Drei Visionen: Wie unabhängige Haute Horlogerie auf der Watches and Wonders zur Kunstform wird
Abseits der großen Namen präsentierten ausgewählte Marken auf der diesjährigen Watches and Wonders eine Form der Uhrmacherei, die weit weniger auf Konvention als auf Haltung setzt. Unabhängige Ateliers nutzen ihre Freiheit und Unabhängigkeit, um Uhren nicht nur technisch, sondern auch kulturell und gestalterisch hervorzuheben. Dabei entstanden Zeitmesser, die sich klassischen Kategorien entziehen. Die Pupil Ultralight von Behrens übersetzt kulturelle Symbolik, Geometrie und Materialinnovation in eine neue Form der Zeitanzeige. Die Grönefeld 1944 Tanfana Red Gold verbindet feminine Haute Horlogerie mit emotionaler Tiefe, Aventurin und feinster Handarbeit. Und Cyrus inszeniert mit der Klepcys Vertical Tourbillon Jasper Zeit als Kombination aus vertikalem Tourbillon, retrograder Anzeige und expressivem Naturstein.
#1 Behrens – Pupil Ultralight
Behrens – Pupil Ultralight
BehrensMit der Pupil Ultralight aus der Inventor Collection schlägt Behrens ein bemerkenswertes Kapitel in der modernen Uhrmacherei auf. Besagte Neuvorstellung verbindet auf ungewöhnlich konsequente Weise kulturelle Inspiration aus der antiken Sanxingdui-Zivilisation mit hochmodernen Materialien und einer völlig eigenständigen mechanischen Anzeige. Statt Zeigern im traditionellen Sinne treten zwei rhombusförmige Elemente in Erscheinung, die sich kontinuierlich zueinander bewegen. Sie treffen sich, lösen sich wieder voneinander und bilden dabei immer neue geometrische Konstellationen. Diese Bewegung ist nicht nur funktional, sondern zutiefst symbolisch. Inspiriert vom „Bronze Diamond Eye“ der Sanxingdui-Kultur entsteht eine visuelle Metapher für Zeit als fortlaufenden Prozess. Die gestalterische Grundlage dieser Uhr reicht rund 3.000 Jahre zurück. Die Sanxingdui-Kultur, bekannt für ihre geheimnisvollen Bronzeobjekte mit markanten Augenmotiven, dient als zentrale Inspirationsquelle. In dieser Welt standen Augen nicht nur für Sehen, sondern für Erkenntnis, kosmische Wahrnehmung und spirituelle Verbindung. Behrens übersetzt dieses Motiv auf mechanische Weise.
Neben der konzeptionellen Tiefe beeindruckt die Pupil Ultralight vor allem durch ihre technische Umsetzung. Die Graphen-Versionen nutzen ein eigens entwickeltes Monolayer-Komposit, das zu den modernsten Materialien in der Uhrmacherei zählt. Das Gehäuse bringt ohne Armband lediglich etwa acht Gramm auf die Waage und wirkt am Handgelenk nahezu schwerelos. Diese extreme Leichtigkeit geht jedoch nicht zulasten der Stabilität. Im Gegenteil: Das Material vereint außergewöhnliche Härte, hohe Zähigkeit und hervorragende Korrosionsbeständigkeit. Im Inneren arbeitet das Manufakturkaliber BM09 mit Handaufzug, das speziell für diese Architektur entwickelt wurde. Die springende Stundenanzeige sorgt für einen präzisen Wechsel, während die Minuten über die charakteristische „Augen“-Geometrie dargestellt werden. Ergänzt wird die Gestaltung durch eine Gangreserveanzeige im oberen linken Bereich sowie eine Tag-Nacht-Komplikation im unteren Segment. Mit einer Gangautonomie von 45 Stunden und einer Frequenz von vier Hertz verbindet das Werk moderne Leistungsfähigkeit mit einer klaren gestalterischen Idee. Für umgerechnet rund 28.700 Euro wird der Zeitmesser der besonderen Art Teil der eigenen Sammlung.
