Modellpflege mit System: Tudor strafft das Portfolio und fünf Linien ein
Mit den Neuheiten der Watches & Wonders 2026 hat Tudor nicht nur seine Kollektionen weiterentwickelt, sondern gleichzeitig auch mehrere etablierte Modelle aus dem Programm genommen. Diese Entscheidungen wirken auf den ersten Blick unspektakulär, folgen jedoch einer klaren strategischen Linie: Vereinfachung des Sortiments, technische Aufwertung und stärkere Differenzierung innerhalb der Modellreihen. Besonders auffällig ist dabei, dass es nicht nur einzelne Referenzen betrifft, sondern ganze Varianten und Linien neu geordnet werden.
Black Bay 58 Blue – der vielleicht wichtigste Abschied
Der prominenteste Wegfall betrifft die Black Bay 58 Blue. Seit ihrer Einführung im Jahr 2020 galt sie als eine der beliebtesten Varianten innerhalb der Kollektion – vor allem wegen ihres ausgewogenen 39-Millimeter-Gehäuses und der markanten blauen Farbgebung.
Ihr Verschwinden ist jedoch weniger überraschend, als es scheint. Mit der neuen Generation der Black Bay 58, die bereits 2025 vorgestellt wurde und inzwischen mit modernisiertem Design sowie METAS-zertifizierten Master-Chronometer-Werken erhältlich ist, wirkte die blaue Version zunehmend wie ein Relikt der vorherigen Generation. Die Entscheidung ist daher konsequent: Statt paralleler Produktlinien setzt Tudor auf eine klare, technologisch einheitliche Basis. Dass eine überarbeitete blaue Variante zurückkehren könnte, gilt als wahrscheinlich.
Auch die klassische Black Bay S&G verschwindet aus dem Sortiment. Die 2017 eingeführte zweifarbige Variante war die erste Tudor, die den Begriff „Steel & Gold“ etablierte und damit eine neue Designsprache in die Kollektion brachte.
Interessant ist, dass das S&G-Konzept selbst bestehen bleibt – allerdings in anderen Modellen wie Chronographen oder GMT-Varianten. Das ursprüngliche Drei-Zeiger-Modell mit Datum wird hingegen eingestellt, womit eine Ära innerhalb der Black-Bay-Linie endet.
Pelagos FXD: Kooperationen mit Ablaufdatum
Gleich mehrere Modelle der Pelagos-FXD-Reihe wurden 2026 gestrichen. Dazu zählen die Varianten aus der Kooperation mit Alinghi Red Bull Racing sowie der Pelagos FXD Chrono „Yellow“.
Während Letztere ohnehin als limitierte Edition mit 300 Exemplaren konzipiert war, fällt die Einstellung der Alinghi-Modelle stärker ins Gewicht. Sie standen für Tudors größer werdende Präsenz im professionellen Segelsport und verbanden funktionale Toolwatch-DNA mit modernen Materialien wie Carbon. Dass diese Modelle verschwinden, deutet darauf hin, dass Tudor seine Partnerschaften vermutlich neu ausrichtet oder künftig andere Schwerpunkte setzt.
Tudor Royal: komplett erneuert statt angepasst
Noch deutlicher fällt die Neuausrichtung bei der Royal-Kollektion aus. Die bisherigen Größen von 28, 34, 38 und 41 Millimetern wurden vollständig gestrichen und durch eine neue Generation ersetzt.
Die neue Linie kommt in 30, 36 und 40 Millimetern – und vor allem mit verbesserten Uhrwerken, darunter Chronometer-zertifizierte Kaliber. Damit positioniert Tudor die Royal deutlich hochwertiger als zuvor und schließt die Lücke zwischen sportlicher Alltagsuhr und klassischer Dresswatch.
Klare Strategie statt radikaler Einschnitte
Die Tudor-Discontinuations 2026 zeigen kein abruptes Umschwenken, sondern eine gezielte Weiterentwicklung. Ältere Generationen weichen neuen technischen Standards, während limitierte Modelle planmäßig auslaufen. Auffällig ist dabei die Balance zwischen Kontinuität und Erneuerung: Erfolgreiche Konzepte werden nicht aufgegeben, sondern modernisiert oder in andere Linien überführt.
Für Sammler bedeutet das vor allem eines: Einige der eingestellten Modelle – allen voran die Black Bay 58 Blue – könnten schon jetzt beginnen, auf dem Sekundärmarkt an Bedeutung zu gewinnen.