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Lesedauer 6 Min.

Starke Hardware, kleine Haken: Huawei Watch Fit 5 Pro im Test

Titan, Saphirglas, EKG und bis zu zehn Tage Akkulaufzeit für weniger als 300 Euro? Huawei verspricht mit der Watch Fit 5 Pro erstaunlich viel Smartwatch fürs Geld. Doch zwischen hochwertiger Hardware und ausgereifter Nutzererfahrung liegt manchmal doch noch das ein oder andere Software-Update.
Huawei Watch Fit 5 Pro, Smartwatch mit Gesundheits- und Sportfunktionen und orangefarbenem Band

Huawei Watch Fit 5 Pro

© Huawei 

Die Smartwatch wird erwachsen

Mechanische Uhren und Smartwatches werden wohl nie dieselbe Zielgruppe bedienen, zumindest nicht vollständig. Während Liebhaber von Emotionen, Tradition und Handwerkskunst schwärmen, bestaunen Technikfans Sensoren, Algorithmen und Software. Trotzdem nähern sich beide Welten immer stärker an. Materialien wie Titan oder Saphirglas galten lange Zeit als exklusive Merkmale hochwertiger Luxusuhren. Heute finden sie sich zunehmend auch bei Handgelenkscomputern. Die Huawei Watch Fit 5 Pro ist dafür ein gutes Beispiel. Bereits auf den ersten Blick hinterlässt sie einen überraschend hochwertigen Eindruck. Wer den Preis von 279 Euro kennt, rechnet kaum mit einer Titanlünette, einem Saphirglas oder einer Verarbeitung, die sich keineswegs verstecken muss. Fast könnte man meinen, Huawei habe versehentlich neben der Designidee auch die Materialliste eines deutlich teureren Konkurrenzmodells übernommen.

Premium trifft Pragmatismus

Mit 44,5 mal 40,8 Millimetern und einer Höhe von lediglich 9,5 Millimetern gehört die Watch Fit 5 Pro zu den angenehm flachen Smartwatches ihrer Klasse. Das Gewicht von nur 30,4 Gramm ohne Armband trägt ebenfalls zum Tragekomfort bei. Die Kombination aus Titanlünette und Mittelgehäuse aus Aluminium wirkt stimmig. Nichts knarzt, nichts wackelt, die Spaltmaße fallen sauber aus. Auch Krone und Funktionstaste vermitteln einen hochwertigen Eindruck und besitzen einen klar definierten Druckpunkt. Das orangefarbene AirDry-Nylonband gehört zu den großen Stärken der Uhr. Es trägt sich ausgesprochen angenehm, trocknet schnell und fällt auch bei längeren Sporteinheiten nicht unangenehm auf. Gerade im Sommer spielt es seine Vorteile konsequent aus. Natürlich fällt eine gewisse optische Nähe zur Apple Watch auf. Das rechteckige Gehäuse mit stark abgerundeten Ecken ist alles andere als revolutionär. Andererseits darf man sich fragen, ob ein gutes ergonomisches Konzept zwangsläufig neu erfunden werden muss.

Huawei Watch Fit 5 Pro, Smartwatch mit Gesundheits- und Sportfunktionen und orangefarbenem Band

Huawei Watch Fit 5 Pro

© Huawei

Fast schon Oberklasse

Huawei spendiert der Watch Fit 5 Pro ein 1,92 Zoll großes AMOLED-Display, das mit einer Spitzenhelligkeit von 3.000 Nits arbeitet. Selbst bei direkter Sonneneinstrahlung bleibt die Anzeige hervorragend ablesbar. Farben wirken kräftig, Schwarz erscheint tief und kontrastreich. Das 83-prozentige Screen-to-Body-Verhältnis lässt die Uhr zudem moderner erscheinen, als es der Preis vermuten lässt. Geschützt wird das Display von 2,5D-Saphirglas. Wunschlos glücklich stimmt die Bedienung allerdings nicht. Obwohl das System grundsätzlich flüssig arbeitet, reagiert der Touchscreen gelegentlich einen kurzen Moment zu spät. Besonders auf dem relativ großen Display wirkt die Navigation dadurch hin und wieder etwas friemelig.

Viel Auswahl, unterschiedliche Qualität

Huawei setzt stark auf das neue TruSense-System und bietet eine enorme Anzahl an Gesundheitsfunktionen. Besonders positiv fällt die große Auswahl innerhalb der Huawei Health App auf. Die Oberfläche wirkt aufgeräumt, bietet zahlreiche Auswertungen und liefert viele Informationen, ohne den Nutzer zu überfordern. Die Praxis zeigt allerdings ein gemischtes Bild. Die Schlafanalyse arbeitet zuverlässig und liefert nachvollziehbare Ergebnisse. Auch die EKG-Funktion arbeitet grundsätzlich präzise, allerdings nicht immer auf Anhieb. Das sorgt zunächst für einen kurzen Moment der Irritation. Bevor jedoch vorsorglich der Notruf gewählt wird, weil die Uhr scheinbar keine Vitalfunktionen mehr erkennt, lohnt sich etwas Geduld: Meist genügt bereits der zweite oder dritte Versuch, und die Messung läuft anschließend problemlos durch. Weniger überzeugend präsentierte sich die Herzfrequenzmessung, deren Ergebnisse nicht immer vollkommen plausibel wirkten. Für ambitionierte Sportler dürfte deshalb weiterhin ein Brustgurt die bessere Wahl sein.

