Rolex-Gerüchte 2026: Jubiläen, Rückkehrer und der nächste große Schritt
Rolex gilt seit jeher als Inbegriff kontrollierter Evolution. Kaum eine andere Marke geht so behutsam mit ihrem Portfolio um, verändert Referenzen in der Regel nur in kleinen Schritten und setzt häufiger auf neue Farben, Materialien oder Zifferblattvarianten als auf komplett neue Modelllinien. Gerade diese Zurückhaltung ist es jedoch, die jede Anpassung umso aufmerksamer verfolgen lässt. Dennoch gelingt es der Genfer Manufaktur in regelmäßigen Abständen, selbst erfahrene Liebhaber zu überraschen. Die Einführung der vollständig neuen Land-Dweller, die stark nachgefragten pastellfarbenen Varianten der Oyster Perpetual oder eine außergewöhnliche GMT-Master II mit Tigereisen-Zifferblatt im vergangenen Jahr haben gezeigt, dass Rolex auch im Rahmen seiner eigenen Design- und Produktlogik immer wieder für frische Impulse sorgt. Vor diesem Hintergrund richtet sich der Blick nun erneut auf das kommende Frühjahr. Wie jedes Jahr stellt sich unter Sammlern und Kennern die gleiche Frage: Welche Neuheiten wird Rolex präsentieren – und welche Modelle könnten aus dem Portfolio verschwinden? Kurz vor der nächsten Ausgabe der Watches & Wonders verdichten sich die Spekulationen. Mit Blick auf dieses Jahr lohnt es sich, etwas tiefer in die Markenhistorie einzutauchen. Nach kleiner Recherche wird deutlich, dass es das ein oder andere Jubiläum zu feiern gibt. Dieser Artikel beleuchtet die derzeit kursierenden, teils naheliegenden, teils überraschenden Vermutungen rund um mögliche Rolex-Neuvorstellungen für 2026.
Die Rolex Oyster feiert dieses Jahr 100. Geburtstag.
RolexOyster (Perpetual)
Vor 100 Jahren präsentierte Rolex mit der ersten wasserdichten Oyster einen Meilenstein der modernen Uhrmacherei. Auch wenn die heute bekannte Oyster Perpetual als eigenständige Linie erst später folgte, liegt es nahe, dass die Marke dieses Jubiläum zum Anlass für eine behutsame Weiterentwicklung nutzt. Am wahrscheinlichsten erscheinen dabei gestalterische Anpassungen innerhalb des bestehenden Rahmens: neue Farbvarianten, ein erweitertes Spektrum an Zifferblattmaterialien oder eine Sonderedition in der Tradition des „Celebration Dial“. Eine grundlegende Neuausrichtung der Oyster-Perpetual-Linie hingegen wirkt derzeit wenig plausibel. Zum einen erfreuen sich die Modelle unverändert großer Nachfrage, zum anderen wurde die Kollektion erst vor wenigen Jahren aktualisiert.
Der Blitzzeiger steht emblematisch für die Milgauss-Kollektion.
RolexMilgauss
Die 2023 eingestellte Milgauss würde im Jahr 2026 ihr 70-jähriges Jubiläum feiern – und gilt damit als einer der meistdiskutierten Kandidaten für eine mögliche Rückkehr. Nach mittlerweile rund drei Jahren Abwesenheit aus dem Portfolio erscheint eine Neuauflage nicht ausgeschlossen. Viele Liebhaber hoffen in diesem Zusammenhang auf eine stärkere Annäherung an das historische Ursprungsmodell, das oben zu sehen ist. Eine schwarze Lünette etwa würde die wissenschaftliche Toolwatch-Ästhetik der frühen Jahre wieder aufgreifen. Unverzichtbar bliebe dabei in jedem Fall der charakteristische Blitzzeiger, der seit 1956 zum unverwechselbaren Markenzeichen der Milgauss gehört. Auch eine Ausführung in Titan wäre vorstellbar. Rolex geht mit diesem Werkstoff bislang äußerst zurückhaltend um, doch gerade für ein funktional ausgerichtetes Modell wie die Milgauss, das traditionell auf Widerstandsfähigkeit gegenüber Magnetfeldern ausgelegt ist, ließe sich ein solches Materialkonzept durchaus schlüssig begründen.
