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Lesedauer 7 Min.

„Man muss lernen, mit dem Risiko zu leben“ – Slopestyle-Profi Erik Fedko im Interview

Der deutsche MTB-Tausendsassa über Druck, Zeitgefühl und die Bedeutung von Uhren
Profi-Biker Erik Fedko im Interview
© Swatch

Seit der Gründung Anfang der 1980er-Jahre verfolgt Swatch einen ungewöhnlichen Ansatz innerhalb der Schweizer Uhrenindustrie. Die Marke machte die Schweizer Uhr nicht nur erschwinglicher, sondern verstand sie von Beginn an als kreatives Medium, das Design, Popkultur und Individualität miteinander verbindet. Bis heute sieht sich Swatch weniger als klassischen Uhrenhersteller denn als kulturelle Plattform, die Kunst, Sport und Innovation miteinander verknüpft. Besonders deutlich wird diese Philosophie rund um das Engagement der Marke im Actionsport. Mit den Swatch Nines entstand eine Veranstaltungsreihe, die weit über klassisches Sponsoring hinausgeht. Statt ausschließlich auf Wettbewerb und Platzierungen zu setzen, schaffen die Events außergewöhnliche Spielplätze für Top-Athleten, auf denen Kreativität, Progression und persönliche sportliche Weiterentwicklung im Mittelpunkt stehen. Die Veranstaltungen bringen einige der weltweit besten Fahrer ihrer Disziplinen zusammen und bieten Raum für neue Tricks, ungewöhnliche Streckenkonzepte und spektakuläre Performances. Im Jahr 2026 umfasst die Serie erstmals drei eigenständige Veranstaltungen. Den Auftakt machte Swatch Nines Snow im japanischen Niseko, wo Snowboarder und Freeskier auf eigens entwickelten Anlagen ihre Grenzen ausloteten. Es folgten kürzlich die Swatch Nines Bike in Sölden, bei denen Mountainbike- und BMX-Athleten gemeinsam eine speziell konzipierte Strecke nutzten, bevor die Serie im Herbst mit Surf- und Skate-Events in Texas ihren Abschluss findet. Bemerkenswert ist dabei die enge Einbindung der Athleten. Viele der Strecken und Features entstehen gemeinsam mit den Fahrern selbst, wodurch die Veranstaltungen einen experimentellen Charakter erhalten. Die gemeinsame Weiterentwicklung des Sports ist dabei zentral – ein Ansatz, der auch die Identität von Swatch prägt. Einer der Athleten, die diese Philosophie verkörpern, ist Slopestyle-Profi Erik Fedko. Der deutsche Mountainbiker zählt seit Jahren zu den prägendsten Fahrern seiner Disziplin und kennt die Gegensätze seines Sports wie kaum ein anderer: Kreativität und Präzision, Freiheit und Risiko, Intuition und Kontrolle. Im Interview mit WatchTime spricht Fedko über den mentalen Druck auf höchstem Niveau, den Umgang mit Verletzungen und Fehlern, das besondere Zeitgefühl in der Luft sowie darüber, warum eine Uhr für ihn weit mehr ist als ein Instrument zur Anzeige der Zeit.

Profi-Biker Erik Fedko im Interview

Profi-Biker Erik Fedko

© Swatch

WatchTime: Was unterschätzen Außenstehende an einem Weltklasse-Biker häufig?

Erik Fedko: Viele sehen nur den Wettkampf: zwei Läufe und am Ende das Ergebnis oder die Platzierung. Was man nicht sieht, ist der gesamte Weg dorthin – das Training zu Hause, die mentale Vorbereitung und der Umgang mit Druck. Gerade bei großen Events, bei denen Sponsoren und Partner involviert sind, entsteht eine gewisse Erwartungshaltung. Dazu kommt, dass unser Sport sehr gefährlich ist. Jeder Sturz kann schwerwiegende Folgen haben. Deshalb ist die mentale Komponente extrem wichtig. Ich kenne Fahrer, die technisch absolute Weltklasse sind, aber mit dem Druck nicht umgehen können. Am Ende ist es dieses Gesamtpaket aus Fahrkönnen, Mentalität und Belastbarkeit, das einen Topsportler ausmacht.

