Patek Philippe: Nautilus – damals und heute

Über die Uhrenikone Patek Philippe Nautilus im Laufe der Zeit

Patek Philippe gilt als einer der prestigeträchtigsten Uhrenhersteller der Schweiz. Das war schon immer so. Seine oftmals reichen Kunden kommen aus aller Welt, unter ihnen sind Angehörige von Königshäusern und Wirtschaftskapitäne. Es ist die Uhrenmarke mit einem der bekanntesten Werbeslogans: „Eine Patek Philippe gehört einem nie ganz allein. Man erfreut sich ein Leben lang an ihr, aber eigentlich bewahrt man sie schon für die nächste Generation.“ Ob das nun zutrifft oder nicht, die Patek-Philippe-Besitzer und -Freunde berufen sich gerne auf diesen Slogan, um die teuren Zeitmesser zu rechtfertigen. Dementsprechend wird die Marke in erster Linie mit klassisch-eleganten Luxusuhren wie der Calatrava assoziiert.

Patek Philippe Nautilus: links die Referenz 3700/1A (1976) und rechts die 5711/1A (2006)
Patek Philippe Nautilus: links die Referenz 3700/1A (1976) und rechts die 5711/1A (2006)

 

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Doch Mitte der siebziger Jahre, als Patek Philippe für Modelle mit Komplikationen und für elegante, flache Golduhren bekannt war, beschloss man im Unternehmen, eine Sportuhr der Luxusklasse herzustellen. Wenige Jahre zuvor (1972) hatte Audemars Piguet mit der Royal Oak bewiesen, dass man einer Marke der Haute Horlogerie eine Luxus-Sportuhr aus Edelstahl abnimmt.

Entfant terrible: Wie die Patek Philippe Nautilus entstand

Und Patek Philippe holte sich mit Gérald Genta den Mann, der für das Design der Royal Oak verantwortlich gewesen war. Genta entwarf eine Uhr mit sehr speziellen Eigenschaften: Dazu gehören unter anderem das Bullaugen-Design des Gehäuses, die Kombination von polierten und satinierten Komponenten und – natürlich – das integrierte Armband aus Edelstahl. So stellte Patek Philippe 1976 die Nautilus der Öffentlichkeit vor.
Doch der Großteil der Kundschaft konnte sich nicht für die Uhr begeistern. Eine Sportuhr erschien unpassend für ein Unternehmen wie Patek Philippe, dessen Schwerpunkt schon immer auf klassischen (goldenen) Zeitmessern mit oder ohne Komplikationen lag. Die Nautilus wurde zum Enfant terrible der Kollektion, und das ist sie geblieben.

Die allererste Nautilus von Patek Philippe Referenz 3700/1A, 1976
Die allererste Nautilus von Patek Philippe Referenz 3700/1A, 1976

Wer sich auf dem Markt nach einer Nautilus umsieht, muss sich entscheiden zwischen einem neueren Modell aus den 2000er-Jahren oder einem Modell aus der zweiten Hälfte der siebziger Jahre. Dabei zeigt der Blick auf den Preis, dass ein Vintage-Modell aus zweiter Hand genauso teuer (oder manchmal sogar noch teurer) ist wie das aktuelle.
Betrachten wir nun die allererste Nautilus mit der Referenz 3700/1A und die Nautilus 5711/1A: Auf den ersten Blick scheint sich in den 30 Jahren, die zwischen den beiden Modellen liegen, nicht viel geändert zu haben. Doch bei genauerem Hinschauen zeigt sich, wie sich die Uhr gewandelt hat.

Die Nautilus mit der Referenz 5711/1A, 2006
Die Nautilus mit der Referenz 5711/1A, 2006

Das Bullaugen-Gehäuse

Das Gehäuse der Patek Philippe Nautilus ist der Form eines Bullauges nachempfunden. Der Name stammt aus dem berühmten Roman „Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer“ von Jules Verne. Die Bullaugen von Kapitän Nemos Unterseeboot Nautilus hatten in manchen Darstellungen eine ähnlich ovale Form. Der Bullaugenvergleich passt nicht nur optisch, denn wie bei einem Schiffsfenster dienen die Flanken zum Verschrauben der Lünette mit dem Gehäuse. Dadurch gab es neben der Krone nur eine einzige Öffnung. Das Werk wurde zusammen mit dem Zifferblatt nach vorne herausgenommen. Diese Konstruktion war notwendig, um die Wasserdichtheit von 120 Metern zu erreichen. Mit dem Namen Nautilus betonte Patek Philippe also eine wichtige Eigenschaft der Uhr: die für damalige Verhältnisse sehr hohe Druckfestigkeit. In Anzeigen war dann auch über die Nautilus an zwei entsprechend ausgerüsteten Handgelenken zu lesen: „Sie passt zum Taucheranzug ebenso gut wie zum Smoking“.

