Micro Monday: Buci – Nouvelle
Buci Paris verbindet französische Uhrmacherei mit einer ungewöhnlichen Inspirationsquelle: Literatur und Poesie. Gründerin Nousseima wuchs in der Franche-Comté auf, einer Region mit langer Uhrmachertradition nahe der Schweizer Grenze. Aus dieser frühen Nähe zur Mechanik und ihrer persönlichen Leidenschaft für Sprache entstand die Idee, beide Welten in einer eigenen Marke zusammenzuführen. Der Name Buci verweist auf die Rue de Buci im Pariser Viertel Saint-Germain-des-Prés, das über Jahrzehnte Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle anzog. Diese kulturelle Atmosphäre prägt die Identität der Marke ebenso wie die französische Herkunft ihrer Uhren. Buci versteht Zeitmessung dabei nicht allein als technische Disziplin, sondern als emotionales und erzählerisches Thema. Der Start des Unternehmens erfolgte 2022 über eine Crowdfunding-Kampagne. 106 Unterstützer ermöglichten die Produktion der ersten 300 nummerierten Automatikuhren. Deren Entwicklung waren drei Jahre Arbeit vorausgegangen. Ein charakteristisches Element von Buci sind die austauschbaren Lederarmbänder, die in Frankreich von Hand gefertigt und mit poetischen Botschaften graviert werden. Für die erste Kollektion arbeitete die Marke zudem mit Künstlerinnen aus einem eigenen Poesiewettbewerb zusammen.
Buci – Nouvelle
Buci#Nouvelle
Während sich viele mechanische Uhren an großen historischen Ereignissen orientieren, stellt die neue Nouvelle bewusst die unscheinbaren Augenblicke des Alltags in den Mittelpunkt. Ein gemeinsamer Kaffee, einige handgeschriebene Zeilen oder ein Lichtstrahl in einem Raum werden in der Markenphilosophie zu jenen kleinen Momenten, aus denen sich eine Lebensgeschichte zusammensetzt. Das uhrmacherische Symbol dafür ist die kleine Sekunde. Sie sitzt bei neun Uhr und bewegt sich kontinuierlich über das Zifferblatt. Das könnte leicht ins allzu Poetische abgleiten. Interessanter ist deshalb, wie konsequent Buci die Idee tatsächlich in konkrete Gestaltungsdetails übersetzt.
Buci – Nouvelle
BuciZifferblatt wie Papier
Besonders auffällig sind zunächst die arabischen Ziffern. Sie stammen nicht aus einer vorhandenen Schriftart, sondern wurden von einem Pariser Kalligrafen von Hand gezeichnet. Ihre Proportionen variieren bewusst, und statt streng kreisförmig angeordnet zu sein, bilden sie eine leicht sichelförmige Komposition. Dadurch erhält das Zifferblatt eine gewisse Unregelmäßigkeit, ohne unruhig zu wirken. Auch seine Oberfläche folgt dem literarischen Thema. Die feine Struktur soll an Löschpapier erinnern. Diese Textur gehört bereits zu den wiederkehrenden Gestaltungselementen von Buci. Noch raffinierter ist die Idee hinter Stunden- und Minutenzeiger. Beide besitzen unterschiedliche Formen, ergänzen sich aber einmal pro Stunde beim Übereinanderliegen zur Silhouette einer Füllfederspitze.
Essentiel und Contemplation
Zum Auftakt erscheinen zwei Varianten, die sich vor allem über ihre Zifferblattfarben unterscheiden. Die Nouvelle Essentiel erhält ein helles, warm wirkendes Zifferblatt. Buci beschreibt dessen Farbgebung und Textur als von gealtertem Papier inspiriert. Blaue Ziffern bilden dazu einen deutlichen Kontrast. Die Nouvelle Contemplation kehrt die Wirkung nahezu um. Ihr tiefblaues Zifferblatt soll an die ruhigen Stunden der Nacht erinnern, während die hellen Ziffern stärker hervortreten. Bei beiden Ausführungen sind Ziffern und Zeiger mit Superluminova versehen.
