160 Stunden für ein Zifferblatt: Chopard L.U.C Full Strike als Unikat zum Día de los Muertos
Zum 13. Mal widmet Chopard dem mexikanischen Tag der Toten ein Unikat. Diesmal trägt die preisgekrönte Minutenrepetition L.U.C Full Strike eine Calavera, die aus Roggenstroh und Eierschalen zusammengesetzt ist. Letzteres hat die Manufaktur noch nie auf einem Zifferblatt verwendet. Seit 2016 gilt die L.U.C Full Strike als das akustische Aushängeschild der Chopard Manufacture in Fleurier. Sie war die erste Minutenrepetition, die das Haus vollständig selbst entwickelt und gefertigt hat, und brachte 2017 die Aiguille d’Or des Grand Prix d’Horlogerie de Genève ein, den Hauptpreis des Wettbewerbs. Dass Chopard ausgerechnet dieses Modell als Basis für die 13. Ausgabe seiner jährlichen Día-de-los-Muertos-Serie wählt, ist folgerichtig: Die Reihe war schon immer als Bühne für anspruchsvolle Uhren gedacht. Neu ist die Materialkombination auf dem Zifferblatt.
Eierschale als Premiere
Das Zifferblatt besteht aus massivem Roségold und entsteht vollständig in den hauseigenen Ateliers. Das Motiv ist die Calavera, der stilisierte Schädel, der im mexikanischen Totenkult für den Kreislauf des Lebens steht und zugleich an die Vanitas-Tradition der europäischen Kunst anknüpft. Umgesetzt ist sie in zwei Marketerie-Techniken, die beide als selten gelten: Stroh in tiefem Blau und, erstmals bei Chopard, Eierschale. Der Aufwand lässt sich beziffern. Mehr als 70 Einzelteile werden eingesetzt, das Motiv benötigt 160 Arbeitsstunden. Das Roggenstroh stammt aus französischem Anbau und wird von Hand gespalten, zugeschnitten und in unterschiedlichen Richtungen gelegt. Genau darin liegt der eigentliche Reiz der Strohmarketerie: Die Ausrichtung der Halme bestimmt, wie das Licht reflektiert wird, sodass die Konturen des Schädels allein über die Faserrichtung gezeichnet werden. Die Eierschalen bilden Augenhöhlen und Zähne. Sie werden nach Farbton sortiert, gereinigt, getrocknet, von Hand gebrochen und Fragment für Fragment gesetzt. Interessant ist die Gestaltung der Augenhöhlen: Zur Mitte hin bleibt mehr schwarzer Lack sichtbar, nach außen verdichten sich die Schalenfragmente. So entsteht ein Verlauf, der ohne Farbe auskommt und nur über die Dichte des Materials funktioniert. Abschließend wird die Fläche lackiert und planpoliert. Hinzu kommen Goldarbeiten. Der Schnurrbart der Calavera ist ein separates, handgraviertes Goldelement mit satinierter Fläche und erhabenem L.U.C-Chopard-Schriftzug. Rund um das Zifferblatt führen Ziselierungen die Konturen des Motivs weiter. Diese Struktur, die die Maserung der Strohintarsien aufnimmt, setzt sich auf Lünette, Gehäusemittelteil und Krone fort. So werden Zifferblatt und Gehäuse gestalterisch zu einer Einheit verbunden.
Saphir-Tonfedern, Stroh-Intarsien: Chopards Calavera-Repetition
ChopardWarum das Zifferblatt so frei bleiben kann
Auffällig ist, wie wenig Anzeige dem Motiv im Weg steht. Stunden und Minuten laufen über vergoldete Fusée-Zeiger aus der Mitte, bei zwei Uhr sitzt die konzentrische Gangreserveanzeige für Gehwerk und Schlagwerk mit Dauphine-Zeigern. Die Chemin-de-fer-Minuterie ist nicht auf das Zifferblatt gedruckt, sondern auf das Saphirglas graviert. Für eine Marketerie-Arbeit ist das ein entscheidender Vorteil, so bleibt die Intarsienfläche ungestört. Das Saphirglas spielt bei dieser Uhr ohnehin die Hauptrolle. Chopards patentierte Monoblock-Konstruktion fertigt Uhrglas und Tonfedern aus einem einzigen Saphirblock, ohne Schrauben, Löt- oder Klebestellen. Das Glas wird damit zum Resonanzkörper und gibt die Schwingungen direkt ab. Der Klang hängt also nicht vom Gehäusematerial ab, wie es bei klassischen Repetitionen mit Stahltonfedern der Fall ist. Das ist der technische Kern, für den die Full Strike 2017 ausgezeichnet wurde.