Das Modell 3700/1A besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen, dem Gehäuse und der Lünette. Dabei sind Lünette und Gehäuse wie ein Bullauge aneinander geschraubt. Das Gehäuse der 3700/1A misst im Durchmesser 42 Millimeter. 1976 war diese Gehäusegröße überdurchschnittlich groß. So erhielt die Uhr schnell den Spitznamen Nautilus Jumbo.
Als Patek Philippe die Nautilus 2006, ungefähr 30 Jahre nach der Lancierung des Modells, wieder auf den Markt brachte, hatte sie noch einmal an Umfang zugelegt. Das Gehäuse maß nun 43 Millimeter und war noch etwas höher. Außerdem war es aus drei Teilen konstruiert: Neben der Lünette und dem Korpus bildet nun dier Bodenein eigenes Bauteil. In den Augen vieler Puristen ist die zweiteilige Bauweise der 3700/1A interessanter, da sich ihrer Ansicht nach darin das Wesen des Bullaugen-Designs widerspiegelt.

Die Nautilus mit der Referenz 5711/1A, 2006
Patek Philippe: Nautilus Referenz 5711/1A, 2006

Ein neues Uhrwerk für die Nautilus

Ein anderer Aspekt, der ebenfalls Auswirkungen auf das Aussehen des Gehäuses hatte, war die Verwendung eines neuen Uhrwerks. Genauer gesagt beschloss Patek Philippe, das neue Modell um einen Sekundenzeiger zu ergänzen. Dieser Sekundenzeiger veränderte das Erscheinungsbild der Uhr beträchtlich, da die Lünette so etwas höher wurde. Scheinbar hatte Gérald Genta eine Schwäche für Uhren, die nur die Stunden und die Minuten anzeigten, deshalb verfügte auch die ursprüngliche Royal Oak nicht über einen Sekundenzeiger.

Patek Philippe: Nautlius Referenz 3700/1A , 1976
Patek Philippe: Nautlius Referenz 3700/1A , 1976

So veränderte sich das Nautilus-Zifferblatt

Auch das Zifferblatt veränderte sein Aussehen bei der Neuauflage von 2006: Sein Muster blieb gleich, doch Patek Philippe veränderte die Farbe. Das Zifferblatt der neuen Nautilus mutet „elektrisch“ an, weil sich die grün-blaue Färbung verändert, je nachdem, wie man die Uhr im Licht hin und her bewegt. Die 3700/1A zeigt dagegen immer die gleiche bläuliche Färbung des Zifferblatts, egal aus welchem Winkel man sie betrachtet. Die Aufschrift ‘Patek Philippe’ und ‘Geneve’ rückte mit dem neueren Modell ein Stückchen Richtung zwölf Uhr und auch die Schrift veränderte sich. Die Typografie der 3700/1A entspricht dem Stil der 1970er-Jahre und wirkt im Vergleich zum nachfolgenden Modell massiver. Betrachtet man die Zeiger, fällt der Unterschied zwischen der 5711/1A mit Sekundenzeiger und der Zweizeigeruhr 3700/1A sofort ins Auge.

Patek Philippe Nautilus Referenz 3700/1A, 1976
Noch ohne Saphirglasboden: die Patek Philippe Nautilus Referenz 3700/1A, 1976

Das Uhrwerk: So wird die Nautilus angetrieben

Als Patek Philippe die Nautilus einführte, verwendete man das automatische Kaliber 28-255C. Dieses ultraflache Werk basiert auf dem Kaliber Jaeger-LeCoultre 920 und damit auf dem gleichen Werk, das 1972 in der Royal Oak Referenz 5402 von Audemars Piguet Verwendung fand. Dieses Werk, das von Audemars Piguet als Kaliber 2121 benutzt wird, hat eine Höhe von nur 3,05 Millimeter (einschließlich des Rotors) und besitzt keinen Sekundenzeiger. Der Rotor bewegt sich auf Schienen, nicht mithilfe eines Kugellagers.

Das mechanische Automatikwerk Kaliber 28-255C
Das mechanische Automatikwerk Kaliber 28-255C

Im 2006er-Modell tickt das automatische Kaliber 324 S C. Es wurde von Patek Philippe im eigenen Haus entwickelt und hergestellt. Ein schön finissiertes und konstruiertes Uhrwerk, das nicht so flach wie sein Vorgänger ist, aber nun durch einen Saphirglasboden sichtbar ist.

