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Äonic: Neue Marke aus Deutschland

Äonic: Automat in Schwarz
© Äonic
Sie sieht aus wie eine fliegende Untertasse: Mit der Äonic Automat bereichert der Berliner Unternehmer Jörg Wichmann die Uhrenszene um ein außergewöhnliches Modell – und eine neue Marke, Äonic.

Der Mann hinter der Marke

„Man sieht aus jedem Winkel immer die Minute. Das war für mich wichtig. Denn die Minute ist das taktgebende Element unserer täglichen Organisation." Mit diesen Worten beschreibt Jörg Wichmann seine erste Uhr. Der Berliner Markengründer kommt aus den Bereichen Design und Mode, schuf unter anderem 2003 mit berlinomat einen Concept Store mit angehängter Vermarktungsplattform für Design aus der Hauptstadt und 2011 die Modemesse Panorama Berlin. Als das Messegeschäft während der COVID-Pandemie schwieriger wurde, erinnerte er sich an eine alte Liebe: Armbanduhren.
Jörg Wichmann, Gründer von Äonic © Äonic
"Die Idee war, eine einzigartige mechanische Uhr zu entwerfen, die die Sinne anspricht und gleichzeitig Nutzen stiftet", sagt Wichmann. Bald kristallisierte sich aus einer ursprünglichen Vielzahl von Gedanken eine Richtung heraus: eine Uhr, die die Zeit auf Scheiben anzeigt, mit einer prominenten Position für die Minuten. Mit der Uhrenmanufaktur Damasko aus Barbing bei Regensburg fand Wichmann einen Partner, der ihn bei der Entwicklung von Werk und Gehäuse tatkräftig unterstützen konnte.

Zeitanzeige durch Scheiben

Die erste Äonic-Uhr erinnert an ein eine umgekehrte Zitronenpresse. Dort, wo bei dieser der Saft herauskommt, befinden sich 12 Stundenschlitze. Unter diesen verläuft eine Scheibe, deren Segment aus orangefarbenem Superluminova die aktuelle Stunde markiert, wobei sich der untere Teil des Ausschnitts bereits 15 Minuten vor der vollen Stunde orange färbt. Das eigentliche Zifferblatt ist plan und befindet sich ganz oben, es bildet sozusagen den Boden der Zitronenpressenschale.https://youtube.com/shorts/o2N0ChhBzAI?si=c4UBiz8EuzzLeP7xDer vermeintliche Minutenzeiger aus orangefarbenem Superluminova ist in Wirklichkeit nur aufgedruckt, und zwar auf eine schwarze Scheibe, die sich im Innern der fest stehenden Minuterie einmal pro Stunde um sich selbst dreht. Auf ihr gibt es eine Aussparung in Form eines 120-Grad-Kreissegments, durch das man auf die darunter laufende Sekundenscheibe blickt. Der Ausschnitt wandert also der Minutenscheibe mit, sodass sich das Aussehen des Zifferblatts während einer Stunde ständig verändert. Die Sekundenscheibe wiederum dreht sich einmal pro Minute um die eigene Achse; sie bildet gleichzeitig den oberen Abschluss eines Gestells, auf dem die Minutenscheibe mit zwei gebläuten Schrauben befestigt ist.

Hohe Qualität

Äonic: Die Automat trägt sich angenehm und gleitet geschmeidig unter den Pullover © Äonic
Das mit 12,95 mm überraschend flache Gehäuse (Durchmesser 41 mm) wird von Damasko gefertigt und besteht aus randschichtgehärtetem Edelstahl mit perlgestrahlter Oberfläche und einer Härte von über 700 Vickers. Das große, schalenförmige und innen entspiegelte Saphir-Deckglas wird von einem kleinen Schweizer Spezialisten geliefert; es ist nur 1,2 mm dick – ein stärkeres wollte Wichmann nicht, damit die Scheibenkonstruktion dicht genug unter dem Glas sitzt und von außen möglichst gut sichtbar ist. Was mir besonders gut gefiel, als mich der Gründer mit seinem Prototypen besuchte, war der nahtlose Übergang von Glas zu Gehäuse – ein Merkmal, an dem man eine wirklich hohe Qualität erkennt.

