Piaget 2026: Polo Signature und Sixtie im Detail
Watches and Wonders 2026
Piaget verfolgt seit Jahren eine Produktstrategie, die auf der konsequenten Weiterentwicklung bestehender Referenzlinien aufbaut – und damit Kontinuität als Qualitätsmerkmal begreift.
Die Polo-Familie, die ihren Ursprung in der 1979 von Yves G. Piaget vorgestellten Goldikone hat, und die Sixtie, die auf Archivformen der späten 1960er zurückgreift, bilden dabei das strukturelle Rückgrat des aktuellen Uhrenportfolios.
Zur Watches And Wonders 2026 schreibt Piaget diesen Kurs weiter: keine technologischen Brüche, aber mehrere bedeutsame Konfigurationserweiterungen – und eine klare Aussage darüber, welche Designelemente die Maison als identitätsstiftend betrachtet. Das verbindende Element dieser Saison ist die Godronierung. Piaget setzt das geriffelte Reliefmuster, das schon die originale Polo 79 prägte, nun konsequent als kollektionsübergreifendes Stilmittel ein – von der Polo Date über die Polo 79 mit Sodalithzifferblatt bis zur Sixtie-Dornschließe.
Piaget Polo 79 mit Sodalithzifferblatt
PiagetPiaget Polo 79 mit Sodalithzifferblatt
Die wichtigste Neuheit innerhalb der Polo-Familie ist die erstmalige Verwendung von Sodalith als Zifferblattmaterial in der zeitgenössischen Kollektion. Sodalith ist ein Silikatmineral mit charakteristischer blauer Grundfarbe und weißen Schlieren – optisch verwandt mit Lapislazuli, aber mineralogisch eigenständig. In der Uhrmacherei wird er wegen seiner Farbtiefe und Unikatstruktur geschätzt; jede Scheibe zeigt ein anderes Muster. Die Polo 79 mit Sodalithzifferblatt erscheint in Weißgold mit 38-mm-Gehäuse und wird vom ultraflachen Automatikkaliber 1200P1 angetrieben. Das Kaliber misst 2,35 mm Bauhöhe und ermöglicht das für die Polo-Linie typische flache Profil.
Die Godronierungen der Lünette wirken auf dem Sodalithuntergrund als Kontrastrahmen – das tiefe Blau des Steins hebt die Reliefstruktur plastischer hervor als bei monochrom goldenen Zifferblättern. Der Preis liegt bei 102.000 EUR (Ref. PGG0A51151) – ein Weißgold-Edelstein-Modell, das sich klar im Haute-Horlogerie-Segment positioniert.
Piaget selbst verweist auf die frühen Stein-Zifferblätter der 1960er und 1970er Jahre (Onyx, Lapislazuli) als historische Referenz. Die Maison gehörte tatsächlich zu den Ersten, die Schmucksteine systematisch als Zifferblattmaterial einsetzten – beginnend 1963. Die Sodalith-Version von 2026 ist damit eine Reaktivierung eines etablierten Formats.
Die Rückansicht gewährt den Blick auf das Kaliber 1110P.
PiagetPiaget Polo Signature Date
Ergänzend führt Piaget innerhalb der Polo-Kollektion ein Duo-Konzept mit Datumsfunktion ein – und zwar über zwei Gehäusegrößen, zwei Zifferblattfarben und zwei Materialebenen hinweg.
Das Ergebnis ist eine Modellfamilie, die in der Preisgestaltung erhebliche Spielräume abdeckt. In 42 mm erscheinen fünf Polo Signature Dates, alle mit Kaliber 1110P (Manufakturaufzug, 10 ATM). Das Einstiegsmodell ist aus Edelstahl gefertigt – mit blauem oder silbernem Godronierungszifferblatt und Kautschukband (Ref. G0A51031, 13.500 EUR); dieselbe Konfiguration ist alternativ mit Stahlband erhältlich (Ref. G0A51032, 15.600 EUR). Darüber folgen zwei Roségoldvarianten: 18K Roségold mit blauem Zifferblatt und Kautschukband (Ref. G0A51033, 36.000 EUR) sowie dieselbe Konfiguration mit zusätzlichem Diamantbesatz auf der Lünette (Ref. G0A51034, 57.000 EUR). Alle 42-mm-Modelle teilen sich Gehäusedicke (9,4 mm) und Durchmesser – die Differenzierung erfolgt ausschließlich über Material und Besatz, nicht über Form oder Kaliber.
