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Lesedauer 7 Min.

Aktueller Uhrentrend: Steinzifferblätter

Malachit, Lapislazuli, Amethyst oder Tigerauge: Steinzifferblätter machen jede Uhr zum Unikat. Diese sieben Modelle zeigen, wie vielseitig der Trend ist.
Zenith: G.F.J. Yellow Gold Bloodstone mit Heliotrop-Zifferblatt

Zenith: G.F.J. Yellow Gold Bloodstone mit Heliotrop-Zifferblatt

© Zenith

Steinzifferblätter gehören zu den faszinierendsten Spielarten der Uhrmacherei. Anders als lackierte, galvanisierte oder guillochierte Blätter folgen sie keiner vollständig kontrollierbaren Gestaltungsidee, sondern bringen ihre eigene Zeichnung mit: Adern, Einschlüsse, Farbschichten, Brüche und Reflexe, die über Millionen Jahre entstanden sind. Genau darin liegt ihr besonderer Reiz. Kein Blatt gleicht dem anderen, jede Uhr wird durch das natürliche Material zum Einzelstück.

Dass das Thema derzeit wieder so präsent ist, passt zu mehreren Entwicklungen in der Uhrenwelt. Zum einen suchen Marken verstärkt nach Ausdrucksformen jenseits klassischer Farben und Oberflächen. Nach Jahren, in denen Grün-, Blau- oder Lachs-Töne die Zifferblätter dominierten, bieten Materialien wie Malachit, Lapislazuli, Tigerauge, Amethyst oder Türkis eine neue Tiefe und Unregelmäßigkeit. Zum anderen wächst das Interesse an handwerklich anspruchsvollen Details, die auch auf den ersten Blick sichtbar sind. Ein Steinzifferblatt erzählt sofort von Material, Bearbeitung und Individualität.

Mehr zu Geschichte und Gegenwart von Uhren mit Steinzifferblättern finden Sie hier.

Zenith: G.F.J. Yellow Gold Bloodstone

Zenith: G.F.J. Yellow Gold Bloodstone mit Heliotrop-Zifferblatt

Zenith: G.F.J. Yellow Gold Bloodstone mit Heliotrop-Zifferblatt

© Zenith

Bei der neuen G.F.J. setzt Zenith auf ein Zifferblatt aus Heliotrop (englisch Bloodstone), auch Blutjaspis genannt. Der grünlich schimmernde Stein zeichnet sich aus durch rote Einschlüsse, die wie zufällig gesetzte Farbsprenkel wirken und jedes Blatt anders erscheinen lassen. Im Zusammenspiel mit dem Gelbgoldgehäuse entsteht ein warmer, fast mineralischer Kontrast: lebendig, tief und leicht archaisch. Zenith kombiniert die Steinscheibe mit eine groß dimensionierten kleinen Sekunde aus Perlmutt bei sechs Uhr und einem äußeren Ring mit einem Guilloché-Muster, das an die Backsteinfassade der Manufaktur in Le Locle erinnert. Die applizierten Indizes und facettierten Zeiger aus Gelbgold greifen die warme Farbigkeit auf und geben der natürlichen Zeichnung des Steins einen klassisch-eleganten Rahmen. Im Innern arbeitet das auf gemächliche 2,5 Hertz getaktete Manufakturkaliber 135, eine Reminiszenz an das gleichnamige historische Kaliber, mit dem Zenith einst mehrere Observatoriumswettbewerbe gewann. 

Ref. 30.1865.0135/56.C216 | Gelbgold, 39,15 mm | Kaliber Zenith 135, Handaufzug | COSC-Chronometer | 72 h Gangreserve | drei Bänder im Lieferumfang: Alligator beige Nubuk und grün, schwarzes Kalbsleder | limitiert auf 161 Exemplare | 54.000 Euro

Arnold & Son: HM Pietersite

Arnold & Son: HM Pietersite in Edelstahl

Arnold & Son: HM Pietersite in Edelstahl

© Arnold & Son

Bei der HM Pietersite macht Arnold & Son das Zifferblatt zum eigentlichen Ereignis. Pietersit ist eine Variante des Quarz-Edelsteins Chalcedon und wurde in den frühen 1960er-Jahren in Namibia entdeckt. Seine unruhig wirbelnden Strukturen aus Blau-, Grau- und Brauntönen erinnern an bewegte Wolkenformationen oder aufgewühlte See – ein Bild, das gut zur maritimen Geschichte der Marke und zu John Arnolds Verbindung mit der Navigation passt. Die Gestaltung der Uhr ist bewusst zurückgenommen: Die Zweizeigeruhr HM (hours and minutes) verzichtet auf einen Sekundenzeiger und setzt auf schlanke Stunden- und Minutenzeiger sowie kleine, applizierte Punktindizes. Nichts soll von der natürlichen Zeichnung des Steins ablenken. Gerade dadurch wirkt das Blatt besonders stark, denn jedes Exemplar zeigt eine andere Maserung und ist damit ein Unikat. In Rotgold erscheint der Pietersit wärmer und kontrastreicher, in Stahl kühler und noch stärker von seinen blaugrauen Nuancen geprägt.

