Rolex: Datejust

Das Wichtigste über den Vintage-Klassiker - die Geschichte, Varianten und Preise der Rolex Datejust

 Redaktion
von Redaktion
am 6. November 2017

Rolex gilt als Wegbereiter zahlreicher Innovationen. 1945 stellte die Manufaktur die erste Oyster Perpetual Datejust vor. Ihr Fensterdatum, das auch noch automatisch wechselte, war ein Meilenstein der Uhrentechnik. Lesen Sie, welche Modellversionen es in der Geschichte der Rolex Datejust gab und welcher Preis für welche Vintage-Modelle realistisch ist.

Aktuelle Rolex Oyster Perpetual Datejust 41, vorgestellt auf der Baselworld 2017 – mehr dazu am Ende des Artikels.
Aktuelle Rolex Oyster Perpetual Datejust 41, vorgestellt auf der Baselworld 2017 – mehr dazu am Ende des Artikels.

Ein, zwei oder drei Zeiger und nicht mehr: So lautete die Devise der Uhren- und Werkehersteller über Jahrhunderte hinweg. Ob Taschen- oder Armbanduhren – bis auf Chronographen und komplizierte Kalendermechanismen wurde den Käufern nicht mehr geboten, als Stunde, Minute und Sekunde. Es dauerte bis 1945, ehe Rolex die weltweit erste Armbanduhr mit Datumsanzeige – und automatischem Datumswechsel – präsentierte: die Oyster Perpetual Datejust.

Wie die Rolex-Geschichte begann

Die Geschichte der Manufaktur Rolex begann im oberfränkischen Kulmbach, wo 1881 der Gründer Hans Wilsdorf geboren wurde. Er setzte früh auf die Armbanduhr, obwohl nahezu alle Hersteller noch in der Welt der Taschenuhren verwurzelt waren. Nachdem Wilsdorf in Deutschland eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen und in der Schweiz bereits in der Uhrenbranche gearbeitet hatte, ging er im Alter von 24 Jahren nach London. Zwei Jahre später glaubte er noch immer fest an seine Vision von der Armbanduhr als verkäuflichem Massenartikel. Gemeinsam mit seinem Schwager Alfred James Davis gründete er die Firma Wilsdorf & Davis. Die beiden Partner teilten sich die Geschäfte – Davis war für die Gehäuse zuständig, während Wilsdorf sich um den Einkauf von Uhrwerken kümmerte. Die neue Marke brauchte noch einen Namen, der vertriebstauglich war und auch in anderen Sprachen einen guten Eindruck machte. Deshalb erfand Wilsdorf 1908 den Begriff “Rolex”, der der wahrscheinlichsten Theorie zufolge für “rolling export” steht. Der Name wurde allerdings bis in die 1930er-Jahre nicht flächendeckend eingesetzt.

Erste Uhr mit Fensterdatum: Rolex Oyster Perpetual Datejust von 1945. Der Namenszusatz fehlt auf dem Zifferblatt.
Erste Uhr mit Fensterdatum: Rolex Oyster Perpetual Datejust von 1945. Der Namenszusatz fehlt auf dem Zifferblatt.

Bereits 1910 belegte ein erster Gangschein die Präzision einer Rolex-Uhr, und heute werden fast alle Modelle von der Schweizer Prüfstelle COSC als Chronometer zertifiziert. Ab 1913 besaß Wilsdorf im Vereinigten Königreich die exklusiven Vermarktungsrechte für die Uhrwerke der Bieler Aegler S.A. Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs verlegte Wilsdorf die Firma nach Biel und ließ am 17. Januar 1920 die Montres Rolex S.A. in das Handelsregister eintragen. Die Entwicklung und Produktion der Uhrwerke übernahm dabei weiterhin Aegler als separate Firma; Wilsdorf war nun alleiniger Inhaber und Direktor von Rolex.

Eine der ersten Innovationen von Rolex, die meist eine enorme Strahlkraft auf den ganzen Uhrenmarkt haben, war die wasserdichte Armbanduhr: Mit dem Oyster-Gehäuse schaffte Rolex eine Uhr, die sprichtwörtlich so dicht wie eine Auster war – und dies bis heute ist. Charakteristisch ist dabei nach wie vor der Boden mit einer umlaufenden Riffelung, der sich nur per Spezialschlüssel öffnen lässt. 1931 erhielt die Oyster einen Automatikaufzug durch einen umlaufenden Rotor. Und weil sie nun theoretisch ohne manuelles Aufziehen weiterlief, hieß sie fortan Oyster Perpetual.

