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Lesedauer 3 Min.

Was bedeutet "Nachgehen" bei einer Uhr?

Regulierung einer Uhr
Gegensätzlich: Geht eine Uhr nach, läuft sie also im Minus (–), und muss ins Plus (+) reguliert werden
© PR
Man sagt, eine Uhr geht nach, wenn ihr Gang gegenüber dem des Vortages zurückbleibt. Als Abgleich benutzt man heutzutage dafür Funkuhren, die – wie es der Name schon sagt – ein per Funk ausgestrahltes Zeitsignal von einem Zeitzeichensender empfangen, dessen Information die interne Quarzuhr nachreguliert. Für Deutschland und die meisten Länder Westeuropas ist der Zeitzeichensender DCF77 Mainflingen relevant. Dessen Zeitsignal wird durch hochgenaue Atomuhren der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig generiert und über ein riesiges Antennensystem ausgestrahlt. Aber auch Atomuhren können einmal nachgehen.
Weil es immer wieder Unregelmäßigkeiten in der Erdrotation gibt, können Sonnenzeit und Atomzeit voneinander abweichen. Die Differenzen sind allerdings so gering, dass sie im Alltag keine Relevanz haben und bei Bedarf durch eine Schaltsekunde ausgeglichen werden. In der Vergangenheit dienten Regulatoren dem Zeitabgleich. Das waren für damalige Verhältnisse sehr genau gehende, meist auf dem Boden stehende Großuhren mit Temperaturkompensationspendeln, Präzisionsuhrwerken und zur besseren Ablesbarkeit voneinander getrennten Stunden-, Minuten- und Sekundenanzeigen.In einem Gangschein – übrigens auch bei den Tests der UHREN-MAGAZIN-Redaktion – wird das Nachgehen einer Uhr mit einem Minus-Vorzeichen (–) gekennzeichnet. Man spricht daher auch von einem negativen Gang. Andererseits war es früher in Deutschland auch üblich – zum Beispiel an der Deutschen Seewarte Hamburg – das Nachgehen mit einem Positiv-Vorzeichen (+) zu versehen, um deutlich zu machen, in welche Richtung der Gang einer Uhr zu korrigieren ist. Kein Wunder, denn der Nachgang einer Uhr wird vom Uhrmacher meist negativer betrachtet als ein Vorgang – und aus dieser Erfahrung heraus bei den UHREN-MAGAZIN-Tests auch immer negativer bewertet als ein Vorgang. Diese Betrachtungsweise unterstreichen auch die zulässigen Toleranzwerte bei den Chronometerprüfungen. Nach dem Prüfverfahren der COSC erhält ein Uhrwerk nur dann das Zertifikat, wenn dessen mittlere Gangabweichung höchstens zwischen minus vier bis plus sechs Sekunden am Tag liegt. Die Abweichung ins Plus lässt also eine größere Toleranz zu. Nach den gleichen Maßgaben werden auch die Chronometerprüfungen in der Sternwarte Glashütte durchgeführt. Der aktuelle Grand Seiko-Standard liegt zwischen minus drei und plus fünf Sekunden Gangabweichung am Tag – also auch hier weniger Toleranz für eine nachgehende Uhr. Und auch wenn Rolex mit dem 2015 neu definierten Standard für die 'Superlative Chronometer' Gangtoleranz für das eingeschalte Uhrwerk zwischen plus und minus zwei Sekunden am Tag zulässt, ändert das nichts an der Tatsache, dass der Nachgang einer Rolex-Uhr kritisch betrachtet wird. Nur zwei Sekunden Abweichung stellen schließlich unter allen gegenwärtigen Qualitätsstandards die strengste Maßgabe dar.MaRi
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