Die Day-Date verkörpert seit jeher puren Luxus und ist regelmäßig an den Handgelenken von Weltstars zu sehen.
RolexDay-Date
Ebenfalls ihr 70-jähriges Jubiläum begeht das wohl prestigeträchtigste Modell im gesamten Rolex-Portfolio: die Day-Date. Als „Präsidentenuhr“ bekannt, begleitet sie seit Jahrzehnten Staatsoberhäupter, Filmikonen und Persönlichkeiten von internationalem Rang – ein Symbol für Status und diskrete Autorität. Im Jubiläumsjahr sind behutsame Weiterentwicklungen denkbar, wie sie der Markenphilosophie entsprechen. Neue Zifferblattvarianten – etwa mit besonderen Materialien, veredelten Oberflächen oder nuancierten Farbspielen – würden die gestalterische Bandbreite erweitern, ohne den ikonischen Charakter zu verändern. Darüber hinaus wird vereinzelt über eine weitere Neuerung spekuliert, die Rolex bislang kaum einsetzt: ein Saphirglasboden. Er würde erstmals den Blick auf das Automatikwerk des besagten Modells freigeben.
Die Explorer II wurde ursprünglich für Höhlenforscher entwickelt.
RolexExplorer II
Auch die Explorer II bietet Anlass zur Aufmerksamkeit: Als konsequente Toolwatch im Rolex-Programm begeht sie ihr 55-jähriges Jubiläum. Im Rahmen dieses Meilensteins erscheinen behutsame, aber wirkungsvolle Anpassungen denkbar. Diskutiert wird etwa eine Reduktion des Gehäusedurchmessers von derzeit 42 Millimetern auf eine kompaktere Größe – ein Schritt, der der wachsenden Nachfrage nach kleineren Proportionen entsprechen würde. Ebenso naheliegend wäre eine gestalterische Rückbesinnung auf historische Referenzen, insbesondere durch die Wiederaufnahme des markanten roten 24-Stunden-Zeigers. Ergänzend könnte auch ein Materialwechsel bei der Lünette im Raum stehen: Eine Variante in Keramik würde der Uhr eine modernere Anmutung verleihen und zugleich die Kratzerresistenz im täglichen Einsatz erhöhen.
Mit Aluminiumlünette gab es die „Coke“ bereits, auf eine Keramikversion warten Liebhaber bisher jedoch vergeblich.
RolexGMT-Master II Coke
Auch wenn die GMT-Master II in diesem Jahr kein rundes Jubiläum begeht, halten sich seit geraumer Zeit hartnäckige Spekulationen um eine mögliche Portfolio-Bereinigung. Im Zentrum steht dabei die sogenannte „Pepsi“ mit blau-roter Lünette, deren Zukunft immer wieder infragegestellt wird. Als denkbare Nachfolgerin wird in Sammlerkreisen häufig eine Neuauflage der „Coke“ diskutiert – jene Variante mit schwarz-roter Lünette, die bereits in der Vergangenheit Kultstatus erlangt hat. Unabhängig davon, ob die Pepsi tatsächlich aus dem Programm verschwindet, gilt eine Rückkehr der Coke als plausibles Szenario, das auf große Resonanz stoßen dürfte. Parallel dazu erscheint auch eine Anpassung der Gehäusegröße vorstellbar. Eine Vergrößerung von bislang 40 auf 41 Millimeter würde die GMT-Master II formal näher an die aktuelle Submariner heranführen.
Die 1908 würde sich gut für die Integration weiterer Komplikationen eignen.
