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Lesedauer 4 Min.

Bell & Ross: Vintage WW1 Heure Sautante

Die Vintage WW1 Heure Sautante von Bell & Ross
Die Vintage WW1 Heure Sautante von Bell & Ross
© PR
Die Kampfschwimmer der deutschen und italienischen Marine verzichteten in den 1940er Jahren nur ungern auf ihre Panerai. Kein Wunder: Sie war gegen Nässe immun und unter Wasser gut ablesbar. Als Giovanni Panerai in den 1850er Jahren in Florenz seinen Uhrenhandel eröffnete, war an den späteren Unternehmenserfolg als Militärausrüster und Kultmarke noch nicht zu denken. Den ersten Schritt zum heutigen Ruhm tat erst sein Enkel Guido Panerai, der 1910 einen Vertrag mit der italienischen Marine aushandelte. Fortan lieferte er dem Militär Ausrüstungsgegenstände mit fluoreszierender Leuchtmasse wie Kompasse oder Tiefenmesser. Die Leuchtmasse aus Zinksulfat und Radiumbromid ließ Panerai unter dem Namen „Radiomir“ patentieren, der sich viel später auch für die zugehörigen Armbanduhren etablierte. Der Begriff verbindet die italienischen Wörter „radio“ (Radium) und „mira“ (Visier). 1936 entstand die erste Radiomir. Sie besaß ein 47 Millimeter großes Stahlgehäuse und ein sogenanntes California-Zifferblatt mit teils arabischen, teils römischen Ziffern. Die Uhr wurde von Rolex geliefert und war im Grunde eine überdimensionierte Oyster mit den entsprechenden Dichtungen zum Schutz vor Wassereinbruch. Ein angemessen großes Werk produzierte Rolex allerdings zu diesem Zeitpunkt nicht selbst und nutzte deshalb ein im eigenen Haus überarbeitetes 16-liniges Rohwerk der Firma Cortébert. Die abgebildete Radiomir aus dem Jahr 1944, die vier arabische Ziffern und acht Stundenstriche trägt, wurde in den Officine Panerai („Panerai-Werkstätten“) montiert, die die Uhrenproduktion schon kurz nach den ersten Rolex-Lieferungen selbst übernahmen. Das Werk stammte allerdings immer noch von Rolex beziehungsweise Cortébert: Es handelt sich um das Handaufzugskaliber 618 mit 17 Lagersteinen, vernickelten Oberflächen und breiten Genfer Streifen auf den Brücken. Goldchatons auf der zentralen Brücke tragen ebenso zur ansprechenden Gestaltung bei wie Schneckenschliffe auf den Aufzugsrädern und eine große Schraubenunruh. Letztere besitzt zwei Schenkel und ist wie das daneben liegende Ankerrad in einem Rubindeckstein gelagert. Die Unruh oszilliert an ihrer Breguet-Spirale mit 18.000 Halbschwingungen pro Stunde; zur Feinstellung muss ein langer Rückerzeiger auf einer Skala von F für „Fast“ bis S für „Slow“ verschoben werden. Untergebracht ist das Brückenwerk im selben Stahlgehäuse, das auch die erste Radiomir aus dem Jahr 1936 beherbergte. Die kissenförmige Schale besitzt eine Seitenlänge von 47 Millimetern sowie die typischen angeschweißten Drahtbügel zur Aufnahme des Lederarmbands. In den Vollgewindeboden wurden laienhaft die Initialen des Besitzers – nachweislich ein deutscher Kampfschwimmer namens Bernhard Dornsiepen – und die Jahreszahlen 1944 und 1945 sowie die Begriffe „Marine“ und „Kampf-Schwimmer“ geritzt. Die Gravuren sind heute noch klar zu erkennen. Stark gealtert ist dagegen das Armband, obwohl es einmal ausgewechselt wurde, wie an der nicht originalen dünnen Drahtschließe zu erkennen ist. Dass der Besitzer das Armband später nicht mehr erneuert hat, mag daran liegen, dass ein Bandwechsel bei den frühen Radiomir-Modellen aufwendig war: Man musste das Leder um die fest angeschweißten Drahtstege winden und dann vernieten oder, was häufiger vorkam, vernähen. Einen besonderen Reiz übt die Radiomir für Marinetaucher durch ihre Exklusivität aus: Nur 52 Uhren dieses Typs sind nachgewiesen, und nur vier von ihnen besitzen laut Auktionshaus Dr. Crott ein Kampfschwimmerzifferblatt, das sich durch das Fehlen des „Radiomir Panerai“-Schriftzugs auszeichnet. Demzufolge verwundert es nicht, dass bei Auktionen hohe Preise aufgerufen werden. So konnte das Mannheimer Auktionshaus die abgebildete Uhr in seiner diesjährigen Mai-Auktion für stolze 89.400 Euro verkaufen. Der hohe Zuschlag zeigt: Panerai ist Kult. Und Uhren wie die Radiomir für Kampfschwimmer haben ihn begründet.
Fotos und Basisinformationen: Auktionshaus Dr. Crott
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