Das Besondere am Kaliber L.U.C 08.01-L
Das Handaufzugswerk besteht aus 533 Komponenten, misst 37,20 Millimeter im Durchmesser und 7,97 Millimeter in der Höhe. Es schwingt mit 4 Hertz (28.800 A/h)und bietet 60 Stunden Gangreserve. Die Unruhspirale besitzt eine Phillips-Endkurve, Platine und Brücken sind aus Neusilber gefertigt und mit Genfer Streifen dekoriert. Das Werk trägt das Genfer Siegel, das unter anderem verlangt, dass Montage, Regulierung und Gehäusefertigung im Kanton Genf erfolgen. Fünf Patente schützen die Konstruktion. Neben dem Monoblock und einer Unruh mit variablem Trägheitsmoment betreffen drei davon direkt das Schlagwerk. Eine Kupplungswippe blockiert das Räderwerk des Schlagwerks, während die Zeitinformation abgetastet wird, damit die Gangreserve des Gehwerks nicht leidet. Ein Mechanismus zur Bewegung der Rechen sorgt dafür, dass Stunden, Viertelstunden und Minuten ohne Pausen aufeinander folgen. Gerade dieser Punkt unterscheidet exzellente von durchschnittlichen Repetitionen: Lange Lücken zwischen den Schlagfolgen erschweren das Mitzählen.
Auch die Auslösung ist durchdacht. Der Drücker lässt sich betätigen, unabhängig davon, ob das Schlagwerk gerade läuft, ohne dass in den laufenden Ablauf eingegriffen wird. Das schützt den Mechanismus vor Bedienfehlern, einer der klassischen Schwachstellen von Repetitionsuhren. Für die Edition 13 hat Chopard einige Werkteile farblich angepasst. Die Hämmer, die Brücke über den Schalträdern des Schlagwerks und die Trommel des Fliehkraftreglers tragen eine blaue CVD-Beschichtung und greifen so das Blau der Strohmarketerie auf. Sichtbar ist das durch den handgravierten Gehäuseboden mit Sichtfenster.
Kaliber L.U.C 08.01-L, Genfer Siegel, 42,5 mm Roségold: Wie Chopard Schlagwerk und seltene Marketerie in einem Unikat verbindet.
ChopardHandwerk, das dem Klang Platz lässt
Das Gehäuse aus 18 Karat Roségold, bei Chopard als ethisches Gold bezeichnet, misst 42,5 Millimeter bei 11,55 Millimetern Höhe. Für eine Minutenrepetition mit eigenem Resonanzsystem sind das moderate Maße. Die Krone hat einen Durchmesser von 8,80 Millimetern. Am handvernähten, cognacbraunen Alligatorlederband sitzt eine ebenfalls handgravierte Dornschließe in Roségold. Die Referenz lautet 161947-5007, der Preis ist auf Anfrage erhältlich.
Die Edition 13 erscheint im Jahr, in dem die Chopard Manufacture ihr 30-jähriges Bestehen feiert und mit der L.U.C Grand Strike ihre bislang komplexeste Uhr vorgestellt hat. Vor diesem Hintergrund zeigt das Unikat die zweite Kompetenz des Hauses, die oft im Schatten der Werkentwicklung steht: ein eigenes Team für Métiers d’Art, das Email, Handguilloche und Marketerie im Haus beherrscht. In Kombination mit einer Repetition, deren Klang von einem Saphirblock statt vom Gehäuse bestimmt wird, ergibt sich eine stimmige Konstruktion, die Handwerk und Technik nicht einfach nebeneinanderstellt.