Glycine: In der Luft geboren

Einer traditionsreichen Marke wird neues Leben eingehaucht

 Redaktion
von Redaktion
am 3. Juli 2015

Kenner alter Fliegeruhren haben die Marke Glycine, die heute Glycine Watch SA heißt, nie ganz aus den Augen verloren. Mit der Glycine Airman, erstmals vorgestellt 1953, erobert das Bieler Unternehmen in den 1950er- und 60er- Jahren den Weltmarkt.

Glycine: Die Airman 1 ist 1953 die erste Weltzeituhr mit 24-Stunden-Zifferblatt und einer zweiten Zeitzone.
Glycine: Die Airman 1 ist 1953 die erste Weltzeituhr mit 24-Stunden-Zifferblatt und einer zweiten Zeitzone.

Diese Pilotenuhr verdankt ihren sensationellen Erfolg wohl in erster Linie ihrer geistigen Geburtsstätte: Ihr Design entsteht mehr oder weniger im Cockpit. Denn Samuel W. Glur, damals ein wichtiger Vertriebsmitarbeiter von Glycine Altus, so der frühere Name, darf auf einem seiner zahlreichen Flüge von Bangkok nach Kalkutta im Cockpit der DC 4 von Thai Airways Platz nehmen und plaudert angeregt mit den britischen Piloten über Beschaffenheit und Funktionen einer idealen Pilotenuhr. Die gebe es, so die Meinung der Piloten, zurzeit nicht auf dem Markt. In Kalkutta hat Glur aufgrund politischer Unruhen einen längeren Aufenthalt und er nutzt ihn, um seinem Chef einen langen Brief zu schreiben, in dem er die Anforderungen der idealen Pilotenuhr beschreibt: wasserdicht, Automatikwerk, Kalender; ganz wichtig sind ein 24-Stunden-Zifferblatt und eine Lünette mit einer zweiten Zeitzone.

Die Glycine Airman ist eine der ersten Weltzeituhren

Inhaber von Glycine Altus ist zu dieser Zeit Charles Hertig. Als er den Brief seines Mitarbeiters liest, greift er die Anregung auf und lässt die erste Glycine-Uhr mit 24-Stunden-Zifferblatt entwickeln und in den USA präsentieren. Die nächsten 25 Jahre wird Glycine Airman-Uhren produzieren, in mindestens 18 verschiedenen Modellen. Die Uhren sind mit Schweizer Felsa-Werken ausgestattet und überzeugen durch ihre Zuverlässigkeit und Robustheit. Glycine hat einen echten Coup gelandet: Die Airman ist einer der ersten Weltzeituhren überhaupt. Der Erfolg ist immens: Die Jahresproduktion von Glycine Altus beträgt um die 60 000 Uhren während der späten 50er- und frühen 60er-Jahre. Die Marke findet vor allem beim Personal der U. S. Air Force viele Anhänger. Aus dieser Zeit stammen etliche Fotos von Piloten, an deren Handgelenk eine Airman zu erkennen ist. Diese Aufnahmen sind heute ein wichtiges Marketingelement der Glycine Watch SA.

Die Uhrenmarke Glycine wird wieder erweckt

Viele Jahrzehnte lang liegt die Marke Glycine im tiefsten Dornröschenschlaf. Zwar werden seit hundert Jahren ununterbrochen Uhren hergestellt, doch lange Zeit handelt es sich dabei nur um Quarzuhren in relativ geringer Stückzahl. Heute ist die Marke im deutschsprachigen Raum fast völlig in Vergessenheit geraten. Das soll sich ändern. Denn Glycine startet durch.

Glycine: CEO Stephan Lack
Glycine: CEO Stephan Lack

Der Schweizer Stephan Lack, CEO der Firma, hat sich vorgenommen, an vergangene ruhmreiche Zeiten anzuknüpfen und Glycine als Marke auch im deutschsprachigen Raum wieder bekannter zu machen. Dafür hat er sich einen starken Partner gesucht: die DKSH, einen Schweizer Mischkonzern, der sowohl Dienstleistungen als auch Handelsvertretungen im Portfolio hat und vor allem in Asien über langjährige Erfahrungen verfügt. Lack und die DKSH haben sich 2011 als Partner verbündet, Lack kennt das Unternehmen aber bereits länger. Mit Glycine Watch SA hat die DKSH nun die zweite Uhrenmarke im Portfolio, an der sie die Mehrheitsanteile hält. Bereits 2006 ist der Konzern eine Partnerschaft mit Maurice Lacroix eingegangen. Während Maurice Lacroix das Segment Luxusuhren mit eigenen Kalibern und ausgefallenen Komplikationen bedient, wendet sich Glycine Watch SA mit ihrer Kollektion an Uhrenfans mit technischem Interesse, die eine erschwingliche Schweizer Markenuhr schätzen.

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