Die Geschichte der Datejust

Für mehr Alltagstauglichkeit integrierte Hans Wilsdorf 1945 die Anzeige des Datums ins Zifferblatt: Die Rolex-Referenz 4467 trug bei drei Uhr ein Fenster mit dem Datum, das sich im Zeitraum um Mitternacht automatisch auf den nächsten Tag umstellte. Dafür spannte das Uhrwerk über Zwischenräder einen Federmechanismus, der die Datumsscheibe weitertransportierte.

Rolex Oyster Perpetual Datejust von 1950 in Edelstahl und Gold: Dieser Materialmix wurde später typisch für Rolex.
Rolex Oyster Perpetual Datejust von 1950 in Edelstahl und Gold: Dieser Materialmix wurde später typisch für Rolex.

Diese erste Rolex Datejust von 1945, die den Namen noch nicht auf dem Zifferblatt trug, besaß ein Gelbgoldgehäuse; später gab es auch Modelle in Roségold, Stahl oder Bicolor. In den fünfziger Jahren ersetzte die noch heute bekannte Riffellünette den ursprünglichen Ring im Münzranddesign.
Das erste Modell von 1945 erwies sich als spontaner Erfolg, denn der automatische Aufzug, die hohe Ganggenauigkeit und das Datum komplettierten diese Oyster Perpetual zu einer hervorragenden Alltagsuhr. Die hohe Wasserdichtheit, die per Schraubkrone und -boden erreicht wurde, sorgte für einen anhaltenden Schutz des Uhrwerks. Der bauchige, auch „Bubble Back“ genannte Boden war nötig, um das raumgreifende Rolex-Automatikkaliber 730 aufzunehmen. Ebenfalls neu war das Armband: Mit dem Jubilee-Goldband führte Rolex ein weiteres Design ein, das bis heute Bestand hat.

Wer ein frühes Datejust-Modell sein Eigen nennt oder kaufen will, sollte auf eine regelmäßige Revision des Uhrwerks achten, denn Ersatzteile sind kaum zu bekommen, und auch Rolex selbst kann die historischen Modelle nicht mehr reparieren. Der Preis einer solchen Vintage-Uhr kann auf Auktionen über 10.000 Euro liegen.

Die Evolution Rolex Oyster Perpetual Datejust

Die heute charakteristische Zyklop-Lupe über dem Datumsfenster führte Rolex erst 1954 ein. Gleichzeitig erschienen erste Damenversionen; die Lady Datejust, auch Datejust Lady genannt, ist bis heute eines der erfolgreichsten Modelle der Genfer Marke. Den augenblicklichen Datumssprung um Mitternacht gibt es seit 1955.

Weißgoldene Datejust von 1958: Datumslupe und Riffellünette waren bereits vorhanden
Weißgoldene Datejust von 1958: Datumslupe und Riffellünette waren bereits vorhanden

1957 bekam die Rolex Datejust eine flachere Silhouette und wurde mit dem neuen Automatikkaliber 1065 ausgestattet. Im Jahr 1965 änderte sich das Kaliber ein weiteres Mal – 1570 lautete nun die Bezeichnung des im Detail verbesserten Uhrwerks. Ab 1972 konnte die chronometergenaue Zeit dank des neuen Sekundenstopps präzise eingestellt werden. Zwei Jahre später führte Rolex als  einer der ersten Hersteller Saphirgläser ein, wodurch die Uhrenfront kratzfest wurde; Vintage-Freunde finden allerdings auch heute noch Ersatz-Kunststoffgläser zu bezahlbaren Preisen.

Das Zifferblatt der seltenen Datejust von 1975 bestand aus geschliffener und polierter Koralle
Das Zifferblatt der seltenen Datejust von 1975 bestand aus geschliffener und polierter Koralle

Kaum zu glauben, aber es dauerte mehr als 30 Jahre, bis Rolex der Datejust eine Datumsschnellkorrektur spendierte: Der von Rolex “Quickset” getaufte Mechanismus machte ab 1977 endlich die mühsame Datumseinstellung durch Weiterdrehen der Zeitzeiger unnötig.

