Platin, flach, handgraviert: Daniel Roth baut die Uhr, die jeder Kenner will
Seit der Wiederbelebung der Marke im Jahr 2023 unter dem Dach von La Fabrique du Temps Louis Vuitton bewegt sich Daniel Roth konsequent in einem Segment, das in der heutigen Uhrenlandschaft selten besetzt wird: handwerklich durchfinishierte Kleinstserie ohne sportliche Ambitionen, dafür mit klarer Positionierung im Bereich der Haute Horlogerie. Das neue Modell Extra Plat Platinum ist in dieser Logik kein Ausreißer, sondern setzt den folgerichtigen Schritt.
Der Ausgangspunkt ist das bereits bekannte Kaliber DR002, ein Manufaktur-Handaufzugswerk, das Michel Navas und Enrico Barbasini für die Extra-Plat-Kollektion von Grund auf neu entwickelt haben. Im Platingehäuse tritt es nun in seiner materiell anspruchsvollsten Konfiguration auf. Was das praktisch bedeutet, ist nicht trivial: Platin ist dichter als Gold, reagiert empfindlicher auf Bearbeitungswerkzeuge und erfordert niedrigere Schnittgeschwindigkeiten bei der Gehäuseproduktion. Der Fertigungsaufwand liegt laut Hersteller beim Dreifachen verglichen mit Gold.
Daniel Roth Extra Plat Platinum
Daniel RothDas doppelelliptische Gehäuse mit den Maßen 38,6 x 35,5 mm und einer Gesamthöhe von 7,7 mm ist dabei deutlich kleiner und flacher als das, was heute als Norm gilt. Wer von Platin erwartet, dass es auffallend hervorsticht, wird hier enttäuscht und dabei gleichzeitig von der zurückhaltenden Anmutung verzückt.
Das Werk
Das Kaliber DR002 misst 31 x 28 mm bei einer Werkhöhe von 3,1 mm. Es läuft mit 4 Hz, also 28.800 Halbschwingungen pro Stunde, und liefert eine Gangreserve von 65 Stunden. Die Unruh arbeitet mit variabler Trägheit und Gegengewichten, ein Kompromiss, der die Frequenz bei gleichzeitig flacher Bauweise ermöglicht, ohne die Energieeffizienz zu gefährden. Die Fertigungstiefe ist für ein unabhängig reviviertes Label bemerkenswert: Das Werk wird vollständig in der Manufaktur in Meyrin entwickelt und assembliert. Was die Finissierung angeht, gibt Daniel Roth an, über 70 einzelne Schritte per Hand zu benötigen. Das Stichwort lautet Bercé-Anglage: Statt eines flachen, gewinkelten Facettenschliffs werden Kanten und innere Winkel gerundet poliert. Die sogenannten inneren Winkel, technisch die aufwendigste Stelle, erfordern doppelt so viel Zeit wie eine konventionelle Abschrägung. Sichtbar wird das durch den Saphirglasboden.
Das Zifferblatt.
Die Basis aus Weißgold trägt ein handgraviiertes Pinstripe-Guilloché, ausgeführt auf einer antiken Rosenmaschine, jede Linie einzeln eingestochen. Das Minutenblatt ist vergoldet mit Filet-sauté-Randverzierung, die Typografie in Schwarz aufgedruckt. Das Zifferblatt tritt optisch zurück, ohne leer zu wirken. Der Kontrast zwischen dem gleichmäßigen Streifenmuster und den schlichten Goldzeigern ist kalkuliert. Es gibt keinen Sekundenzeiger, keine Komplikation, keine Ablenkung.
Daniel Roth Extra Plat Platinum Kaliber DR002
Daniel RothMarktkontext
Für 65.000 Schweizer Franken ohne Steuern erhält man ein schlichtes Zweizeigerwerk in einem Platingehäuse, das teilweise kleiner ist als eine Münze und dünner als ein Bleistift. Vergleichspunkte gibt es wenige: Kari Voutilainen oder F.P. Journe setzen in ähnlichen Preisregionen ebenfalls auf handwerkliche Verfeinerung statt auf Komplikationsdichte. Daniel Roth befindet sich hier in Gesellschaft, die den Käufer voraussetzt, der den Wert dessen erkennt, was verborgen bleibt.
Die Platinversion der Extra Plat ist kein eigenständiges Produkt, sondern ein Argument. Sie demonstriert, dass La Fabrique du Temps Louis Vuitton das Daniel-Roth-Revival nicht als Nostalgieprojekt betreibt, sondern als ernsthafte Positionierung im oberen Preissegment. Die Kombination aus in-house entwickeltem Flachwerk, aufwendiger Finissierung und dem am schwersten zu verarbeitenden Edelmetall in der Uhrmacherei ist eine handwerkliche Aussage.
Technische Eckdaten
Gehäuse: Platin, 38,6 x 35,5 mm, Stärke 7,7 mm, Saphirglas beidseitig entspiegelt, Saphirglasboden, 30 m Wasserdichte.
Zeiger: Gold. Zifferblatt: Weißgoldbasis, Pinstripe-Guilloché (handgraviert), Goldminutenring, schwarze Aufdrucktypografie.
Bandanstoßbreite: 20 mm. Band: Kalbsleder.
Werk: Kaliber DR002, Handaufzug, Manufaktur La Fabrique du Temps Louis Vuitton, 31 x 28 mm, Höhe 3,1 mm, 4 Hz, 65 h Gangreserve, 143 Teile, 21 Rubine, 6-Lagen-Regulierung.
Preis: 65.000 Schweizer Franken (exkl. MwSt.)