Elegant, sportlich, retro: Die wichtigsten Zeigerformen im Vergleich
Schon früh entwickelte sich ein erstaunlich vielfältiger Kanon an Zeigerformen, die bis heute häufig verwendet werden. Trotz ihrer Formenvielfalt ist ihnen eines gemeinsam – ihre Proportionen. So sollte der Stundenzeiger in der Regel ein Drittel kürzer und ein Fünftel breiter sein als der Minutenzeiger. Mit einem Gegengewicht versehen ist in der Regel nur der Sekundenzeiger. Das Gegengewicht sorgt für die richtige Balance; bei den viel langsameren Minuten- und Stundenzeigern ist ein Gegengewicht hingegen meist rein dekorativer Natur.
Dauphine-Zeiger
Patek Philippe: Calatrava mit facettierten Dauphinezeigern
Patek PhilippeEntstanden in den 1940er-Jahren, sind Dauphine-Zeiger eng mit der klassischen Nachkriegs-Dresswatch verbunden. Sie zählen heute zu den verbreitetsten Formen im gehobenen Segment. Von ihrem breiten Zentrum aus laufen sie lang und spitz zu, ihr kurzes, ebenfalls spitzes Ende befindet sich auf der anderen Seite der Mitte. Charakteristisch ist die facettierte, meist zweiflächige Gestaltung mit scharfer Mittelkante, die Lichtreflexe erzeugt. Im Unterschied zu Alpha- oder Blattzeigern sind sie geradliniger und geometrischer, weniger weich geschwungen. Ein typisches Beispiel findet man bei vielen Modellen der Calatrava von Patek Philippe.
Breguet- oder Pomme-Zeiger
Klassische Breguet-Zeiger: Breguet Classique 5177
BreguetAbraham-Louis Breguet (1747–1823) war nicht nur einer der bedeutendsten Uhrmacher, sondern nahm auch einen starken Einfluss auf wichtige Gestaltungselemente der Uhr. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entwarf er eine Zeigerform, die sich durch eine ringförmige Verdickung in ihrem letzten Drittel auszeichnete. Da deren Form an einen Apfel (frz. pomme) erinnerte, bürgerte sich bald der Begriff Pomme-Zeiger ein. In Anlehnung an ihren Erfinder spricht man heute noch häufiger von Breguet-Zeigern. Man findet sie nicht nur bei Uhren der Marke Breguet, sondern auch bei anderen hochwertigen Uhren, in der Regel bei besonders eleganten Modellen.
Feuille- oder Blattzeiger
IWC: Portugieser 40 mit Blattzeigern
IWCIm 19. Jahrhundert aufgekommen, wurden Feuille-Zeiger, im Deutschen auch Blattzeiger genannt, im Art déco populär. Die weich geschwungene, blattartige Silhouette unterscheidet sie klar von streng geometrischen Zeigerformen wie Dauphine. Sie sind elegant, dabei weniger weniger verspielt als Breguet-Zeiger, haben aber keine so technische Anmutung wie beispielsweise Schwertzeiger. Blattzeiger finden sich oft bei sehr eleganten Uhren wie der IWC Portugieser, entsprechend selten sind sie mit Leuchtmasse belegt.
Schwertzeiger
Cartier: Santos mit Schwertzeigern
CartierBereits bei militärischen Armbanduhren des frühen 20. Jahrhunderts findet man Zeiger in Schwertform. Ihr Merkmal ist, dass sie vom Zentrum aus langsam immer breiter werden, um dann kurz vor dem Ende abzuknicken und zu einer Spitze zuzulaufen. Man findet sie zum Beispiel bei manchen (aber nicht allen) Modellen der Cartier Santos. Mitunter werden Schwertzeiger auch als Lancette- oder Lanzenzeiger bezeichnet. Doch da gibt es einen bedeutenden Unterschied:
Zeiger in Lanzenform
IWC: Mark XX mit weißem Zifferblatt und Lanzenzeigern
IWCAls Lancette- oder Lanzenzeiger gelten strenggenommen Zeiger, die schmal aus dem Zentrum herauskommen, kurz breit zulaufen, um dann schon sehr früh abzuknicken und sich zur Spitze hin zu verjüngen. Sie haben eine ähnliche Rautenform wie die Dauphinezeiger, aber anders als bei diesen spielt sich alles auf einer Seite des Zentrums ab. Lanzenzeiger etablierten sich im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, als sich die Armbanduhr von der Taschenuhr emanzipierte und klar lesbare, aber elegante Zeigerformen gefragt waren. IWC setzt bei seinen Pilot's Watches auf Lanzenzeiger, zum Beispiel bei der abgebildeten Mark XX.
