Rudis Sylva RS11: Doppelunruh-System "Harmonious Oscillator" im quadratischen Gehäuse
Watches and Wonders 2026
Die 2006 von Jacky Epitaux gegründete und im Schweizer Jura beheimatete Marke Rudis Sylva stellt auf der Watches and Wonders 2026 die RS11 vor: In der Uhr treffen der von Rudis Sylva patentierte Harmonious Oscillator, ein rechteckiges Gehäuse, aufwendige Handfinissierungen und eine Farbwahl aus dem violetten Spektrum zu einer einzigartigen Uhr zusammen.
Harmonious Oscillator: alternative Regulierung
Im Zentrum der RS11 arbeitet ein Reguliersystem, das sich bewusst von klassischen Prinzipien der Uhrmacherei absetzt. Der Harmonious Oscillator ersetzt die herkömmliche einzelne Unruh durch zwei vollständig ausgeführte, gezahnte Unruhen, die mechanisch miteinander gekoppelt sind und von einer gemeinsamen Hemmung angetrieben werden. Das Prinzip kehrt eine zentrale Regel traditioneller Konstruktionen um: Während Uhrenkonstrukteure zusätzliche Lasten auf der Unruh normalerweise vermeiden, setzt Rudis Sylva gezielt auf diese Kopplung. Durch die Verbindung beider Systeme gleichen sich Gangabweichungen unmittelbar aus. Das Ergebnis ist eine stabilere Amplitude sowie eine kontinuierliche Korrektur von ungewollten Lageeinflüssen. Die beiden Unruhn sind in eine Käfigkonstruktion integriert, die sich einmal pro Minute dreht. Damit erinnert die Funktion in ihrer Wirkung an ein Tourbillon, folgt jedoch einem eigenständigen technischen Ansatz, der nicht auf Rotation allein, sondern auf gegenseitige Synchronisation setzt.
Rudis Sylva: RS11 in Titan
Rudis SylvaWerkarchitektur und Aufbau
Das Kaliber der RS11 basiert auf einer offenen Architektur, die die mechanischen Abläufe sichtbar macht. Die Grundplatine ist so gestaltet, dass sie die beiden Federhäuser integriert und zugleich Raum für den zentral positionierten Oszillator schafft. Auffällig ist die Gestaltung der Brücken und Durchbrüche: Die Konstruktion wirkt organisch, mit fließenden Übergängen und gezielt gesetzten Öffnungen, die Einblick in das Räderwerk geben.
Handwerkliche Finissierung
Neben der technischen Konstruktion legt Rudis Sylva großen Wert auf eine handwerkliche Finissierung, in die viel Handarbeit und das Können von Meistern ihres Fachs stattfinden. Die RS11 wird in zahlreichen Arbeitsschritten von Hand veredelt: So ist die Grundplatine ist mit einer aufwendig auf alten Maschinen von Hand ausgeführten Guillochierung versehen, bei der ein Muster entsteht, das sich aus vielen kleinen Pyramiden zusammensetzt. Die Platinen der beiden Prototypen, die Rudis Sylva auf der Watches and Wonders 2026 vorstellte, wurden vom Handwerkskünstler Georges Brodbeck guillochiert, der für seine Kunst bereits mit dem begehrten Gaïa-Preis des Internationalen Uhrenmuseums in La Chaux-de-Fonds ausgezeichnet wurde. Darüber hinaus werden sämtliche Kanten der Brücken von Hand angliert und poliert, wodurch scharfe, glänzende Fasen entstehen. Für die Politur verwendet Rudis Sylva Enzianholz, das auf Wiesen in Höhen von 1.000 Metern zu finden ist und im Spätherbst getrocknet wird. Allein das Anglieren der Brücke des Harmonious Oscillators, die zahlreiche Innenwinkel aufweist, erfordert eine konzentrierte Arbeit von mindestens 25 Stunden.
Der Harmonious Oscillator im quadratischen Gehäuse: Rudis Sylva RS11
Rudis SylvaGehäuse in Quadratform
Statt eines runden Korpus bildet diesmal ein quadratisches Titangehäuse mit 41 mm Kantenlänge die Bühne für den Harmonious Oscillator. Auf ihn fällt unweigerlich der erste Blick beim Betrachten der Uhr – gefolgt vom dezentralen, bei 12 Uhr platzierten Zifferblatt für Stunden und Minuten. Dieses zeichnet sich nicht nur durch seine kreissegmentförmige Aussparung aus, die dem Harmonious Oscillator Platz macht, sondern vor allem durch seinen Farbton in schimmerndem Lila. Demgegenüber sind Brücken und Platine in dunklem Violett gehalten. Die Sekundenanzeige übernimmt schließlich ein kleiner, ebenfalls lila ausgelegter Pfeilzeiger, der in den Harmonious Oscillator integriert ist. Damit der Träger oder die Trägerin der Uhr möglichst viel von dem spektakulären Handaufzugskaliber mit 70 Stunden Gangreserve sehen kann, wird das gewölbte Deckglas durch einen Glasboden sowie einen gläsernen Einsatz in der gehäuseflanke ergänzt. Alle sind aus beidseitig entspiegeltem Saphirglas gearbeitet.
Neben der hier gezeigten Titanversion wird es auch eine Variante in Roségold geben. Von beiden wird Rudis Sylva zwischen 10 und 20 Exemplare pro Jahr fertigen, eine offizielle Limitierung gibt es nicht. Die Preiseliegen bei 200.000 Schweizer Franken für die Titanuhr bzw. 250.000 Franken für das Roségoldmodell.