#2 Cyrus – Klepcys Vertical Tourbillon Jasper
Cyrus – Klepcys Vertical Tourbillon Jasper
CyrusMit der neuen Klepcys Vertical Tourbillon Jasper hebt Cyrus eines seiner bekanntesten Modelle auf ein neues künstlerisches Niveau. Diese auf lediglich fünf Exemplare limitierte Edition kombiniert avantgardistische Uhrmacherkunst mit der natürlichen Ausdruckskraft von rotem Jaspis. Das kissenförmige Gehäuse aus Grade-5-Titan wurde auf 42,5 Millimeter reduziert und wirkt dadurch ausgewogener am Handgelenk. Emblematisch ist die doppelte Krone: Während sie bei drei Uhr für Aufzug und Zeiteinstellung zuständig ist, erlaubt die zweite Krone bei neun Uhr eine schnelle Stundenverstellung. Mit einer Höhe von knapp 20 Millimetern wirkt der Korpus bewusst voluminös. Das gewölbte Saphirglas verstärkt diesen Eindruck und gibt den Blick auf die dreidimensionale Konstruktion frei. Titan wurde bewusst gewählt, um Leichtigkeit und Stabilität zu vereinen. Die Mischung aus polierten und satinierten Oberflächen betont die Geometrie des Gehäuses und verleiht ihm eine fast skulpturale Wirkung. Ein Saphirglasboden ermöglicht zudem den Blick auf das aufwendig finissierte Werk, während die Wasserdichtigkeit von fünf Bar die Alltagstauglichkeit unterstreicht.
Im Zentrum der Neuvorstellung steht das vertikale Tourbillon, das Herzstück der gesamten Konstruktion. Anders als klassische Tourbillons, die horizontal positioniert sind, ist diese Ausführung um 90 Grad geneigt und mittig im Zifferblatt angeordnet. Diese Modifikation ist nicht nur ästhetisch spektakulär, sondern auch funktional begründet. Da sich die Uhr am Handgelenk überwiegend in vertikaler Position befindet, kann das Tourbillon die Auswirkungen der Schwerkraft effektiver ausgleichen und so die Ganggenauigkeit verbessern. Der Tourbillonkäfig vollführt eine Umdrehung pro Minute und dient gleichzeitig als Sekundenanzeige. Die gesamte Konstruktion wird von einer markanten, bogenförmigen Brücke getragen, die sich über das Zifferblatt spannt. Inspiriert von Leonardo da Vincis selbsttragenden Brückenkonstruktionen, ist dieses Element nicht nur dekorativ, sondern strukturell entscheidend. Rhodinierte Oberflächen, kombiniert mit sorgfältig polierten Kanten, erzeugen spannende Lichtreflexe und verstärken die räumliche Tiefe des Zifferblatts. Die Zeit wird über zwei retrograde Anzeigen dargestellt, die sich symmetrisch entlang der zentralen Achse anordnen. Auf der rechten Seite verlaufen die Minuten entlang eines halbkreisförmigen Bogens, während die Stunden auf der linken Seite springen. Besonders hervorzuheben ist die Verwendung von rotem Jaspis. Besagter Naturstein zeichnet sich durch seine tiefen, erdigen Farbtöne und individuellen Maserungen aus. Kein Zifferblatt gleicht dem anderen, wodurch jedes Exemplar zu einem Unikat wird. Ergänzt wird die Anzeige durch eine kugelförmige Gangreserveanzeige bei zwölf Uhr, die eine Laufzeit von vier Tagen visualisiert. Für zuverlässigen Antrieb sorgt das eigenständig entwickelte Kaliber CYR625. Die 344 Komponenten und 51 Rubine umfassende Feinmechanik verfügt über zwei Federhäuser, die zusammen eine Gangreserve von über 100 Stunden liefern. Auch in der Veredelung zeigt sich der hohe Anspruch von Cyrus.
