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Lesedauer 7 Min.

Hands-on: TAG Heuer Carrera Date Twin-Time

Die 2025 eingeführte Carrera Date Twin-Time spielt unter den Chronographen und Dreizeigeruhren der Linie eine Sonderrolle. Nur in einer Variante erhältlich, zeigt sie individualistische Züge und ist doch eine typische Carrera.
TAG Heuer: Carrera Date Twin-Time Wristshot

TAG Heuer: Carrera Date Twin-Time 

© WatchTime

Als TAG Heuer im Frühjahr 2025 die neuen Modelle der Carrera Day-Date vorstellte, befand sich darunter auch eine Uhr, die nicht ganz zu den anderen passte. Schaute man sich die sechs Neuheiten mit unterschiedlichen Zifferblattfarben genauer an, entdeckte man fünf Dreizeigeruhren mit einem langen Fenster für Wochentag und Datum – und eine GMT-Uhr: die Carrera Day-Date Twin-Time. Die sechs haben einiges gemeinsam: Sie kommen in einem identischen Gehäuse von 41 Millimetern Durchmesser, besitzen das gleiche dreireihige Metallband und gehören zur Kollektion Carrera Date, in denen man Carrera-Modelle ohne Chronographenfunktion findet. Mit ihrer GMT-Funktion spielt die Twin-Time innerhalb der Kollektion eine besondere Rolle. Gleichzeitig atmet sie die jahrzehntelange Historie der Carrera.

Die Carrera gehört zu den berühmtesten Dauerbrennern der Uhrenwelt. Ihr schnörkelloses Design beendete 1963 die Ära der überladenen Chronographenzifferblätter und wies in eine moderne, zukunftsbejahende Richtung. Diese visionäre Entscheidung wurde fortan zur Identität der Modelllinie – auch wenn die Zifferblätter der verschiedenen Carrera-Modelle seitdem nicht immer so entschlackt geblieben sind. Eine runde, sportliche, gut ablesbare Uhr: Das ist die DNA der Carrera. Und zwar des Chronographen wie der Nicht-Chronographen.

TAG Heuer: Carrera Date Twin-Time Front

TAG Heuer: Carrera Date Twin-Time 

© TAG Heuer

Ein wichtiges Stück Historie

Eine GMT-Uhr namens „Twin-Time“ gab es sogar schon vor der Carrera, im Jahr 1955. Später dann tauchte sie über die Jahre immer wieder mal als Carrera Twin-Time auf, zum Beispiel in den frühen Nullerjahren, damals mit einfarbigem 24-Stunden-Ring, GMT-Zeiger mit Pfeilspitze und stabförmigen Indexen anstelle von arabischen Ziffern. Diese bilden auch heute die Ausnahme in der Kollektion Carrera Date. Sie finden sich nur auf der Twin-Time. Und während man die eigentliche Carrera Date und die Carrera Day-Date in verschiedenen Versionen mit Zifferblättern in unterschiedlichen Farben kaufen kann, gibt es die Carrera Twin-Time nur in der einen Version, mit blaugrünem Zifferblatt.

TAG Heuer: Carrera Date Twin-Time Rehaut

Typisch Carrera: die Nutzung des Rehauts, hier für die 24-Stunden-Skala

© TAG Heuer

In der Verteilung der Anzeigen steckt ein wichtiges Stück Historie. Durch die Bedruckung des Rehauts sparte Jack Heuer, der kreative Kopf hinter der Carrera und ab 1964 Geschäftsführer des Familienunternehmens, den entscheidenden Platz ein, um das Zifferblatt übersichtlicher zu gestalten. Und genau dort, auf der schräg nach oben laufenden Verbindung zwischen Zifferblatt und Glasrand, befindet sich bei der Carrera Twin-Time heute die zweifarbige 24-Stunden-Skala. Sie steht fest und ist in einen weißen Bereich für die Tagstunden und einen dunkelgrünen für die Nachtstunden aufgeteilt. Farblich ist die Nachthälfte auf das Zifferblatt abgestimmt. Aber stimmt sie mit dessen Ton exakt überein? Mal meint man ja, mal nein. Das liegt an dem feinen Sonnenschliff des Zifferblatts: Er lässt das Licht mit jeder noch so leichten Drehung anders reflektieren und verleiht dem Blaugrün eine besondere Tiefe. Auf dieser Oberfläche machen sich die aufgesetzten, leicht gewölbten Ziffern besonders gut. Poliert, wie sie sind, schimmern sie mit den Zeigern um die Wette. Die Minuterie ist in Schienenform gehalten, mit zusätzlicher Halbminuten-Anzeige. Das sieht gut aus und erweist sich als Hilfe beim Einstellen der Uhrzeit, weil man so den Minutenzeiger genau auf die Hälfte zwischen zwei Minuten stellen kann.