WatchTime: Welche Eigenschaften hat Ihnen der Sport vermittelt, die Ihnen auch im Alltag helfen?

Erik Fedko: Vor allem dieses „Einfach machen“. Im Slopestyle arbeitet man lange an Tricks, trainiert sie zunächst in Schaumstoffgruben oder auf Luftkissen, bis irgendwann der Moment kommt, an dem man sie auf hartem Untergrund landen muss. Dadurch lernt man, Entscheidungen zu treffen und Dinge nicht aufzuschieben. Das überträgt sich auch auf meinen Alltag. Ob im Haushalt, bei Projekten oder bei meiner eigenen Marke – ich versuche, Dinge direkt anzugehen. Außerdem hat mir der Sport viel Selbstvertrauen gegeben und dieses Gefühl, wirklich lebendig zu sein.

WatchTime: Wie gehen Sie mit Risiko und Fehlern um? Entscheidungen werden schließlich innerhalb von Sekundenbruchteilen getroffen.

Erik Fedko: Wenn man in der Luft ist, kann ein kleiner Fehler große Auswirkungen haben. Oft merkt man früh genug, was passiert, und weiß, wie man stürzt. Aber es gibt immer Situationen, in denen man nichts mehr beeinflussen kann. Verletzungen gehören zu diesem Sport dazu. Ich hatte vor zwei Jahren eine schwere Oberschenkelverletzung, und so etwas stellt einen natürlich auch mental vor Herausforderungen. Man überlegt, warum man dieses Risiko überhaupt eingeht. Mit der Zeit lernt man jedoch, damit umzugehen. Die Leidenschaft für den Sport ist am Ende größer. Natürlich versucht man, Risiken möglichst gering zu halten und aus Fehlern zu lernen. Aber es gibt immer Faktoren, die man nicht kontrollieren kann: Wind, Regen, Material oder technische Defekte. 

WatchTime: Welche Rolle spielt das Thema Zeit in Ihrem Sport? Ist das Zeitgefühl wichtiger als die gemessene Zeit?

Erik Fedko: Definitiv. In der Luft fühlt sich vieles deutlich langsamer an. Manche Sprünge wirken fast wie Zeitlupe, weil man extrem fokussiert ist. Vieles basiert auf Muskelgedächtnis und Erfahrung. Man muss die Abläufe und Bewegungen sehr genau einschätzen können. Dafür trainieren wir schließlich jahrelang.

WatchTime: Haben Sie vor Wettkämpfen bestimmte Rituale?

Erik Fedko: Kein bewusstes Ritual. Ich ziehe meine Knieschoner immer in derselben Reihenfolge an, aber darüber hinaus habe ich mir früh angewöhnt, keine festen Abläufe zu benötigen. Viele Sportler haben bestimmte Rituale, die sie unbedingt einhalten müssen. Wenn das dann einmal nicht funktioniert, bringt es sie eher aus dem Konzept.

Blaue Swatch im Taucheruhrenstil

Erik Fedkos Zeitmesser für die Swatch Nines: Swatch Sea Wasp

© WatchTime

WatchTime: Tragen Sie im Alltag andere Uhren als beim Sport?

Erik Fedko: Ja, definitiv. Beim Sport bevorzuge ich eher sportliche Modelle, die bequem sitzen, beim Fahren nicht stören, leicht sind und viel Bewegungsfreiheit bieten. Im Alltag trage ich dagegen auch gerne silberne oder goldene Varianten. Das hängt immer vom Anlass ab. 

WatchTime: Was muss eine Uhr können, damit sie Sie im Alltag begleitet?

Erik Fedko: Die Uhr muss unkompliziert sein. Sie sorgt dafür, dass ich nicht ständig auf mein Handy schauen muss. Sonst sieht man sofort Nachrichten oder andere Dinge, die einen ablenken. Ein kurzer Blick aufs Handgelenk reicht völlig aus.

WatchTime: Was schätzt du besonders an Swatch?