RolexTriple Calendar Padellone
Die Veröffentlichung eines neuen technischen Patents von Rolex hat die internationale Uhrenwelt im vergangenen Jahr spürbar in Bewegung versetzt. Die Patentschrift beschreibt eine neu entwickelte, springende Kalendermechanik, die mit zwei separaten Datumsscheiben arbeitet – eine für den Wochentag, eine für den Monat. Genau jenes Prinzip, das für einen vollwertigen Triple Calendar erforderlich ist. Entsprechend wächst in Sammlerkreisen die Erwartung, dass Rolex wieder eine klassische Vollkalender-Komplikation in Serienfertigung auflegen könnte. Historisch wäre dies eine Rückkehr zu einem Kapitel, das längst Legendenstatus erreicht hat. Die Referenzen 6062 („Stelline“) und 8171 („Padellone“) aus den 1950er-Jahren zählen mit Vollkalender und Mondphase zu den begehrtesten Vintage-Rolex überhaupt. Umso bemerkenswerter ist die Tatsache, dass Rolex im vergangenen September ausgerechnet den Begriff „Padellone“ als Marke schützen ließ – ein ungewöhnlicher Schritt, da die Manufaktur Spitznamen aus der Sammlerszene traditionell nicht formal registriert. Die Eintragung kann daher durchaus als strategisches Signal interpretiert werden. Mit der Einführung der Perpetual 1908 im Jahr 2023 hat Rolex zugleich eine gestalterische Plattform geschaffen, die sich ideal für klassische Komplikationen eignet. In diesem Zusammenhang gewinnt auch die eingestellte Cellini Moonphase an Bedeutung: Sie kombinierte bereits Mondphase und Zeigerdatum – es fehlten lediglich Wochentag und Monat, also genau jene Anzeigen, auf die das neue Patent abzielt. Setzt man das publizierte Kalendermodul in Beziehung zum vorhandenen Mondphasenmechanismus, ergänzt dies um die klar definierte Designsprache der 1908 und berücksichtigt zusätzlich die neu gesicherte Bezeichnung „Padellone“, entsteht ein in sich stimmiges Zukunftsszenario. Vieles deutet darauf hin, dass Rolex die Bausteine für eine moderne Triple-Calendar-Moonphase längst vorbereitet hat. Ob die Marke diesen Schritt jedoch bereits im kommenden April vollzieht, bleibt offen.
Allgemeine Modellpflege
Blickt man auf die gesamte Modellpalette, spricht vieles dafür, dass Rolex auch in diesem Jahr wieder eine Vielzahl neuer Zifferblattvarianten präsentieren wird. Neben frischen Farbinterpretationen für etablierte Linien erscheint auch eine behutsame Überarbeitung der Land-Dweller denkbar – etwa in Form eines weniger polarisierenden Zifferblattdesigns.
Parallel dazu zeichnet sich eine weitere Entwicklung ab, die sich bereits in Ansätzen beobachten ließ: die schrittweise Integration von Titan in das Rolex-Portfolio. Eine Ausweitung dieses Materials auf zusätzliche Referenzen wirkt naheliegend, zumal es funktionale Vorteile mit sich bringt. Besonders plausibel erscheint in diesem Zusammenhang die Vorstellung einer Sea-Dweller oder Deepsea aus Titan. Gerade bei diesen groß dimensionierten Taucheruhren würde die Gewichtsreduktion das Trageerlebnis spürbar verbessern, ohne die technische Leistungsfähigkeit zu kompromittieren.
Da auch uns der Blick in die Kristallkugel verwehrt bleibt, richtet sich die Aufmerksamkeit nun ganz auf den April und die dort erwarteten Neuheiten. Sicher ist lediglich eines: Jede einzelne Referenz wird – wie bei Rolex üblich – das Ergebnis sorgfältiger Überlegung und strategischer Präzision sein. Die Spannung bleibt also bestehen, bis sich zeigt, welche Impulse die Marke ihrem Portfolio in diesem Jahr tatsächlich verleiht.
Von der Uhr zum Erbstück: Wie Rolex und Co. auch den Nachkommen Freude bereiten