In 36 mm, angetrieben vom Kaliber 500P1 (5 ATM), bietet Piaget drei Polo-Signature-Versionen mit blauem Zifferblatt: Edelstahl mit diamantbesetzten Indexen (36 Brillanten) und Stahlband sowie zusätzlichem Kautschukband (Ref. G0A51035, 16.800 EUR), dieselbe Konfiguration mit diamantbesetzter Lünette (Ref. G0A51024, 24.800 EUR) sowie als Spitzenmodell 18K Roségold mit Diamantlünette und 36 besetzten Indexen (Ref. G0A51036, 61.500 EUR). Dazu kommt ein 36-mm-Modell mit silbernem Zifferblatt: Edelstahl mit diamantbesetzter Lünette und khakigrünem Kautschukband (Ref. G0A51011, 22.900 EUR) sowie beigem Band, angetrieben ebenso von Kaliber 500P1. Das selbst wechselbare Armbandsystem ist kollektionsweit einheitlich – ein praktikabler Zusatznutzen, der die Personalisierbarkeit der Linie erhöht.
Piaget Sixtie
PiagetSixtie mit Alligatorlederarmband
Die Sixtie wurde 2025 zur Watches and Wonders neu eingeführt. Die Trapezform stammt aus Piagets Designarchiv der späten 1960er Jahre, konkret aus dem Umfeld der 21st-Century-Kollektion von 1969. Damals überschnitt sich die Uhr konzeptionell mit Schmuck; heute wird dieser Ansatz unter dem Begriff „Extraleganza" kommunikativ gebündelt. 2026 erscheint die Sixtie in zwei neuen Konfigurationen: mit dunkelblauem Alligatorlederarmband anstelle des bisherigen Goldbandes. Das Goldarmband verankert die Uhr im Haute-Joaillerie-Segment; das Alligatorlederarmband macht sie alltagstauglich und öffnet die Preiseinstiegsebene innerhalb der Linie.
Die beiden Zifferblätter unterscheiden sich in Material und Charakter: Eine Version zeigt ein solar satiniertes Silberzifferblatt mit goldenen römischen Ziffern (Ref. PGG0A51332, 16.700 EUR); die andere verwendet ein Zifferblatt aus blauem Quarz mit natürlicher Maserung (Ref. PGG0A51335, 21.500 EUR). Quarz als Zifferblattmaterial ist bei Piaget kein Novum, aber die Kombination mit dem Alligatorlederband und dem Trapezgehäuse ergibt ein stimmiges Gesamtbild, das die Sixtie zwischen Schmuckuhr und alltagsfähigem Zeitmesser positioniert. Die Godronierungen der Lünette finden sich bei dieser Version auch auf der Dornschließe – ein Kontinuitätssignal, das die gestalterische Klammer zur Polo-Familie herstellt.
Altiplano Ultimate Concept Tourbillon in Braun
PiagetAltiplano Ultimate Concept Tourbillon mit Zierstein
Das technisch anspruchsvollste Modell der W&W 2026 ist zugleich das teuerste: Das Modell Altiplano Ultimate Concept Tourbillon (Ref. PGG0A51540, 750.000 EUR) kombiniert das auf 2 mm Gesamthöhe ausgelegte Manufakturkaliber erstmals mit einem Steinzifferblatt.
Das 41,5 mm messende Gehäuse aus brauner Kobaltlegierung mit Roségold-Elementen baut gerade einmal 2 mm auf. Diese Bauhöhe ist das Ergebnis einer konstruktiven Grundsatzentscheidung: Das manuell aufzuziehende Manufakturkaliber 970P-UC ist nicht in ein klassisches Gehäuse eingesetzt, sondern mit ihm zur Einheit verschmolzen. Das Tourbillon arbeitet dabei sichtbar in dieser extremen Flachkonstruktion, die Wasserdichtigkeit beträgt immerhin und für diese Konstruktion beachtliche 2 atm.