#3 Grönefeld – 1944 Tanfana Red Gold
Grönefeld – 1944 Tanfana Red Gold
GrönefeldMit der 1944 Tanfana Red Gold präsentiert Grönefeld erstmals ein dezidiertes Damenmodell und bleibt dabei konsequent seiner Philosophie treu: kompromisslose Uhrmacherkunst, kombiniert mit emotionaler Gestaltung und handwerklicher Perfektion. Inspiriert von der gleichnamigen germanischen Göttin sowie der Heimatstadt Oldenzaal der Brüder Grönefeld, steht dieses Modell für Harmonie, Schutz und feminine Ausdruckskraft. Gleichzeitig ist die Referenz „1944“ eine persönliche Hommage an ihre Mutter. Auch gestalterisch beschreitet die Manufaktur mit der Neuvorstellung neue Wege. Erstmals kommen Materialien wie Aventurin in dieser Form zum Einsatz, ebenso eine stärker skulpturale Gehäusearchitektur und ein ausgeprägter Fokus auf dekorative Elemente. Dennoch bleibt die Uhr unverkennbar Grönefeld: Die gleiche Präzision, die gleiche Liebe zum Detail und die gleiche handwerkliche Qualität definieren auch dieses Modell. Im Zentrum steht ein Zifferblatt aus tiefblauem Aventurin. Dieses Material ist bekannt für seine funkelnden metallischen Einschlüsse, die an einen nächtlichen Sternenhimmel erinnern. Überlagert wird die Oberfläche von einem geometrischen Muster, der sogenannten „Flower of Life“. Dieses Motiv symbolisiert die Ordnung, Harmonie und Struktur des Universums. Es verleiht dem Zifferblatt nicht nur visuelle Komplexität, sondern auch eine spirituelle Dimension. Die Zeit wird über elegante Zeiger aus Rotgold angezeigt, die mit den applizierten trapezförmigen Indizes harmonieren. Die Ablesbarkeit bleibt dabei trotz der künstlerischen Gestaltung stets klar und präzise.
Eine besondere Rolle spielt die Anzeige bei sechs Uhr: Statt einer klassischen kleinen Sekunde zeigt sich hier eine rotierende florale Animation. Das Element erzeugt einen Moiré-Effekt und vermittelt den Eindruck einer sich kontinuierlich öffnenden Blüte. Das Gehäuse misst 37,5 Millimeter im Durchmesser und überzeugt durch eine außergewöhnlich komplexe Formgebung. Unterschiedliche Höhen, geschwungene Linien und präzise Kanten erzeugen ein spannendes Spiel aus Licht und Schatten. Dadurch wirkt die Uhr nicht nur elegant, sondern auch architektonisch anspruchsvoll. Gefertigt aus 18-karätigem Rotgold, strahlt der Korpus eine warme, luxuriöse Präsenz aus. Besonders hervorzuheben ist der aufwendige Diamantbesatz: Insgesamt 233 Brillanten mit einem Gesamtgewicht von etwa 2,73 Karat zieren Lünette, Gehäuse und Dornschließe. Im Inneren arbeitet das automatische Manufakturkaliber G-06 – ein Uhrwerk, das die technische Kompetenz von Grönefeld eindrucksvoll demonstriert. Mit 230 Komponenten und 31 Rubinen ist es komplex aufgebaut und vollständig von Hand finissiert. Das Werk bietet eine Gangreserve von rund 56 Stunden und arbeitet mit einer Frequenz von 21.600 Halbschwingungen pro Stunde. Eine freischwingende Unruh mit variabler Trägheit sowie eine Phillips-Endkurve sorgen für stabile Gangwerte und hohe Präzision. Der automatische Aufzug erfolgt über einen einseitig wirkenden Rotor aus 22-karätigem Rotgold. Dieser ist offen gearbeitet und trägt ein zentrales Medaillon aus Weißgold in Form des „Tree of Life“. Wie bei allen Grönefeld-Uhren spielt die Veredelung eine zentrale Rolle. Die Brücken aus Edelstahl sind von Hand angliert, ihre Kanten sorgfältig poliert und die Oberflächen mikrogestrahlt sowie mit kreisförmigen Schliffen versehen. Die Hauptplatine ist mit Ruthenium beschichtet und fein dekoriert. Bemerkenswert ist ebenfalls die Kombination verschiedener Materialien: Stahlbrücken, Goldchatons, aufwendig bearbeitete Schrauben und dekorative Gravuren verschmelzen zu einem harmonischen Gesamtbild. Für 118.000 Euro wechselt das beeindruckende Modell ans eigene Handgelenk.
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