Micro Monday: Voxel – Meridion
Französisches Design trifft Schweizer Mikromechanik
Voxel ist eine junge unabhängige Uhrenmarke, die französische Gestaltung mit Schweizer Uhrmacherei verbindet. Ihre Geschichte begann 2022 mit der Idee, mechanische Uhren aus einer zeitgenössischen Perspektive heraus zu entwickeln. Hinter dem Projekt stehen Thibault Luc und Bruno Herbet, deren unterschiedliche berufliche Hintergründe zugleich das Fundament des Unternehmens bilden: kreative und unternehmerische Erfahrung auf der einen, mikromechanisches Know-how auf der anderen Seite. Als Creative Director prägt Thibault Luc die gestalterische Ausrichtung von Voxel. Bereits 2012 gründete er mit Aight eine eigene Uhrenmarke und realisierte dort verschiedene künstlerische Kooperationen, darunter eine Kollektion mit dem Centre Pompidou in Paris. Bruno Herbet wurde hingegen als Mikrotechniker im Vallée de Joux ausgebildet und verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Konstruktion, Prototypenfertigung und Industrialisierung mechanischer Uhrwerke. Als Technical Director begleitet er die technische Umsetzung von der ersten Konstruktion bis zur Produktion. Bemerkenswert ist die vergleichsweise lange Entwicklungsphase vor dem eigentlichen Marktstart. Seit 2022 arbeitete Voxel am grundlegenden Konzept, bevor 2023 insbesondere die Entwicklung eines eigenen Sprungstundensystems in den Mittelpunkt rückte. 2025 konzentrierte sich das Team auf Gehäusearchitektur und Proportionen sowie darauf, die Konstruktion zur Serienreife zu führen. Erst dieses Jahr folgte mit der Edition 01 der Meridion das erste Modell der Marke. Die Uhren werden in Frankreich gestaltet und tragen die Bezeichnung „Swiss Made“. Proprietäre Komplikationen sollen dabei langfristig zu einem wesentlichen Bestandteil der Identität von Voxel werden.
Voxel – Meridion
Voxel#Meridion
Mit einer klassischen Dreizeigeruhr auf den Markt zu kommen, wäre vermutlich der einfachere Weg gewesen. Voxel entschied sich jedoch ganz bewusst für das Gegenteil. Die Meridion zeigt auf den ersten Blick Stunden, Minuten und Sekunden. Doch innerhalb von 24 Stunden verändert sich das Erscheinungsbild ihres Zifferblatts zweimal grundlegend: Um Punkt 13 Uhr springen sämtliche Stundenanzeigen gleichzeitig um und ersetzen die gewohnte Zwölf-Stunden-Skala durch eine 24-Stunden-Anzeige. Aus 1 wird 13, aus 2 wird 14 und so weiter. Um 1 Uhr nachts erfolgt der umgekehrte Vorgang. Damit möchte Voxel ein Problem lösen, das eigentlich keines zu sein scheint: Eine herkömmliche analoge Uhr unterscheidet nicht zwischen Vormittag und Nachmittag. Die Meridion tut es, allerdings ohne die Hilfe eines zusätzlichen Zeigers oder einer zweiten Skala.
Zwölf Stunden am Vormittag, 24 Stunden am Nachmittag
Das Unternehmen bezeichnet die Konstruktion als proprietäres 12/24-Stunden-Sprungsystem. Vier Jahre Entwicklungsarbeit sollen in der Komplikation stecken. Das Prinzip ist ungewöhnlich einfach abzulesen und lässt unmittelbar erkennen, in welcher Hälfte des Tages man sich befindet. Anders als bei einer klassischen 24-Stunden-Uhr muss sich der Träger zudem nicht an eine vollkommen neue Position der Stunden gewöhnen. Darin liegt der Reiz der Konstruktion. Voxel verändert nicht die Art der Zeitdarstellung, sondern lediglich die Information, die an den vertrauten Positionen erscheint.
Voxel – Meridion
VoxelEin Zifferblatt mit zwei Gesichtern
Bei der hier vorgestellten Meridion Silver Star ist die wechselnde Stundenanzeige um ein silberfarbenes Zentrum platziert. Unterschiedliche Oberflächenbearbeitungen wie Körnung und kreisförmiger Sonnenschliff erzeugen je nach Lichteinfall unterschiedliche Tiefenwirkungen. Ein blauer zentraler Zeiger setzt zudem einen gezielten Farbakzent.
Zehn Seiten statt rundem Gehäuse
Eigenständig fällt auch die äußere Architektur aus. Das 41,4 Millimeter große Gehäuse verfügt über zehn Seiten und ist von einem Kompass inspiriert. Von Bandanstoß zu Bandanstoß misst der Zeitmesser 45,5 Millimeter. Als Werkstoff für den Korpus dient der besonders korrosionsbeständige 904L-Edelstahl. Ergänzt wird er durch einen Gehäuseboden aus Titan Grade 5. Über dem Zifferblatt sitzt ein gewölbtes, entspiegeltes Saphirglas. Mit einer Wasserdichtigkeit von 120 Metern eignet sich die Meridion zudem ausgezeichnet für den Alltag.
Voxel – Meridion
VoxelDer „Reactor“ umschließt das Uhrwerk
Auch auf der Rückseite versucht das Unternehmen, eine eigenständige Designsprache zu etablieren. Dort befindet sich der sogenannte Reactor, eine strukturelle Platte, die das Uhrwerk vollständig umschließt. Sichtbar wird die Feinmechanik dank eines abgedunkelten Glasbodens. Unter dem eigenen 12/24-Stunden-Modul arbeitet das Schweizer Automatikkaliber Newton P092, das eine Gangreserve von 44 Stunden liefert.
Stahlband oder Alcantara in sechs Farben
Angeboten wird die Meridion entweder mit einem integrierten Edelstahlarmband oder einer Alcantara-Variante. Für Letztere stehen sechs Farben zur Verfügung: Dunkelblau, Hellblau, Schwarz, Khakigrün, Hellgrau und Hellbraun.
Voxel – Meridion
Voxel300 nummerierte Exemplare
Die ausgefallene Kreation entsteht als limitierte und einzeln nummerierte Edition von 300 Exemplaren. Ihr angegebener Preis beläuft sich auf 2.850 Euro vor Steuern.
Fazit
Mit der Meridion entscheidet sich Voxel für einen bemerkenswert ambitionierten Einstieg. Denn die interessanteste Eigenschaft der Uhr ist eine Komplikation, die im Grunde niemand braucht. Aber nach derselben Logik bräuchte es vermutlich auch einen Großteil faszinierender mechanischer Komplikationen nicht. Entscheidend ist deshalb die Frage, ob es sich um eine Funktion handelt, die einen eigenen Charakter besitzt? Bei dieser Referenz lautet die Antwort eindeutig ja. Vor allem der simultane Sprung aller zwölf Anzeigen macht aus einer eigentlich simplen Idee ein kleines mechanisches Schauspiel, das man wahrscheinlich zumindest anfangs kurz vor 13 Uhr ganz bewusst beobachten wird.
Voxel – Meridion
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