Baton- oder Stabzeiger
Audemars Piguet: Royal Oak Chronograph mit Stabzeigern
Audemars Piguet"Batôn" ist im Französischen das Wort für Stock oder Stab, bekannt unter anderem durch den Schlagstock der Polizisten. Die betont gerade, schnörkellose Form ist seit den 1950er- und 60er-Jahren beliebt. In der Regel kommen die Zeiger sehr schmal aus der Mitte und sind am Ende abgerundet. Man findet sie oft facettiert, auch, wie im Fall der Royal Oak von Audemars Piguet, mit Leuchtmasse belegt. Es gibt aber auch sehr dünne Varianten wie zum Beispiel bei der Nomos Tangente.
Der Mercedeszeiger
Rolex: Submariner mit Mercedeszeiger
RolexDer Mercedeszeiger ist heute einer der bekanntesten Zeiger, da man ihn bei vielen Rolex-Modellen findet. Natürlich wollte Rolex weder das Markenzeichen der berühmten Automarke nachempfinden, noch ist Mercedeszeiger eine irgendwie offizielle Bezeichnung. Der Name wurde, wie bei vielen Rolex-Modellen, von Fans vergeben. Aber tatsächlich erinnert die Form, in der ein Kreis in drei gleichgroße Teile aufgegliedert wird, an den Mercedesstern. Rolex hatte indes einen ganz pragmatischen Grund für die Form: Man wollte vermeiden, dass die Leuchtmasse herausfällt, wenn sie eine zu große Fläche ausfüllen muss. Schon die erste Explorer von 1953 war mit dieser Zeigerform ausgestattet. Geschützt ist sie nicht, daher findet man sie auch bei anderen Marken – am häufigsten bei solchen, die mit ihren Taucheruhren an das große Vorbild der Submariner erinnern wollen.
Kathedralenzeiger
Montblanc: 1858 Geosphere mit Kathdralenzeigern
MontblancSegmentierte Leuchtmasse ist allerdings keine Exklusivität des Mercedeszeigers: Sie zeichnet auch die Kathedralenzeiger aus. Die Zwiebelturmform des Stundenzeigers erinnert an süddeutsche Kirchen, auch an orthodoxe Kathedralen. Diese Zeigerform ist relativ alt und kam schon im frühen 20. Jahrhundert zum Einsatz, insbesondere im militärischen Umfeld. Kathedralenzeiger findet man heute oft bei Uhren mit ausgeprägtem Retro-Design, so auch bei den von Minerva geprägten Uhren der Linie 1858 von Montblanc.
Pfeilzeiger
Omega: Seamaster Planet Ocean mit Pfeilzeigern
OmegaDen "Broad Arrow" gab es bereits bei britischen Militäruhren des frühen 20. Jahrhunderts. Sein Kennzeichen ist die markante, dreieckige Spitze. Sie tauchte historisch sowohl beim Stunden- als auch beim Minutenzeiger auf. Omega hat den Broad Arrow im Lauf der Jahrzehnte bei verschiedensten Seamaster- und Speedmaster-Modellen eingesetzt. Bei der aktuellen Seamaster Planet Ocean sind sowohl Stunden- als auch Minutenzeiger mit dem Broad Arrow ausgestattet, zudem findet sich beim Sekundenzeiger eine Pfeilspitze. Pfeilzeiger sind nicht immer Broad Arrows: Oft findet man sie auch bei GMT-Uhren, um den 24-Stunden-Zeiger von den anderen abzusetzen.
Der Snowflakezeiger
Tudor: Black Bay Ceramic mit Snowflakezeiger
TudorDer Snowflakezeiger ist eng mit Tudor verbunden. Er geht auf die 1969 eingeführte zweite Generation der Tudor Oyster Prince Submariner zurück. Das auf der Spitze stehende Quadrat ist in den vordersten Teil des Stundenzeigers integriert und setzt ihn so deutlich vom Minutenzeiger ab. Gleichzeitig ließ sich so mehr Leuchtmasse einsetzen. Der naheliegende Name "Snowflake" (Schneeflocke) stammt aus Sammlerkreisen und setzte sich im Laufe der Zeit im allgemeinen Uhrensprachgebrauch durch. Inzwischen ist der Snowflakezeiger zum unverkennbaren Markenzeichen der Black-Bay-Modelle geworden.