1 Millimeter in der Höhe misst.

Uhr #5, die für Understatement steht: Bulgari Octo Finissimo

Bulgari: Octo Finissimo, Platin
Bulgari: Octo Finissimo

Auch die Octo Finissimo ist so flach, dass sie als mechanische Uhr unerkannt bleiben könnte. Schließlich hat sich Bulgari während der letzten Jahre als Hersteller ultraflacher Uhren etabliert und hält auf diesem Gebiet mehrere Rekorde. Auch das Finissimo-Kaliber BVL128 zählt mit nur 2,23 Millimetern zu den flachsten Uhrwerken überhaupt. Dementsprechend misst das Platingehäuse der Octo Finissimo nur fünf Millimeter in der Höhe. Das 40 Millimeter große Modell kostet 26.000 Euro.

Uhr #6, die für Understatement steht: Panerai Luminor 1950 3 Days GMT Automatic Acciaio

Panerai Luminor 1950 3 Days GMT Automatic Acciaio
Panerai: Luminor 1950 3 Days GMT Automatic Acciaio

Unerkannte Funktionen: Die hohe Kunst des Understatements hält für Uhrenfans eine ganz besondere Spielart bereit. Mechanikfreunde haben gleich mehrere Möglichkeiten, Zusatzfunktionen zu verbergen und so etwas Kompliziertes nach etwas weniger Komplexem oder gar nach etwas ausgesprochen Einfachem aussehen zu lassen. In diese Kategorie passen Zeitzonenuhren wie die hier gezeigte Panerai Luminor 1950 3 Days GMT Automatic Acciaio, bei denen sich ein zweiter Stundenzeiger hinter dem Hauptzeiger versteckt. Wenn der Träger auf Reisen geht, schaltet er den Hauptzeiger – meist in Stundenschritten – auf die neue Ortszeit. Erst jetzt kommt dahinter der zweite Zeiger zum Vorschein, der die Zeit in der Heimat bewahrt. Mithilfe dieser nützlichen Zusatzfunktion, die nur bei Bedarf sichtbar wird, weiß der Träger immer, wie spät es zu Hause ist. Das markante Design mit der versteckten Zusatzfunktion kostet 8.500 Euro in Edelstahl.

Uhr #7, die für Understatement steht: Vacheron Constantin Patrimony Contemporaine Extra-Flach Kaliber 1731

Vacheron Constantin Patrimony Contemporaine Extra-Flach Kaliber 1731
Vacheron Constantin Patrimony Contemporaine Extra-Flach Kaliber 1731

Die ganz große Schule des Understatements durch unerkannte Funktionen ist die Minutenrepetition. Zumindest die klassische, die ihr Schlagwerk hinter einem geschlossenen Zifferblatt verbirgt. Denn die komplexeste Zusatzfunktion überhaupt macht auf dem – meist dezent gestalteten – Uhrengesicht in keiner Weise auf sich aufmerksam. Vielmehr lässt sie sich nur an ihrem Bedienelement erkennen: Aus der linken Gehäuseflanke ragt ein unauffälliger Schieber, der mit dem Daumen der rechten Hand nach oben bewegt wird. Nach dem Loslassen ertönen tiefe Töne für die Stunden, hoch-tiefe Kombinationen für die Viertelstunden und hohe Töne für die Minuten. Diese rotgoldene Minutenrepetition von Vacheron Constantin kostet 348.000 Euro.

Fortlaufend aktualisierter Artikel, ursprünglich online gestellt im Juni 2016.

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