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Lesedauer 6 Min.

Luxus im Wandel: Breitling CEO Georges Kern entfaltet die Vision seines House of Brands

Breitling-CEO Georges Kern spricht mit uns über seine neue strategische Vision, die Breitling, Universal Genève und Gallet unter einem gemeinsamen Dach vereint.
CEO von Breitling Georges Kern im dunkelblauen Anzug
© Bonna Nunez; Breitling

Im pulsierenden Umfeld einer internationalen Uhrenveranstaltung nahm sich der CEO von Breitling Zeit für unsere Fragen – offen, direkt und ohne Ausflüchte. Mit der Selbstverständlichkeit eines Branchenkenners sprach Kern über mutige Visionen, strategische Weichenstellungen und die Ambitionen seines „House of Brands“. Nach den Vorpremieren von Universal Genève und Gallet während der Geneva Watch Days und bei Veranstaltungen in den USA richtet sich der Blick nun auf weitere internationale Märkte. Ein Gespräch, das die Aufbruchsstimmung einer Uhrenindustrie einfing, die sich gerade neu erfindet.

 

WatchTime: Die letzten Monate gab es viele Neuheiten von Breitling – Goldmodelle, NFL, Lady Premier. Was war für Sie persönlich das Highlight?

Georges Kern: Das sind natürlich nicht alles Modelle, die wir weltweit in gleicher Intensität bewerben. NFL ist typischerweise ein US-Thema. Wir waren selbst überrascht, wie international die Strahlkraft inzwischen ist. Es gibt mittlerweile viele Spiele in Europa – und die Organisation ist unglaublich professionell. Die Zusammenarbeit macht großen Spaß. Besonders wichtig für uns war aber unser neues Automatikwerk B31, unter anderem für die Top Time mit 38 Millimetern Gehäusedurchmesser. COSC-zertifizierter Chronometer, Gangreserve von ca. 78 Stunden – dahinter stecken vier Jahre Entwicklungszeit. Und natürlich die Lady Premier, unsere erste elegante Damenuhr. Zuvor lag der Fokus bei Breitling im sportlichen Segment – mit Superocean Heritage, Chronomat und Navitimer. Die Resonanz ist sehr positiv.

Wie stark beeinflussen Lifestyle-Trends solche Entscheidungen? Farben, die Frage nach Nachhaltigkeit, der wachsende globale Stellenwert der NFL – fließt das in Ihr Produktportfolio ein?

Eigentlich ist es eher umgekehrt. Wir entwickeln zuerst unsere Vision und entscheiden dann, wie wir sie umsetzen. Die USA machen inzwischen rund 25 Prozent unseres Umsatzes aus. Also haben wir gezielt nach einer Partnerschaft gesucht, die strategisch Sinn ergibt. Und hier kommt der entscheidende Punkt: Die NFL ist in den USA ein kulturelles und gesellschaftliches Phänomen. Sie ist generationenübergreifend, inklusiv, familienfreundlich und überraschend entspannt. Ich war beim Superbowl vor Ort. Die Fans gehen respektvoll miteinander um – das Stadionerlebnis ist außergewöhnlich. Genau dieses Gefühl haben wir auch in der Kampagne transportiert: nicht der Quarterback beim Wurf, sondern die Freude am gemeinsamen Erlebnis. Bei der Lady Premier war es ähnlich. Wir wussten: Wir brauchen eine elegante Damenuhr. Aber wir mussten auch definieren, wie die „Breitling-Frau“ aussieht. Während Männer bei uns eine Art urbane Uniform tragen – weißes Shirt, Jeans, vielleicht ein Sakko – sind Frauen stilistisch deutlich vielfältiger und anspruchsvoller. Das wollten wir mit einem gewissen Humor und urbaner Eleganz umsetzen. So entstehen unsere Kampagnen.

Wie schaffen Sie den Spagat zwischen traditioneller Uhrmacherkunst und Hightech – etwa bei Materialien oder dem Nachhaltigkeitsthema?

Dafür braucht man echte Überzeugung. Es geht nicht nur um Gold, sondern auch um Diamanten und die Nachverfolgbarkeit entlang der gesamten Lieferkette. Als wir bei Damen- und Herrenkollektionen mit einem weißen Blatt Papier begonnen haben, war klar: Wenn wir nachhaltig agieren wollen, dann richtig. Die Qualität unserer Labor-Diamanten ist physikalisch identisch mit sogenannten „natürlichen“ Steinen – der Prozess ist derselbe, nur beschleunigt. Für uns ist das eine Frage der Verantwortung: Wir können keine geopolitischen Krisen lösen, aber wir können in unserem Einflussbereich Verantwortung übernehmen – zum Beispiel über den „Better Diamond Fund“. Er ist Teil von Breitlings Engagement für vollständig rückverfolgbare Labor-Diamanten und investiert gezielt in lokale Gemeinschaften. Gemeinsam mit Social-Impact-Partnern fördert der Fonds Bildungsinitiativen für Kinder, Umweltschutz, die wirtschaftliche Stärkung von Frauen und die nachhaltige Entwicklung der Gemeinden. Wichtig ist, dass es authentisch bleibt. In unserer Industrie spielen Intuition und Haltung eine große Rolle. Am Ende zählt das kohärente Gesamtbild.

