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Lesedauer 4 Min.

Frischer Wind in Glashütte: Wie DUG die Uhrenwelt herausfordert

So will die deutsche Uhrenmanufaktur Glashütte (DUG) die sächsische Uhrenstadt Glashütte demokratisieren: Handwerk an der Werkbank, digitaler Direktvertrieb – und erschwingliche Uhren für eine neue Generation.
Uhr DUG Purist am Handgelenk
© Philipp Sipos | DUG

Glashütte gilt als Synonym für deutsche Uhrmacherkunst. Zehn Manufakturen haben sich hier in den letzten Jahrzehnten etabliert, die meisten mit langer Historie, hoher Exklusivität und – zumindest teilweise – entsprechend hohen Preisen. Seit Ende 2024 gibt es einen elften Uhrenhersteller: die Deutsche Uhrenmanufaktur Glashütte (DUG). 

Mit seiner Marke will Gründer Toni Brodführer beweisen, dass „Glashütte/Sa“ auf dem Zifferblatt nicht zwangsläufig hohe Summen bedeuten muss. Der Ansatz ist so einfach wie radikal: Handwerk dort, wo es zählt – Digitalisierung überall sonst.

DUG - Varianten der Purist

Varianten der Purist

© WatchTime

Die Werke werden in Glashütte nach den strengen Regeln der Glashütte-Verordnung gefertigt, an Werkbänken von Uhrmachern, mit Anglierungen, Zierschliffen und viel Handarbeit. Gleichzeitig laufen Vertrieb, Konfiguration, Kundenkommunikation und Feedback-Kanäle ausschließlich digital. Wer eine DUG möchte, bestellt sie direkt über die Webseite, konfiguriert Farbe und Armband selbst, oder schreibt dem Team via Instagram. Kein Zwischenhändler, keine Vitrinen. Toni Brodführer sieht genau darin den Hebel: „So können wir alles in die Uhren stecken, anstatt Margen in Marketing und Vertrieb zu verlieren.“

DUG Proto der Taucheruhr am Handgelenk

Ein Proto der Taucheruhr am Handgelenk

© WatchTime

Tatsächlich kosten die bisherigen Modelle deutlich weniger als vergleichbare Glashütter Uhren – und sind seit dem Start regelmäßig vergriffen. Dass die Szene den Ansatz ernst nimmt, zeigen Bestellungen nicht nur aus Deutschland, sondern auch den USA, Japan und Dubai. 

Ein Purist – und bald mehr 

Das erste Modell, die Purist, ist eine schlichte Dreizeigeruhr, die in aktuell zwölf Varianten konfigurierbar ist – dazu eine Sonderfarbe und verschiedene Armbänder. Technische Details wie 100 Meter Wasserdichte, Schnellverstellung im Band und die Möglichkeit, die Uhr überall warten zu lassen, unterstreichen den Anspruch: Alltagstauglichkeit statt Vitrinenluxus. Der Preis startet bei 1.099 Euro. 

Wir waren in diesem Sommer bei der Eröffnung der neuen Geschäftsräume in Glashütte dabei und erfuhren dort: Noch in diesem Jahr will DUG seine Linie erweitern: Ein 37,5-mm-Modell mit eleganteren Proportionen sowie eine Taucheruhr mit 42 mm Durchmesser und 300 Meter Wasserdichtigkeit stehen in den Startlöchern. Die Prototypen wurden bei dem Event in Glashütte gezeigt – mit noch nicht finalem Zeigersatz. Offiziell heißt es, man arbeite „mit Hochdruck“ an den Details. Die Auslieferung soll jedoch rechtzeitig vor Weihnachten beginnen. 

Kleine Variante der Purist am schmalen Handgelenk

Kleine Variante der Purist am schmalen Handgelenk

© WatchTime

Tradition ohne Pathos 

Das Spannende an DUG ist, dass hier nicht eine weitere „Glashütter Geschichte“ verkauft wird. Stattdessen setzt die Marke bei null an und verlässt sich auf ihr Produkt und den direkten Austausch mit den Kunden. Brodführer: „Bei uns sind die Träger unsere Brand Ambassadors.“ Das heißt nicht, dass DUG auf Tradition verzichtet. Verzierungen am Werk, von Hand eingefärbte Datumsscheiben oder der eigens gefräste Rotor stammen klar aus dem Repertoire klassischer Uhrmacherei. Aber sie werden neu interpretiert – bewusst schlicht, zeitlos. Das Ziel: ein Stück Glashütte für den Alltag. Nicht nur für Sammler mit Safe, sondern für Menschen, die ihre Uhr auch beim Schwimmen oder auf Reisen tragen wollen.

"Wir entwickeln bei DUG bewusst einen zurückhaltenden Stil, der nicht karg wirkt, sondern zeitlos-elegant. Die Uhren sollen auch in 30 Jahren noch modern aussehen, ohne die Träger zu langweilen. Deshalb vermeiden wir überflüssige Elemente und achten auf jedes Detail: Schriftfonts mit Serifen, exakte Zeigerlängen, sorgfältige Oberflächenbearbeitungen, handgesetzte Lumeplots. Unsere Modelllinien bauen wir nun schrittweise aus – über die erste Purist hinaus. Jede Uhr soll sofort als DUG erkennbar sein, aber jeweils eigene Proportionen und Details haben."

Toni Brodführer, Gründer DUG
Toni Brodführer mit den drei DUG Uhren im Uhrenmuseum Glashütte

Gründer Toni Brodführer mit den drei DUG Uhren im Uhrenmuseum Glashütte

© Philipp Sipos | DUG

Auch an einer eigenen Designsprache arbeitet Brodführer: Das Modell Purist ist mit einer Krone ausgestattet, die eine angedeutete „Zwiebel“-Form und eine strukturierte Oberfläche trägt – ein subtiler Verweis auf klassische Fliegeruhren. Das neue 37,5-mm-Modell soll hingegen auf eine schlichtere Krone setzen und kombiniert die vertraute Zifferblattstruktur mit einem polierten Rand, der den Auftritt eleganter wirken lässt. Die kommende Taucheruhr wiederum erhält eine groß dimensionierte, griffig gezackte Krone und deutlich breitere Zeiger, um unter Wasser maximale Ablesbarkeit zu sichern. Jedes Gehäuse bringt zudem eigene, charakteristische Details mit.

Ein Blick nach vorn 

Die Aufnahme der Marke in die Dauerausstellung des Deutschen Uhrenmuseums zeigt: DUG wird in Glashütte ernst genommen. Der nächste Schritt ist bereits absehbar – der Eintritt in den US-Markt. Natürlich bleibt die Frage, ob sich das Modell langfristig behaupten kann. In einer Branche, die stark von Image und Tradition lebt, setzt DUG bewusst auf Transparenz, Preis-Leistung und Community-Nähe. Die bisherigen Reaktionen lassen vermuten: Genau das hat bisher gefehlt. 

 

Erleben Sie DUG live auf der WatchTime Düsseldorf!

Aussteller WatchTime Düsseldorf
© WatchTime
Deutsche Uhrenhersteller Glashütte Uhren Uhren bis 2.000 Euro

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