Dass Piaget dieses Kaliber zur W&W 2026 erstmals mit einem Zifferblatt aus Tigerauge kombiniert, ist handwerklich der heikelste Schritt der gesamten Kollektion. Der Schmuckstein ist auf Bauteilen befestigt, die für das Uhrwerk funktional zentral sind. Ein Reinigungsprozess erfordert den Einsatz einer 0,15-mm-Nadel – der feinsten im Piaget-Repertoire – um Rückstände zu entfernen, ohne den Stein zu beschädigen. Das Tigerauge mit seinem charakteristischen Chatoyance-Effekt, dem seidigen Lichtschimmer, der sich beim Drehen der Uhr über die Oberfläche bewegt, ist dabei nicht nur dekorativ: Es verändert das Erscheinungsbild der Uhr je nach Lichteinfall grundlegend. Am Handgelenk ist das ein anderes Objekt als unter Studiobeleuchtung. Getragen wird die Uhr an einem polierten Mesh-Musterband aus braunem Kalbsleder mit Kevlar-Kern – eine konstruktive Antwort auf die Fragilität des Gesamtsystems: Das Band schützt, ohne optisch zu dominieren.
Neben der Tigerauge-Version bietet Piaget das Altiplano Ultimate Concept Tourbillon in einer Auswahl aus vier Gehäusefarben und vier Schmucksteinen (Tigerauge, blauer Sodalith, Jade, Onyx) – eine Personalisierungstiefe, die im Segment der Komplikationsuhren jenseits der 500.000-EUR-Marke durchaus üblich ist, bei Piaget aber direkt an den Style Selector der 1960er Jahre anknüpft.
Piaget Polo mit blauem Quarzstein
PiagetPiaget Polo mit Ziersteinzifferblatt
Die Piaget Polo (Ref. PGG0A51030, 70.500 EUR) greift das Stein-Zifferblatt-Prinzip auf Sportuhren-Ebene auf. Gegenüber der Polo 79 in Weißgold mit Sodalith positioniert sich dieses Modell im mittleren Luxussegment der Kollektion – Roségoldgehäuse, austauschbares Armband, Steinzifferblatt aus blauem Quartz. Angetrieben vom Manufakturkaliber 5001P. Es ist das Bindeglied zwischen der Polo 79 und den eher sportlich ausgerichteten Polo-Signature-Modellen ab 13.500 EUR. Die Spannbreite innerhalb der Polo-Familie allein – von 13.500 bis 102.000 EUR – zeigt, wie breit Piaget die Linie als Plattform auslegt.
Piaget Andy Warhol, Referenz G0A51246
PiagetAndy Warhol
Die Andy-Warhol-Modelle sind die expliziteste Hommage an Piagets Verbindung zur Kunstwelt der 1970er Jahre. Andy Warhol trug eine Piaget – das ist historisch dokumentiert und Teil der Markenerzählung. Die kissenförmigen Gehäuse mit Godronierungen spiegeln die symmetrischere, maskulinere Schwesterform zur Sixtie wider. Alle drei Andy-Warhol-Modelle teilen dasselbe kissenförmige 18K-Roségoldgehäuse im Format 45 x 43 mm mit 8,08 mm Bauhöhe und das Manufakturkaliber 501P1 (Automatik, wasserdicht bis 3 atm) – die Differenzierung erfolgt über Lünettengestaltung, Zifferblattmaterial und Besatzniveau.
Das Einstiegsmodell (Ref. G0A51246, 58.000 EUR) trägt eine Godronierungslünette und ein Zifferblatt aus blauem Quarz mit natürlicher Maserung. Die Version G0A51245 (60.500 EUR) wechselt zur „Clou de Paris"-Lünette – dem klassischen Nagelkopfmuster – und setzt auf ein rotbraunes Bullaugen-Zifferblatt mit Chatoyance-Effekt, das je nach Lichteinfall zwischen Kupfer- und Bronzetönen changiert. Beide gettragen am dunkelblauem Alligatorlederband. Deutlich abgesetzt ist das High-Jewellery-Modell (Ref. G0A51237): 45 mm Roségold, Godronierungslünette mit Baguette-Diamanten, Zifferblatt aus Bronzit – einem Eisensilikat mit metallartigem Glanz – und dunkelbraunem Alligatorlederband. Technisch identisch mit den anderen beiden, positioniert es sich durch den Diamantbesatz klar im Schmuckuhren-Segment und adressiert eine andere Käuferpersönlichkeit als die Standardvarianten.
