Zweiter Akt in Gold: Wie GoS und Martin Key ihre Kollaboration weiterentwickeln
Sechs Exemplare, drei Goldlegierungen, ein Zifferblatt, das erst in der Schweiz graviert und dann in Schweden veredelt wird: Mit der zweiten Ausgabe ihrer Kollaboration bauen GoS und der Designer Martin Key auf dem Konzept der ersten Edition auf, verlagern den Schwerpunkt aber deutlich in Richtung Zifferblatt und Werkveredelung. Anders als das Debüt, bei dem die traditionelle Goldschmiedekunst im Vordergrund stand, setzt die 2026er-Auflage auf ein silbernes Guilloché-Zifferblatt, zwei handgeschnittene Goldoktogone und semitransparente Keramikbeschichtungen an Ankerbrücke und Mikrorotor-Gegengewicht. Die Manufaktur aus Linköping bleibt damit ihrem Prinzip treu, jede Edition als eigenständiges Handwerksprojekt zu behandeln, nicht als bloße Farbvariante.
GoS und Martin Key, die zweite Edition
GoSDesign von Martin Key, Ausführung durch Patrik Sjögren
Die Aufgabenteilung ist dieselbe wie beim ersten Modell: Martin Key definiert Formensprache, Proportionen und Materialkombination, GoS-Gründer Patrik Sjögren setzt das Konzept gemeinsam mit einem schwedischen Meistergoldschmied im eigenen Atelier um. Ausgangspunkt jedes Goldbauteils ist ein Guss, dessen Form einen Schwundausgleich von einem Prozent einkalkuliert – ein Detail, das zeigt, wie kleinteilig GoS in Linköping arbeitet, bevor die Teile überhaupt in die maschinelle Bearbeitung gehen. Danach folgt die Feinbearbeitung von Hand: Der Gehäusering allein besteht aus 175 Flächen, die einzeln gefeilt, geschliffen und poliert werden. Für eine Manufaktur dieser Größe ist das ein erheblicher Aufwand pro Stück, gerade bei einer Auflage von nur sechs Uhren.
Zifferblatt mit zweifacher Handschrift
Beim Zifferblatt zeigt sich, wie GoS Zulieferer und eigene Fertigung verzahnt: Die Silberbasis wird im GoS-Workshop maschinell vorbereitet, inklusive der Aussparungen für die beiden Oktogone und das versenkte Sekundenzifferblatt. Anschließend übernimmt ein Guillocheur in der Schweiz die Musterung, bevor das Blatt zurück nach Schweden geht. Dort trägt Patrik Sjögren zunächst eine Basis aus schwarzem Rhodium auf, gefolgt von einer purpurfarbenen Keramikbeschichtung. Das Ergebnis soll je nach Lichteinfall zwischen tiefem Schwarz und einem violetten Schimmer changieren – ein Effekt, der stark vom Betrachtungswinkel abhängt und sich daher am ehesten in der Praxis beurteilen lässt.
Der Höhenring in Oktogonform und das kleine Sekunden-Oktogon sind diamantbesetzt, ebenfalls schwarz-rhodiniert und selektiv gebürstet – wobei die Bürstung erst nach der Steinfassung erfolgt, um die goldenen Akzente gezielt hervortreten zu lassen. Alle Komponenten werden von Hand gefügt und vernietet.
GoS und Martin Key
GoSKaliber GoS03: Schwarz-Etienne-Basis mit eigener Keramikveredelung
Technisch interessant ist auch das Kaliber GoS03. Es basiert auf einem Manufakturwerk von Schwarz Etienne, das GoS mit eigenen Modifikationen und einer eigenständigen Veredelung versieht – ein Vorgehen, das in der unabhängigen Uhrmacherei üblich ist, wenn eine kleine Marke kein eigenes Rohwerk entwickeln will, aber dennoch ein charakteristisches Kaliber zeigen möchte. Der Automatikaufzug arbeitet über einen Mikrorotor samt Gegengewicht, das mit einem handgeschnittenen Guilloche-Element verziert und semitransparent purpurfarben keramisch beschichtet ist. Die separat ausgeführte Ankerbrücke trägt eine semitransparente rote Keramikschicht, die zugehörige Schraube eine blaue. Dass GoS durchgehend auf semitransparente statt deckende Keramik setzt, ist eine technisch relevante Entscheidung: Damit bleibt der metallische Glanz der darunterliegenden Bauteile sichtbar, während die Farbe zusätzlich aufgetragen wird – ein Verfahren, das mehr Kontrolle über die Oberfläche verlangt als eine einfache PVD-Einfärbung.
Mit 21.600 Halbschwingungen pro Stunde und 86 Stunden Gangreserve bewegt sich das GoS03 im für Manufakturkaliber mit Mikrorotor üblichen Rahmen. Bemerkenswert ist die Bauhöhe von nur 5,25 Millimetern bei einem Durchmesser von 30,40 Millimetern, 33 Lagersteinen und 199 Bauteilen. Werte, die für ein Kaliber mit Sekundenstopp und derart aufwendiger Brückenarchitektur (separate Ankerbrücke, handpolierte Anglagen auf allen Brücken) vergleichsweise kompakt ausfallen. Das GoS-Triskele, das Markenzeichen der Manufaktur, ist auf dem Schaltrad graviert und taucht als Form der kleinen Sekunde bei 6 Uhr im Zifferblatt ein zweites Mal auf.
Ein massives Gehäuse mit klarer Kontur
Das Gehäuse misst 41,5 x 12,1 Millimeter, an der Kante auf 8 Millimeter reduziert, und besteht komplett aus massivem 18-karätigem schwedischem Gold – auch hier durchgängig von Hand geformt und finissiert. Saphirgläser vorne und im Boden, vorne mit beidseitiger Antireflexbeschichtung, sitzen auf transparenten Dichtungen. Die Wasserdichtigkeit bleibt mit 5 ATM (50 Meter) im für eine Goldschmiede-Uhr dieser Kategorie erwartbaren Bereich; eine sportliche Ausrichtung war ohnehin nie das Ziel der Kollaboration. Die GoS-Krone mit doppelter Dichtung und interner Stoßsicherung rundet das Konzept ab. Die Zeiger im Viking-Arrowhead-Design sind vergoldet und bis auf die Spitzen schwarz-rhodiniert, was laut GoS gleichzeitig die Ablesbarkeit verbessert und ein wiederkehrendes Martin-Key-Designelement bleibt. Das Armband aus semi-poliertem Krokodilleder mit Martin Keys charakteristischer violetter Innenseite verläuft zulaufend von 21 auf 20 Millimeter und wird über eine 18-karätige Golddornschließe mit Triskele-Gravur geschlossen – auch diese wurde in Handarbeit von Patrik Sjögren gefertigt.
Die zweite GoS x Martin Key Edition verschiebt den Fokus der Kollaboration zu einer dichteren Kombination aus Guillochierkunst, Diamantfassung und farbiger Werkveredelung. Zur ersten Edition, die bei 18.000 Euro zuzüglich Steuern lag, hat GoS für die neue Auflage bislang keinen Preis kommuniziert; angesichts der zusätzlichen Diamantfassung, der aufwendigeren Zifferblattfertigung mit Schweizer Guillocheur und der erweiterten Keramikveredelung am Werk ist von einer höheren Positionierung auszugehen. Mit sechs Exemplaren – drei in schwedischem Rotgold, zwei in Platin, eines in Weißgold – bleibt die Auflage zudem kleiner als viele vergleichbare Projekte unabhängiger Marken, was die Uhr in erster Linie zu einem Sammlerstück für Kenner der GoS-Philosophie macht.