Ref. 1LCDS.Z02A.C1506S | Edelstahl, 39,5 mm | Kaliber A&S1001, Handaufzug | 90 h Gangreserve | mattblaues Alligatorlederband mit Edelstahl-Dornschließe | limitiert auf 18 Exemplare (zusätzlich 8 Exemplare in Rotgold) | 16.200 CHF

Audemars Piguet: Royal Oak Malachite 41 mm

Audemars Piguet: Royal Oak Automatik 41 Gelbgold mit Malachitzifferblatt

Audemars Piguet: Royal Oak Automatik 41 Gelbgold mit Malachitzifferblatt

© Audemars Piguet

Die Royal Oak ist eigentlich untrennbar mit dem „Tapisserie“-Zifferblatt verbunden. Gerade deshalb wirkt die neue Malachit-Version so besonders: An die Stelle des geometrischen Reliefs tritt die natürliche Zeichnung eines Schmucksteins. Die grünen, wellenförmigen Bänder des Malachits verlaufen über das gesamte Blatt und bringen eine organische Bewegung in das einst von Gérald Genta entwickelte streng architektonische Design. Audemars Piguet kombiniert den Stein mit Gehäuse, Zeigern, Indexen und integriertem Band aus Gelbgold. Dadurch entsteht ein kräftiger Kontrast zwischen der kühlen, fast landschaftlichen Maserung des Malachits und der warmen Präsenz des Edelmetalls. Weil jeder Stein anders gewachsen ist, gleicht kein Zifferblatt dem anderen. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt die 37-Millimeter-Version, als Bad Bunny sie bei der Super-Bowl-Halbzeitshow 2026 trug

Ref. 15513BA.OO.1320BA.01 | Gelbgold, 41 mm | Kaliber 4309, Automatik | 70 h Gangreserve | Gelbgold-Gliederband mit Dreifachfaltschließe | 76.300 Euro

Louis Vuitton: Escale Tiger’s Eye

Louis Vuitton: Escale Tiger’s Eye

Louis Vuitton: Escale Tiger’s Eye

© Louis Vuitton

Louis Vuitton geht bei der Escale Tiger’s Eye einen Schritt weiter als viele andere Uhren mit Steinzifferblatt: Tigerauge prägt hier nicht nur das Blatt, sondern auch den Mittelteil des Gehäuses. Das Mineral mit seinen faserigen, goldbraunen Bändern entfaltet je nach Lichteinfall den typischen Katzenaugeneffekt – ein warmes, wanderndes Schimmern zwischen Ocker, Bronze und Siena. Auf dem Zifferblatt wird das Tigerauge von einer satinierten goldfarbenen Minuterie, polierten Punktmarkierungen und vier vernieteten goldenen Stundenmarkern gerahmt. Diese Elemente greifen die Kofferbeschläge auf, von denen die Escale-Gehäusearchitektur inspiriert ist. Besonders aufwendig ist der monolithische Gehäusering aus Tigerauge, der bei La Fabrique des Boîtiers geschnitten, gefräst und poliert wird. Da Farbe, Faserverlauf und Lichtspiel bei jedem Stein anders ausfallen, ist jede der 30 Uhren ein Unikat. Das Automatikkaliber LFT023 mit einem Mikrorotor aus 22-karätigem Rotgold ist vom Genfer Observatorium als Chronometer zertifiziert.

Ref. W3YG21 | Gelbgold mit monolithischem Mittelteil aus Tigerauge, 40 mm | Kaliber LFT023, Automatik | Chronometer | 50 h Gangreserve | savannabraunes Saffiano-Kalbslederband mit Gelbgold-Dornschließe | limitiert auf 30 Exemplare | 55.000 Euro

