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Lesedauer 7 Min.

Hands-on: Tudor Black Bay 54 Lagoon Blue

Die Black Bay 54 Lagoon Blue eignet sich mit ihrer Unisex-Größe für jedes Handgelenk und überzeugt mit vielen starken Details. Ihr Zifferblatt hebt sie heraus und sorgt für gute Laune. In unserem Hands-on gehen wir allen und Schwächen der Uhr nach.
Tudor: Black Bay 54 Lagoon Blue Wristshot

Tudor: Black Bay 54 Lagoon Blue 

© WatchTime

Sommer, Sonne, Strand und Meer: Das waren die ersten Assoziationen, die ich hatte, als ich die Tudor Black Bay 54 in Lagoon Blue in einer schönen (aber nicht zu heißen) Juliwoche testen konnte. Nur wenige Wochen vor dem Test hatte die Genfer Marke das Modell auf den Markt gebracht, als ganz Europa über die Hitze stöhnte. Trotzdem ist die Uhr keine reine Sommeruhr. Was in der warmen Jahreszeit als Lagunenblau gilt, könnte im Winter genauso gut als Eisblau durchgehen.

Vielmehr ist diese Black Bay 54 eine echte Allrounduhr. Dazu passt nicht zuletzt ihre Unisex-Größe von 37 Millimetern. Gemacht für Männer- wie für Frauenarme, saß sie an meinem Handgelenk mit seinem Umfang von 18,5 Zentimetern einfach perfekt – obwohl ich bisher dachte, dass ein Durchmesser von 38 Millimetern für mich die Untergrenze wäre. Doch durch die Form des Gehäuses mit den kräftigen Hörnern wirkt die Uhr leicht größer, als sie ist und bleibt dabei gleichzeitig recht kompakt.

Tudor: Black Bay 54 Lagoon Blue Soldat

Tudor: Black Bay 54 Lagoon Blue 

© Tudor

So, wie die Black Bay 54 den Spagat zwischen den Jahreszeiten und den Geschlechtern spielend schafft, verbindet sie auch das Sportliche mit dem Eleganten. Technisch gesehen eine Taucheruhr, gibt ihr das fünfgliedrige „Jubilee“-Armband einen distinguierten Look. Wenn es nicht so abgegriffen wäre, würde ich schreiben, dass sie für jeden Anlass die richtige Wahl ist. Man darf das nicht missverstehen: Die Black Bay 54 ist alles andere als beliebig gestaltet. Sie hat eine starke Persönlichkeit, die in ihrer langen Modellgeschichte wurzelt.

Modernes Design mit starken Wurzeln

Darauf verweist schon ihr Name. Die Zahl 54 bezieht sich auf das Jahr 1954, als Tudor seine erste Taucheruhr auf den Markt brachte, die Referenz 7922. Damals nur bis 100 Meter wasserdicht, brachte Tudor ab 1956 auch Modelle mit 200 m Wasserdichtheit heraus – mit ihnen begann dann auch die langjährige Zusammenarbeit mit der französischen Marine.

Tudor: Oyster Prince Submariner Ref. 7922 von 1954

Tudor: Oyster Prince Submariner Ref. 7922 von 1954

© Tudor

Wenn man das Zifferblatt unserer Hands-on-Uhr eingehend betrachtet, erkennt man viele Gestaltungsmerkmale, die schon 1954 vorhanden waren: Das längliche Dreieck für die Zwölf, das mit den Strichindexen für drei, sechs und neun Uhr ein unterbrochenes Fadenkreuz bildet. Der Lollipop-Sekundenzeiger, dessen kreisförmige Ausbuchtung mit Leuchtmasse gefüllt war. Und nicht zuletzt die außen fein verzahnte Drehlünette, die auf eine Minuteneinteilung verzichtete und nur die Fünf-Minuten-Abstände auswies, abwechselnd mit Strichen und arabischen Zahlen.

Dass sich das damalige Zifferblattdesign einmal als stilbildend für die Marke Tudor erweisen sollte, konnte damals noch niemand ahnen. Allein schon der Name der Referenz 7922, Oyster Prince Submariner, sprach Bände; zeigte er doch deutlich, dass Tudor zu jener Zeit noch ganz als die kleine, preislich erschwinglichere Schwester von Rolex geführt wurde, die wenig Eigenidentität besaß. Doch im Laufe der Zeit entwickelten sich noch mehr typische Merkmale einer Tudor-Uhr, allen voran der berühmte Snowflake-Stundenzeiger. Er fehlte bei der Referenz 7922 von 1954 noch, Tudor führte ihn erst 1969 ein. Heute ist er als Erkennungszeichen der Marke nicht mehr wegzudenken und schmückt selbstverständlich auch die Black Bay 54.

