Die Urwerk UR-120 Blue Planet zeigt noch einmal, was sie so besonders macht
Mit der UR-120 Blue Planet beendet Urwerk ein vergleichsweise kurzes, aber technisch bemerkenswertes Kapitel seiner jüngeren Geschichte. Erst 2022 hatte die Genfer Manufaktur die UR-120 vorgestellt, ein Jahr später folgte die dunkle Space Black. Nun erscheint die dritte und laut Urwerk endgültig letzte Variante. Statt für das Finale lediglich eine neue Farbe aufzulegen, nutzt die Marke Blau und Gold, um ausgerechnet jene Komponenten hervorzuheben, die den ungewöhnlichen Satellitenmechanismus der UR-120 möglich machen.
Die Satellitenanzeige macht den „Vulcan Salute“
Im Zentrum steht weiterhin eine der eigenwilligsten Interpretationen der für Urwerk charakteristischen Wanderstundenanzeige. Drei Stundensatelliten bewegen sich auf einem zentralen Karussell und zeigen zusammen mit einer gebogenen Minutenskala die Zeit an. Dabei rotieren die Satelliten gegenläufig, damit ihre Anzeigen während des Umlaufs korrekt ausgerichtet bleiben.
Die UR-120 Blue Planet inszeniert Urwerks charakteristische Satellitenanzeige in tiefem Blau, kontrastiert von goldfarbenen Komponenten.
UrwerkDer eigentliche Clou passiert jedoch beim Verlassen der Anzeige: Auf der linken Seite teilt sich der jeweilige Stundenkörper in zwei rechteckige Elemente, die auseinanderklappen und ein V bilden. Urwerk bezeichnet die Bewegung in Anlehnung an „Star Trek“ als Vulcan Salute. Anschließend drehen sich die beiden Teile um ihre eigene Achse und setzen sich zur nächsten Stundenanzeige wieder zusammen.
Mechanisch ist dieses kleine Schauspiel erheblich aufwendiger, als es zunächst aussieht. Allein das zentrale Karussell besteht aus 175 Komponenten. Lyraförmige Federn steuern das Öffnen und Schließen der Satelliten, während Malteserkreuze deren Bewegungsablauf koordinieren. Laut Urwerk müssen die Wechselwirkungen der Komponenten dabei bis in den Mikrometerbereich kontrolliert werden.
Mechanisches Schauspiel: Die geteilten Stundensatelliten öffnen sich während ihres Umlaufs zum charakteristischen „Vulcan Salute“.
UrwerkBei der Blue Planet werden genau diese funktionalen Elemente optisch herausgestellt: Die Lyrafedern und Malteserkreuze erhalten eine 24-karätige Gelbgold-PVD-Beschichtung, die einen starken Kontrast zur tiefblauen Konstruktion bildet. Gold dient hier also nicht allein der Dekoration, sondern macht einen Teil der Mechanik sichtbar.
Kaliber UR-20.01 und ein ungewöhnliches Gehäuse
Angetrieben wird die UR-120 Blue Planet vom automatischen Kaliber UR-20.01. Es arbeitet mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde beziehungsweise 4 Hertz und verfügt über 32 Lagersteine sowie eine Gangreserve von 48 Stunden. Bei den Werkstoffen kommen unter anderem Berylliumkupfer, eloxiertes Aluminium, ARCAP, Titan und Messing zum Einsatz. Die Finissierung umfasst kreisförmige und geradlinige Schliffe, Sandstrahlung, Genfer Streifen und polierte Schraubenköpfe.
Nicht weniger typisch für Urwerk ist das Gehäuse. Mit 47 Millimetern Breite, 44 Millimetern Länge und 15,8 Millimetern Höhe besitzt die UR-120 eine ausgesprochen dreidimensionale Architektur. Ober- und Unterteil greifen ineinander, während die glatte obere Schale ohne sichtbare Schrauben auskommt. Ein stark gewölbtes Saphirglas öffnet den Blick auf die Satellitenmechanik. Ungewöhnlich für Urwerk sind zudem die beweglichen Bandanstöße; im unteren Bandanstoß sitzt sogar eine Feder, die den Sitz am Handgelenk verbessern soll.
Das Gehäuse besteht bei der Blue Planet aus sandgestrahltem Stahl. Die Wasserdichtigkeit liegt bei drei ATM beziehungsweise 30 Metern – angesichts der Konstruktion ist die UR-120 damit eindeutig keine Sportuhr für den Einsatz im Wasser. Getragen wird sie an einem blauen Kalbslederband mit cordurartiger Struktur und einer satinierten Dornschließe aus Stahl.
Die Urwerk UR-120 Blue Planet ist auf lediglich 20 Exemplare limitiert und markiert offiziell das Ende der UR-120-Baureihe. Der Preis beträgt 115.000 Schweizer Franken (also etwa 123.000 Euro).