Buci – Nouvelle
Buci36 Millimeter und eine ungewöhnliche Lünette
Die Nouvelle misst 36 Millimeter im Durchmesser und lediglich 9,88 Millimeter in der Höhe. Der Abstand der Bandanstöße beträgt 46 Millimeter, die Bandbreite 18 Millimeter. Das Edelstahlgehäuse kombiniert polierte und satinierte Oberflächen. Besonders charakteristisch ist die bereits von früheren Buci-Referenzen bekannte konkave ovale Lünette. Für die Nouvelle wurde ihre elliptische Form stärker herausgearbeitet und fließender mit den Bandanstößen verbunden. Dadurch wirkt die Uhr aus der Frontalansicht nicht vollständig rund. Auch die Gehäuseflanke spielt mit dem übergeordneten Thema: Ihre Riffelung ist von den übereinanderliegenden Seitenkanten eines Buches inspiriert. Über dem Zifferblatt sitzt ein gewölbtes und eingelassenes, entspiegeltes Saphirglas. Die Wasserdichtigkeit beträgt fünf Bar.
Sellita SW290 mit Handaufzug
Durch einen Sichtboden kann das Sellita SW290 mit Handaufzug bestaunt werden, dessen Architektur zugleich die kleine Sekunde bei neun Uhr ermöglicht. Das Schweizer Kaliber besitzt 31 Lagersteine und arbeitet mit zeitgemäßen 28.800 Halbschwingungen pro Stunde. Mit 38 Stunden fällt die Gangreserve nach heutigen Maßstäben jedoch nicht besonders üppig aus.
Buci – Nouvelle
BuciVier Armbänder zur Wahl
Für beide Zifferblattvarianten stehen vier Lederbänder zur Verfügung: genarbtes Kalbsleder in Creme oder Blau, glattes braunes Kalbsleder sowie graues Nubukleder. Die Bänder messen 18 Millimeter am Gehäuse und verjüngen sich auf 16 Millimeter an der Dornschließe. Schnellwechselstege ermöglichen den Austausch ohne Werkzeug.
300 Exemplare zum Start
Die Einführung der Nouvelle erfolgt zunächst über Kickstarter. Die Launch Edition ist auf 300 individuell nummerierte Exemplare begrenzt. Während der reguläre Verkaufspreis 1.850 Euro beträgt, wird die Uhr während der Kickstarter-Kampagne zum Einführungspreis von 1.550 Euro angeboten.
Buci – Nouvelle
BuciFazit
Mit der Nouvelle zeigt Buci, wie eine junge Marke auch ohne spektakuläre Komplikationen oder konstruierte historische Bezüge eine erkennbare Identität entwickeln kann. Technisch bleibt die Uhr mit dem Sellita SW290 bewusst konventionell. 38 Stunden Gangreserve und 50 Meter Wasserdichtigkeit setzen ebenfalls keine Rekorde. Der Reiz liegt an anderer Stelle. 36 Millimeter Durchmesser, weniger als zehn Millimeter Höhe, Handaufzug und kleine Sekunde ergeben zunächst eine erfreulich klassische Basis. Eigenständig wird die Nouvelle durch die Details: handgezeichnete Ziffern, die asymmetrische Anordnung der Typografie, das an Löschpapier erinnernde Zifferblatt, die von Buchseiten inspirierte Gehäuseflanke und vor allem die beiden Zeiger, die sich einmal pro Stunde zu einer Füllfederspitze ergänzen. Die Geschichte wird damit nicht nachträglich um eine fertige Uhr herum erzählt, sondern ist im Produkt selbst erkennbar. Auch die beiden Varianten wirken dabei unterschiedlich genug, ohne das Konzept zu verwässern. Für regulär 1.850 Euro trifft die Nouvelle auf erhebliche Konkurrenz. Wer vor allem möglichst viel Uhrwerk oder technische Ausstattung für sein Geld sucht, wird andernorts mehr finden. Wer dagegen Wert auf eigenständiges Design, kompakte Proportionen und eine ungewöhnliche gestalterische Idee legt, dürfte Buci genauer ansehen wollen.
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