Tudor: Oyster Prince Submariner Ref. 7016 von 1969

Erste Tudor mit Snowflake-Zeiger: Oyster Prince Submariner Ref. 7016 von 1969

© Tudor

Retro-Merkmale, aber keine Retro-Uhr

Diese ist allerdings alles andere als eine Retro-Uhr. Tudor versteht es vortrefflich, die klassischen Elemente so zu verwenden, dass unterm Strich ein absolut zeitgemäßer Gesamteindruck entsteht. Das liegt zum einen an den gewählten Proportionen, zum anderen an verschiedenen Details wie der spiegelblank polierten Lünette, dem bereits beschriebenen Band und vor allem am Zifferblatt. Dieses strahlt nicht nur in einer außergewöhnlichen, aber jederzeit freundlichen Farbe, es fällt auch durch seine Oberflächenbearbeitung positiv auf. Die aufgeraute Struktur lässt je nach Stimmung und Jahreszeit an bewegtes Meerwasser oder an gefrorenes Eis denken und sorgt für attraktive Reflexionen des Lichts. Schaut man genauer hin, finden sich weitere Einzelheiten. So ist das Zifferblatt leicht gewölbt, und die in die Lünette eingravierten Zahlen und Indexe zitieren die gekörnte Oberfläche des Zifferblatts. Solche Details, die man erst auf den zweiten Blick sieht, machen eine intensivere Beschäftigung mit der Uhr lohnend. Sie zählen zu den Freuden, die einem eine hochwertige Uhr bereiten kann.

Interessant ist auch, wie Tudor mit seinen Markeninsignien umgeht. Hans Wilsdorf, der Gründer von Rolex und Tudor, war ein begeisterter Anglophiler, der jeden Morgen zum Frühstück die Times las. Aus seiner Liebe zu England resultierte nicht nur der Markenname Tudor, sondern auch die Tudor-Rose, die 1936 erstmal verwendet wurde. Zu Beginn war sie in einen Wappenschild eingebettet, später zierte sie das Zifferblatt ohne den Schild. Ab 1969 wurde sie langsam von einem neuen Schild abgelöst. Heute findet sich der Wappenschild zusammen mit dem Markennamen als Hauptlogo auf dem Zifferblatt unterhalb der Zwölf, doch auch die fünfblättrige Rose ist noch da: Sie findet sich auf der Krone.

Tudor: Black Bay 54 Lagoon Blue Wristshot

Faszinierendes Blau: Black Bay 54 Lagoon Blue 

© WatchTime

Hochleistungswerk mit Chronometerzeugnis

Als Motor kommt das Manufakturkaliber MT5400 zum Einsatz. Das seit Jahren bewährte Werk spielt mit seiner Bezeichnung ebenfalls auf das Jahr 1954 an. Die bei Tudor mit „54“ beginnenden Kaliber sind kleiner als die „56er“ oder „58er“, die erste Null steht darüber hinaus für die Variante ohne Datum. Das mit vier Hertz getaktete Automatikwerk ist in jeder Hinsicht State of the Art: Seine Unruh ist nicht in einem Kloben, sondern in einer Brücke gelagert, was eine zusätzliche Stabilität mit sich bringt. Ihre Siliziumspirale macht das Werk unempfindlich gegen Magnetismus, Temperaturschwankungen und Stöße. Frei gelagert, erfolgt ihre Feinregulierung nicht über einen klassischen Rückerzeiger, sondern über kleine Masseschrauben, sodass die aktive Länge der Spiralfeder unverändert bleibt. Mit 70 Stunden Gangreserve läuft sie, wenn man sie am Freitagnachmittag ablegt, auch am Montagmorgen noch – ein Feature, das in den letzten Jahren immer beliebter geworden ist, das den klassischen Großserienkaliubern von Eta und Sellita aber fehlte. Um eine hohe Präzision zu garantieren, lässt Tudor das MT5400 von der unabhängigen Schweizer Prüfstelle COSC als Chronometer zertifizieren. Die von der COSC vorgegebene maximale Gangabweichung von –4 bis +6 Sekunden pro 24 Stunden versucht Tudor aber noch zu unterbieten: Man setzt sich selbst zum Ziel, dass die Werte zwischen –2 und +4 liegen. Das bestätigte sich übrigens beim Gangtest auf unserer Witschi-Zeitwaage: Hier lagen die Werte zwischen –1,8 Sekunden Abweichung bei Krone unten und +3,3 Sekunden bei Zifferblatt unten, jeweils auf 24 Stunden bezogen. In den anderen vier Lagen bewegte sich die Abweichung sogar um die Null. Das ergab einen durchschnittlichen Vorgang von 0,4 Sekunden pro Tag: ein erstklassiges Ergebnis. 

