Chanel: Neue J12-Formate, Haute Horlogerie und ein Spielbrett voller Ikonen
Watches and Wonders 2026
J12: Zwei neue Durchmesser, ein neues Kapitel
Das Modell J12 war 2000 als unisex Sportuhr in schwarzer Keramik angetreten und hatte Uhrmacherei und Mode auf eine bis dahin ungewöhnliche Weise kombiniert. Seither hat Chanel die Linie konsequent ausgebaut. 2026 folgt der nächste formatbezogene Schritt: Erstmals erscheint die J12 in 28 mm und in 42 mm, zwei Größen, die im bestehenden Lineup bislang fehlten.
J12 28 mm: Das kleine Format mit großem Auftritt
Das 28-mm-Gehäuse ist das kleinste, das Chanel bisher für die J12 gebaut hat, und es kommt in sechs Ausführungen. Die Basismodelle in Schwarz und Weiß tragen eine Stahllünette mit Keramikring, ein lackiertes Zifferblatt mit keramischen Indexen und laufen mit einem Quarzwerk. Wasserresistenz: 30 Meter.
Zwei weitere Varianten ergänzen das Zifferblatt um je zwölf Diamanten, insgesamt rund 0,06 Karat, auf schwarzem respektive weißem Lack. Der Effekt ist subtil, das Segment klar: Schmuckuhr im Sportuhr-Kleid. Das interessanteste 28-mm-Modell ist jedoch jenes mit geripptem Kautschukband. Erstmals trägt eine J12 kein Keramikarmband, sondern ein schwarzes Gummiband mit Grosgrain-Textur und Kontrastnaht. Das Zifferblatt zeigt poliert-rhodinierte Indizes.
Die Kombination ist für Chanel ungewohnt und wirkt dennoch wie ein bewusstes Styling-Statement: sportlicher, zugänglicher, jünger. Ob das eine eigenständige Linie begründet oder ein Einzelfall bleibt, ist aus dem vorliegenden Programm nicht zu schließen. Alle 28-mm-Modelle sind jedoch als Dauerreferenzen angelegt. Preise starten bei 5.100 Euro.
Chanel J12 28 mm mit Kautschukband
ChanelJ12 Superleggera Kaliber 12.1 42 mm: Das markante Pendant
Das 42-mm-Gehäuse positioniert sich am anderen Ende des neuen Formatspektrums. Die J12 Superleggera, ein Name, den Chanel erstmals 2005 verwendete und der auf die gewichtsoptimierten Rennkarosserien der Carrozzeria Touring anspielt. Die 2026er Version ist die bisher sportlichste Interpretation dieses Beinamens. Das Gehäuse und Armband bestehen aus mattem Schwarzkeramik. Die Lünette ist unidirektional drehbar, ihr Ring aus satinemattiertem gehärtetem Stahl mit sehr engen Riefen, die Basis aus geschwärztem Stahl. Das Zifferblatt ist lackiert schwarz, mit einem kreisförmig satinierten Zentrum und einem azurierten, schneckenförmig gefrästen Rand. Das Datum erscheint bei 4 Uhr hinter einem roten Pfeilzeiger, der einzige Farbakzent an einer ansonsten konsequent monochromen Uhr. Das Armband trägt vertikal satinierte Mittelglieder mit polierten Kanten.
Sichtbar durch den Saphirglasboden ist das Kaliber 12.1 mit geschwärzter Schwungmasse. Das Werk stammt aus der Kenissi-Manufaktur, an der Chanel Miteigentümer ist, es ist dazu COSC-zertifiziert. Die Gangreserve beträgt rund 70 Stunden, die Wasserresistenz 200 Meter. Die Uhr kostet 12.900 Euro.
Chanel J12 Superleggera
ChanelJ12 Golden Black: Schwarzkeramik mit Goldakzenten
Die Golden-Black-Edition der J12 verbindet beide neuen Formate zu einem ästhetischen Duo. 28 und 42 mm, je in matter Schwarzkeramik, je mit gelbgoldplatinierten Zifferblattindizes. Der Kontrast zwischen dem kühlen, matte Keramikschwarz und den warm leuchtenden Ziffern sticht als Gestaltungsprinzip besonders hervor. Das 28-mm-Modell trägt eine feststehende Lünette mit geschwärztem Stahlring und einem schwarzen Keramikeinsatz, ein Quarzwerk und ein Keramikarmband mit Dreifachfaltschließe.
Das 42-mm-Pendant trägt dagegen eine unidirektional drehbare Lünette, ebenfalls mit Keramikeinsatz, und das Kaliber 12.1 mit einem speziell gelbgoldplatinierten Rotor: Wer durch den Saphirglasboden schaut, sieht die Schwungmasse, die den Indizes auf dem Zifferblatt entspricht. Ein kohärentes Designdetail. Das Werk ist COSC-zertifiziert mit 70 Stunden Gangreserve, 200 Meter wasserdicht. Kostenpunkt: 11.400 Euro.