Patek Philippe: Nautilus – jetzt auch mit sichtbarem Werk
Patek Philippe: Nautilus – jetzt auch mit sichtbarem Werk

Die Gehäuseunterschiede der Nautilus-Referenzen 3700/1A und 5711/1A

Aufgrund des dreiteiligen Gehäuses mit dem Kaliber 324 S C unterscheidet sich das Modell 5711/1A etwas von dem Modell 3700/1A. Das Gehäuse ist höher, der Abstand zwischen Zifferblatt und Saphirglas ist aufgrund des Sekundenzeigers größer, und es gibt einen Saphirglasboden. Trotzdem ist es Patek Philippe meiner Ansicht nach gelungen, das schnittige und elegante Design der Nautilus zu bewahren.

Patek Kaliber 324 S C
Patek Kaliber 324 S C

Das Armband der Nautilus

Viele Sportuhren weisen ein massives und solide anmutendes Armband auf. Im Gegensatz dazu sind die Nautilus-Armbänder sehr dünn und geschmeidig. Beim Tragen ist kaum ein Unterschied zwischen dem Armband der Ur-Nautilus und der neueren Version von 2006 zu spüren. Der größte Unterschied besteht in der Faltschließe. Das Band der Nautilus 3700/1A besitzt einen recht einfachen Schließmechanismus, bestehend aus zwei Metallteilen ohne spezielle Bearbeitung oder Gravuren. Es erfüllt trotzdem seinen Zweck. Für mehr Sicherheit gibt es zusätzlich einen Faltverschluss, damit die Schließe nicht zufällig aufgehen kann.

Patek Philippe: Nautilus 3700/1A , 1976
Patek Philippe: Nautilus 3700/1A , 1976

Das Band der 5711/1A besitzt hingegen eine doppelte Faltschließe mit Sicherheitsverschluss. Dieses Armband sieht aus meiner Sicht viel besser aus und erfüllt die Anforderungen an eine moderne Luxusuhr. Beide Armbänder tragen ein graviertes Patek-Philippe-Logo.

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2016 lancierte Patek Philippe zwei limitierte Jubiläumseditionen der Nautilus

Zum 40-jährigen Jubiläum der Nautilus lancierte Patek Philippe Ende 2016 zwei limitierte Sondereditionen. Mit der Referenz 5711/1P kam eine auf 700 Stück limitierte Platinversion der 40-Millimeter-Nautilus. Das dunkelblaue Zifferblatt mit typischem Nautilus-Prägedekor besitzt Diamantindizes und die Jubiläumsjahreszahlen. Wie im regulären Modell arbeitet im Innern das automatische Manufakturkaliber 324 S C.

Patek Philippe: Nautilus Ref. 5711/1P 40th Anniversary Limited Edition
Patek Philippe: Nautilus Ref. 5711/1P 40th Anniversary Limited Edition

Deutlich vergrößert hat Patek Philippe das Gehäuse des auf 1.300 Exemplare limitierten Jubiläumsmodells des Flyback-Chronographen, der als Referenz 5976/1G ein 44-Millimeter-Weißgoldgehäuse besitzt. Mit Krone und der an Scharniere von Bullaugen erinnernden Gehäuseflanke sind es sogar 49,25 Millimeter. Angetrieben wird der Nautilus-Chronograph vom automatischen Manufakturkaliber CH 28-520 C mit Schaltrad und vertikaler Kupplung. Auch diese Nautilus besitzt Stundenindizes aus Baguette-Diamanten sowie den Jubiläumsschriftzug prominent auf dem Zifferblatt.

Patek Philippe: Nautilus Chronograph Ref. 5976/1G 40th Anniversary Limited Edition
Patek Philippe: Nautilus Chronograph Ref. 5976/1G 40th Anniversary Limited Edition

Die Baguette-Diamanten als Indexe und der geprägte Jubiläumsschriftzug mit den Jahreszahlen fiel manchem nicht dezent genug aus. Dazu kamen die wegen des Gehäusematerials extrem hohen Preise. Letztlich waren aber auch diese Nautilus-Modelle begehrt und schnell ausverkauft. Das Beispiel der Jubiläumsmodelle und die enorme Nachfrage nach der Dreizeiger-Nautilus in Stahl zeigen, wie hoch die Begehrlichkeit dieser Ikone ist.

2018 stellt Patek Philippe die Nautilus Ewiger Kalender vor

Auf der Baselmesse 2018 hat Patek Philippe die Nautilus-Kollektion um eine große Komplikation erweitert: die Nautilus Ewiger Kalender, Referenz 5740/1G. Dank des Manufakturkalibers 240 Q mit Mikrorotor fällt das 40 Millimeter große Gehäuse mit einer Höhe von 8,42 Millimetern sehr flach aus.

