Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Lesedauer 3 Min.

Die geheime Atomuhr der DDR: Ausstellung in Ruhla

Die Professoren Jürgen Müller und Peter Bussemer mit der geheimen Atomuhr der DDR
Die Professoren Jürgen Müller und Peter Bussemer mit der geheimen Atomuhr der DDR
© Bertram Bölkow
Auch die DDR hatte ihre eigene Atomuhr – zumindest beinahe. Unter strenger Geheimhaltung entwickelte man seit den späten 1970er Jahren eine Atomuhr, um ein eigenes Primärnormal zu haben und vom Westen unabhängig zu sein. Die in das Projekt involvierten Wissenschaftler trotzten vielen Widrigkeiten wie der DDR-Mangelwirtschaft und internationalen Lieferrestriktionen. Dennoch wurde die Uhr bis zum Mauerfall im November 1989 nicht ganz fertig und damit obsolet, weil man ab sofort auf die bewährten Cäsiumfontänen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig zurückgreifen konnte. So gelangte die DDR-Atomuhr nach Bratislava, wo sie 2012 beinahe verschrottet worden wäre. Die Thüringer Professoren Jürgen Müller und Peter Bussemer erfuhren davon und retteten die Uhr.
Das 2,73 Meter lange und 1,20 Meter hohe Stück Zeit-Geschichte ist seit Juli in der Ausstellung „Uhren messen die Zeit“ (kuratiert von Müller und Bussemer) zu bestaunen, und zwar an einem weiteren geschichtsträchtigen Ort: den Uhrenwerken Ruhla. Im 2. Stock des 1929 errichteten Bauhaus-Gebäudes in der Bahnhofstraße 27 finden die Besucher der Ausstellung aber nicht nur die geheime DDR-Atomuhr sowie ausführliche Informationen zu ihr. Ein weiterer Teil widmet sich der Funkuhren-Technologie aus Ruhla. Von der Großuhr, die seit 1987 von Weitem sichtbar an der Stirnseite eines Gebäudes des Fabrikgeländes prangte, bis zu Armbanduhren sind verschiedenste Exponate zu sehen, dazu wird das gesamte Thema Zeitmessung und Zeitübertragung per Funk ausführlich erklärt, bis hin zu den verschiedenen Zeiten, die global genutzt werden: Wer wissen will, was die Unterschiede etwa zwischen GPS, UTC und TAI sind, wird hier fündig. Eine Ausstellung in der Ausstellung bilden die Schwarzweißporträts des Industriefotografen und Mediziners Karl Heinz ­Rothenberger: Sie zeigen die Menschen, die in Ruhla Uhren fertigen, bei ihrer Tätigkeit.
Ab 1987 verriet die große Funkuhr schon von Weitem sichtbar die präzise Uhrzeit © PR
Uhrenwerke Ruhla: Neustart durch PointtecDie Uhrenwerke Ruhla waren neben Junghans einer von zwei deutschen Herstellern, die Funkuhren in größerer Menge entwickelten und produzierten. Schon vor 150 Jahren, exakt 1861, wurde die Uhrenproduktion in Ruhla von den Brüdern Christian und Georg Thiel begründet. Zu DDR-Zeiten war das Städtchen im Thüringer Wald neben Glashütte und Weimar eines der drei Zentren der staatlichen Uhrenherstellung; 1967 wurden die Uhrenfabriken in Glashütte, Ruhla und Weimar zum VEB Uhrenkombinat Ruhla zusammengefasst. Noch 1990 waren in Ruhla allein 8000 Menschen beschäftigt. Mehr zur Geschichte der Ruhlaer Uhrenfertigung findet man im Uhrenmuseum im Erdgeschoss desselben Gebäudes.
Die Firma Pointtec lässt ihre Uhren der Marken Zeppelin, Iron Annie und Bauhaus in Ruhla fertigen und übernahm inzwischen auch die Produktion © PR
Weiter oben, im vierten Stock, werden nach wie vor Uhren produziert. Dass das auch in Zukunft so bleibt, ist das Verdienst der Firma Pointtec aus Ismaning bei München. Das Unternehmen, zu dem die Marken Zeppelin, Iron Annie und Bauhaus gehören, gründete nach der Insolvenz der Gardé Uhren und Feinmechanik Ruhla GmbH 2019 die Uhrenwerke Ruhla GmbH und übernahm die Produktion einschließlich der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zum Teil schon seit den 1990er Jahren Uhren für Pointtec bauten, und gewährleistet damit die Weiterführung von Standort und Produktion. Bei so viel Historie und Gegenwart lohnt sich ein Besuch in Ruhla also gleich mehrfach. Die Ausstellung läuft seit dem 16. Juli 2021 für mindestens ein weiteres Jahr, soll danach aber noch mal verlängert werden. buc
Uhrenfertigung in Ruhla heute. Foto: Karl Heinz Rothenberger © Foto: Karl Heinz Rothenberger
ausgefallene Uhren Deutsche Uhrenhersteller Zeppelin Iron Annie Archiv

Neueste Beiträge

Ein Fenster nach innen: Hamilton bringt neue Jazzmaster Open Heart
Mit neuen Farben und drei Gehäusegrößen bringt Hamilton frischen Wind in die Jazzmaster Open Heart. Das charakteristische Zifferblattfenster gewährt einen direkten Blick auf das mechanische Herz der Uhr.
3 Minuten
11. Mär 2026
Ein erstes Mal für Serica: Was die Marke mit der neuen Ref. 5330 wagt
Die neue Dive-Chronometer-Referenz integriert erstmals eine beliebte Komplikation – und bewahrt dennoch die ikonische Klarheit der Serica-Taucheruhren
4 Minuten
13. Mär 2026
Volle Drehzahl: Neue T-Race-Modelle von Tissot
Mit fünf Neuheiten erweitert Tissot seine sportliche Tissot T-Race-Linie. Zwei MotoGP-Sondereditionen und drei neue Quarz-Chronographen übertragen die Dynamik des Motorradrennsports in markantes Design und präzise Zeitmessung.
4 Minuten
12. Mär 2026
Citizen – Tsuyosa Shore

Citizen – Tsuyosa Shore

- Top Thema
WatchTime Magazin mit Kaffee

Neue WatchTime-Ausgabe ist da

- Aufbruch, Innovation und globale Uhrenkultur

Das könnte Sie auch interessieren

Baselworld: Die ehemalige Leitmesse der Uhrenindustrie - Historie, Vorgänger, Nachfolger
Rund 100 Jahre lang waren die Baselworld und ihre Vorgängermessen der wichtigste Treffpunkt für die Uhrenindustrie. Wir blicken auf den jährlichen Branchenevent zurück, der als Leitmesse mittlerweile von der Watches and Wonders in Genf abgelöst wurde.
5 Minuten
29. Mär 2024
Made in Japan: Ein Blick in die G-Shock-Manufaktur in Yamagata - Manufakturreport
Wie Casio in der Yamagata-Manufaktur seine Premiumuhren fertigt und mit der G-Shock-Technologie Funktionalität und Luxus vereint.
8 Minuten
14. Feb 2026
Nachts in der Manufaktur: Ein exklusiver Blick hinter die Kulissen bei Cartier
In der Maison des Métiers d’Art verschmelzen bei Cartier jahrhundertealte Kunsttechniken mit modernster Uhrmacherkunst.
4 Minuten
30. Okt 2024
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige