Audemars Piguet Neo Frame Jumping Hour: APs radikaler Sprung
Wenn 1929 auf 2026 trifft: Mit der Neo Frame Springende Stunde präsentiert Audemars Piguet eine Abkehr vom Octagon-Diktat der Royal Oak. Der rechteckige Zeitmesser in Roségold und Saphirglas ist inspiriert von einem Modell aus 1929 und wird angetrieben vom ersten Automatikwerk der Manufaktur mit springender Stunde. Streamline-Design trifft Haute Horlogerie.
Mit drei von vier Hauptkollektionen, die auf dem ursprünglichen Royal-Oak-Design basieren, kommt die Produktvielfalt von Audemars Piguet fast schon konservativ daher. Doch von Zeit zu Zeit, und nicht ohne große Kühnheit, bringt die Marke etwas Unerwartetes heraus. Zum Beispiel die Code 11.59, eingeführt im Jahr 2019 – man liebt sie oder hasst sie, aber sie war eine echte Erweiterung. Nun macht die Marke es wieder mit der Audemars Piguet Neo Frame Jumping Hour. Eine Uhr, die auf dem Trend für springende Stunden und Guichet-Uhren surft und ein Vintage-Design von 1929 wiederbelebt.
Die springende Stunde: Eine Tradition bei Audemars Piguet
2025 war ein Paradebeispiel für die Komplikation der springenden Stunde mit Modellen von Cartier, Louis Vuitton und Bremont. In den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts existierte noch kein festgelegtes Bild davon, wie eine Armbanduhr aussehen oder wie die Zeit angezeigt werden sollte. Gehäuseformen waren variabel, und die Anzeigen boten Raum für Experimente. Was wir heute als Standard empfinden – ein rundes Gehäuse mit zwei Zeigern, die sich von der Mitte aus drehen – war damals nur eine von mehreren möglichen Varianten. In diesem Umfeld war die springende Stunde keine bloße Kuriosität, sondern eine von mehreren denkbaren Lösungen. Audemars Piguet widmete sich diesem Konzept, ohne es endgültig festzulegen. Den Archiven der Manufaktur zufolge entstanden zwischen 1924 und 1951 insgesamt 347 Armbanduhren mit springender Stunde.
Audemars Piguet Neo Frame Jumping Hour, Referenz 15245OR.OO.D206VE.01
Audemars PiguetVom Vormodell 1271 zur Neo Frame
Das Vormodell 1271, das die Manufaktur 1929 und 1930 anbot, gehörte zu den ersten mit zwei Fenstern. Es wurden nur 14 Exemplare in vier Varianten hergestellt: Weißgold, Weiß- und Gelbgold, Weiß- und Grüngold sowie ein einziges Platinmodell. Fast alle wurden vor dem Börsencrash im Oktober 1929 verkauft, der das Ende der "Roaring Twenties" bedeutete. Das Platinmodell, das heute im Audemars Piguet Musée Atelier zu sehen ist, diente als Inspiration für die neue Neo Frame Springende Stunde. Es wurde an den Sohn eines berühmten Schuhmachers am Broadway verkauft – ein Detail, das die Verbindung zwischen Luxushandwerk und amerikanischem Optimismus jener Ära unterstreicht. Mit seiner Kombination aus langgestreckten Linien und geschwungenen Formen war das Vormodell 1271 unmittelbar von der Streamline-Moderne inspiriert – auch bekannt als Paquebot- oder Ocean-Liner-Stil. Diese zwischen den Weltkriegen in den Vereinigten Staaten entstandene Design- und Architekturströmung setzte auf Minimalismus und orientierte sich an den aerodynamischen Formen von Zügen und Schiffen, Sinnbildern für Geschwindigkeit und Modernität. Das Ergebnis waren klare Linien, geschwungene Formen, abgerundete Winkel und die Verwendung moderner Materialien, häufig in Verbindung mit nautischen Elementen. Der Paquebot-Stil knüpfte an das Art déco an und ergänzte es um Bauhaus-Einflüsse wie die Aufwertung der Materialien, technische Ausdruckskraft und einen kultivierten Minimalismus.
Audemars Piguet Neo Frame Jumping Hour, Referenz 15245OR.OO.D206VE.01
Audemars PiguetElemente, die in der neuen Neo Frame Springende Stunde nachhallen.
