Hands-on: Wie viel Steve McQueen steckt in der neuen 417 ES Limited Edition?
Steve McQueen liebte seine Hanhart. Er trug sie nicht im Rahmen eines Vertrags als Markenbotschafter, sondern im echten Leben. Sie muss ihm wirklich gefallen haben, denn es gibt eine ganze Reihe von Fotos, auf denen der Hollywoodstar, der leidenschaftlich Auto- und Motorradrennen fuhr, mit der 417 ES am Handgelenk zu sehen ist. Eines zeigt ihn mit seiner Frau Neile Adams, ein anderes mit einem Fotografen im Arm, wieder ein anderes im Gras sitzend, vor seinem Motorrad. Neben diesen Privatfotos (es gibt noch weitere) lichtete ihn das Magazin LIFE in typischer King-of-Cool-Pose auf einem Sofa sitzend mit Revolver ab. Auch da trägt er die Uhr, wie immer auf den genannten Fotos mit einem Lederarmband, das mit einem gut erkennbaren Unterlegband ausgestattet war.
King of Cool: Steve McQueen mit Hanhart und Revolver
John Dominis/The LIFE Picture Collection/ShutterstockWas unterscheidet die limitierte von der regulären 417 ES?
Hanhart hat die 417 ES in den letzten Jahren wieder neu aufgelegt. Historisch bezieht sie sich auf die gleichnamige 417 ES, die Hanhart ab 1954 baute. Ab 1957 belieferten die Gütenbacher auch die kurz zuvor neu gegründete Bundeswehr mit Chronographen, namentlich mit den Modellen 417 E mit verchromtem Messinggehäuse und 417 ES aus Edelstahl. Heute gibt es mehrere Modelle des Retro-Chronographen: mit 39 und mit 42 mm Durchmesser, mit Totalisatoren in Kontrastfarbe zum Zifferblatt (Panda, Reverse Panda) oder in der gleichen Farbe (Schwarz). Auch die 417 ES Steve McQueen Limited Edition No. 1, die 300-mal gebaut wird, steht in dieser Tradition. Technisch und gestalterisch ist sie der 417 ES 1954 Heritage Flyback am nächsten: Wie diese verfügt sie über ein 39 mm großes Gehäuse aus Edelstahl, ein schwarzes Zifferblatt mit schwarzen Totalisatoren, einen roten Nullstelldrücker und vor allem über ein Chronographenwerk mit Flybackfunktion: das AMT 5100 M von Sellita. Die Steve McQueen bietet darüber hinaus drei weitere Details: die Unterschrift des Schauspielers auf dem Zifferblatt, eine andere Farbe des Leuchtmittels sowie einen Saphirglasboden.
Vergleich: historische 417 ES und aktuelle 417 ES Steve McQueen Limited Edition No. 1
WatchTimeDie Unterschrift auf dem Zifferblatt
Den augenfälligsten Unterschied macht die Unterschrift des Stars aus. Es war eine Idee von McQueens Nachkommen Chase (Enkel) und Madison (Enkelin), sie auf dem Zifferblatt unterzubringen. In der Tat eignet sie sich gut für diesen Zweck: McQueen hatte keine breit ausladende Signatur, sondern unterschrieb in einem engen, zackigen Duktus, bei dem das kantige S und das fast abgehackte Q auffallen, letzteres wird dabei zu einem breiten Unterstrich verlängert. Auf dem Zifferblatt ist die Signatur groß genug, um lesbar, und klein genug, um nicht dominant zu sein. Die Unterschrift befindet sich unter dem Wort "Shockproof". Das stand auch auf der 417 ES, die es zu Steve McQueens Zeiten gab, zusammen mit dem Begriff "Antimagnetic". Dass dieser Zusatz bei der Limited Edition fehlt, liegt nicht am Platzmangel: Anders als bei den Modellen mit Stahlboden fällt bei der Steve McQueen mit Saphirglasboden der Magnetfeldschutz bis 16.000 A/m weg.
