Bell & Ross BR-X3 Micro-Rotor: Wenn das Gehäuse zum Werkträger wird
Bell & Ross hat seit der Einführung des Modells BR-01 im Jahr 2005 konsequent auf das Quadrat als gestalterisches Leitmotiv gesetzt. Mit der BR-X3-Linie, die 2025 mit dem Tourbillon Micro-Rotor ihren Einstand gab, schlägt die Marke nun ein anderes Kapitel auf: nicht mehr nur das Quadrat als Formzitat, sondern als konstruktives Prinzip.
Die 2026 vorgestellte BR-X3 Micro-Rotor, limitiert auf 99 Exemplare, ist die zugänglichere Variante dieser Philosophie. Zugänglich nicht im Sinne von kompromissbehaftet, sondern im Sinne von reduziert: kein Tourbillon, dafür ein konsequenterer Fokus auf Architektur.
Gehäuse und Werk als Einheit
Was die BR-X3 Micro-Rotor technisch von konventionellen Uhren unterscheidet, ist ihre konstruktive Grundentscheidung: Das 40-mm-Gehäuse aus Stahl übernimmt die Funktion der Werkplatine. Brücken und Mittelgehäuse bilden einen gemeinsamen Block, der nach oben und unten von je einem Saphirglas abgeschlossen wird. Das Ergebnis sind drei Bauteile insgesamt: Stahlblock sowie oberes und unteres Saphirglas. Für eine Manufakturuhr ist das eine ungewöhnlich klare Konstruktionslogik. Diese Entscheidung hat unmittelbare Konsequenzen für die Ablesebarkeit des Werks. Ein skelettiertes, teiloffenes Zifferblatt gibt den Blick auf das Uhrwerk frei, von vorn wie von hinten. Die Brücken verlaufen horizontal und vertikal, ihr Raster erinnert nicht zufällig an Mondrian, wie Bruno Belamich, Creative Director bei Bell & Ross, selbst auf Charlotte Perriand und Piet Mondrian als Referenzen verweist. Tatsächlich folgt die Anordnung der Brücken einem grafischen Kompositionsprinzip, das über reine Funktionalität hinausgeht.
Bell & Ross BR-X3 Micro-Rotor
Bell & RossKaliber BR-CAL.390: Flachheit durch Micro-Rotor
Im Zentrum arbeitet das Manufakturkaliber BR-CAL.390 mit Automatikaufzug über Micro-Rotor. Die Entscheidung für einen Micro-Rotor ist technisch begründet: Anders als ein konventioneller Zentralrotor, der auf dem Werk aufliegt und damit dessen Gesamtbauhöhe vergrößert, ist der Micro-Rotor integriert. Das ermöglicht eine Gesamtgehäusehöhe von 9 mm bei 40 mm Breite. Weitere technischen Eckdaten: 48 Stunden Gangreserve, Wasserdichtigkeit bis 50 Meter. Die Zeitanzeige ist auf Stunden und Minuten beschränkt, es gibt keinen Sekundenzeiger. Die laufende Unruh ersetzt die Sekunden visuell. Die Zeiger sind rhodiniert und mit weißer Superluminova BGW9 gefüllt, was nachts eine blaue Leuchtfarbe ergibt. Eine funktionale Entscheidung, die zum instrumentalen Charakter der Uhr passt.
Monochromer Stahl ohne Ausweichmanöver
Die Oberflächen des BR-X3 Micro-Rotor sind durchgängig in Stahl gehalten, rhodiniert, satiniert, mikrogestrahlt und stellenweise poliert. Das gibt dem Werk eine visuelle Kohärenz, die konsequent durchgehalten wird. Jede Fläche reflektiert Licht anders, was dem skelettartigen Aufbau eine gewisse Tiefe verleiht, ohne auf Farbakzente angewiesen zu sein. Das Armband aus grauem Kalbsleder mit Kroko-Optik und Faltschließe aus poliertem und satiniertem Stahl setzt diesen Monochromismus fort.
Wo steht die BR-X3 Micro-Rotor im Markt? Bell & Ross positioniert sich mit der BR-X3-Linie im Segment der konzeptuellen Haute Horlogerie. Die Marke hat in den vergangenen Jahren konsequent an Manufakturkompetenz gearbeitet und tritt nun mit einer konstruktiv eigenständigen Lösung an, die sich deutlich von den gängigen Skelettierungsansätzen unterscheidet. 99 Exemplare ist eine Stückzahl, die Sammlerstatus nahelegt, aber keine Unerreichbarkeit inszeniert. Der Preis liegt bei 22.000 Euro.
Technische Daten
Referenz: BRX3M-MR-ST/SCA
Kaliber: BR-CAL.390, Automatikaufzug mit Micro-Rotor | 48 Stunden Gangreserve
Gehäuse: Stahl, 40 mm Breite, 9 mm Höhe | Wasserdichtigkeit: 50 m
Zifferblatt: skelettiert, rhodiniert, mikrogestrahlt
Zeiger: rhodiniert, Superluminova X1 BGW9
Armband: graues Kalbsleder in Krokodiloptik | Faltschließe aus Stahl
Limitierung: 99 Stück | 5 Jahre Garantie