Neue Uhren mit Steinzifferblatt von Chronoswiss, Gerald Charles und Venezianico
Uhren mit Steinzifferblättern haben gerade Hochkonjunktur. Kein Wunder: Schmuck- oder Ziersteine gehören zu jenen Details, die das Gesicht einer Uhr nachhaltig prägen und sie von anderen Modellen deutlich absetzen. Anders als Lack, Sonnenschliff oder galvanische Farben bringen sie keine reproduzierbare Oberfläche hervor, sondern ein Stück Natur: Maserungen, Einschlüsse, Adern und Farbübergänge fallen bei jedem Blatt anders aus. Drei aktuelle Neuheiten zeigen, wie breit das Thema heute gespielt wird: Venezianico setzt bei der Nereide Tigris auf Tigerauge, Chronoswiss kombiniert Jaspis und Serpentin, Gerald Charles bestückt eine Maestro 2.0 Ultra-Thin Asia Edition mit einem Jade-Zifferblatt.
Venezianico: Nereide Tigris
VenezianicoVenezianico: Tigerauge auf der Taucheruhr
Bei Venezianico steht das Steinzifferblatt im Zusammenhang mit der Geschichte Venedigs als Handelsmetropole. Die Nereide Tigris greift die alten Routen zwischen Indien, dem Orient und der Lagunenstadt auf – jene Wege, über die über Jahrhunderte Edelsteine, Gewürze und kostbare Materialien nach Europa gelangten. Der Name verbindet zwei Ebenen: „Tigris“ verweist auf das Tigerauge, „Nereide“ auf das gleichnamige U-Boot, das im königlichen Arsenal von Venedig gebaut wurde.
Das Zifferblatt besteht aus natürlichem Tigerauge. Der Quarzstein ist für seine faserige Struktur bekannt, die den sogenannten Chatoyance-Effekt erzeugt: Je nach Lichteinfall scheinen goldene, bernsteinfarbene und braune Bänder über die Oberfläche zu wandern. Für das Zifferblatt wird der Stein auf 0,4 mm Stärke gebracht und auf eine Messingbasis gesetzt. Da Faserverlauf und Maserung nie identisch sind, wird jede Uhr zum Unikat.
Technisch bleibt die Nereide Tigris eine sportliche Taucheruhr. Das 42-mm-Gehäuse aus satiniertem Edelstahl ist 12,5 mm hoch und misst von Horn zu Horn 49 mm. Die einseitig drehbare Lünette besitzt einen Einsatz aus poliertem Wolframcarbid, der eine Härte von 9 auf der Mohs-Skala erreicht. Ähnlich widerstandsfähig ist das Deckglas aus Saphirkristall. Die bis 200 m wasserdichte Uhr vertraut im Innern auf das bewährte Sellita-Automatikkaliber SW200-1, für eine gute Ablesbarkeit über wie unter Wasser sorgt Superluminova BGW9. Getragen wird die Uhr am fünfgliedrigen Sansovino-Band mit integrierter Feinverstellung. Der Preis liegt bei 1.295 Euro.
Chronoswiss: Small Second Stone – Jasper und Serpentine
ChronoswissChronoswiss: Jaspis und Serpentin
Chronoswiss verwendet mit der Small Second Stone Collection erstmals Naturstein-Zifferblätter. Die Kollektion besteht aus zwei Varianten, die die Geschichte der Marke geografisch erzählen sollen. Die Small Second Jasper trägt ein Zifferblatt aus deutschem Jaspis und verweist damit auf die Herkunft von Chronoswiss, gegründet 1983 von Gerd-Rüdiger Lang in München. Die Small Second Serpentine nutzt Schweizer Serpentin aus der Region um Zermatt und das Matterhorn – ein Hinweis auf die heutige kreative Heimat der Marke in Luzern.
Der Jaspis zeigt warme Beige-, Braun- und Elfenbeintöne, ein Stein mit vielfältigen Farben und Strukturen. Die Serpentine-Version arbeitet dagegen mit einem intensiv grünen Naturstein, dessen Muster an eine Schlangenhaut erinnert. Je nach Schnitt treten andere Adern, Texturen und Farbschattierungen hervor. Auch hier gleicht kein Zifferblatt dem anderen.
Beide Modelle basieren auf der 40 mm großen Small Second, die eine Gesamthöhe von 11,5 mm aufweist. Typisch Chronoswiss sind die polierte geriffelte Lünette, die Zwiebelkrone, das gewölbte Saphirglas und die verschraubten Bandanstöße. Die Jasper-Version kommt im Edelstahlgehäuse, die Serpentine-Variante in einem Bicolor-Gehäuse aus Edelstahl und 18 Karat Rotgold. Bei 9 Uhr sitzt die kleine Sekunde. Ihr Hilfszifferblatt von Hand guillochiert: bei der Serpentine mit einer fein sandgestrahlten galvanischen Rotgold-Beschichtung, beim Jaspis mit schwarzer Beschichtung.
Im Inneren arbeitet das Chronoswiss-Automatikkaliber C.6000 mit 55 Stunden Gangreserve, das Chronoswiss zusammen mit La Joux-Perret entwickelt hat. Es zeigt sich durch den Saphirglasboden mit einem skelettierten Rotor aus Wolfram sowie mit Ruthenium-beschichteten Brücken und Genfer Streifen. Beide Varianten sind auf je 50 Exemplare limitiert.
Jade-Zifferblatt: Gerald Charles Maestro 2.0 Ultra Thin Asia Edition
Gerald CharlesGerald Charles: Jade für Asien
Die dritte Uhr führt das Thema in eine andere Richtung. Die Gerald Charles Maestro 2.0 Ultra-Thin Asia Edition ist eine auf 80 Exemplare limitierte Sonderedition für den asiatischen Markt. Ihr Zifferblatt besteht aus Jade – einem Material, das in vielen asiatischen Kulturen eine symbolische Bedeutung besitzt und für Werte und Zustände wie Wohlstand, Harmonie, Schutz und Tugend steht. Technisch anspruchsvoll ist hier vor allem die Form. Jade gilt als hart, spröde und schwer zu bearbeiten. Für die Maestro muss der Stein nicht nur auf 0,4 mm gebracht, sondern auch in die charakteristische, asymmetrische Gehäuseform nach einem Entwurf von Gérald Genta eingepasst werden. Gerald Charles verzichtet auf Indexe und Ziffern; nur das Logo und das „Swiss Made“-Signet sind in Schwarz aufgedruckt. Dadurch bleibt die Jadefläche fast unbeeinträchtigt.
Das Edelstahlgehäuse misst 39 mal 41,7 mm und ist rund 9 mm flach. Im Inneren arbeitet das Automatikkaliber GCA2000 mit 50 Stunden Gangreserve, das Vaucher für Gerald Charles fertigt. Die Uhr ist bis 100 Meter wasserdicht und wird an einem weißen Kautschukband mit Clous-de-Paris-Motiv getragen. Der Preis bewegt sich um die 25.000 Euro.
Gemeinsam zeigen diese drei Neuheiten, warum Steinzifferblätter wieder so attraktiv sind. Sie bringen Farbe, Materialität und Unwiederholbarkeit auf das Handgelenk – und funktionieren in sehr unterschiedlichen Kontexten: als Diver, als unabhängige Dresswatch und als ultraflache Designuhr.