Ist meine Uhr wasserdicht?

Wasserdichtheit bei Armbanduhren

 Redaktion
von Redaktion
am 15. Mai 2017

Endlich: Die Sonne lockt uns aus dem Haus, der Sommer steht vor der Tür und damit auch die Wassersportsaison. Und wie jedes Jahr fragen wir uns: Hält meine Uhr den Sprung ist kühle Nass aus? Begleitet sie mich auf meinem Segelturn am Ammersee? Kann mein neuer Chronograph auch zuverlässig meine geschwommenen Bahnen im Freibad stoppen? Oder geht meine Uhr sprichwörtlich „baden“. Damit das nicht passiert, haben wir für Sie alles Wichtige zum Thema Wasserdichtheit zusammengestellt.

Nicht mit jeder Uhr können Sie einen Tauchgang unternehmen.
Nicht mit jeder Uhr können Sie einen Tauchgang unternehmen.

Ist meine Uhr wasserdicht – und wenn ja, was macht wasserdichte Uhren überhaupt aus? Die technische Angabe bei Uhren ist ziemlich verwirrend: weil eben 30 Meter Wasserdichtheit nicht bedeuten, dass ich mit meiner Uhr bis zu 30 Meter in die Tiefe tauchen kann. Die Herstellerangaben auf den Armbanduhren, die mal in Meter, Fuß oder Bar getroffen werden, geben somit keinen unmittelbaren Hinweis auf die tatsächliche Tauchtiefe, die ein mechanischer Zeitmesser ohne Schaden übersteht. Eine “wasserdichte” Armbanduhr ist nie komplett dicht, sondern entsprechend ihrer Bauweise und nach einem definierten Prüfverfahren mehr oder weniger vor Wassereinbruch geschützt. Für den Alltag bedeutet dies, dass bei unsachgemäßer Behandlung durchaus Wasser in die Uhr eindringen kann, wenn sie zum Beispiel zu lange im Wasser liegt oder zu hohem Wasserdruck ausgesetzt wird. Manche Uhren sind nur spritzwasserdicht, das heißt, sie überstehen einige Sekunden in einer Pfütze. Andere Fabrikate dagegen sind für längere professionelle Tauchgänge ausgelegt, was dann eine entsprechende Angabe auf der Uhr deutlich und diese auch erforderlich macht. Somit kann bei unsachgemäßer Handhabung auch Wasser in die Uhr eindringen.

Wie so vieles im Leben regelt das Deutsche Institut für Normung die Regeln zur Wasserdichtigkeit und die Anforderungen an Taucheruhren. Die DIN-Norm definiert zwar die Wasserdichtheit bei Uhren, lässt aber  keinen direkten Rückschluss darauf zu, wie tief ich mit meiner Uhr tauchen kann. Dennoch sollte jeder Uhrenträger genau wissen, ob und wie lange er mit seinem Zeitmesser baden oder tauchen gehen darf. Denn Wasser ist der natürlich Feind der Uhr. Deshalb erläutert der folgende Artikel, was die DIN-Norm und die Druckangaben bedeuten, und vor welchen Gefahren auch wasserdichte Armbanduhren nicht gefeit sind.

Was wasserdichte Uhren gemäß DIN über sich ergehen lassen müssen

Der Begriff „wasserdicht“ wird in der DIN-Norm 8310 festgelegt und beschreibt ein Konstruktionsmerkmal. Danach gilt eine Uhr als wasserdicht (ohne Angabe eines Drucks), wenn sie im Neuzustand die drucktechnische Prüfung nach DIN 8310 besteht: 30 Minuten in 1 Meter Wassersäule (ca. 0,1 Bar), anschließend 90 Sekunden in 20 Meter Wassersäule (ca. 2 Bar). Die Uhr wird somit einem maximalen Druck von ungefähr 3 Bar ausgesetzt. Der Grenzwert an Belastbarkeit wird in Bar angegeben. Die Druckangaben lassen jedoch keinen Rückschluss auf die Tauchtiefe zu. Ferner gilt laut DIN 8310: „Der Hersteller und Vertreiber von wasserdichten Uhren muss jeder Uhr eine Gebrauchsanleitung beifügen…”

Mühle-Glashütte: Teutonia Sport I
Mühle-Glashütte: Teutonia Sport I

Die Teutonia Sport I von Mühle-Glashütte schreit förmlich nach sportlicher Betätigung. Doch aufgepasst: Mit einer Wasserdichtheit bis 10 Bar ist sie zwar zum Schwimmen geeignet, ein Tauchgang sollte mit dem sportlichen Chronographen nicht unternommen werden. Auch das Armband ist wassertauglich: Es besteht aus Kautschuk und geprägtem, wasserfest behandeltem Leder.
Weitere Fakten: 42,6 Millimeter / Edelstahl / Automatikkaliber Sellita SW 500 / 3.390 Euro

Uhrgehäuse sind passgenau aus mehreren Materialien zusammengesetzt, die bei Temperaturschwankungen unterschiedliche Ausdehnungskoeffizienten haben können. Um die Wasserdichtheit für bestimmte Anforderungen dennoch zu gewährleisten, gibt es spezielle Konstruktionen mit eingearbeiteten Dichtungen. Diese unterliegen einem natürlichen Alterungsprozess und können unter anderem auch von Schweiß, Kosmetika und Badezusätzen angegriffen werden.