Steve McQueen mit seiner Ehefrau Neile Adams und der Hanhart 417 ES
Globe Photos / ZUMA PressDie Uhr strahlt einen förmlich an
Die dritte Besonderheit besteht in der von Hanhart verwendeten Leuchtmasse. Der bräunlich-beige Farbton "Old Radium" sorgt für einen zusätzlichen Touch Vintage, den die normale 417 ES nicht hat – obwohl es sich bei ihr auch um ein ausgesprochenes Retro-Modell handelt. Das Old Radium rundet das Design ab, aber es ist nicht das erste, das ins Auge fällt. Das können, je nach Betrachter, die roten Elemente oder auch die kompakte Bauweise sein. Für mich persönlich ist es die Lünette. Ihre Rändelung besteht aus vielen kleinen Kerben, und die sind so sauber gearbeitet, dass eine sehr angenehme Lichtbrechung entsteht. Jedes Mal, wenn ich die Uhr anschaue, habe ich das Gefühl, dass sie mich anstrahlt. Damit steht sie in klarem Kontrast zu den satinierten Gehäuseflanken und Oberflächen der Hörner, aber auch zu den – schmaleren – polierten Elemente des Gehäuses.
Sie strahlt einen förmlich an: die Hanhart 417 ES Steve McQueen am Handgelenk
WatchTimeDer rote Drücker
Auffällig ist, wie erwähnt, auch der rote Nullstelldrücker, ein wiederkehrendes Feature bei Hanhart-Chronographen. Der Legende nach soll die Frau oder Freundin eines Piloten den unteren Drücker seiner Uhr mit rotem Nagellack bestrichen haben, um ihn vor der unbeabsichtigten Betätigung zu warnen. Auch wenn diese Geschichte wohl nur gut ausgedacht ist, hatte die rote Lackierung tatsächlich eine historische Funktion bei Hanhart. Denn während bei einem normalen Chronographen nichts passiert, wenn man während des Stoppens versehentlich den Nullstelldrücker drückt (das Nullstellen funktioniert erst nach Anhalten des Sekundenzählers), ist es bei einem Flybackchronographen anders: Der Zeiger fliegt unmittelbar zurück auf null, und ein neuer Stoppvorgang beginnt. Die bisherige Messung geht verloren. Zu einer Zeit, als man mit Flybackchronographen Flugzeuge navigierte, konnte das fatale Folgen haben. Heute setzt das Rot einen attraktiven Farbpunkt. Und nicht den einzigen: Auch die Lünette besitzt eine rot lackierte Markierung, mit der man unabhängig von der eigentlichen Chronographenfunktion zusätzliche Zeitabschnitte messen kann.
Typisches Hanhart-Merkmal: der rote Drücker
Hanhart39 mm: die ideale Chronographengröße
Die Größe von 39 mm steht der Uhr sehr gut. Ich mag Chronographen mit diesem Durchmesser besonders. Die Kompaktheit verhindert, dass es auf dem Zifferblatt zu große Abstände zwischen den Anzeigen gibt. Zugleich ist aber noch genug Platz vorhanden, um alles gut ablesbar zu gestalten. Auch beim Zifferblattdesign folgt Hanhart dem historischen Vorbild recht eng. Die Typografie der arabischen Zahlen, die starken Kontraste, die Form der Zeiger sind analog zu damals gewählt. Selbst die Zahl der Teilchenstriche zwischen den Sekundenmarkierungen bleibt bei fünf, obwohl es im Hinblick auf das mit 4 Hertz getaktete Werk nur vier sein sollten.
Chronographenwerk mit Schaltrad und Handaufzug
Wie bei den anderen aktuellen Modellen der 417 ES tickt auch in der Steve McQueen das Chronographenkaliber AMT5100 M der Abteilung AMT von Sellita. Anders als die Großserienkaliber vom Schlage eine SW500 verfügt es über ein Schaltrad zur Steuerung der Chronographenfunktionen. Dieses ist nicht nur freigelegt – dafür sorgt eine fast kreisförmige Aussparung in der obersten Brücke –, sondern auch, wie das Gros der Schrauben, chemisch gebläut. Die Gangreserve von 58 Stunden entsprechen (fast) dem heutigen Stand der Technik, der bei 60 Stunden beginnt. Dass das Werk von Hand aufgezogen werden muss, ist kein Nachteil, denn das Aufziehen ist bei der großen, griffigen Krone ein Spaßfaktor. Allerdings darf man es nicht vergessen, was schon mal passieren kann, wenn man nur Automatikuhren trägt. Am besten tut man es jeden Morgen.