Tudor: Automatikkaliber MT5400

Tudor: Automatikkaliber MT5400

© Tudor

Viele Stärken und zwei Schwächen

Bei so vielen positiven Eigenschaften stellt sich die Frage nach den Schwächen der Uhr. Ich konnte hier nur zwei ausmachen. Die erste betrifft die Tudor-typische T-fit-Schließe: Das schildförmige Tudor-Logo auf dem Schutzbügel ist zwar optisch schön, macht das Öffnen mit dem Fingernagel haptisch aber nicht unbedingt angenehmer. Und die spiegelblank polierte Lünette ist naturgemäß anfällig für Fingerabdrücke. Wie sehr die einen stören, ist dann Geschmackssache. Ansonsten könnte man sich eine integrierte Bandverlängerung wünschen. Ein Datum vermisse ich persönlich nicht, ich finde das Zifferblatt so, wie es ist, viel ausgewogener.

Tudor: T-fit-Schließe

Eingeschränkte Haptik: Beim Öffnen der T-fit-Schließe spürt man die Spitze des Wappenschilds.

© Tudor

Die Black Bay 54 „Lagoon Blue“ ist, wie gesagt, eine Taucheruhr, aber eine, die nicht als Toolwatch daherkommt. Mit ihrer nur gegen den Uhrzeigersinn drehbaren Lünette, ihrer hohen Wasserdichtheit bis 200 Meter dank verschraubter Krone und Boden sowie einer Zifferblattfarbe, die in tiefen Tiefen als letzte noch sichtbar ist, eignet sie sich für Aktivitäten über und unter Wasser gleichermaßen. Darüber hinaus ist sie ein Allrounder für alle Anlässe und jedes Handgelenk. Ein Allrounder, der mit seinem lagunenblauen Zifferblatt das gewisse Etwas besitzt. Vor allem aber erzeugt sie gute Gefühle, wenn man sie anschaut. Das ist vielleicht ihre größte Stärke: Die Tudor Black Bay 54 „Lagoon Blue2 sorgt für gute Laune, jederzeit.

Technische Daten

Tudor Black Bay 54 Lagoon Blue

Referenz M79000-0001

Hersteller Montres Tudor SA, Genf, Schweiz

Funktionen Stunden, Minuten, Zentralsekunde, Sekundenstopp

Gehäuse Edelstahl, poliert und satiniert. Einseitig drehbare Lünette mit 60er-Rastung, spiegelblank polierte Zahlenscheibe ohne Minuteneinteilung. Leicht gewölbtes Saphirglas, Krone und Boden verschraubt, Boden mit Sichtfenster. Wasserdicht bis 200 m

Zifferblatt hellblau, gewölbt und strukturiert. Stundenindexe und Zeiger mit Leuchtmasse belegt

Maße Durchmesser 37 mm, Höhe 11,2 mm, Horn zu Horn 45 mm, Bandanstoßbreite 20 mm, Gewicht 125 g

Werk Manufakturkaliber MT5400 mit Siliziumspiralfeder, Automatik, ca. 70 h Gangreserve, von der COSC als Chronometer zertifiziert. Rotorsystem in beide Richtungen aufziehend. Frequenz 4 Hertz = 28.800 A/h

Armband und Schließe Edelstahl, fünfreihig, poliert und satiniert. Tudort „T-fit“-Schließe mit Schutzbügel

Gangprüfung

Größte Lagendifferenz (Delta): 5 Sekunden

Mittlerer Gang: 0 Sek./24 h

Am Handgelenk: 0 Sek./24 h

Preis 4.360 Euro

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