Mit einem Gehäuse von 34,6 x 34 mm (ohne Bandanstöße) und einer Höhe von 8,8 mm greift dieses neue Modell die ästhetischen Codes des Vormodells 1271 auf und ist eine moderne Hommage an das Stromliniendesign. Das rechteckige Gehäuse aus 18-Karat-Roségold wird auf jeder Seite von acht Godronierungen flankiert, die sich in eleganten Linien zu spitz zulaufenden Bandanstößen verjüngen und an aerodynamische Bewegungen erinnern. Dieses markante CNC-bearbeitete Motiv findet sich auf dem Gehäuseboden, der Krone und der Schwungmasse wieder, die allesamt aus 18-Karat-Roségold gefertigt sind. Es bedurfte höchster Präzision, um die Linienführung des Gehäusebodens perfekt mit jener der Bandanstöße abzustimmen und eine optische Harmonie zu erzielen. Die Uhr präsentiert sich in einem modernen Bicolor-Design mit einem schwarzen PVD-behandelten Saphirglas. Zwei goldgerahmte Fenster zeigen weiß gedruckte Stunden- und Minutenziffern auf schwarzem Hintergrund. Der Schriftzug "Audemars Piguet" erscheint in Roségoldtönen bei 6 Uhr.
Das Saphirglas-Zifferblatt: Technische Herausforderung
Trotz seiner scheinbaren Einfachheit erforderte das Saphirzifferblatt einen erheblichen Arbeitsaufwand sowie maßgeschneiderte Montageverfahren. Während das ursprüngliche Vormodell 1271 mit Metallzifferblättern in verschiedenen Goldtönen oder Platin ausgestattet war, entspricht diese Neuinterpretation modernen Standards. Das Saphirglas gewährleitest eine Wasserdichtheit bis 20 Meter. Normalerweise wird dies durch das Einpressen des Glases in eine Lünette erreicht. Bei der Neo Frame Springende Stunde wurde jedoch auf den Metallrahmen bei 12 und 6 Uhr verzichtet, sodass das Saphirglas freiliegt. Um eine Wasserdichtheit von 20 Metern zu erreichen, wird die Zifferblattplatine mit dem Saphirglas verklebt und anschließend in das Gehäuse geschraubt. Diese Technik wurde speziell für dieses Modell entwickelt. Dieser neue Zeitmesser wurde einer umfassenden ergonomischen Überarbeitung unterzogen, um sein historisches Design in der Gegenwart zu verankern. Zudem wurde eine neue Krone speziell entwickelt, um den Aufzugskomfort zu erhöhen und zugleich eine verfeinerte Ästhetik zu bieten.
Audemars Piguet Neo Frame Jumping Hour: das Kaliber 7122
Audemars PiguetDas Armband: Strukturiertes Design
Die Uhr ist mit einem eleganten schwarzen Kalbslederarmband ausgestattet, das ein vom Audemars Piguet Designteam entworfenes, strukturiertes Motiv aufweist. Das Armband fügt sich nahtlos in das Gehäuse ein und trifft zwischen den Bandanstößen auf das Saphirglas, wodurch die Vintage-Ästhetik der Uhr noch verstärkt wird. Das strukturierte Muster ist keine reine Dekoration, sondern Teil der Gesamtkomposition – es greift die Linienführung der Godronierungen auf und führt sie visuell fort.
Das Kaliber 7122: APs erstes Automatik-Jumping-Hour-Werk
Dieses Modell verschmilzt eine Hommage an die Vergangenheit mit innovativen Techniken. Es wird vom ersten Uhrwerk der Manufaktur mit Automatikaufzug und springender Stunde angetrieben. Das neue Kaliber 7122 basiert auf dem Kaliber 7121, das in den Royal Oak "Jumbo"-Modellen schlägt, und wurde vollständig in der Manufaktur entwickelt. Es verbindet eine springende Stunde mit nachlaufenden Minuten und bietet so Präzision, Leistung und Zuverlässigkeit. Das Kaliber 7122 hat einen Gesamtdurchmesser von 29,6 mm bei einer Gesamthöhe von 4 mm. Die Gangreserve verspricht mindestens 52 Stunden. Die Frequenz des Kalibers schlägt 4 Hz (28.800 Halbschwingungen/Stunde). Das Kaliber 7122 verfügt über ein patentiertes Stoßdämpfungssystem. Dieses verhindert bei Stößen den Sprung der Stundenanzeige und macht die Uhr alltagstauglich. Um die Stoßfestigkeit zu erhöhen, wurde die Stundenscheibe aus Titan gefertigt, während die progressiv durch das Fenster angezeigte Minutenscheibe aus einer Kupferlegierung besteht. Durch den Saphirglasboden auf der Rückseite der Uhr sind das Uhrwerk sowie Veredelungen wie Genfer Streifen und Satinierung zu sehen. Auch die spezielle Schwungmasse mit zusätzlichen Kannelierungen ist sichtbar – ein visueller Verweis auf die Godronierungen des Gehäuses.