Czapek: Antarctique Mount Erebus mit Lapislazuli-Zifferblatt

Czapek: Antarctique Mount Erebus mit Lapislazuli-Zifferblatt

Czapek: Antarctique Mount Erebus mit Lapislazuli-Zifferblatt

© Czapek

Bei der Antarctique Mount Erebus Lapis Lazuli verbindet Czapek die sportlich-elegante Form seiner integrierten Luxus-Sportuhr mit einem der klassischen Schmucksteine der Uhrmacherei. Das Zifferblatt besteht aus tiefblauem Lapislazuli, dessen Farbe von intensivem Blau bis zu dunkleren, nachtblauen Partien reicht. Goldfarbene Pyrit-Einschlüsse und feine weiße Calcitadern durchziehen den Stein und machen jedes Blatt zu einem eigenen kleinen Naturbild. In Kombination mit dem warmen Roségoldgehäuse wirkt der Lapislazuli besonders leuchtend: Die goldenen Partikel im Stein greifen den Ton des Gehäuses auf, während die kühlen Blaunuancen einen starken Kontrast bilden. Czapek setzt das Material bewusst zurückhaltend in Szene – mit applizierten Indizes, skelettierten Zeigern und einer klaren Minuterie, die die natürliche Zeichnung nicht überlagern. Der Name Mount Erebus verweist auf den aktiven Vulkan in der Antarktis, der mikroskopisch kleine Goldpartikel freisetzen soll. Neben der Lapislazuli-Version gibt es eine vergleichbare Antarctique mit Falkenauge-Zifferblatt.

Ref. 7427 | Roségold, 40,5 mm | Kaliber SXH5.01, Automatik | 60 h Gangreserve | integriertes Roségoldarmband mit Easy-Release-System | 66.000 CHF zzgl. Steuern

Heinrich: Helicoprion Amethyst

Heinrich: Helicoprion Ametyhst

Heinrich: Helicoprion Ametyhst

© Heinrich Watch

Die Stuttgarter Marke Heinrich bringt das Thema Steinzifferblatt in eine deutlich zugänglichere Preisklasse. Statt Edelmetall und Haute Horlogerie setzt Markengründer und -inhaber Wolfgang Heinrich bei der Helicoprion Amethyst auf eine sportlich-robuste Edelstahluhr mit echtem Amethystblatt. Der tiefviolette Stein zeigt natürliche Einschlüsse und feine Risse, die nicht kaschiert werden, sondern seine Echtheit betonen. Damit wirkt jedes Zifferblatt anders – weniger perfekt im dekorativen Sinn, dafür unmittelbar als Naturmaterial erkennbar. Besonders reizvoll ist der Kontrast zwischen dem organischen Amethyst und der technischen Gehäusegestaltung der Helicoprion. Die 12 verschraubten Elemente der Lünette, die polierten Zeiger und Indexe sowie die robuste Wasserdichtigkeit rücken die Uhr in die Nähe einer sportlichen Alltagsuhr. Gleichzeitig verlangt das Zifferblatt handwerkliche Präzision: Laut Heinrich wird der spröde Amethyst zu einer nur 0,5 mm dünnen Scheibe geschnitten, was bei Naturstein besonders bruchanfällig ist. So zeigt die Helicoprion, dass ein echtes Steinzifferblatt nicht zwingend dem Luxussegment vorbehalten sein muss.

Edelstahl, 40,5 mm | Sellita SW200-1, Automatik | ca. 38 h Gangreserve | Beads-of-Rice-Edelstahlband mit werkzeugloser Feinverstellung | 1.019 Euro

Christopher Ward C63 Sealander Turquoise

Christopher Ward: C63 Sealander Turquoise

Christopher Ward: C63 Sealander Turquoise

© Christopher Ward

Mit der C63 Sealander Turquoise bringt Christopher Ward das klassische Thema des Türkis-Zifferblatts in eine betont alltagstaugliche und vergleichsweise erschwingliche Form. Der Türkis zählt zu den traditionsreichen Schmucksteinen der Uhrmacherei; seine helle, teils wolkige Farbigkeit reicht von sattem Blau bis zu grünlichen Nuancen und wird häufig von dunkleren Adern durchzogen. Gerade diese Unregelmäßigkeiten machen seinen Reiz aus: Jedes Blatt zeigt eine eigene Zeichnung und wirkt dadurch deutlich lebendiger als ein lackiertes Zifferblatt in ähnlicher Farbe. Die Sealander bleibt dabei bewusst schlicht. Das 36-mm-Gehäuse, die polierten applizierten Indizes und das zurückhaltende Drei-Zeiger-Layout lassen dem Stein die Bühne, ohne die Uhr in Richtung Schmuckuhr zu verschieben. So entsteht eine sportlich-elegante Alltagsuhr, die das Thema Steinzifferblatt nicht über Edelmetall oder Haute Horlogerie definiert, sondern über die unmittelbare Wirkung des Materials. Die Turquoise-Version ist Teil einer kleinen Serie von vier Steinblattmodellen, zu der auch Varianten mit Malachit, Tigerauge und Charoit gehören.

Ref. C63-36A3H1-S00B1-B1 | Edelstahl, 36 mm | Sellita SW200-1, Automatik | 38 h Gangreserve | Consort-Fünfgliederband aus Edelstahl | limitiert auf 150 Exemplare | 1.340 Euro
Zenith Arnold & Son Louis Vuitton Audemars Piguet Audemars Piguet Royal Oak Czapek Luxusuhren

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