Rolex: Werkeproduktion in Biel

Porträt Rolex Biel

 Redaktion
von Redaktion
am 27. Februar 2013

Zur Werkeproduktion von Rolex in Biel erhält normalerweise kein Aussenstehender Zutritt. Chronos aber war da und verfolgte das Werden des Daytona-Kalibers 4130 (Artikel aus Chronos 4.2010).

Spiralfeder
Spiralfeder

Der Ort, an dem Rolex seine gut 750.000 Werke pro Jahr fertigt, ist ein gigantischer Komplex aus vier riesigen Gebäuden am Stadtrand von Biel.

Zuerst fällt die schiere Größe auf. Der Ort, an dem Rolex seine Werke baut, ist ein gigantischer Komplex, gelegen am Stadtrand von Biel. Er besteht aus vier riesigen imposanten Gebäuden, die 170000 Kubikmeter Raum einnehmen. Auf den ersten Blick wirken sie wie eine uneinnehmbare Festung.

Für uns, zwei Redakteure von Chronos’ US-Schwestermagazin WatchTime, ist es etwas Besonderes, hier zu sein. Denn Rolex gewährt zu seiner Werkefertigung in Biel normalerweise keinen Eintritt, auch nicht für Fachjournalisten. Für diesen Februarnachmittag aber hat uns das Unternehmen eine Tour durch die Produktion ermöglicht. Wir sehen, wie die gut 750.000 Werke pro Jahr hergestellt werden – von der Grundplatine bis zur Spiralfeder.

Bevor wir starten, führt man uns zur Einstimmung einen Film vor. Gezeigt wird er in einem verhältnismäßig großen Vorführraum, der sich an den größten Empfangsbereich anschließt, den wir je gesehen haben: ein zwei Stockwerke hohes, lichtdurchflutetes Atrium mit einem Rolex-grünen Marmorboden.

Diese im Bieler Industriegebiet Champs-de-Boujean gelegene „Manufacture des Montres Rolex SA“ ist ein Schwesterbetrieb der Rolex SA in Genf, in der Gehäuse, Armbänder und Zifferblätter hergestellt, Steine gesetzt und Werke in Gehäuse eingeschalt werden (siehe „Rolex von innen“, Chronos 5-2006).

Die maschinell hergestellten Teile werden in Handarbeit zu Uhrwerken zusammengebaut
Die maschinell hergestellten Teile werden in Handarbeit zu Uhrwerken zusammengebaut

Hier in Biel fertigen rund 2.000 Mitarbeiter Werkkomponenten (50 Millionen pro Jahr), bauen die Werke zusammen und schicken sie zur offiziellen Schweizer Chronometerprüfstelle COSC. Rolex ist bekannt dafür, fast alle seine Werke als Chronometer zertifizieren zu lassen; eine Ausnahme bilden die meisten Cellini-Modelle (Cellini Prince kommt allerdings mit Chronometerzeugnis). Wenn die Werke von der COSC zurückkommen, schickt Rolex sie von Biel nach Genf zum Einschalen. Die vier eingangs erwähnten Gebäude heißen Rolex III, IV, V und VI – Rolex I und II, alte Fabrikgebäude nahe der Innenstadt, gehören nicht mehr zur Firma. Dafür besitzt Rolex aber noch eine Fabrik mit 150 Angestellten in Le Locle, wo ein kleinerer Teil der Werkeassemblage stattfindet.

Bis 2004 hatten Rolex Biel und Rolex Genf unterschiedliche Eigentümer: Biel gehörte den Nachkommen von Jean Aegler, dessen Bieler Fabrik Aegler SA den Rolex-Gründer Hans Wilsdorf seit 1905 mit Werken belieferte. Rolex Genf war und ist im Besitz der Hans Wilsdorf Stiftung, die Wilsdorf 1945 gründete. Vor sechs Jahren wurde Biel von Genf übernommen. Die beiden Unternehmen, die sich vorher mitunter in herzlicher Abneigung zugetan, gleichzeitig aber auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen waren, verschmolzen miteinander. Da Rolex in den letzten Jahren auch viele weitere Zulieferer übernommen und integriert hat, ist das Unternehmen heute, wie es im Fachjargon so schön heißt, vertikal integriert; eine Firma mit einer beeindruckenden Fertigungstiefe.

Das Chronographenkaliber 4130 wurde 2000 für die neue Daytona eingeführt
Das Chronographenkaliber 4130 wurde 2000 für die neue Daytona eingeführt

Der Film ist zu Ende, wir starten unseren Rundgang. Er soll uns, so erklärt es François Paschoud, einer der technischen Direktoren, die Produktion des Daytona-Kalibers 4130 Schritt für Schritt nahebringen. Rolex lancierte das Kaliber 4130 im Jahr 2000, um das bis dahin verwendete Kaliber 4030 zu ersetzen, das auf dem Zenith El Primero basierte. Für Rolex war das eine wichtige Zäsur, denn seitdem verwendet Rolex für seine Uhren ausschließlich in-house gefertigte Werke.

Neben Paschoud begleiten uns Raymond Kerrison, der Direktor von Rolex Biel, und Entwicklungschef Jacques Baur.

In den UFO-artigen Modulen befinden sich CNC-Maschinen, mit denen Brücken und Platinen gefertigt werden
In den UFO-artigen Modulen befinden sich CNC-Maschinen, mit denen Brücken und Platinen gefertigt werden

Wir starten in Rolex V, wo Platinen und Brücken produziert werden. Dort, in einem höllisch lauten Raum, sieht es aus, als seien Außerirdische gelandet: Da steht ein Dutzend riesiger runder, UFO-artiger Glaskapseln, die fast bis zur Decke reichen und vielleicht drei, vier Meter Durchmesser haben. Die Rolex-Verantwortlichen nennen sie „Module“. Manche sind an ihrer Spitze über Metallschienen mit einem benachbarten Modul verbunden. Diese Schienen, so erfahren wir bald, sind eine Art Transportsystem, mit dem Komponenten von einem Modul zum nächsten gebracht werden. Vier Module arbeiten fürs 4130. In jedem befinden sich CNC-Maschinen, die die in einer anderen Abteilung vorgestanzten Platinen durch Bohren, Fräsen, Drehen und Polieren weiter bearbeiten. Von außen sieht man praktisch nichts, außer dem Öl, das literweise über die Platinen und Brücken fließt, um Metallspäne wegzuspülen. Über 50 Werkzeuge arbeiten gleichzeitig in den vier Modulen; das, was sie tun, kann man auf Monitoren beobachten. Menschen gibt es in diesem Raum wenige – nur ein oder zwei Arbeiter werden benötigt, um die Maschinen am Laufen zu halten.

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