Micro Monday: Singer Reimagined – 1970 DualTrack
Zwischen Automobilkultur und Haute Horlogerie
Singer Reimagined entstand aus der Begegnung zweier kreativer Welten. Rob Dickinson, Gründer von Singer Vehicle Design, traf auf den Uhrendesigner Marco Borraccino. Aus ihrer gemeinsamen Begeisterung für analoge Maschinen, Motorsport, Musik und mechanische Details sowie durch die Kombination von kalifornischer Designkultur und Genfer Uhrmacherei entwickelte sich die Idee, Singers Prinzip der behutsamen Neuinterpretation historischer Ikonen auf mechanische Uhren zu übertragen. Den Auftakt bildete 2017 die Track1. Statt eines klassischen Chronographenlayouts mit Hilfszifferblättern setzte Singer auf eine zentrale Chronographenanzeige und das eigens entwickelte Kaliber 6361. Damit war früh definiert, worum es der unabhängigen Marke geht: historische Inspiration technisch und gestalterisch neu zu denken. Dieses Prinzip prägt auch die später entstandenen Kollektionen. Modelle wie die Flytrack, die 1969 oder die Divetrack greifen unterschiedliche Facetten der mechanischen Zeitmessung auf und interpretieren sie mit eigenständigen Anzeige- und Gehäusekonzepten. Die Verbindung zur Welt des Automobils bleibt dabei sichtbar, ohne dass sich Singer Reimagined ausschließlich über Motorsport definiert. Heute arbeitet Singer Reimagined als kleines, unabhängiges Atelier in Genf. Die Marke versteht ihre Arbeit als Zusammenspiel aus Design und Engineering und gliedert ihre Philosophie in die drei Bereiche „Reimagined“, „Restored“ und „Reborn“. Gemeinsam steht dahinter der Anspruch, historische Uhrmacherei zu bewahren, weiterzuentwickeln und zugleich Raum für neue mechanische Lösungen zu schaffen.
Singer Reimagined – 1970 DualTrack
Singer Reimagined#1970 DualTrack
Mit der 1970 DualTrack überträgt Singer Reimagined seine eigenständige Dual-Time-Anzeige in eine auffällige Designsprache der frühen 1970er-Jahre. Drei Zifferblattfarben, ein integriertes Armband und vor allem das Manufakturkaliber 4DT mit vier Federhäusern und sechs Tagen Gangreserve machen die Neuheit zu einer spannenden GMT-Alternative. Wer zwei Zeitzonen gleichzeitig anzeigen möchte, greift üblicherweise auf ein vertrautes Rezept zurück: Ein zusätzlicher Zeiger umrundet das Zifferblatt einmal innerhalb von 24 Stunden und verweist auf eine entsprechende Skala. Singer Reimagined verfolgt mit seiner DualTrack-Kollektion einen anderen Ansatz. Bei der Neuvorstellung bleibt die Ortszeit vollständig im Zentrum, während die zweite Zeitzone auf einem umlaufenden 24-Stunden-Ring dargestellt wird. Abgelesen wird die zweite Zeit bei sechs Uhr. Das ist nicht nur gestalterisch interessant. Singer versucht damit, eine der alltäglichsten Reisekomplikationen tatsächlich ausgehend von ihrer Bedienung neu zu denken. Die zweite Zeitzone soll nicht wie eine Zusatzfunktion wirken, sondern von Beginn an Bestandteil der gesamten Zifferblattarchitektur sein. Neu ist die Funktion an sich für Singer nicht, allerdings ihr Auftritt. Mit der 1970 DualTrack zieht die Komplikation in eine deutlich kantigere, stärker integrierte Gehäusearchitektur ein.
Singer Reimagined – 1970 DualTrack
Singer ReimaginedCobalt Blue, Espresso Brown und Khaki
Für den Start stehen drei Farbvarianten zur Wahl. Die SR811-3 Cobalt Blue setzt auf ein kräftiges Blau, die SR811-5 Dark Espresso Brown auf ein dunkles Braun und die SR811-2 Khaki auf einen gedeckten Grünton. Allen gemeinsam ist eine Gestaltung, die deutlich mit den Farben und Formen der 1970er-Jahre spielt, ohne eine konkrete historische Referenz zu reproduzieren. Dazu passen die verschiedenen Ebenen des Zifferblatts, kontrastierende Akzente in Creme und Orange und vor allem die ausgeprägte Geometrie von Gehäuse und Armband.