Auch wasserdichte Uhren haben Schwachstellen

Insbesondere bei einem Sprung ins Wasser und beim Schwimmen kann sich kurzfristig ein höherer Wasserdruck auf die Dichtungen aufbauen als der garantierte Druck. Besonders gefährdet sind Uhren, welche nach einem längeren Sonnenbad durch einen Sprung ins Wasser deutlich abgekühlt werden. Der Druck beim Auftreffen auf die Wasseroberfläche in Kombination mit dem Unterdruck durch die Abkühlung kann schneller zu Schäden führen. Die Dichtelemente lassen durch den täglichen Gebrauch nach, beispielsweise bei unsachgemäßer Handhabung. Stöße, hohe Temperaturschwankungen, Schweiß, aber auch Sonnencreme begünstigen dies.

Prüf-/
Über-
druck
bar
Kennzeichnung
auf dem
Gehäuse-
boden/
Zifferblatt
Hände
waschen/
Spritzwasser
Baden/
Duschen
Schwimmen/
Schnorcheln
Tauchen
3 3 Bar Ja Nein Nein Nein
5 5 Bar Ja Ja Nein Nein
10 10 Bar Ja Ja Ja Nein
20 und mehr 20 Bar und mehr Ja Ja Ja Ja

 

Somit sollten wir uns folgendes merken: Mit einer Uhr ab 20 bar Druckfestigkeit, was etwa den Druckverhältnissen in 200 Meter tiefem Wasser entspricht, kann man unbesorgt Tauchen gehen. Den Sprung ins Wasser und heftigen Schwimmbewegungen auf der Flucht vor Haien sollte ein 20 bar druckfestes Gehäuse widerstehen können.


Einmal wasserdicht – immer wasserdicht?

Wasserdichtheit ist keine bleibende Eigenschaft: Wie lange eine wasserdichte Armbanduhr dicht bleibt, lässt sich nicht pauschal angeben. Die Aussage zur Wasserdichtheit ist immer nur eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt der Prüfung. Durch Alterung, Abnutzung und Beschädigungen kann sich der Zustand jederzeit ändern. Die Dichtungen altern und werden im Laufe der Zeit spröde. Wer Wert auf die Wasserdichtheit seiner Uhr legt, sollte diese einmal pro Jahr überprüfen und gegebenenfalls Dichtungen austauschen lassen.

Die Anforderungen an Taucheruhren gehen noch viel weiter. Die Taucheruhrennorm DIN 8306 regelt unter anderem wie lange eine Uhr einem Druck in einer bestimmten Wassertiefe standhalten muss. Sie regelt auch, dass Taucheruhren eine Einrichtung zur Vorwahl einer bestimmten Zeitspanne haben müssen, beispielsweise einen Skaleneinstellring (Drehlünette), der gegen Verstellen gesichert sein muss. Auch müssen Zifferblatt und Einstellring eine Minutenteilung besitzen, mit einer Unterscheidung zur 5-Minuten-Markierung. Die Norm regelt weiter, dass die Uhr sowohl bei Helligkeit, als auch im Dunklen aus 25 Zentimeter Abstand ablesbar sein muss. Und zwar muss sowohl die Uhrzeit, die Drehlünette, also die bereits im Wasser verbrachte Zeit, und das Laufen der Uhr auf einen Blick ersichtlich sein.

Die Alpina Seastrong Diver 300 Automatic in Edelstahl
Die Alpina Seastrong Diver 300 Automatic in Edelstahl

Als echte Taucheruhr besitzt die Alpina Seastrong Diver 300 Automatic all diese Eigenschaften. Sie hält einem Wasserdruck bis 30 Bar stand und die mit ausreichend Leuchtmasse versehenen Zeiger und Indexe sind auch unter Wasser gut ablesbar. Daneben besitzt sie eine Datumsanzeige bei drei Uhr.
Weitere Fakten: 44 Millimeter / Edelstahl / Automatikkaliber Sellita SW 200 / 1.295 Euro

Geprüft werden bei Taucheruhren durch die DIN 8306 insgesamt folgende 13 Punkte:

  1. Ablesbarkeit
  2. Gangverhalten
  3. Antimagnetismus
  4. Stoßsicherheit
  5. Befestigungselemente
  6. Dichtheit bei Luftüberdruck
  7. Salzwasserbeständigkeit
  8. Skaleneinstellring
  9. Funktionssicherheit der Betätigungseinrichtungen
  10. Funktionssicherheit der Taucheruhr bei Wasserüberdruck
  11. Temperaturbeanspruchbarkeit
  12. Kronen, Drücker und ähnliche Betätigungseinrichtungen
  13. Dichtheit bei Wasserüberdruck (25 % über der Kennzeichnung)

Wenn Uhren diese Anforderungen erfüllen, dürfen sie mit dem Wort Taucheruhren in Verbindung mit der vorgesehenen Tauchtiefe in Metern gekennzeichnet werden. Die bloße Kennzeichnung mit dem Wort Taucheruhr ist nicht zulässig. Auch dürfen nur volle 100 Meter Werte angegeben werden.

Ein Zeitmesser, der zum Schwimmen und Tauchen verwendet wird, sollte bei Nichtgebrauch, wie alle Uhren, pfleglich behandelt und gelagert werden. Nach dem Schwimmen im Meerwasser: Uhr mit sauberem Leitungswasser spülen. Darüber hinaus sind die individuellen Gebrauchsanweisungen des Herstellers zu beachten.

Wer sich einen Überblick über verschiedene Taucheruhren verschaffen möchte, sollte das Watchtime.net-Taucheruhren-Special lesen: www.watchtime.net/taucheruhren

Fortlaufend aktualisierter Artikel, erstmals online gestellt im Mai 2010.

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