Heuer Carrera von 1964

Heuer Carrera von 1964

© TAG Heuer

Feinheiten bei Gehäuse und Band

Das Gehäuse lohnt einen zweiten Blick. Beim ersten Hinsehen ist es recht schlicht gehalten. Aber in den wenigen Linien steckt viel Historie. Schon Jack Heuers Carrera Chronograph von 1963 zeichnete sich durch die schräg gestellten Hörner aus. Später wurde die Form durch eine zusätzliche Facette akzentuiert. Bei der Testuhr findet man sie wieder. Obwohl sich das Gesicht der Carrera über die Jahrzehnte als wandlungsfähig erwies, sind die typischen Gehäuseflanken selbstähnlich geblieben. Etwas ganz Neues gibt es aber auch, und das findet sich auf dem Rand des Schraubbodens: ein kleiner Lorbeerkranz. Ihn hat TAG Heuer integriert, um damit auf den neuesten Claim „Designed to win“ und damit auf den Motorsport-Bezug der Marke zu verweisen.

Auch in der Gestaltung des Armbands steckt mehr, als man beim ersten Blick wahrnimmt. TAG Heuer hat der Versuchung widerstanden, dem aktuellen Modetrend zu folgen und es zur Schließe hin deutlich schmaler werden zu lassen. Trotzdem verjüngt es sich vom ersten bis zum vierten Glied minimal, was man kaum wahrnimmt. So wirkt es kräftig und sportlich. Dazu passt, dass das matte Element dominant ist – im Gegensatz zum Gehäuse, dessen Lünette und Hörner sich von vorn poliert zeigen, während nur die Seiten satiniert sind. Das Band zeichnet sich durch gebürstete H-förmige Glieder aus, poliert an den Außenkanten, genau wie die Oberseiten der Zwischenglieder. Daraus ergibt sich eine angenehme Haptik, wenn man mit dem Finger übers Band streicht. Gleichzeitig glänzt es nicht zu stark und ist wenig anfällig für Fingerabdrücke. Am Arm trägt sich die Uhr gut. Scharfe Ecken gibt es nur da, wo das letzte Bandglied auf die Schließe trifft, aber beim Tragen spürt man das nicht. Die Schließe ist als Doppelfaltschließe ausgeführt. Erfreulicherweise ist es egal, welche Seite man zuerst schließt – ein Pluspunkt, denn bei Uhren mit festgelegter Reihenfolge kann dieser Umstand durchaus nerven. Die Schließe selbst ist sehr massiv und lässt sich dank zweier Drücker leicht öffnen.

TAG Heuer: Carrera Date Twin-Time Band

Bei der Doppelfaltschließe ist es egal, welche Seite man zuerst zudrückt.