Siebziger statt Retro-Kopie
Noch stärker als über die Farben definiert sich die neue Kollektion über ihre 40 Millimeter große und 12,16 Millimeter hohe Gehäuseform. Facettierte Flächen, ausgeprägte Kanten und ein integriertes Armband greifen jene gestalterische Aufbruchsstimmung auf, die zahlreiche Sportuhren der frühen 1970er-Jahre geprägt hat. Die Marke betrachtet Korpus, Zifferblatt und Armband dabei ausdrücklich als zusammengehörige Einheit. Das integrierte Band ist entsprechend kein nachträglich angefügtes Element, sondern setzt die Linien des bis 100 Meter wasserdichten Gehäuses fort. Unterschiedliche Oberflächen und Facetten sollen zusätzlich dafür sorgen, dass die vergleichsweise geometrische Grundform je nach Lichteinfall anders wirkt. Marco Borraccino, Mitgründer und Managing Director von Singer Reimagined, beschreibt die DualTrack 1970 als Hommage an ein prägendes Designjahrzehnt – architektonisch in ihrer Form, intuitiv in ihrer Funktion und zugleich auf heutige Lebensgewohnheiten zugeschnitten.
Singer Reimagined – 1970 DualTrack
Singer ReimaginedKaliber 4 Dual Time mit vier Federhäusern
Technisch wird es auf der Rückseite besonders interessant. Dort zeigt sich das Kaliber 4DT, eine proprietäre Uhrwerksarchitektur von Singer Reimagined, die speziell auf die Dual-Time-Funktion zugeschnitten ist und mit einer Frequenz von vier Hertz arbeitet. Bemerkenswert sind zunächst die vier Federhäuser. Sie ermöglichen eine Gangreserve von insgesamt sechs Tagen. Gerade bei einer Reiseuhr ist das ein nicht zu unterschätzender Komfortgewinn. Auch die Bedienung soll möglichst unmittelbar funktionieren. Die zweite Zeitzone lässt sich über einen Drücker mit springender Stundenverstellung korrigieren.
Eine Reiseuhr, die nicht wie eine typische Reiseuhr aussieht
Interessant ist die Neuheit deshalb auch für jene, denen klassische GMT-Uhren gestalterisch zu technisch erscheinen. Keine zusätzliche Pfeilspitze wandert über das Zifferblatt, keine dominante 24-Stunden-Lünette macht die Funktion schon aus mehreren Metern Entfernung sichtbar. Stattdessen ist die zweite Zeit vergleichsweise diskret integriert. Wer die Funktionsweise nicht kennt, dürfte die 24-Stunden-Scheibe zunächst schlicht als Teil der mehrschichtigen Gestaltung wahrnehmen. Die Komplikation soll im täglichen Umgang möglichst selbstverständlich werden.
Singer Reimagined – 1970 DualTrack
Singer ReimaginedSinger bleibt seiner eigenen Linie treu
Singer Reimagined ist vor allem durch seine ungewöhnlichen Chronographen bekannt geworden, bei denen die Marke vertraute Anzeigen und Funktionen immer wieder neu organisiert. Die DualTrack verfolgt denselben Grundgedanken mit einer wesentlich alltäglicheren Komplikation. Das ist durchaus konsequent. Denn eine zweite Zeitzone gehört zu jenen mechanischen Funktionen, die auch außerhalb der klassischen Uhrenbegeisterung einen unmittelbar nachvollziehbaren praktischen Nutzen besitzen. Wer beruflich zwischen Ländern pendelt, Familie in einer anderen Zeitzone hat oder regelmäßig reist, muss nicht erst erklärt bekommen, wozu eine zweite Zeit gut ist. Singer stellt deshalb weniger die Existenz der Funktion als ihre Darstellung und Bedienung infrage.
Fazit
Mit der 1970 DualTrack kombiniert Singer Reimagined zwei Themen, die hervorragend zur Marke passen: eine ausgeprägte Begeisterung für die Gestaltung der 1970er-Jahre und den Anspruch, etablierte uhrmacherische Anzeigen anders zu organisieren. Die eigentliche Stärke liegt dabei nicht allein in den drei gelungenen Farbvarianten oder dem kantigen Gehäuse mit integriertem Armband. Interessanter ist die mechanische Architektur dahinter. Die lokale Zeit bleibt vertraut im Zentrum, während eine periphere 24-Stunden-Scheibe die zweite Zeitzone übernimmt. Hinzu kommen eine intuitive Stundenkorrektur und bemerkenswerte sechs Tage Gangreserve aus vier Federhäusern. Damit ist die DualTrack eben nicht einfach eine weitere GMT-Uhr im Siebziger-Look.
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