Durch den Glasboden blickt man auf das Schaltradkaliber Sellita AMT5100 M mit Handaufzug.
WatchTimePferdeleder mit Unterlegband
Die 417 ES Steve McQueen Limited Edition No. 1 kommt genau wie die Lieblingsuhr des Hollywoodstars mit einem auffälligen Unterlegband. Es ist aus dem gleichen Material gefertigt wie das eigentliche Band: aus dunkelbraunem Shell Cordovan Pferdeleder. Es zeichnet sich durch eine besonders weiche, geschmeidige Oberfläche aus, über die man gern mit dem Finger streicht. Obwohl ich persönlich kein Fan von Unterlegbändern bin, hat dieses mich positiv für sich eingenommen: Es passt gut zur Uhr, hebt sie von ähnlichen Modellen ab – und ist eben authentisch für eine Uhr, die Steve McQueen gewidmet ist. Den einzigen Kritikpunkt verdient sich die sehr einfach gestaltete Schließe mit umgebogenen, nicht auf dem Vollen gefrästen Dorn.
Zahlen und zentrale Zeiger leuchten im Dunkeln.
HanhartPreis und Limitierung
Beim Preis liegt die Uhr mit 2.890 Euro nur unwesentlich über dem der 417 ES 1954 Heritage Flyback, die 2,640 Euro kostet. Für das Gebotene ist das immer noch ein sehr guter Preis, zumal die Limited Edition in einer schönen Sammlerbox mit Plakette kommt. Diese ist mit den Gravuren "King of Cool", der Signatur Steve McQueens sowie der Limitierungsnummer graviert. Dazu erhält man ein gestempeltes Zertifikat, das von Enkel Chase und Enkelin Madison unterschrieben ist. 300 Exemplare sind erhältlich – oder vielmehr: waren. Denn Hanhart meldet nur wenige Tage nach der offiziellen Vorstellung den Ausverkauf der Limited Edition No 1. Doch deren Name weist darauf hin, und das ist der Trost, dass es in absehbarer Zeit eine zweite geben wird.
Hanhart: 417 ES Steve McQueen Limited Edition No. 1
HanhartTechnische Daten
Hanhart 417 ES Steve McQueen Limited Edition No. 1
Hersteller Hanhart 1882 GmbH, Hauptstr. 33, 78148 Gütenbach
Funktionen Stunden, Minuten, kleine Sekunde, Flybackchronograph mit 30-Minuten-Zähler, Sekundenstopp
Gehäuse Edelstahl, satiniert und poliert; kannelierte Lünette mit roter Markierung, beidseitig stufenlos drehbar; roter Nullstelldrücker aus HyCeram, verschraubter Boden mit innen entspiegeltem Saphirglas und eingravierter Limitierungsnummer, Deckglas aus Saphirkristall, innen und außen entspiegelt; wasserdicht bis 100 m
Zifferblatt schwarz mit historischem Hanhart-Logo und Unterschrift von Steve McQueen, Superluminova Light Old Radium GL auf Stundenzahlen und -zeiger sowie Minuten- und Sekundenstoppzeiger
Maße 39 mm Durchmesser, 13,3 mm Höhe, Horn zu Horn 46 mm. Gewicht 90 g
Werk Sellita AMT 5100 M, Handaufzug, 58 Stunden Gangreserve. Frequenz 4 Hz = 28.800 A/h
Armband und Schließe Dunkelbraunes Shell Cordovan Pferdeleder und Unterlegband, Dornschließe aus satiniertem Edelstahl
Limitierung 300 Stück
Preis 2.890 Euro