Chanel J12 Golden Black
ChanelJ12 in matter Blaukeramik: neue Dauerreferenz
Chanel präsentierte letztes Jahr erstmals eine blaue Referenz der J12 als limitierte Serie, 2026 wird die Farbe in das permanente Programm überführt, jeweils als 38 und 33 mm-Ausführung. Das ist eine klare Ansage: Chanel baut Blau als dritte Stammfarbe der J12 neben Schwarz und Weiß auf. Die Farbe ist kein Standard-Blau. Arnaud Chastaingt beschreibt das Entwicklungsziel als ein Blau, das fast schwarz wirkt. Fünf Jahre Entwicklung, nach eigenen Angaben, wurden für diesen Farbton benötigt. Das verweist auf eine materialchemische Herausforderung: Keramikfärbung ist nicht pigmentbasiert wie Lackierung, sondern entsteht durch den Sinterungsprozess. Reproduzierbarkeit über Produktionsjahre ist entsprechend anspruchsvoll. Beide Modelle zeigen ein durchgängig mattes Blau an Gehäuse, Armband, Lünette und Zifferblatt. Die Lünette ist unidirektional drehbar, aus Stahl mit Keramikeinlage. Das Zifferblatt erscheint ebenfalls in einem dunklen Blauton. Das 38-mm-Modell wird vom Kaliber 12.1 angetrieben (~70 h Gangreserve, COSC, bis 200 m wasserdicht), das 33-mm-Modell vom Kaliber 12.2 (~50 h, COSC, 200 m). Beide Werke kommen aus der Kenissi-Manufaktur. Beide Modelle sind Dauerreferenzen. Das kleine Modell kostet 7.650 Euro, die große Variante 8.000 Euro.
Chanel J12 in Matte Blue Ceramic
ChanelCoco Game: Pixelzeiger auf Kohlenstofffaden
Die drei J12-Coco-Game-Modelle teilen eine Idee: Mademoiselle als pixelisierter Videospielcharakter, der sich beim Laufen des Sekundenzeigers um das Zifferblatt bewegt. Dahinter steckt mehr Mechanik als man vermuten würde. Die Figur ist aus einer Kohlenstoffplatte lasergeschnitten, ein Verfahren, das bei minimalem Gewicht maximale Formgenauigkeit erlaubt. Der Grund für diesen Aufwand liegt in der Physik: Ein Sekundenzeiger muss für die Genauigkeit exakt ausbalanciert sein. Eine applizierte Figur aus konventionellem Metall würde diese Balance stören. Zehn Monate Entwicklungszeit wurden für das Material, die Schnittgeometrie und den Lackeinsatz auf Pixeln von 0,5 mm Kantenlänge benötigt. Das ist ein ernst zu nehmender Aufwand für ein Detail, das sich nur beim genauen Hinschauen erschließt.
J12 Chanel Coco Game und Coco Game Charms
ChanelDas Haute-Horlogerie-Modell mit Baguettediamanten-Lünette (46 Steine, ~5,46 Karat) und einem Brillanten auf der Krone läuft mit dem Kaliber 12.1, ist COSC-zertifiziert, hat 70 Stunden Gangreserve und ist bis 50 Meter wasserdicht. Die Serie ist auf 55 Stücke limitiert. Zwei Versionen ohne Diamanten, in Mattschwarz und Weiß, erscheinen als limitierte Editionen mit COSC-zertifiziertem Kaliber 12.1 und bieten 200 Meter Wasserdichtigkeit sowie einem Schraubkronensystem statt der nicht verschraubbaren Krone beim Haute-Horlogerie-Pendant. Das 33-mm-Modell mit weißer Keramik und dem Kaliber 12.2 folgt der gleichen Pixel-Idee, in kleinerer Schale, ebenfalls als limitierte Edition. Wasserresistenz hier 50 Meter, Gangreserve rund 50 Stunden. Die limitierten Editionen kosten 12.200 Euro mit Keramiklünette und 155.000 mit Diamantenbesatz im Baguetteschliff.
Eine weitere Variante nutzt die Figur als Charm, der an der Krone hängt.
Chanel J12 X-Ray Coco Game
ChanelJ12 X-Ray Coco Game: Transparenz als Gestaltungsprinzip
Die J12 X-Ray Coco Game ist technisch und ästhetisch das ambitionierteste Stück der gesamten J12-Linie dieser Veröffentlichung. Das Gehäuse besteht aus Saphirglas und Weißgold mit schwarzem PVD-Coating, das Armband schließt sich dieser Gestaltung ebenfalls an: 138 Baguettediamanten (~10,15 Karat) sitzen in mit schwarzem Gold eingefassten Saphirglied-Segmenten. Die Herstellung dieser Armbandkomponenten allein erfordert laut Angaben von Chanel 1.600 Maschinenstunden.