© TAG Heuer

Uhr für Vieltelefonierer

Das Automatikkaliber TH31-03 der GMT ist gegenüber dem früher für die Twin-Time verwendeten Calibre 7 ein deutliches Upgrade. Während das Calibre 7 auf Eta- oder Sellita-Basis mit Gangreserven um die 40 Stunden aufbaute, kommt das TH31-03 aus der Manufakturabteilung von Sellita, AMT genannt. Es garantiert 80 Stunden Gangreserve. Das gleiche Werk verwendet TAG Heuer bereits in der Aquaracer Professional 300 GMT. Leider ist der reguläre Stundenzeiger nicht unabhängig verstellbar, was einen Vorteil für Reisende bieten würde. Stattdessen ist die Twin-Time das, was man eine Caller Watch beziehungsweise eine Uhr für Vieltelefonierer nennt. Wer also vom Schreibtisch mit Menschen aus einer anderen Zeitzone kommuniziert, kann diese schnell einstellen: Man zieht die Krone in die zweite Position und positioniert den 24-Stunden-Zeiger mit der langen roten Spitze so, dass er auf seiner Skala die richtige Zeit anzeigt. So hat man neben der Ortszeit, dargestellt vom Minuten- und regulären Stundenzeiger, die gewünschte zweite Zeitzone auf dem Zifferblatt. Reist man dagegen selbst in eine andere Zeitzone, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man nutzt die GMT-Funktion wie eben beschrieben. Dann hat man für die Dauer der Reise eine Uhr mit 24-Stunden-Anzeige, an deren Darstellung man sich erst gewöhnen muss. Zudem kann der normale Stundenzeiger, der weiterhin die Uhrzeit in der Heimat verrät, verwirren. Oder man stellt alle Zeiger komplett um, sodass der rote Zeiger die Heimatzeit angibt und die beiden anderen die Ortszeit. Das dauert aber ein bisschen und bietet wenig Vorteile gegenüber einer reinen Dreizeigeruhr.

In der Carrera Date Twin-Time tickt das Automatikkaliber TH31-03.

In der Carrera Date Twin-Time tickt das Automatikkaliber TH31-03.

© TAG Heuer

Fazit zur TAG Heuer Carrera Date Twin-Time: Stärken und Schwächen

Mit ihrer Funktion und dem speziellen blaugrünen Zifferblatt ist die Twin-Time der Solist innerhalb der Linie Carrera Date. Sie wendet sich an Individualisten, denen die Uhr so, wie sie ist, maximal gefällt und keine Alternativen in Farbe, Material oder Funktion suchen. Die Tatsache, dass man den Stundenzeiger nicht separat verstellen kann, bildet den größten, aber einzigen Wermutstropfen der Carrera Date Twin-Time. Sie hat eine Reihe an Feinheiten zu bieten, die man erst auf den zweiten Blick sieht, durch die sie einen dann aber umso mehr für sich einnimmt. Mit dem Preis von fast 5.000 Euro liegt sie deutlich über dem, den viele andere (aber nicht alle) Konkurrenzmodelle mit der gleichen Technik bieten. Dafür steht sie aber in der Tradition einer bedeutenden Uhrenikone und punktet mit einem gelungenen Design, starken Details und vor allem mit einem modernen Werk mit hoher Gangreserve.

TAG Heuer: Seitenansicht der Carrera Date Twin-Time

TAG Heuer: Seitenansicht der Carrera Date Twin-Time

© TAG Heuer

Technische Daten

TAG Heuer Carrera Date Twin-Time 

Referenz-Nr. WDA2114.BA0043

Hersteller TAG Heuer, La Chaux-de-Fonds, Schweiz

Funktionen Stunden, Minuten, Zentralsekunde, Datum, zweite Zeitzone, Sekundenstopp

Gehäuse Edelstahl, poliert und gebürstet. Feststehende, polierte Lünette. Gewölbtes, beidseitig entspiegeltes und abgewinkeltes Saphirglas. Verschraubter Boden mit Saphirglasfenster. Wasserdicht bis 100 m

Zifferblatt blaugrün mit Sonnenstrahleffekt. Aufgesetzte und rhodinierte Ziffern und Markenlogo, Stunden- und Minutenzeiger mit weißer Superluminova-Leuchtmasse belegt, GMT-Zeiger mit rot lackierter Spitze

Maße Durchmesser 41 mm, Höhe 12,57 mm, Horn zu Horn 47,5 mm, Bandanstoßbreite 21 mm, Gewicht 153 g

Werk Kaliber TH31-03, Basis Sellita AMT. Automatik, ca. 80 h Gangreserve. Rotorsystem in beide Richtungen aufziehend, Frequenz 4 Hertz = 28.800 A/h

Armband und Schließe Edelstahl, dreireihig, poliert und gebürstet. Doppelfaltschließe aus Edelstahl mit zwei Sicherheitsdrückern und TAG-Heuer-Logo

Preis 5.150 Euro

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