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Lesedauer 5 Min.

Micro Monday: Diatom – Terra Meteorite Azure

Ein 4,5 Milliarden Jahre alter Meteorit, Material der Apollo-11-Mission und ein Ausflug bis an den Rand des Weltraums
Diatom – Terra Meteorite Azure, Automatikuhr aus Edelstahl mit Meteoritenzifferblatt und blauem Band
© Diatom 

Raumfahrttechnik fürs Handgelenk

Diatom dürfte selbst unter jungen unabhängigen Uhrenmarken eine ungewöhnliche Entstehungsgeschichte besitzen. Gegründet wurde das Unternehmen von den promovierten Materialwissenschaftlern und Raumfahrtingenieuren Dr. Chris Rose und Dr. Alex Baker. Bevor sie sich der Uhrmacherei widmeten, entwickelten die beiden Technologien für kostengünstigere und schneller einsetzbare Raumfahrtmissionen – darunter eine eigene Startplattform für Flüge in den erdnahen Weltraum. Der Markenname geht auf ein Forschungsprojekt aus dem Jahr 2015 zurück. Damals schickten Rose und Baker mit ihrer Plattform eine wissenschaftliche Sonde in große Höhe, um Partikel in der Stratosphäre zu untersuchen. Dabei fanden sie Diatomeen, also mikroskopisch kleine, algenähnliche Organismen, in unerwartet großer Höhe. Diese Entdeckung gab schließlich der späteren Uhrenmarke ihren Namen. Entscheidend für Diatoms Identität ist jedoch vor allem die Materialkompetenz der Gründer. Mehr als ein Jahrzehnt Tätigkeit in der Raumfahrt und die Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen, Raumfahrtagenturen und Astronauten ermöglichen ihnen nach eigenen Angaben Zugang zu außergewöhnlichen Naturmaterialien sowie seltenen Artefakten, die tatsächlich auf Raumfahrtmissionen mitgeführt wurden. Hinzu kommt die Möglichkeit, auf Basis ihrer materialwissenschaftlichen Erfahrung eigene Legierungen und spezielle Uhrenkomponenten zu entwickeln. Diatom versteht seine Zeitmesser damit weniger als klassische Designobjekte denn als Verbindung von Uhrmacherei, Materialforschung und Raumfahrt. 

 

Diatom – Terra Meteorite Azure, Automatikuhr aus Edelstahl mit Meteoritenzifferblatt und blauem Band

Diatom – Terra Meteorite Azure

© Diatom 

#Terra Meteorite Azure

Optischer Mittelpunkt der Terra Meteorite Azure ist ihr tiefblaues Zifferblatt aus Gibeon-Meteorit. Das Eisen-Nickel-Material ist rund 4,5 Milliarden Jahre alt und besitzt jenes kristalline Muster, das Meteoritzifferblätter so faszinierend macht. Bei der Azure wird es durch eine kräftige blaue Farbgebung hervorgehoben, deren Ton von den Ozeanen und dem Himmel inspiriert ist. Entscheidend ist dabei die natürliche Struktur des Materials. Kein Zifferblatt gleicht exakt dem anderen, da der Verlauf der Zeichnung vom jeweiligen Ausschnitt des Meteoriten abhängt. Trotz einer identischen gestalterischen Vorlage erhält damit jedes der 650 Exemplare ein individuelles Erscheinungsbild. 

 

 

Diatom – Terra Meteorite Azure, Automatikuhr aus Edelstahl mit Meteoritenzifferblatt und blauem Band

Diatom – Terra Meteorite Azure

© Diatom 

Ein Stück Apollo 11 

Noch ungewöhnlicher wird die Materialwahl rund um das Zifferblatt. Der umlaufende Ring enthält authentisches Material des Apollo-11-Kommandomoduls – also jener Mission, bei der Neil Armstrong und Buzz Aldrin im Juli 1969 als erste Menschen den Mond betraten. Diatom verwendet das historische Bauteil allerdings nicht in seiner ursprünglichen Form. Teile werden mit Titan zu einer proprietären Legierung verbunden. Unter kontrollierter Hitze und Druck sollen die verschiedenen Materialien auf mikroskopischer Ebene miteinander verschmelzen und eine belastbare Struktur ergeben. Anschließend wird der entstandene Block warmgewalzt, zu Platten verarbeitet und gehärtet. Mittels CNC-Bearbeitung entstehen daraus schließlich die einzelnen Ringe. 

 

 

Diatom – Terra Meteorite Azure, Automatikuhr aus Edelstahl mit Meteoritenzifferblatt und blauem Band

Diatom – Terra Meteorite Azure

© Diatom 

39,5 Millimeter und nur 10,9 Millimeter hoch

Bei all der Raumfahrtrhetorik ist die Terra Meteorite Azure erstaunlich vernünftig proportioniert. Das 316L-Edelstahlgehäuse misst 39,5 Millimeter im Durchmesser, 44 Millimeter von Bandanstoß zu Bandanstoß und lediglich 10,9 Millimeter in der Höhe. Darüber sitzt ein flaches, entspiegeltes Saphirglas. Die Wasserdichtigkeit beträgt 100 Meter. Damit bewegt sich die Terra in einem Bereich, der sie deutlich vielseitiger macht, als das extravagante Materialkonzept zunächst vermuten lässt. Serienmäßig wird die Azure mit einem Alcantara-Band kombiniert. Zusätzlich legt Diatom derzeit ein Edelstahlband bei.

 

Diatom – Terra Meteorite Azure, Automatikuhr aus Edelstahl mit Meteoritenzifferblatt und blauem Band

Diatom – Terra Meteorite Azure

© Diatom 

Schweizer Standardmechanik 

Beim Uhrwerk verzichtet Diatom auf Experimente. Im Inneren arbeitet das bewährte Sellita SW200 mit Automatikaufzug und einer angegebenen Gangreserve von 38 Stunden. Das ist mechanisch weit weniger exotisch als die Materialien rundherum. Besagte Gangautonomie wirkt in der heutigen Zeit nicht mehr besonders großzügig. Andererseits bietet das SW200 genau jene Eigenschaften, die für eine Uhr einer jungen, unabhängigen Marke sinnvoll sind: eine etablierte Konstruktion und eine entsprechend unkomplizierte Wartbarkeit. Spannender ist deshalb, was Diatom nach der Montage mit der Uhr anstellt. Denn nach Angaben der Marke wird jede einzelne Terra Meteorite Azure vor der Auslieferung auf mehr als 120.000 Fuß – rund 36,5 Kilometer – über die Erde gebracht. Damit erreicht sie zwar definitionsgemäß nicht den Weltraum, wohl aber die obere Stratosphäre, wo der Himmel bereits schwarz erscheint und die Erdkrümmung sichtbar wird. Diatom bezeichnet diesen Vorgang als „Space Flown“ und liefert dem Käufer HD-Aufnahmen seiner jeweiligen Uhr vor dem schwarzen Himmel, der gekrümmten Erde und der dünnen leuchtenden Atmosphärenschicht mit. Das Sellita-Werk wird dabei ebenfalls den Bedingungen dieses Höhenflugs ausgesetzt, zusätzlich erfolgt eine Prüfung im Labor. 

 

 

Diatom – Terra Meteorite Azure, Automatikuhr aus Edelstahl mit Meteoritenzifferblatt und blauem Band

Diatom – Terra Meteorite Azure

© Diatom 

Sechs Farben 

Azure steht nicht allein. Die Terra-Meteorite-Familie umfasst außerdem Graphite, Verdant, Dune, Arctic und Lagoon. Alle werden dort zum identischen Preis von rund 2.560 Euro angeboten.

 

 

Diatom – Terra Meteorite Azure, Automatikuhr aus Edelstahl mit Meteoritenzifferblatt und blauem Band

Diatom – Terra Meteorite Azure

© Diatom 

Fazit

Bei einer Uhr wie der Terra Meteorite Azure besteht durchaus die Gefahr, dass die Geschichte größer wird als das eigentliche Produkt. Meteorit, Apollo 11 und ein Flug in die Stratosphäre liefern schließlich reichlich Stoff für spektakuläres Marketing. Diatom schafft es jedoch, zumindest zwei dieser Elemente tatsächlich konstruktiv in die Uhr einzubinden. Das Gibeon-Meteoritzifferblatt ist nicht bloß Dekoration, sondern macht jedes Exemplar optisch individuell. Noch spannender ist der Ring aus einer eigens entwickelten Legierung, die authentisches Material des Apollo-11-Kommandomoduls enthält. Und dass jede fertige Uhr anschließend auf mehr als 120.000 Fuß Höhe geschickt und dabei gefilmt wird, ist zwar für ihre Funktion nicht notwendig, für den Besitzer aber eine ziemlich außergewöhnliche Provenienzgeschichte. Hinzu kommen erfreulich tragbare Abmessungen, 100 Meter Wasserdichtigkeit und solide Schweizer Standardmechanik. Lediglich die 38 Stunden Gangreserve des SW200 wirken angesichts des Preises von rund 2.560 Euro etwas konventionell.

 

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