Piaget Swinging Pebbles
PiagetSwinging Pebbles
Die Swinging Pebbles sind konzeptionell die ungewöhnlichsten Objekte des W&W-2026-Portfolios von Piaget – und die direkteste Referenz an Piagets Archiv der frühen 1970er Jahre. Jede der drei Uhren ist vollständig aus einem einzigen Schmuckstein gearbeitet: Die Scheibe wird ausgehöhlt, um das Quarzwerk355P (Stunden und Minuten, 3 atm) aufzunehmen, und anschließend geschlossen, sodass ein glatter, organischer Kiesel entsteht. Das Gehäuse im klassischen Sinne existiert nicht – der Stein ist Gehäuse und Zifferblatt zugleich. Durchmesser jeweils 21,5 mm, getragen an einer handgefertigten, gedrehten Goldkette. Die drei Steine: grasgrüner Verdite an Roségoldkette (Ref. G0A51408), Pietersit mit seinem typischen chatoyanten Farbenspiel von Blau über Braun bis Gold an Weißgold mit Diamantbesatz (Ref. G0A51409) sowie das klassischere Tigerauge an Gelbgoldkette (Ref. G0A51410). Preis auf Anfrage.
High Jewellery: Sixtie Cuff und Cuff Watch
Zwei weitere Modelle markieren die Grenze zwischen Uhr und Schmuck, an der Piaget seit den 1960ern arbeitet. Die Sixtie High Jewellery Cuff Watch (Ref. G0A51350) übersetzt die Trapezform der Sixtie in eine Manschettenuhr aus 18K Roségold mit Opalzifferblatt. Das Gehäuse im Format 26 x 24 mm trägt den „Décor Palace"-Handgravur und Diamantbesatz; das Armband ist ein articuliertes Goldgliederband, das sich dem Handgelenk anschmiegt. Angetrieben wird sie von einem Manufaktur-Quarzwerk. Die Manschettenuhr ist die direkteste Brücke zu Piagets Haute-Joaillerie-Erbe der 1970er – die Sixtie-Form funktioniert in dieser Umsetzung als Schmuckstück, dem eine Uhr innewohnt, nicht umgekehrt. Die Cuff Watch (Ref. G0A51258) geht noch weiter: Hier ist das Gehäuse in ein gedrehtes Goldmesh-Band mit Diamanten eingearbeitet, das Zifferblatt aus Türkis – ein Material, das Piaget bereits in den frühen Steinzifferblatt-Kollektionen der 1960er einsetzte. Kaliber 355P, Roségold, 3 atm. Form und Funktion sind bei diesem Stück nahezu untrennbar; wer es trägt, trägt zuerst Schmuck.
Strategie und Positionierung
Piagets Strategie zur W&W 2026 lässt sich als Verdichtung lesen, nicht als Ausweitung. Statt neuer Referenzfamilien werden bestehende Uhren in Farbe, Material und Armband-Konfiguration ausgebaut. Das reduziert Entwicklungsrisiken und stärkt die Wiedererkennbarkeit – gerade in einem Marktumfeld, in dem Kollektionskonsistenz als Vertrauenssignal wirkt. Die Godronierung als Kollektion verbindendes Designelement fungiert als visuelle Klammer zwischen Polo und Sixtie, zwischen Herrenuhren und Damenuhren, zwischen sportlich-casual und schmuckorientiert. Dass Piaget dieses Detail nun explizit als Erbe kommuniziert – der Titel des Polo-Signature-Presskits lautet „Godronierung als Erbe" – zeigt, wie bewusst die Maison diese Linie zieht.
Was auffällt: Mit Sodalith als Zifferblattstein und dem Quarz-Zifferblatt in der Sixtie setzt Piaget konsequent auf Einzigartigkeit durch Naturvariation – jedes Exemplar unterscheidet sich in seiner Steinzeichnung. Das ist eine inhärente Form der Personalisierung, ohne die operative Komplexität eines konfigurierbaren Auftragssystems. Clever kalkuliert. Die Frage, ob Piaget mit diesen Schritten das Momentum der Polo-Linie im sportlich-luxuriösen Segment (Referenzen: Patek Nautilus, AP Royal Oak, Vacheron Overseas) stärken kann, bleibt offen. Die Polo ist ästhetisch eigenständig genug. Was fehlt, ist die kulturelle Durchsetzungskraft, die ihre Konkurrentinnen durch Jahrzehnte Präsenz in der Sammlergemeinschaft gewonnen haben. Die konsequente Pflege des Markenerbes, wie Piaget sie 2026 betreibt, ist dabei ein richtiger Schritt.