Huawei Watch Fit 5 Pro, Smartwatch mit Gesundheits- und Sportfunktionen und orangefarbenem Band

Huawei Watch Fit 5 Pro

© Huawei 

Überraschend vielseitig

Die Watch Fit 5 Pro richtet sich klar an aktive Nutzer. Laufen, Wandern, Trailrunning, Golf oder Freediving – kaum eine Sportart fehlt. Im Test funktionierten die Sportprofile insgesamt zuverlässig. Die GPS-Aufzeichnung arbeitete sauber. Interessant war allerdings ein kleiner Vergleich mit dem iPhone: Bei identischer Laufstrecke registrierte die Huawei teilweise leicht abweichende Schrittzahlen. Die Unterschiede bewegen sich zwar in einem vertretbaren Rahmen, zeigen aber, dass absolute Präzision weiterhin schwierig bleibt. Für Freizeit- und Hobbysportler dürfte dies jedoch kaum eine Rolle spielen.

Hier verschenkt Huawei Punkte

Die größte Schwäche der Watch Fit 5 Pro liegt nicht in ihrer Hardware. Sie liegt in der Software. Bereits die Kopplung mit einem iPhone gestaltet sich deutlich aufwendiger als bei vielen Konkurrenten. Zwar funktioniert die Verbindung letztlich zuverlässig, doch der Weg dorthin könnte wesentlich unkomplizierter sein. Auch im Alltag zeigen sich kleinere Eigenheiten. Bei eingehenden Telefonaten verbindet sich zunächst häufig die Uhr, bevor das Gespräch auf das Smartphone übernommen wird. Daran gewöhnt man sich zwar nach einiger Zeit, intuitiv wirkt es dennoch nicht. Ebenfalls schade: Viele attraktive Watchfaces stehen nur über ein kostenpflichtiges Abo zur Verfügung. Gerade weil das Display hervorragend ist, würde man dessen Gestaltungsmöglichkeiten gerne ohne zusätzliche Kosten ausschöpfen.

Huawei Watch Fit 5 Pro, Smartwatch mit Gesundheits- und Sportfunktionen und orangefarbenem Band

Huawei Watch Fit 5 Pro

© Huawei Watch Fit 5 Pro

Die heimliche Königsdisziplin

Während viele Smartwatches bereits nach ein bis zwei Tagen wieder an das Ladegerät möchten, bleibt Huawei seiner größten Stärke treu. Die Akkulaufzeit gehört zu den besten am Markt. Selbst bei intensiver Nutzung hält die Watch Fit 5 Pro mehrere Tage problemlos durch. Wer auf einzelne Funktionen verzichtet, erreicht ohne Weiteres Laufzeiten, von denen Besitzer mancher Konkurrenzmodelle nur träumen können. Gerade iPhone-Nutzer, die täglich ihre Apple Watch laden müssen, werden diesen Unterschied schnell zu schätzen wissen.

Fazit: Fast ausgezeichnet

Die Huawei Watch Fit 5 Pro überrascht. Nicht, weil sie alles perfekt macht, sondern weil sie für knapp 279 Euro erstaunlich viele Dinge richtig macht. Die Kombination aus Titanlünette, Saphirglas, AMOLED-Display, angenehmem Tragekomfort und exzellenter Akkulaufzeit vermittelt einen deutlich hochwertigeren Eindruck, als es der Preis erwarten lässt. Auch die enorme Vielfalt an Sport- und Gesundheitsfunktionen überzeugt grundsätzlich. Dem gegenüber stehen kleinere Schwächen, die sich fast ausschließlich auf die Software konzentrieren. Die iPhone-Integration bleibt eingeschränkt, die Touchbedienung reagiert gelegentlich etwas träge, das EKG verlangt mitunter mehrere Anläufe und manche Bedienabläufe könnten intuitiver sein. Testurteil: Wer eine hochwertig verarbeitete Smartwatch mit außergewöhnlich guter Akkulaufzeit sucht und nicht vollständig im Apple-Ökosystem verankert ist, erhält mit der Huawei Watch Fit 5 Pro eines der attraktivsten Gesamtpakete ihrer Preisklasse. Die Hardware spielt bereits in der Oberliga, jetzt muss die Software nur noch konsequent nachziehen.

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