Citizen Tsuyosa x seconde/seconde/: Wenn Minuten Stunden in Stücke schneiden
Die Ausgangslage ist denkbar ungleich: Auf der einen Seite Citizen, eine der größten und traditionsreichsten Uhrenmanufakturen Japans, gegründet 1918, weltbekannt für erschwingliches Design, Solarantrieb und eine gewisse Zurückhaltung. Daneben seconde/seconde/, ein kleines Pariser Atelier rund um Uhrendesigner und Künstler Romaric André, das sich seit Jahren einen Namen damit gemacht hat, die Konventionen der Uhrenbranche mit spitzem Humor und pointiertem Konzept zu unterlaufen. Keine Haute-Horlogerie-Referenzen, keine ehrfürchtigen Manufakturbesuche – sondern Kunst, Witz und eine klare Haltung.
Das Konzept: David gegen Goliath
Was dabei herausgekommen ist, ist eine Uhr mit einer Geschichte. Und das ist wörtlich gemeint. Der Minutenzeiger der Citizen Tsuyosa x seconde/seconde/ ist kein Zeiger. Er ist ein Katana – jenes legendäre japanische Samurai-Schwert, das für Schärfe, Disziplin und Kraft steht. Im Pixel-Art-Stil gehalten, wie man ihn aus japanischen Retro-Videospielen kennt, scheint das Schwert die Stundenindizes auf dem blauen Zifferblatt buchstäblich in zwei Hälften geteilt zu haben. Was erst wie ein Designgag wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als konsequent durchdachtes Konzept: Die Indizes sind tatsächlich so gesetzt, als hätte das Katana sie beim Durchschwingen zerschnitten. Klein, aber wirkungsvoll. Genau das ist die Botschaft, die auf dem Gehäuseboden eingraviert ist: „Being smaller has never stopped Minutes from slicing Hours into pieces." Minuten sind kleiner als Stunden. Und trotzdem teilen sie sie auf. Die Schließe des Metallarmbands ist mit stilisierten Schwertschnitten verziert.
Citizen Tsuyosa x seconde/seconde/, Referenz NJ0157-81L
CitizenSelbst die Limitierung folgt der Logik: 3.600 Exemplare weltweit, weil eine Stunde exakt 3.600 Sekunden hat. Wer so konsequent denkt, meint es ernst. André selbst bringt es auf den Punkt, wenn er die Kollaboration als Zusammenspiel von Gegensätzen beschreibt: ein französischer Einzelkünstler trifft auf eine traditionsreiche japanische Großmarke. Es ist genau diese Spannung, die den Reiz ausmacht – und die man dem Ergebnis ansieht.
Solide Basis, kluges Gewand
Darunter tickt das Citizen-Kaliber 8210, ein Automatikwerk mit Handaufzug, einer Gangreserve von rund 42 Stunden und einer Frequenz von 21.600 Halbschwingungen pro Stunde. Die Ganggenauigkeit ist mit −20 bis +40 Sekunden pro Tag angegeben – das ist kein Chronometerwert und für eingefleischte Uhrentechniker eine offene Flanke. Aber: Es ist solide. Und für eine Uhr in dieser Preisklasse, die vor allem als Konzeptobjekt überzeugt, vollkommen ausreichend. Das Gehäuse aus Edelstahl misst 40 Millimeter im Durchmesser bei 11,7 Millimeter Höhe – ein Format, das breit tragbar ist und weder zu groß noch zu brav wirkt. Das Saphirglas mit Datumslupe erfüllt seinen Zweck, der transparente Boden gibt den Blick auf das Uhrwerk frei. Das dreiteilige Metallarmband ist nach Citizen-Standard hochwertig verarbeitet und bietet einen angenehmen Tragekomfort.
Citizen Tsuyosa x seconde/seconde/, Kaliber 8210
CitizenDas Zifferblatt in sattem Blau ist stimmig, der Katana-Zeiger bei näherer Betrachtung verblüffend detailreich. Die Uhr kommt in einer von seconde/seconde/ gestalteten Limited-Edition-Box.
Klare Kaufempfehlung
449 Euro. Das ist der Preis, den Citizen für diese Kollaboration aufruft. Und hier darf man ruhig direkt sein: Das ist ein fairer Deal – eher sogar ein guter. Man bekommt ein Automatikwerk aus japanischer Fertigung, ein Saphirglas, ein solides Edelstahlgehäuse und eine konzeptionelle Tiefe, die man bei Massenware für das Dreifache vermisst. Für Sammler, die Uhren als Ausdruck verstehen, ist die Kooperation mit seconde/seconde/ in seiner Preisklasse kaum zu schlagen. Der einzige Vorbehalt: Wer eine Uhr primär nach Ganggenauigkeit oder klassischer Uhrmacherkunst bewertet, wird hier nicht vollständig befriedigt. Aber das ist auch nicht der Anspruch.
Die Citizen Tsuyosa x seconde/seconde/ ist das, was gelungene Kollaborationen auszeichnet: mehr als die Summe ihrer Teile. Zwei ungleiche Partner haben ein Objekt geschaffen, das eine Geschichte erzählt, die man sich merkt. Das Konzept sitzt, die Ausführung überzeugt, der Preis stimmt.