Excellence Chronometer: COSC verschiebt mit einer neuen Prüfklasse die Grenzen der Messbarkeit
Seit 1973 fungiert das Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres (COSC) als eine der tragenden Institutionen der Schweizer Uhrmacherei. Als unabhängige, gemeinnützige Prüfstelle hat es die Entwicklung von Swiss Made maßgeblich begleitet und durch die Zertifizierung von nahezu 55 Millionen Werken, darunter 2,4 Millionen im Jahr 2024, einen globalen Referenzrahmen für Präzision geschaffen. Mehr als 60 Marken vertrauen auf die Tests des COSC, rund 40 Prozent aller exportierten mechanischen Schweizer Uhren tragen ein entsprechendes Zertifikat.
Zum 50-jährigen Bestehen der ISO-Norm 3159 schlägt die Institution nun ein neues Kapitel auf. Der Schritt ist bewusst evolutionär angelegt: Die bestehende Chronometerzertifizierung bleibt erhalten, wird jedoch durch eine zusätzliche, anspruchsvollere Stufe ergänzt.
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COSCKontinuität und Anpassung
Der grundlegende Auftrag des COSC bleibt unverändert: die neutrale und methodisch rigorose Bestätigung der Ganggenauigkeit. Doch die Lebensrealität mechanischer Uhren hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Magnetfelder sind allgegenwärtig, Gangreserven haben sich verlängert, neue Materialien finden Einsatz und die Uhren werden intensiver getragen. Diese veränderten Rahmenbedingungen bilden den Ausgangspunkt für die neue Zertifizierungsstufe. Sie verschärft die tägliche Gangtoleranz von bislang zehn auf sechs Sekunden, verlangt eine Magnetfeldresistenz bis 200 Gauß und überprüft die tatsächlich erreichte Gangreserve im Verhältnis zu den Herstellerangaben. Damit wird Präzision nicht nur enger gefasst, sondern auch um zusätzliche Leistungsdimensionen erweitert.
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COSCVom Werk zur Uhr
Ein wesentlicher Unterschied liegt im Prüfobjekt. Während die klassische Chronometerzertifizierung ausschließlich das Werk bewertet, bezieht sich die neue Stufe auf die vollständig eingeschalte Uhr. Diese wird unter Bedingungen getestet, die der realen Nutzung näherkommen. Die Methodik folgt dabei einer zweiphasigen Struktur. Zunächst durchlaufen die Werke weiterhin die fünfzehntägige Prüfung nach den sieben Kriterien der ISO-Norm 3159. Erst nach erfolgreicher Zertifizierung als Chronometer kehren sie in die Manufaktur zurück und werden eingeschalt.
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COSCIn der zweiten Phase werden die fertigen Uhren fünf Tage lang untersucht. Ein Robotersystem simuliert durchschnittliche Tragebewegungen, um die Gangwerte unter semi-dynamischen Bedingungen zu messen. Innerhalb von 24 Stunden muss die durchschnittliche tägliche Abweichung zwischen –2 und +4 Sekunden liegen. Anschließend erfolgt die Exposition in einem Magnetfeld von 200 Gauß, wobei die Leistung stabil bleiben muss. Den Abschluss bildet die Überprüfung der Gangreserve, die den vom Hersteller angegebenen Wert bestätigen soll. Unverändert bleibt das Prinzip der Einzelprüfung: Jede Uhr wird individuell getestet, Stichprobenverfahren kommen nicht zur Anwendung.
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COSCEine neue Stufe in der Hierarchie
Die Einführung des „Excellence Chronometer“ erweitert die bestehende Leistungsarchitektur. Swiss Made bildet weiterhin die Basis, das „Certified Chronometer“ bleibt die etablierte Referenz für geprüfte Präzision. Die neue Auszeichnung positioniert sich als zusätzliche, optionale Stufe darüber – ein Instrument, das Marken nutzen können, um ihre technische Leistungsfähigkeit sichtbarer zu machen. Die Chronometrie wird damit differenziert. Präzision erscheint künftig als mehrdimensionales Konzept, das neben Ganggenauigkeit eben auch Magnetfeldresistenz und Energieautonomie umfasst.
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COSCUmsetzung und Zeitplan
Die Einführung erfolgt schrittweise. Seit Anfang 2026 werden in den COSC-Laboren neue Messtechnologien integriert und die Prüfkapazitäten erweitert. Im März beginnen Pilotversuche, um die Verfahren zu validieren und die Marken in der Anpassungsphase zu begleiten. Die internationale Präsentation ist für April im Rahmen der LAB-Projekte auf der Watches and Wonders vorgesehen. Ab Oktober 2026 soll schließlich die reguläre Implementierung starten – dann werden die ersten Uhren nach den neuen Kriterien zertifiziert.
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COSCPräzision als dynamischer Begriff
Mit der Erweiterung der Chronometerprüfung verschiebt sich der Fokus von der reinen Werkleistung hin zur Gesamtperformance der Uhr im Alltag. Präzision wird nicht mehr ausschließlich als statischer Messwert verstanden, sondern als Zusammenspiel mehrerer Faktoren unter realitätsnahen Bedingungen. Das „Excellence Chronometer“ markiert damit weniger einen Abschluss als einen weiteren Takt in der kontinuierlichen Entwicklung der Schweizer Chronometrie. Die Institution bleibt ihrer Rolle als Garant für Messbarkeit treu und setzt zugleich einen neuen Maßstab, der technische Leistungsfähigkeit und praxisorientierte Prüfung enger miteinander verbindet.
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