Die Patek Philippe Nautilus Ewiger Kalender, Referenz 5740/1G ist mit 8,42 Millimetern der flachste ewige Kalender der Kollektion
Patek Philippe integriert bei der Nautilus Ewiger Kalender, Referenz 5740/1G eine Mondaphsenanzeige in das kleine Zeigerdatum bei der Sechs (107.125 Euro)

Da es wie das Armband aus Weißgold besteht, ist die Neuheit gleichzeitig recht schwer, was den besonderen Reiz am Handgelenk ausmacht. Die Nautilus Ewiger Kalender kostet 107.125 Euro.

Wir haben die Nautilus Ewiger Kalender auf der Baselworld 2018 ans Handgelenk gelegt:

So sieht die Nautilus Ewiger Kalender, Referenz 5740/1G, von Patek Philippe live aus.
Wristshot der Patek Philippe Nautilus Ewiger Kalender, Referenz 5740/1G
Auch das Armband der Patek Philippe Nautilus Ewiger Kalender, Referenz 5740/1G ist aus Weißgold.
Live-Bild der Patek Philippe Nautilus Ewiger Kalender, Referenz 5740/1G

Welche Nautilus sollte ich nun kaufen?

Was bleibt, ist die Frage: „Vintage-Nautilus oder neues Modell?“ Dies lässt sich nicht leicht beantworten, weil Käufer solcher Zeitmesser vor allem emotionale Gründe für ihren Kauf haben. Abgesehen davon, dass Sie mit keiner dieser Uhren einen Fehlgriff machen können, gibt es einige Unterschiede in der Konstruktion des Gehäuses, des Uhrwerks und des Zifferblatts, die den Puristen womöglich zur Nautilus Referenz 3700/1A greifen lassen. Wenn sie dagegen an der Nautilus das Design, ihren Erfolg und die hohe Fertigungstiefe von Patek Philippe schätzen, aber keine Uhr aus zweiter Hand haben möchten oder den möglicherweise hohen Preis für die Reparatur einer Vintage-Uhr scheuen, dann würden sie sich wohl eher für eine neue Nautilus entscheiden. Für alle, die viel unterwegs sind, steht seit 2014 auch ein weiteres Nautilus-Modell zur Wahl: Der Nautilus Travel Time Chronograph mit zweiter Zeitzone und Chronographenfunktion.

Komplizierte Nautilus: Patek Philippe Nautilus Travel Time Chronograph

2015 stellte Patek Philippe eine weitere Variante vor: Die Referenz 5711/1 mit Roségoldgehäuse und einem Zifferblatt mit hell-dunklem Braunverlauf. Aktuell umfasst die Kollektion für Herren eine Reihe weiterer Komplikationen, wie die Referenz 5712 mit Gangreserve- und Mondphasenanzeige sowie Zeigerdatum, die Referenz 5726 mit Jahreskalender, Mondphasen- und 24-Stunden-Anzeige, den Chronographen und eben die Version mit ewigem Kalender. Die aktuelle Dreizeigervariante Referenz 5711 hat einen Durchmesser von 40 Millimetern und ist in Edelstahl mit schwarzblauem oder silberweißem Zifferblatt erhältlich.

Explodierende Preise bei der Nautilus

Die Nautilus ist als Basismodel mit drei Zeigern in Stahl sehr begehrt und enorm wertstabil. Seit der Einführung 1993 hat sich der Preis mehr als verfünffacht. Seit der Preiserhöhung 2018 kostet die Ref. 5711/A stolze 26.810 Euro. Trotzdem übersteigt die Nachfrage das Angebot bei Weitem, sodass dieses Modell aus Vorbesitz kaum unter 40.000 Euro gehandelt wird. Wenn man also eine zum regulären Preis bekommen kann, eignet sie sich gut als Wertanlage, denn sie bietet einen enormen Wertzuwachs.

Die Preisentwicklung der Patek Philippe Nautilus
Die Preisentwicklung der Patek Philippe Nautilus (Infos Gisbert L. Brunner)

Fortlaufend aktualisierter Artikel, ursprünglich online gestellt im April 2013.

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Als Uhrenliebhaber und -sammler schätze ich mich glücklich, bereits im Jahr 1986 eine PP Nautilus neu gekauft zu haben. Sie ist bis heute in meiner Sammlung.
    Leider geht Ihr Artikel nicht auch auf die Ref. 3800/001 mit dem KAL. 335 SC ein, hätte ich doch zu gern gewußt, von wann bis wann diese Ref. hergestellt und verkauft wurde.
    Ansonsten ein sehr guter Artikel, der die Nautilus entsprechend würdigt.

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  2. Es wäre schön wenn Sie auch die Preisentwicklung in der Grafik aktualisiert wäre. sonst ein guter Artikel.

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