Die Geschichte der springenden Stunde
Wie Audemars Piguet erklärt: "Die springende Stunde revolutioniert die Zeitanzeige, indem sie die traditionellen Zeiger durch Ziffern ersetzt, die alle 60 Minuten springen. Dieses System tauchte erstmals um 1650 in Nachtuhren auf und wurde im 18. Jahrhundert für Taschenuhren adaptiert, um die Ablesbarkeit zu verbessern." Ursprünglich wurde die springende Stunde mit einem separaten Zifferblatt mit Stundenzeiger kombiniert. Ab 1890 erschien die Minutenanzeige auf einer rotierenden Scheibe, die durch ein zweites Fenster betrachtet werden konnte. Mit dem Aufkommen der Armbanduhren in der Zeit zwischen den Kriegen gewann die springende Stunde wegen ihrer modernen Anzeige und ihres praktischen Vorteils an Beliebtheit: Das vollständige Zifferblatt mit zwei Fenstern trug zum Schutz des empfindlichen Mineralglases der Uhr bei. Diese Armbanduhren verbanden auf elegante Weise Form und Funktion. Das war beispielsweise bei der äußerst populären Cartier Tank à Guichets der Fall, die 1928 erstmals zu sehen war. Aber auch Audemars Piguet hatte seinen Anteil an Uhren mit springender Stunde. Armbanduhren mit springender Stunde verloren mit Beginn des Zweiten Weltkriegs an Bedeutung, erlebten jedoch in den 1960er- und 1970er-Jahren während der Space-Age-Design-Ära eine Renaissance. Ihr wahres Comeback erlebten sie Anfang der 1990er-Jahre, als Audemars Piguet begann, diese Komplikation mit Minutenrepetitionen zu kombinieren – eine Praxis, die die Marke zwei Jahrzehnte lang fortsetzte. Die Philosophie dahinter "Audemars Piguet ist seiner Vergangenheit stets treu geblieben und hat gleichzeitig den Blick in die Zukunft gerichtet. Die neue Neo Frame Springende Stunde verkörpert diese Philosophie und würdigt unser reiches uhrmacherisches Erbe durch einen emblematischen Zeitmesser, der mit modernsten Techniken und einem zeitgemäßen Ansatz neu interpretiert wurde", sagt Ilaria Resta, Chief Executive Officer von Audemars Piguet.
Sébastian Vivas, Director Heritage & Museum bei Audemars Piguet, fügt hinzu: "Dieser neue Zeitmesser ist eine Hommage an die Vorreiterrolle von Audemars Piguet bei der Entwicklung der ersten Armbanduhren mit springender Stunde in den 1920er-Jahren. Damals war das Glas so zerbrechlich, dass es durch Metall geschützt werden musste. Heute besteht es aus Saphirglas, das im Mittelpunkt steht."
Mut zur Form
Die Neo Frame Jumping Hour ist ein Beweis dafür, dass Audemars Piguet mehr kann als Royal Oak-Variationen – wenn die Marke sich traut. Mit ihrer Kombination aus Streamline-Design der 1930er-Jahre, modernem Bicolor-Look aus Roségold und schwarzem Saphirglas sowie dem ersten hauseigenen Automatik-Jumping-Hour-Werk zeigt die Neo Frame, dass Innovation nicht immer radikal neu sein muss. Manchmal bedeutet es, die Vergangenheit mit den Mitteln der Gegenwart neu zu denken. Der Preis beträgt 64.900 Euro.
- Die springende Stunde: Eine Tradition bei Audemars Piguet
- Vom Vormodell 1271 zur Neo Frame
- Elemente, die in der neuen Neo Frame Springende Stunde nachhallen.
- Das Saphirglas-Zifferblatt: Technische Herausforderung
- Das Armband: Strukturiertes Design
- Das Kaliber 7122: APs erstes Automatik-Jumping-Hour-Werk
- Die Geschichte der springenden Stunde
- Mut zur Form