Erik Fedko: Ich finde es großartig, dass sich Swatch so stark im Sport engagiert und Veranstaltungen wie diese ermöglicht. Ich bin seit der ersten Zusammenarbeit dabei und habe immer das Gefühl gehabt, dass die Unterstützung weit über das Übliche hinausgeht. Swatch hat mich auch bei privaten Projekten unterstützt. Wir haben beispielsweise ein Videoprojekt umgesetzt, das sich über drei Jahre erstreckt hat. Dabei ging es nicht nur um finanzielle Unterstützung, sondern auch um Dinge wie eine Videopremiere oder professionelle Filmteams. Außerdem gefällt mir, dass Swatch mit Künstlern und verschiedenen kreativen Projekten zusammenarbeitet. Die Marke macht ihr eigenes Ding, und ich versuche das in meiner eigenen Arbeit ebenfalls.

WatchTime: Gibt es eine Uhr, die für Sie einen besonderen emotionalen Wert besitzt?

Erik Fedko: Die MoonSwatch „Mission to the Moon“. Ich habe sie bei vielen Wettkämpfen getragen, bei denen es sehr gut lief. Leider habe ich sie inzwischen verloren, aber mit dieser Uhr verbinde ich viele besondere Momente und Erfolge.

WatchTime: Wenn Sie Ihre eigene Swatch entwerfen dürften – wie würde sie aussehen?

Erik Fedko: Ich würde wahrscheinlich etwas sehr Eigenständiges machen. Keine klassische runde oder eckige Uhr, sondern eine freie Form mit einem eher sportlichen Charakter. Silber wäre auf jeden Fall gesetzt, vielleicht mit einem gewissen Retro-Look. Tatsächlich habe ich mir dazu schon einige Gedanken gemacht, weil ich eine eigene Signature-Uhr spannend fände. Es ist natürlich schwierig, eine völlig neue Form zu entwickeln, aber vielleicht ergibt sich irgendwann die Gelegenheit.

Slopestyle-Profi Erik Fedko und WatchTime-Redaktionsmitglied Johannes Beer bei den Swatch Nines in Sölden

Slopestyle-Profi Erik Fedko und WatchTime-Redaktionsmitglied Johannes Beer bei den Swatch Nines in Sölden

© WatchTime

WatchTime: Gibt es einen Teil Ihrer Ausrüstung, auf den Sie bei einem Sponsorenwechsel nur schwer verzichten könnten?

Erik Fedko: Definitiv mein Fahrrad. Gemeinsam mit meinem Sponsor wurde es komplett auf meine Bedürfnisse und meinen Fahrstil abgestimmt. Darin steckt sehr viel Entwicklungsarbeit.

WatchTime: Hatten Sie schon einmal einen schwerwiegenden Materialdefekt?

Erik Fedko: Zum Glück nicht. Kürzlich ist zwar eine Federgabel kaputtgegangen, aber bislang hatte ich keinen wirklich schweren Materialschaden während eines Runs. 

WatchTime: Wenn Sie Ihre Karriere mit einem Satz auf einen Gehäuseboden gravieren müssten – welcher wäre das?

Erik Fedko: „Enjoy it.“ Das war immer meine Herangehensweise. Am Ende mache ich diesen Sport, weil er mir Spaß macht. Wenn man sich selbst nur Druck macht und die Freude verliert, ergibt das keinen Sinn mehr. Natürlich gibt es schwierige Momente – Verletzungen, Defekte oder schlechte Tage. Aber ich versuche immer, das Beste daraus zu machen und die Zeit zu genießen.

WatchTime: Was ist Ihr größter Traum für die Zukunft?

Erik Fedko: Einen davon habe ich gerade erfüllt. Mein eigenes Videoprojekt hat uns drei Jahre lang begleitet, gemeinsam mit Swatch, Red Bull und vielen weiteren Partnern. Vor Kurzem hatten wir die Premiere in Innsbruck, und dieser Abend war unglaublich. Das Feedback war überwältigend. Etwas Eigenes zu schaffen, war immer ein großer Traum von mir. Deshalb würde ich sagen, dass ich diesen Punkt bereits abhaken konnte. Im Moment genieße ich einfach, dass dieses Projekt Wirklichkeit geworden ist.

 

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