Das eigentliche Zifferblatt ist keines im klassischen Sinne: Eine obere Brücke aus Saphirglas legt das Kaliber 3.1 frei. Die Grundplatine, der Räderwerksträger und die Hemmungsbrücke bestehen ebenfalls aus Saphirglas. Der Effekt ist ein Werk, das optisch zu schweben scheint, da keine metallischen Strukturelemente das Erscheinungsbild dominieren. Die Lünette in Weißgold mit schwarzem PVD trägt 46 Baguettediamanten (~5,46 Karat). Das Kaliber 3.1 läuft mit Handaufzug, es liefert rund 55 Stunden Gangreserve bei 28.800 A/h und zählt 158 Bauteile. Die Montage des Werks dauert sieben Arbeitstage, nach Herstellerangaben.
Die Wasserdichtigkeit beträgt 30 Meter, der Durchmesser 38 mm. Die Uhr ist limitiert auf 12 Stück. Das Modell knüpft an die J12 X-Ray an, die Chanel 2020 erstmals zeigte, trägt trotz Coco-Game-Thematik keine figurativen Elemente auf dem Zifferblatt. Preis auf Anfrage.
Chanel Monsieur Lion Tourbillon Black Edition
ChanelMonsieur Lion, Mademoiselle Privé, Nœud de Camélia: Das permanente Haute-Horlogerie-Feld
Abseits der Coco-Game-Thematik erweitert Chanel sein Haute-Horlogerie-Portfolio mit weiteren Stücken. Die Monsieur Lion Tourbillon Black Edition setzt das fliegende Tourbillon fort, das Chanel seit 2016 als Manufaktur-Signatur mit einem Löwenkopf im Käfig verbindet. Das Kaliber 5.1 läuft mit Handaufzug, liefert rund 72 Stunden Gangreserve bei 4 Hz. Das Gehäuse aus mattschwarzem Keramik wird ergänzt mit geschwärztem Stahl; die Auflage liegt bei 55 Exemplaren. Die Uhr kostet 115.000 Euro.
Die Mademoiselle Privé Bouton Lion Serie führt das Button-Konzept weiter, bei dem die Uhr unter einem Chanel-Knopf verborgen ist. Ein Ringuhr und eine lange Halskette, beide in Gelbgold und Titanschwarz, mit lasergeschnitztem Löwenkopf auf einer Onyx-Platte. Keine Komplikation, aber handwerklich durchgängig überzeugend, und als Dauerreihe angelegt.
Chanel Noeud de Camelia
ChanelDie Nœud de Camélia-Kollektion verbindet Haute Couture und Haute Horlogerie über die Kamelie, Chanels bekanntestes florales Motiv. Fünf Versionen, darunter ein gesticktes Manchettenmodell mit Lesage-Stickerei, ein volldiamantiertes Armband (Nœud de Diamants Cuff als Pièce unique, 3.306 Brillanten, 5,23-Karat-Asscher-Centerstein) und eine entsprechende Ring-Version. Das Zifferblatt versteckt sich unter dem zentralen Stein; die Übergänge zwischen Couture-Handwerk und Uhrmacherei sind hier am engsten verzahnt.
Chanels Uhrengeschäft ist strukturell anders positioniert als die meisten Genfer Maisons. Die Marke profitiert von globaler Modesichtbarkeit und kann Konzepte wie Gamification, Miniatur-Skulptur oder Haute-Couture-Integration glaubwürdiger umsetzen als ein reiner Uhrenhersteller. Die Kooperation mit Kenissi für die Kaliber 12.1 und 12.2 und die konsequente Eigenentwicklung weiterer hochkomplexer Kaliber in La Chaux-de-Fonds zeigen, dass Chanel den Anspruch an uhrmacherische Substanz ernst nimmt. Die 2024 gemeldete 25-prozentige Beteiligung an MB&F passt in dieses Bild: Chanel sucht Kompetenzerweiterung in der konzeptuellen Haute Horlogerie, nicht nur bei den Volumenprodukten. Das 2026er-Programm ist breiter als fokussiert, aber kohärent: J12 wird in alle Richtungen gedehnt, die Coco-Game-Kollektion kommuniziert Markenidentität auf dem derzeit modischsten Weg, und die permanente Haute Horlogerie untermauert die handwerkliche Kredibilität.
- J12: Zwei neue Durchmesser, ein neues Kapitel
- J12 28 mm: Das kleine Format mit großem Auftritt
- J12 Superleggera Kaliber 12.1 42 mm: Das markante Pendant
- J12 Golden Black: Schwarzkeramik mit Goldakzenten
- J12 in matter Blaukeramik: neue Dauerreferenz
- Coco Game: Pixelzeiger auf Kohlenstofffaden
- J12 X-Ray Coco Game: Transparenz als Gestaltungsprinzip
- Monsieur Lion, Mademoiselle Privé, Nœud de Camélia: Das permanente Haute-Horlogerie-Feld