Die Rolex Datejust setzt auf Elektronik

1962 gründeten 20 Uhrenfirmen in Neuchâtel das Centre Electronique Horloger, um gemeinsam ein konkurrenzfähiges Quarzwerk zu entwickeln. Doch Rolex war mit dem Kaliber Beta 21 nicht zufrieden und verbesserte es in den eigenen Ateliers. 1970 erschien schließlich die Quartz Date, Referenz 5100, die allerdings nicht sehr erfolgreich war. Dennoch legte Rolex 1977 noch die Oysterquartz Datejust, Referenz 17000, mit eigenem Quarzwerk nach. Im Jahr 1978 fand eine dieser Uhren an Reinhold Messners Arm auf den Mount Everest.

Vintage spezial: Rolex Quartz Date von 1970
Vintage spezial: Rolex Quartz Date von 1970

Die Quarzmodelle der Oyster Perpetual mit Datum sind gebraucht selten zu finden. Je nach Zustand und Gehäusematerial liegt der Preis-Bereich zwischen 3.000 Euro und 10.000 Euro. Auch heute sind die Modelle mit dem ins Gehäuse integrierten Metallband nicht sehr beliebt.

Die Klassiker unter den Oyster-Perpetual-Modellen mit Datum

Anders sieht es bei den Serienmodellen aus: Die Datejust in Stahl oder in Stahl mit Weißgoldlünette und eigens für diese Uhr entworfenem Jubileeband oder dem ebenfalls erhältlichen Oysterband zählt zu den wertstabilen Vintage-Klassikern. Bei gebrauchten Uhren ist darauf zu achten, wie schlank die Gehäuseflanken bereits sind. Durch Schliff und nachfolgende Polituren aufgrund von Kratzern büßen die Gehäuse an Taille ein – ein Mangel, der den Preis drücken sollte. Für die Uhrwerke der späteren Modelle ist dafür die Versorgung mit Ersatzteilen gesichert, ebenso wie die Möglichkeit, Zeiger, Zifferblätter und Armband oder sogar Gehäuseteile zu tauschen.

Ebenfalls ein Klassiker ist die Bicolor-Datejust in Stahl und Gelbgold. Hier leiden vor allem die Mittelglieder des Jubilee-Bandes: Der von Rolex bekannte “Stretch” entsteht. Ein Ersatz des ausgeleierten Bandes ist sehr teuer, Reparaturen jedoch möglich. Oder man steigt gleich auf ein Lederband um – schließlich leiden die Metallbänder meist mehr als die Gehäuse.

Weniger beliebt sind Datejust-Modelle in Gold, die einst auf Wunsch auch mit dem President-Band der deutlich teureren Rolex Day-Date zu haben waren. Hier reicht die Preis-Range von 4.000 bis knapp an die 10.000 Euro, allerdings sollte der Zustand von Uhr und Band genau betrachtet werden. Ein günstiger Einkauf kann sich rächen, wenn die erste Revision ansteht. Auch hier sollte auf Steinbesatz geachtet werden, der nicht original von Rolex angebracht worden ist, denn solche Vintage-Uhren nimmt die Marke nicht zum Service an.

Was die Rolex Datejust unverwechselbar macht

Wie nahezu alle Rolex-Uhren hat die Datejust einen hohen Wiedererkennungswert. Nur wenige Sonderformen waren je erhältlich – eine davon in den achtziger Jahren mit Mondphasenindikation, oder die Thunderbird mit drehbarer Lünette. Seit der Jahrtausendwende gibt es als Alternative zur geriffelten Lünette den leicht gewölbten, glatten Glasrand. Im Vergleich mit anderen Rolex-Modellen bietet die Datejust jedoch am meisten Varianz: Bei ihr gibt es radiale arabische oder römische Ziffern, Balken- oder Diamantindizes, zahlreiche Zifferblattfarben, geriffelte oder bombierte Lünetten, das Oyster-Armband oder das feinere Jubilé-Armband.