Die Uhrenindustrie hatte zuletzt turbulente Jahre. Wie entwickeln sich die wichtigsten Märkte für Breitling?

Europa bleibt wichtig, wächst aber kaum momentan. Wenn man die wirtschaftliche Situation in Deutschland oder Frankreich betrachtet, bin ich eher vorsichtig optimistisch. Ganz anders der Mittlere Osten und Indien – dort wird massiv investiert. Die USA sind dynamisch: wenig Bürokratie, unternehmerischer Spirit, starke Kapitalmärkte. Auch in Südostasien – Indonesien, Malaysia, Thailand – entstehen neue Einkommensschichten, die Zugang zum Luxusmarkt bekommen. Hinzu kommt die Generation Z, die über Vintage-Uhren in den Markt einsteigt. Insgesamt mache ich mir keine Sorgen, aber der geografische Fokus verschiebt sich.

House of Brands Pavillon von Breitling

Das "House of Brands" vereint alle drei Marken unter einem Dach.

© Bonna Nunez; Breitling

Wie robust ist Breitling gegenüber Konjunkturschwankungen?

Ich sage immer: Wir sind ein Flugzeug mit fünf Triebwerken. Wenn eines ausfällt, müssen drei oder vier zuverlässig laufen. Man darf nie von einer Region oder einem Produkt abhängig sein. Viele Marken waren extrem China-lastig. Nach Covid und der Immobilienkrise ist dieser Markt stark eingebrochen. Dann kamen die US-Zölle mit zeitweise 39 Prozent – inzwischen sind wir wieder bei 15 Prozent, damit können wir arbeiten. Flexibilität ist entscheidend.

2026 starten Sie mit zwei neuen Marken. Warum jetzt?

Es gibt nie den perfekten Zeitpunkt. Ein Branchenkollege sagte mir kürzlich: „Ihr seid mutig.“ Ich finde, es wäre verrückter gewesen, nichts zu tun. Man kann sich nicht hinlegen und warten, bis es vorbei ist. Konkret geht es um Gallet und Universal Genève: Gallet deckt das Einstiegs-Luxussegment ab rund 2.500 Euro ab, Breitling positioniert sich im mittleren Segment, während Universal Genève im Ultra-Luxusbereich agiert. Die Durchschnittspreise von Breitling sind in den letzten sieben Jahren deutlich gestiegen, vor allem, weil wir mittlerweile fast ausschließlich eigene Werke verbauen, wie das Chronographenwerk Breitling 01 oder das neue B31. Eine Marke lässt sich nicht beliebig nach unten oder oben strecken. Gallet wird mit Sellita-Werken ausgestattet sein und in unseren Boutiquen vertrieben werden. Auf dem Gehäuse steht sogar „Manufactured by Breitling“. Vertrieb, Qualität und Service kommen aus derselben Infrastruktur – aber die Marke ist eigenständig, mit eigener Geschichte und klarer Outdoor-DNA. Universal Genève ist eine völlig eigenständige Marke. Das Team sitzt in Genf und ist komplett unabhängig von Breitling. 2026 ist das Revival der Marke geplant.

Worauf sind Sie persönlich am meisten stolz?

Auf die Menschen, die von Beginn an die Vision unterstützt haben. Vor sieben, acht Jahren haben viele – auch Journalisten – gesagt, ich würde mit meinen Plänen die Marke Breitling gegen die Wand fahren. Heute stehen wir sehr erfolgreich da. Viele Mitarbeiter haben investiert und sind am Erfolg beteiligt. Dass genau diese Menschen belohnt wurden, die damals Vertrauen hatten, bedeutet mir am meisten.

„Wichtig ist, dass es authentisch bleibt. In unserer Industrie spielen Intuition und Haltung eine große Rolle. Am Ende zählt das kohärente Gesamtbild.“

Georges Kern

Was treibt Sie stärker an: Leidenschaft, Ehrgeiz oder Perfektionismus?

Alles zusammen. Ehrgeiz ist wichtig – ich will auch mit Gallet und Universal Genève gewinnen. Bei Universal kommt Perfektion besonders hinzu. Ich arbeite dort mit einem Advisory Board aus 40 Sammlern, die mir ganz klar sagen, was ich nicht tun darf. Bei Heritage-Marken muss jedes Detail stimmen.

Wie sieht für Sie die ideale Uhr aus? 

Das ist wie bei Autos – es gibt nicht die eine perfekte Lösung. Die einen möchten ein SUV, die anderen ein Sportauto, das ist sehr individuell. Es gibt großartige Uhren in jedem Preissegment.

Gibt es ein Element, auf das Sie immer achten?

Für mich ist es die Balance aus Ästhetik und Performance. Ich bin Ästhet: Farben, Zifferblätter, Details – das zieht mich zuerst an. Natürlich muss das Werk technisch überzeugen, aber am Ende muss eine Uhr einfach schön fürs Auge sein.

Und abschließend: Wenn Sie keine Uhren machen würden?

Schmuck. Mein Vater war Juwelier, ich hatte also schon immer eine besondere Affinität dazu.

 

Dieser Artikel erschien zuerst in der März-April-Ausgabe von WatchTime Germany, lesen Sie hier mehr dazu.

Breitling Schweizer Uhren Universal Genève

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