Ein Werk mit vielen Besonderheiten

Äonic: Kaliber A26-1W, gefertigt von Damasko © Äonic
Das Werk mit dem Namen A26-1W ist eine Sonderanfertigung des Damasko-Kalibers A26-X: Es baut auf dem Rädersatz des Eta 2824 auf, wobei Platine, Brücken, Zahnräder und weitere Bestandteile von Damasko gefertigt werden, genau wie die 14-teilige Scheibenkonstruktion. Damit diese extrem leicht und gleichzeitig sehr widerstandsfähig gerät, ist sie zum Teil aus PEEK (Polyetheretherketon) gefertigt: Dieser hochtemperaturbeständige Kunststoff ist etwa doppelt so leicht ist wie Aluminium, aber viel fester und wird unter anderem in der Luft- und Raumfahrt- sowie in der Automobilindustrie genutzt, auch Tennisschlägersaiten bestehen aus dem thermoplastischen Material. (Auch Panerai hat für seine Submersible Marina Militare Carbotech bereits mit diesem Werkstoff gearbeitet.) Damasko stattet das Werk außerdem mit einem bidirektionalen Klinkenaufzug sowie einem Rotor mit zwei Keramikkugellagern aus, die Hemmung stammt von der Eta-Schwester Nivarox-FAR und besitzt eine normale Nivarox-Spiralfeder, keine Damasko-Siliziumspirale. Durch den Saphirglasboden kann man das Werk von außen betrachten.

Bänder und Schließe

Äonic: Die Z-förmige Schließe soll das Lederband schonen © Äonic
Erwähnenswert ist die Schließe, die von der Firma Craiss aus Pforzheim gefertigt wird: Sie überrascht mit einem Z-förmigen Dorn, den zu bedienen man schnell lernt. Wichmann hat ihn in der Absicht konstruiert, dass das Lederband beim An- und Ablegen der Uhr möglichst stark geschont wird und so länger hält. Das Band selbst wird nicht mit einem Federsteg an den Hörnern befestigt, sondern durch den fest mit dem Gehäuse verbundenen Steg durchgezogen und mittels einem auf der Unterseite angebrachten Klettverschluss fixiert. Letzteres hat Wichmann zum Patent angemeldet, genau wie die Scheibenkonstruktion und deren federnde Lagerung.
Äonic: Das Lederband wird mit einem Klettverschluss auf der Innenseite am Steg befestigt © Äonic
Weil man das Band dank des Klettverschlusses leicht wechseln kann, wird die Uhr mit drei Bändern geliefert: einem glatten schwarzen Rindslederband, einem orangefarbenen Struktur-Kalbslederband und einem schwarzen NATO-Band. Weitere Varianten, darunter ein grünes und ein Band aus original Basketballleder, werden über den Onlineshop erhältlich sein.
Äonic Automat: Der Prototyp in Stahl © bernd schoenberger

Die First Edition

Der Prototyp, den Jörg Wichmann mir zeigte, war stahlfarben, das erste Modell, das als "First Edition" auf den Markt kommt, wird aber ein geschwärztes Gehäuse und ein komplett rhodiniertes Werk haben. Für die Gehäusefarbe sorgt eine 5-lagige DLC-Beschichtung, bei Damasko als "DAMEST"-Beschichtung bekannt. Von der Uhr werden 100 Exemplare gefertigt und für einen Einführungspreis von 4.450 Euro über Juweliere, ausgewählte Concept Stores sowie eine eigene Website verkauft. Als Second Edition soll eine nicht-beschichtete Edelstahlvariante folgen, die voraussichtlich ein paar Hundert Euro teurer sein, aber noch unter 5.000 Euro liegen wird. buchttps://youtube.com/shorts/EyG8QQICrHw?feature=share

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