Zagato Lab One: Die leichteste Chopard ihrer Geschichte
Als ich das erste Mal die technischen Daten der neuen Chopard Zagato Lab One Concept las, musste ich zweimal hinschauen: 43,20 Gramm inklusive Armband. Wirklih ungewöhnlich leicht. Doch Gewicht ist nur der Anfang dieser außergewöhnlichen Geschichte.
Eine Partnerschaft, die auf der Straße begann
Seit 1988 ist Chopard offizieller Partner der Mille Miglia, jenes legendären italienischen Rennens, das klassische Automobile und ihre Enthusiasten jedes Jahr auf eine 1.600 Kilometer lange Zeitreise schickt. Genau dort, auf den kurvenreichen Straßen zwischen Brescia und Rom, trafen sich Karl-Friedrich Scheufele, Co-Präsident von Chopard und selbst passionierter Oldtimer-Sammler, und Andrea Michele Zagato, Präsident des gleichnamigen Mailänder Karosseriebauers. Was als Gespräch unter Benzin-im-Blut-Enthusiasten begann, mündete in bereits zwei gemeinsamen Uhrenkreationen: 2013 der Mille Miglia Zagato Chronograph, 2019 eine Edition zum 100. Jubiläum Zagatos. Die dritte Kollaboration, die Zagato Lab One Concept, geht nun deutlich weiter. Sie ist wahrlich ein Konzeptfahrzeug fürs Handgelenk.
Chopard Zagato Lab Concept
ChopardWenn das Chassis zur Architektur wird
Die charakteristische Rohrkonstruktion, die Zagato seit den 1920er-Jahren für ultraleichte, aerodynamische Rennwagen verwendet, bildet das konzeptionelle Rückgrat dieser Uhr. Statt klassischer Bandanstöße tragen röhrenförmige Ösen das Gehäuse. Diese sind schwenkbar mit einer Amplitude von etwa 45 Grad auf jeder Seite, kontrolliert durch ein Justiersystem. Das Ergebnis: Die Uhr schmiegt sich perfekt ans Handgelenk, egal welche Form es hat.
Im Rennsport verteilt die skelettartige Tubular-Konstruktion mechanische Belastungen bei einem geringen Gewicht und gleichzeitig hoher Robustheit. Chopard überträgt dieses Prinzip erstmals auf eine Armbanduhr. Das Uhrwerk wird von einem Gitterohrgerüst getragen, ähnlich dem Chassis eines Rennwagens.
Keramikbeschichtetes Titan: Härter als Keramik, leichter als Stahl
Das 42-mm-Gehäuse, die Brücken und die Werkplatine bestehen aus keramikbeschichtetem Titan – einem Material, das ursprünglich für Luft- und Raumfahrt sowie Automobilbau entwickelt wurde. Durch Elektro-Plasma-Oxidation erhält das Metall eine Härte von 1.000 Vickers, vergleichbar mit Keramik, bleibt aber deutlich leichter. Die anthrazitgraue Farbe ist Teil der Materialstruktur. Bei einem Gesamtgewicht von nur 36,5 Gramm ohne Armband erreicht Chopard hier neue Dimensionen der Leichtigkeit. Zum Vergleich: Eine durchschnittliche Sportuhr aus Edelstahl wiegt um die 150 Gramm.
Chopard L.U.C Calibre 04.04-L
ChopardDas Zifferblatt als Instrumententafel
Die Zeitanzeige folgt einer klaren Designphilosophie: Die Werkplatine, die gleichzeitig als Zifferblatt dient, trägt Zagatos unverwechselbares "Z"-Motiv – mit Fasen, die durch rhodinierte Oberflächen akzentuiert werden. Die Logos von Chopard und Zagato erscheinen ebenfalls rhodiniert in positivem Relief. Darüber thront ein sogenanntes "Glass Box"–Saphirglas, das bündig mit der Gehäuseflanke abschließt. Das Gehäuse ist mit 11,15 mm angenehm flach, die Wasserdichtigkeit beträgt 50 Meter. Die Krone an der Gehäuseseite ist einem automobilen Differenzialgetriebe nachempfunden und trägt ein graviertes Lenkrad – ein Code, der in Chopards Classic-Racing-Kollektion zum Markenzeichen geworden ist.
Kaliber L.U.C 04.04-L: Ein Motor fürs Handgelenk
Das mechanische Herzstück ist eine Weiterentwicklung des 2010 eingeführten Engine One Tourbillon Kalibers. Mit 30,60 mm Durchmesser, 207 Komponenten und 29 Steinen arbeitet das Handaufzugskaliber mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde (4 Hz) und bietet eine Gangreserve von 60 Stunden. Der 60-Sekunden-Tourbillon, kombiniert mit einer Variner-Unruh und einer Spirale mit Phillips-Endkurve, sitzt in einem Aluminiumkäfig – ein weiterer Beitrag zur außergewöhnlichen Leichtigkeit. Die Brücken und die Grundplatine des Kalibers bestehen ebenfalls aus keramikbeschichtetem Titan – eine Premiere in der Uhrmacherei.
Chopard integriert ein stoßdämpfendes System auf Basis von Silent Blocks, speziell für dieses Modell neu entwickelt. Wie bei einem Automotor dämpfen diese Elastomerelemente Vibrationen und absorbieren Stöße. Vier Hebelarme, die in die Gehäuseflanke eingesetzt sind, gewährleisten optimale Stabilität.
Besonders charakteristisch: die Gangreserveanzeige in Form einer Tankanzeige bei 12 Uhr. Sie verstärkt die Analogie zwischen Armaturenbrett und Zifferblatt. Die Zeiger für Stunden und Minuten sind rhodiniert und in Form von Rennwagen-Lenkrädern mit durchbrochenen Speichen gestaltet. Eine kleine Sekunde ist bei 6 Uhr über dem Tourbillon integriert. Eine Stoppsekundenfunktion ist ebenfalls verbaut. Das Uhrwerk ist COSC-zertifiziert.
Die Zagato Lab One Concept von Chopard wird mit zwei Armband-Optionen ausgeliefert: ein technisches Textilband mit Klett- und Schlaufenverschluss sowie eine anthrazitfarbene keramikbeschichtete Titanium-Schließe – oder alternativ Kalbsleder mit gravierter Pin-Schließe. Beide Varianten unterstreichen den sportlich-technischen Charakter der Uhr. Das Textilband ist eine logische Wahl für eine Uhr, die so konsequent auf Leichtigkeit setzt. Es trägt praktisch nichts zum Gesamtgewicht bei und bietet zugleich hohen Tragekomfort. Das Lederband hingegen verleiht der Uhr eine etwas dressiertere Note.
Eine auf 19 Stück limitierte Vision
Die Referenznummer 168636-3001 wird in nur 19 Exemplaren produziert – eine Zahl, die auf den 19. April 1919 verweist, den Gründungstag von Zagato. "Das dritte Opus unserer Zusammenarbeit mit Zagato verkörpert die gemeinsamen Werte unserer Familienunternehmen: mutiges Design im Dienste technischer Performance, eine ständige Suche nach Präzision und die Leidenschaft für den Motorsport", sagt Karl-Friedrich Scheufele.
Die Zagato Lab One Concept ist kein Zeitmesser für jeden Tag und jede Gelegenheit. Sie ist ein Statement. Ein technisches Manifest. Eine Hommage an die Idee, dass Design und Engineering keine getrennten Disziplinen sind, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Mit 43,20 Gramm am Handgelenk spürt man fast nichts – und doch alles. Die Präzision eines COSC-zertifizierten Tourbillons. Preis circa 140.000 Euro.