Eine typische Rolex Oyster Perpetual Datejust aus der aktuellen Kollektion in Edelstahl und Gelbgold mit 36 Millimetern Gehäusedurchmesser
Eine typische Rolex Oyster Perpetual Datejust aus der aktuellen Kollektion in Edelstahl und Gelbgold mit 36 Millimetern Gehäusedurchmesser (9.950 Euro)

Die Gehäusegröße der Rolex Datejust blieb jedoch über Jahrzehnte konstant bei 36 Millimetern – bis zur Einführung der 41 Millimeter großen Datejust II im Jahr 2012. Das alte Gehäuse ist weiterhin erhältlich – als Mediumgröße neben einer kleinen Größe mit 31 Millimetern und dem reinen Damenmodell Lady-Datejust mit 28 Millimetern Durchmesser. Auch das Werk ist in den letzten Jahrzehnten verbessert, aber nicht grundlegend erneuert worden. Mit dem Automatikkaliber 3135 geht die Uhr in die Zukunft, mit Einführung der Datejust II ergänzt durch das Kaliber 3136 mit Parachrom-Bleu-Spirale und seit 2016 mit dem Rolex-Automatikkaliber 3235 mit Chronergy-Hemmung. Seit den neuen Datejust-41-Modellen, die auf der Baselworld 2017 vorgestellt wurden, ersetzt die Datejust 41 ausnahmslos die Datejust II.

Aktuelle Modelle der Datejust

Über 70 Jahre lang flossen stete Verbesserungen in eine Uhr, die bereits 1945 als zuverlässiger, präziser und langlebiger Alltagsbegleiter entwickelt wurde. Dies macht die Rolex Datejust in den Vintage-Versionen ebenso interessant wie in der aktuellen Kollektion.

2016 vorgestellt: die Rolex Datejust 41 in Edelstahl und Everose-Gold mit Jubilé-Band (11.800 Euro)
2016 vorgestellt: die Rolex Datejust 41 in Edelstahl und Everose-Gold mit Jubilé-Band (11.800 Euro)

Zur Baselworld 2016 erschien die Oyster Perpetual Datejust 41 in mehreren Bicolor-Varianten. Rolex übernahm von der Datejust II den Gehäusedurchmesser von 41 Millimetern zusammen mit den bekannten Designmerkmalen wie den Balkenindizes, die geriffelte oder bombierte Lünette und den Obeliskzeigern und bietet die Datejust 41 erstmals mit einem Jublilé-Band an. Absolut neu ist das verbaute Automatikkaliber 3235. Dank eines neuen Aufbaus des Federhauses sowie des verbesserten Wirkungsgrades der patentierten Chronergy-Hemmung bietet das Manufakturwerk eine Gangautonomie von bis zu 70 Stunden. Dass auch diese Rolex-Uhr Chronometer genau geht, bescheinigt das 2015 eingeführte Zertifikat »Chronometer der Superlative«. Damit legt Rolex einen neuen Standard für seine Uhren fest: Nur Uhren, die innerhalb der Gangtoleranz von minus zwei bis plus zwei Sekunden pro Tag liegen, werden ausgeliefert und erhalten das grüne Siegel. Das sind strengere Richtlinien als die der COSC, deren Toleranzen zwischen minus vier und plus sechs Sekunden pro Tag liegen. Die Rolex-Uhren werden aber auch weiterhin von der COSC geprüft.

Mit Einführung der neuen Stahlvarianten der im Jahr zuvor modernisiersten Oyster Perpetual Datejust 41 zur Baselworld 2017 wird die Datejust II ausnahmslos aus dem Rolex-Programm genommen. Die neuen Modelle aus Stahl beziehungsweise Stahl mit geriffelter Lünette aus Weißgold (Rolesor weiß) bieten die günstigste Möglichkeit, das neue Rolex-Kaliber 3235 mit Automatikaufzug zu bekommen. Das Edelstahlmodell mit bombierter Lünette und Oysterband ist für 6.700 Euro erhältlich.

Wristshot der Rolex Oyster Perpetual Datejust 41 in Edelstahl mit blauem Zifferblatt
Wristshot der Rolex Oyster Perpetual Datejust 41 in Edelstahl mit blauem Zifferblatt

Bilder: Rolex und Antiquorum

Fortlaufend aktualisierter Artikel, ursprünglich online gestellt im Juli 2016.

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