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Lesedauer 4 Min.

Vanguart Orb Ceramic: Flying Tourbillon in Farbe

Da Orb Flying Tourbillon mit Funktionsselektor bekommt farbige Keramikgehäuse, auf 25 Stück limitiert. Was technisch dahintersteckt.
 Vanguart Orb Blue Ceramic Rose Gold

 Vanguart Orb Blue Ceramic Rose Gold

©  Vanguart

Zwei Jahre nach dem Debüt des Orb Flying Tourbillon kehrt Vanguart mit einer konsequenten Weiterentwicklung zurück. Die beiden neuen Varianten, Orb Pink Ceramic Titanium und Orb Blue Ceramic Rose Gold, fügen dem bestehenden Gehäuserahmen farbige Keramikelemente hinzu. Das klingt nach einer kleinen Justierung. Technisch war es das nicht. 

Vom Konzeptträger zum Alltagsobjekt 

Das ursprüngliche Modell Orb von 2024 war bewusst als Haute-horlogerie-Demonstration positioniert: samt fliegendem Tourbillon mit Funktionsselektor, der zwischen manuellem und automatischem Aufzug umschalten lässt. Eine Komplikation, die bis dahin in dieser Form nicht existierte. Das 41-mm-Titangehäuse mit 10,5 mm Bauhöhe war für diese Mechanik bemerkenswert flach, das Saphirglas erlaubte den ungehinderten Blick in die Werkarchitektur. Verkaufsargument war die mechanische Idee, nicht die Farbe. Mit den Keramikvarianten verschiebt Vanguart die Zielgruppendefinition. Die Marke selbst formuliert es als „alltägliches Tourbillon" – was zugegeben ein Widerspruch in sich ist, aber den Strategieansatz beschreibt. 

Ein Flying-Tourbillon mit Listenpreisen in diesem Segment bewegt sich in einem Markt, der nicht nur von Komplikationsliebhabern, sondern auch ästhetisch-motivierten Sammlern bespielt wird. Keramik in Pink und Blau ist der direkte Versuch, diese Käuferschicht zu erreichen.

 Vanguart Orb Blue Ceramic Rose Gold

 Vanguart Orb Blue Ceramic Rose Gold

©  Vanguart

Das Materialproblem und seine Lösung 

Keramik in geschwungene Formen zu bringen, ohne die Sprödigkeit des Materials zum Problem werden zu lassen, ist eine reale fertigungstechnische Aufgabe. Vanguart hat nach eigenen Angaben ein Jahr Entwicklungszeit investiert, um eine Keramikformulierung zu finden, die sich in die fließenden Konturen des Orb-Gehäuses integrieren lässt und dabei polierbar bleibt. Die Keramik sitzt an den Gehäuseflanken sowie im Drücker der Krone. Eigene Werkzeuge wurden entwickelt, um die Oberflächenverarbeitung auf Vanguarts Finishingstandards zu halten. Zwei Bauteile, die sich einer direkten Keramikapplikation verweigerten, löste das Entwicklungsteam anders: Réhaut und konkave Schwungmasse wurden mit einer vom Motorsport inspirierten Mikrolackiertechnik in der entsprechenden Keramikfarbe behandelt. Das Verfahren erforderte monatelange Tests, da es auf dreidimensionale Bauteile im Betrieb angewendet wird.

Werk und Mechanismus: unverändert, aber relevant 

Das Kaliber bleibt gegenüber dem Ursprungsmodell identisch. Der 3-Hz-Flyingtourbillon (21.600 vph) mit Titanplatine, -brücken und -tourbillonkäfig ist in Grade-5-Titan gefertigt, Hauptplatine, Brücken und Tourbillonkäfig zeigen Mikrostrahlung, Satinierung, Blockpolitur und handabgezogene Facetten. Die Gesamtkomponentenzahl liegt bei 395, die Gangreserve bei 60 Stunden. Der Funktionsselektor, das eigentliche Alleinstellungsmerkmal des Orb, bleibt erhalten. Drei Positionen (M / A / H) werden über den Krondrücker angewählt; die Modi aktivieren oder deaktivieren die Schwungmasse. Im Manuell-Modus bleibt diese fixiert, im Automatik-Modus dreht sie frei, wobei der im Rotor eingesetzte Brillantdiamant als kinetische Lichtreflexfläche wirkt. Eine Funktion, die über das Dekorative hinausgeht. Wer seine Energie im wörtlichen Sinn selbst kontrollieren will, kann das tun. Ob das im Alltag eine Rolle spielt, sei dahingestellt. (Lesen Sie auch: Vanguart erweitert die Black-Hole-Kollektion um zwei faszinierende Varianten)

Vanguart Orb Pink Ceramic Titanium
Vanguart Orb Pink Ceramic Titanium © Vanguart

Finishingtiefe als Differenzierungsmerkmal 

Beide Neuheiten zeigen gegenüber dem 2024er-Ursprungsmodell ein überarbeitetes Finishing. Die Zentralbrücke erhält eine dreidimensionale, handpolierte Abfasung auf sandgestrahltem Grund. Der Stundenring kombiniert jetzt Mikrostrahlung und Spiegelpolitur in einem technisch aufwändigen Wechsel. Die Stundenmarkierungen unterscheiden sich zwischen den Modellen: Dreiecke beim blauen, Trapeze beim pinken. Beide sind luminesziert, beide stehen in bewusstem Kontrast zur visuellen Tiefe des Werks dahinter. Das hell-pinke Modell zeigt eine sandgestrahlte Hauptplatine mit anschließender PVD-Beschichtung und erneutem händischen Abfasen, das die polierte Titanoberfläche darunter freilegt. Beim blauen Modell erhalten Federhauskloben und Tourbillonkäfig eine Gold-PVD-Beschichtung. Zwei unterschiedliche Finishing-Sprachen für zwei Uhren, die auf den ersten Blick farblich definiert sind. Auf den zweiten Blick ist es mehr.

Vanguart Orb Pink Ceramic Titanium

Vanguart Orb Pink Ceramic Titanium

© Vanguart

Limitierung und Vertrieb 

Beide Modelle sind auf je 25 nummerierte Stücke limitiert. Vanguart hat mit dem Modell Orb im Jahr 2024 eine klare horlogische These formuliert. Die Keramikvarianten 2026 sind kein Widerruf dieser These, aber eine Erweiterung des Adressatenkreises. 25 Stücke pro Referenz lassen jedoch vermuten, dass Vanguart seine Exklusivität nicht leichtfertig aufgibt.

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